Ein Pavian in der Jungen Welt

Ronald Kohl lässt als Freund der Palästinenser beim Schreiben seiner Filmrezension „Sharon von Gaza“ in der Berliner Jungen Welt vom 11. Februar 2010 seinen Ressentiments freien Lauf und schreckt nicht davor zurück, das Alte Testament selektiv zu zitieren, um zu beweisen, wie unmenschlich die Juden schon immer waren…

Von Karl Pfeifer

So liefert die Junge Welt wieder einmal ein Beispiel für sekundären Antisemitismus. Die Juden bedrohten demnach schon vor Jahrtausenden die Ägypter und – da staune man – sie beachteten nicht die vierte Genfer Konvention.

Das liest sich dann in der Berliner Jungen Welt so: „Gemäß der vierten Genfer Konvention sind Kollektivstrafen verboten. Im Alten Testament gehören sie zum Programm. »Wenn du mein Volk nicht ziehen läßt, lasse ich Ungeziefer auf dich los«, spricht Jahwe zum Pharao. »Die Häuser in Ägypten werden voll Ungeziefer sein. (…) Ich mache einen Unterschied zwischen meinem Volk und deinem Volk.«

Ronald Kohl schreckt nicht davor zurück ein Bibelzitat vollkommen aus dem Kontext zu reißen. Dass die Juden in Ägypten als Sklaven gehalten wurden, wissen die meisten der in der DDR sozialisierten Leser der Jungen Welt nicht.

Kann man sich vorstellen, dass in der Jungen Welt mal was aus dem Koran zitiert werden würde, um zu beweisen, dass Muslime, die zur Zeit in Darfur (Sudan) einen regelrechten Genozid durchführen, schon immer dazu neigten?

Es geht um eine Schweiz/Qatar Koproduktion in dem Gaza gezeigt wird, wo es kaum noch Tiere im Zoo gibt, und wo – das ist Hamas-Humor – der einzige Pavian Sharon genannt wird. Man stelle sich den Zorn und die Aufregung vor, wenn man ein Tier im Tel Aviver Zoo Arafat oder Haniya nennen würde. Aber dass der Pavian Sharon genannt wird, das findet der Schreiberling in Ordnung: „Die jugendlichen Tierpfleger machen sich immer wieder einen Jux daraus, Sharon in seinem stählernen Käfig auf die Palme zu bringen. Und der springt auch jedes Mal darauf an. Er dreht Achten, kreischt und rüttelt wie von Sinnen an den Gitterstäben. Würde er sich anders verhalten, gäbe es vermutlich keinen Grund, ausgerechnet Sharon am Leben zu halten…“

Da fühle ich tiefes Mitleid mit dem gequälten Pavian, der vielleicht intelligenter als der Schreiber dieser Rezension ist, der den Juden vorwirft, vor Jahrtausenden nicht die 1949 beschlossene Genfer Konvention beachtet zu haben.

25 Kommentare zu “Ein Pavian in der Jungen Welt

  1. Da wird mal wieder total ausgeblendet, daß die Isolation des Gazastreifens eine Reaktion auf verstärkten Terror war – aber aus Sicht der Israelhasser verstößt es ja gegen die Menschenwürde, Terroristen am Ausüben ihrer Gewalttaten zu hindern…

  2. @Serdal@ für wie dumm und uninformiert halten Sie eigentlich die Leser von Hagalil?
    Nach der Räumung hat Hamas weitergemacht mit Raketen abfeuern und die Grenze war niemals dicht. Die Ernährung, die Energie und alles was lebensnotwendig ist wird und wurde aus oder über Israel importiert in den Gazastreifen.
    Tatsache ist, Hamas erzieht bereits die Kinder dazu Shahids zu sein. Hamas betreibt Nazipropaganda und behauptet, die Zionisten wären verantwortlich für den Ersten und den Zweiten Weltkrieg.
    Um dann gleichzeitig im Ausland darüber zu jammern, wie schlecht es ihnen geht, wohinter die Frustration stecken dürfte, dass sich Juden nicht abschlachten lassen.

  3. total geräumt und die grenzen dicht gemacht, dass sollten Sie vielleicht auch erwähnen. Sie sollten doch am besten wissen, dass die Wirtschaft komplett am Boden liegt, da keine Güter gehandelt werden können.

    Sie versuchen jeden in eine Schublade zu stecken. In welche Schublade gehören Sie?

  4. Serdal, Israel hat den Gazastreifen total geräumt. Hamas folgerte, dass Israel schwach sei und setzte seine Raketenangriffe gegen Israel innerhalb der grünen Waffenstandslinie von 1949 fort.
    Also sind die gegenwärtigen Machthaber im Gazastreifen für die Lage dort verantwortlich. Kein Staat kann dulden, dass seine Bürger mit Raketen beschossen werden.
    Wenn also das Hamas TV Kinder dazu erzieht, dass sie Shahids werden, wenn Hamas die ärgsten nazipropaganda auch auf ihrer englischsprachigen Website wiederholt
    http://www.paltelegraph.com/columnists/peter-eyre/4152-the-rise-and-fall-of-baroness-jenny-tonge-a-true-friend-of-palestine
    Dann begeistern sich einige Linksradikale und natürlich die Neonazi für Hamas sowie die Islamisten. Zu welcher Kategorie gehört wohl Serdal?
    Nun bekennt sich Hamas zur demographischen Waffe gegen Israel und ich werde mir nicht die Mühe machen, das passende Zitat zu suchen. Fakt ist, kein Land mit einer derartigen Bevölkerungsvermehrung kann Probleme bewältigen.

  5. @Pfeifer
    Warum verlieren Sie keine Worte zu den Verhältnissen der Bevölkerung in Gaza?

    Was nützen Spenden wenn die Grenzen geschlossen sind? Wie soll der Aufbau vonstatten gehen? Ohne Baustoffe ist ein Wiederaufbau nicht möglich. Es fehlt aber auch an vielen weiteren essentiellen Dingen wie Strom, Wasser,..

    Siehe hierfür Ärzte ohne Grenzen vom 24.12.2009

    „und wenn Hamas die armen Frauen dazu anhalten würde nicht 10-15 Kinder auf die Welt zu bringen, dann müsste keiner mehr im Gazastreifen in Elend leben.“
    So, So Sie führen also das ganze Elend auf Fertilitätsrate zurück? Sie vergessen wohl, dass Israel Besatzungsmacht ist (und somit die Grenzen kontrolliert) und blenden den Kriegseinsatz 2008/09 einfach aus.

    Und woher nehmen Sie das Wissen, was die Hamas den ARMEN Frauen rät?

  6. @Olaf

    Mir ging es darum, allgemein die Weitverbreitetheit der Vorurteile gegenüber dem Alten Testament darzulegen. Ich bezog mich mit „akademischer Oberschicht“ weniger auf das von Herrn Pfeifer und Ihnen zu Recht kritisierte Blatt, als auf gedankenlose Repräsentanten der deutschen politischen, geistigen und geistlichen Eliten. An solche ‚Persönlichkeiten‘ hatte ich gedacht, die sich zu wenig der Tatsache bewusst sind, dass ihr Verhalten in der Öffentlichkeit für viele Bürger dieses Landes Vorbildcharakter hat.

    RS

  7. Koshiro, wenn die Hamas die Menschenrechte im Fall ihres Gefangenen Shalit respektieren würde und dem internationalen Roten Kreuz ermöglichen würde ihn zu besuchen, wenn Hamas nicht einen großen Teil der Spenden für Waffenkauf verwenden würde, wenn Hamas sich um die eigene Bevölkerung kümmern würde, wenn Hamas also wirklich friedlich neben Israel leben möchten, und wenn Hamas die armen Frauen dazu anhalten würde nicht 10-15 Kinder auf die Welt zu bringen, dann müsste keiner mehr im Gazastreifen in Elend leben. Man sieht ja den Unterschied zu der Westbank.
    Auf der Website
    http://madrasaoftime.wordpress.com/2010/02/12/wartet-mal-25-jahre-aber-dann/
    findet man einen in der FAZ am 12.2.2010 erschienenen Artikel über den Fall des Orientalisten Rudi Paret, ich zitiere daraus “Rudi Paret beschreibt in seinem Buch, wie im siebten Jahrhundert drei jüdische Stämme von Mohammed im Siedlungsgebiet in Medina nacheinander “angegriffen, belagert und niedergekämpft” wurden. Alle Männer, so führt er aus, “sollten dem Tod verfallen”, die Frauen und Kinder wurden versklavt, etwa sechshundert “abgeschlachtet”. Auffällig ist dann die Art und Weise, in der Paret diese geschichtlichen Vorgänge einer ausführlichen Beurteilung unterzieht. Es sei, so meint er, gar nicht leicht, das richtige Urteil zu finden. Man neige von vornherein dazu, Mohammed und den Muslimen mehr Schuld zuzuschieben als den Juden. Das aber hält er für voreilig und kommt auf den Punkt. Die Juden Medinas hätten jederzeit gefährlich werden können. Zudem seien die Gepflogenheiten in der damaligen Kriegsführung in mancher Hinsicht brutaler gewesen, als wir es im “Zeitalter der Genfer Konventionen” gewohnt seien. So sei Mohammed in der Meinung seiner Zeit zwar für das Fällen von etlichen Palmen schuldig gesprochen worden, nicht aber dafür, dass er an einem einzigen Tag mehr als ein halbes Tausend Juden “über die Klinge hat springen lassen”.”
    Dreizehn Jahre nach dem Holocaust fällt Paret in seiner Beschreibung des Massakers an den Juden im siebten Jahrhundert plötzlich in die Diktion des nationalsozialistischen Antisemitismus. Er spricht von Juden als “Gefahrenherd”, “Fremdkörper” und beschwört eine Klärung der angeblichen “Judenfrage”.
    Und so schaut es in vielen deutschen (und österreichischen Köpfen) aus. Man wirft dem Alten Testament vor die Genfer Konvention nicht beachtet zu haben, bringt aber Verständnis für die Abschlachtung der Juden durch Mohammed auf. Warum so weit in die Vergangenheit gehen? Viele verstehen und entschuldigen Terror, wenn dieser sich gegen israelische Zivilisten – Kinder, Frauen und alte Menschen – richtet, und verharmlosen diesen. Da leistet sich die „Junge Welt“ einiges.
    Der Artikel von Raphael Gross ist auch deswegen lesenswert, weil er die Vergangenheit während der Nazizeit des in der BRD als Prof. fungierenden Rudi Paret beleuchtet.

  8. An Robert Schlickewitz,
    die Junge Welt war das „Zentralorgan der Freien Deutschen Jugend“, jener kommunistischen Jugendorganisation in der DDR. Sie und ihre Schreibertradition haben überlebt. Ein gewisser Teil der Bevölkerung besäuft sich geistig an solch einem Schmarrn wie andere an Landserheften. Von einer akademischer Oberschicht würde ich bei den Schreiberlingen dieser Publikationen nicht ausgehen.

    Viele Grüße nach Bayern,
    Olaf

  9. Den Artikel von Ronald Kohl habe ich gelesen und ich kann verstehen, wenn er unangenehm berührt, da er das Instrumentarium ‚Kollektivstrafe‘, welches in der Tat in Israel aufs selbstverständlichste genutzt wird, in direkten Zusammenhang mit einzelnen Passagen der Torah stellt, ohne weitere Erklärung oder Relativierung.

    Da kann man nun wirklich eine Verunglimpfung des Judentums an und für sich rauslesen.

    Die Anwendung von Kollektivstrafen scheint aber in Israel tatsächlich mehr als selbstverständlich zu sein. Die Belagerung Gazas und auch die Operation ‚Gegossenes Blei‘ – sind nichts anderes als umfassende, völkerrechtswidrige und brutale Kollektivstrafen.

    Ja, ich kann verstehen, dass es nicht akzeptabel ist, dass dauernd Kassams auf den Süden Israels fliegen – aber es ist auch nicht akzeptabel, dass die Israelis den Gazastreifen dauernd unter Krantäne stellen und dies ist ein permanenter Zustand, seit Beginn der 90er, der seit 2000 und noch einmal 2006 massiv verschärft wurde.

    Der Abzug der Siedler eröffnete nur eine vorübergehende FataMorgana von echter Ablösung – sie hat tatsächlich niemals stattgefunden. Die Bewohner Gazas erhielten lediglich etwas mehr Platz. Das war alles.

    Die Bewohner Gazas brauchen ein echtes Ende der Besatzung, sie brauchen offene Grenzen und keine Operationen ‚Gegossenes Blei‘, keine israelische Marine, die ihre Fischer vor der Küste abknallt und keine israelischen, militärischen Übergriffe auf ihr Gebiet. Auch die Hamas hätte man durchaus anerkennen können, insofern sie sich an bestehende Verträge gebunden fühlt und keinerlei Anschläge auf Zvilisten verübt (Hatte sie zur Zeit ihrer Wahl tatsächlich auch nicht mehr gemacht), gleiches sollte man aber bitte auch von der israelischen Regierung erwarten.

    All dies findet und fand unvermindert auch nach dem Abzug der Siedler statt und da muß man sich über die Kassams nicht wundern.

    Die jetztige Belagerung ist beispiellos in der Geschichte und da man von israelischer Seite keinerlei Anstalten macht, diese zu beenden, ja tatsächlich über neue Überfälle auf dieses hermetisch, abgeriegelte Gebiet mitsamt der hochmodernen Kriegsmaschinerie, die Israel zur Verfügung steht, nachdenkt – ist das Schweigen und die Passivität der internationalen Gemeinschaft und auch die penetrant geäußerte Solidarität der meisten jüdischen Verbände ein echtes Armutszeugnis.

    Irgendwann darf man sich dann auch nicht mehr über solche Artikel wundern. Es wäre schön, wenn viele Juden in der Welt begreifen würden, dass die israelische Politik, die sich selbst als Verkörperung allgemein jüdischer Interessen versteht, mittlerweile massiv zur Verunglimpfung des Judentums an und für sich beiträgt.

    Mehr Kritik nicht nur von Seiten der internationalen Gemeinschaft (finde ich auch armselig), sondern von Juden selbst – tut Not.

    Zur Rudi Paret kann ich mir so kein Urteil bilden. Was man im Netz findet bezieht sich, soweit ich das sehen kann, allgemein auf Bücher, die er schrieb und in wieweit, das aus dem Zusammenhang gerissen ist oder berechtigt ist, könnte ich erst für mich beurteilen, wenn ich es aus der Feder des Autors selbst lese.

    Tatsache ist, dass, ob nun in Torah, Koran oder Bibel, sich alle möglichen ButcherStories finden lassen und wer sich in fundamentalistischer Weise darauf einlässt, hat natürlich mit der neuzeitlichen Etablierung des Völkerrechts und dem humanistischen Menschenbild, dass die Wichtigkeit und den Wert des Individiums und die proklamierte grundsätzliche Gleichwertigkeit aller Menschen betont, nichts mehr zu tun.

    Gleichwohl gibt es in allen Religionen genauso wertvolle, humanisierende und sehr positiv kulturstiftende Elemente.

    Für mich ist Religion ganz allgemein genauso edel und schlecht wie der Mensch an und für sich – es hat halt nur eine größere Dimension und es kommt halt darauf an, was man draus macht.

  10. ‚Es (das “Stigmatisierung der Juden, auf Grund einzelner Passagen des Alten Testaments”) wurde gemacht, das kannst du mir glauben, und dass du das nicht sowieso schon weißt, glaube ich dir nicht.‘

    Ich habe damit gesagt, dass ich das Urteil über den Artikel nicht fällen möchte, ehe ich ihn gelesen habe – das ist alles.

    ‚Die Grenzen gehen nicht zwischen den Völkern sondern zwischen den Dummen und den Weisen‘

    Das sehe ich auch so.

    ‚Warum sollte es nicht auch jüdische Deppen, Nationalisten, Fundamentalisten geben?‘

    Da gebe ich Dir auch völlig recht Pat (diese Deppen habe allerdings einen nicht unerheblichen Einfluss auf das Geschehen in Israel/Palästina und ich denke, dass es endlich aufhören muß, dass das nur hinter vorgehaltener Hand kritisiert wird, denn das ist mit ein Grund für ihren ‚durchschlagenden‘ Erfolg), weshalb ich auch schrieb, dass auch einzelne Torah-Passagen, und damit auch solche die diese tatsächlich in der von mir dokumentierten Weise (miß)nutzen, keine Rückschlüsse auf Juden im Allgemeinen zulassen. Diese Art zu denken an und für sich ist faschistoid und deckt sich nicht mit meiner humanistischen Grundgesinnung und auch nicht mit meiner Freude darüber, dass die Welt Gott sei Dank (noch) kulturell vielgestaltig und bunt ist (mit allen Schatten, die es auf die ein oder andere Art und Weise überall gibt).

    ‚Jane, bleiben Sie doch mal ausnahmsweise beim Thema. Was sich der Schreiber in der Jungen Welt erlaubt hat, ist sekundärer Antisemitismus‘

    Gut – ich werde mir die Artikel jetzt erst mal zu Gemüte führen, denn zugegebenermaßen habe ich den noch nicht gelesen. Aus den von mir dargelegten Gründen, ist das Thema Israel betreffend – Kollektivstrafen – allerdings mehr als aktuell, denn israelische Politik geht dauernd und umfassend und reichlich großzügig mit Kollektivstrafen einher, ob man das nun mit der Torah oder gar nicht begründet. Es gibt religiöse Juden, die sich darin auch durch die Torah gerechtfertigt sehen, dass Auslegung und Interpretation verschiedener Glaubensauffassungen jedoch sehr unterschiedlich sind, und auch damit natürlich nicht die höchst individuellen und auch säkularen Standpunkte umfasst, ist mir völlig klar.

    Jetzt werde ich mich aber erst mal um die Lektüre der betreffenden Artikel bemühen und hoffe, dass sie im Netz zu finden sind.

  11. „Die Namensnennung ‘Sharon’ hat der arme Pavian wirklich nicht verdient, aber ich nehme an, er wird trotzdem ordentlich behandelt, als einziger Pavian, der letzten Tiere im Zoo von Gaza (Falls die Blockade ihm irgendwann nicht auch noch den Rest gibt).“

    Das glaube ich nicht. Im Artikel wird es doch deutlich geschrieben: Man würde den Pavian nicht am Leben erhalten, vulgo keine Lebensmittel an ihn verschwenden, wenn er nicht der Unterhaltung diente, die sein narrisches Verhalten hergibt.

    Der Pavian hat demzufolge natürlich Herrn Pfeifers Mitleid. Die im Artikel erwähnte Not von *Menschen* in Gaza, die verzweifelt versuchen, sich vernünftig zu ernähren, interessiert ihn ebenso natürlich eher weniger. Da muß man schon wissen, wo die Prioritäten liegen.

    Meine liegen etwas anders. Meinetwegen könnten sie dem Viech den Hals umdrehen, es ausstopfen und nach Ägypten vertickern. Daß den Bewohnern von Gaza der freie Import und Export erlaubt wird, ist in meinen Augen ungleich wichtiger. Aber manche Leute haben halt Mitleid mit einem Tier, das man im Zoo eingesperrt hat und gelegentlich reizt, und nicht mit 1,5 Millionen Menschen, die man in einem abgewrackten Küstenstreifen eingesperrt hat und gelegentlich bombardiert.

    P.S.: Falls jemand mal wieder auf den Gedanken kommen sollte, mit einem halben Dutzend Fotos eine Aussage über wie erwähnt 1,5 Millionen Menschen treffen zu wollen, die darüber hinaus noch sämtlichen relevanten Statistiken widerspricht – lassen Sie es gleich. Ihre Gesinnungsgenossen brauchen Sie nicht mehr zu überzeugen und bei allen anderen verfängt diese Art der Scheinlogik sowieso nicht.

  12. Altes-Testament-Bashing gehört für viele Deutsche, selbst solche, die sich der akademischen Oberschicht zugehörig fühlen, zum ‚guten Ton‘ oder es wird geradezu als christliche Bürgerpflicht empfunden.

    Wie sehr dies der Fall ist, konnte man 2009 im deutschen Fernsehen mal wieder in der Intelligenzler-Talkshow „Aufgemerkt! Pelzig unterhält sich“ erleben.

    Da laberte ein dusseliger Moderator, der seine eigene Unkenntnis nur mit Mühe hinter Flapsigkeit verbergen konnte,
    etwas über das Neue Testament, mit dem er „gerade noch etwas anfangen könne“ und stellte es dann dem Alten Testament gegenüber, in abwertender Absicht, voller Vorurteile, in allergrößtem, peinlichstem Nichtwissen um Inhalte und Zusammenhänge.
    Gleich anschließend verhob er sich, um seinen gichtkranken Worthülsen noch zusätzlichen Nachdruck zu verleihen und ganz offensichtlich um die Gunst seiner ‚gleichgeschalteten‘ Zuschauer buhlend, zu der Charakterisierung „Hardcore“.

    Das Alte Testament sei geradezu „Hardcore“.

    Das Publikum schlug sich auf die Schenkel und jubelte, begeistert und in seiner (auf gängigen Vorurteilen, nicht auf Wissen fußenden) Auffassung bestätigt. Endlich hatte es einer gewagt, im legalen Rahmen und in heiterer Atmosphäre das zu sagen, was ‚alle‘ denken und fühlen. Hurrah!

    Sowas kommt an im bundesdeutschen TV, und in der übrigen deutschen Gesellschaft, landauf wie landab.
    Wie sehr es ankommt, konnte man den Reaktionen etwa der hochgeschätzten, allseits beliebten, als künftige Hoffnungsträgerin der einen Spielart des schwer angeknacksten deutschen Christentums gehandelten Ehrengästin des ‚rundumgelungen, bunten Abends‘, den Reaktionen der EKD-Ratsvorsitzenden, Margot Käßmann, entnehmen.

    Sie lachte. Und wie sie lachte.

    Religiöser Dialog, klar, gerne, aber doch nicht hier und heute. Wir wollen lustig sein und unsere deutsche Sau rauslassen, für Dialog ist ‚morgen‘ noch Zeit.

    Ob Frau Käßmann oder Jane oder sonstwer, das ist eben die Realität in unserem geliebten Deutschland.

    RS

  13. Maxim, Yael und Botan,
    Ich schreibe eine Menge über Ungarn, dort gibt es im völkischen Fidesz-Bürgerblock impliziten und expliziten Antisemitismus. Diese – noch – Oppositionspartei ist Mitglied der EVP, des Bündnisses europäischer Volksparteien zu der auch die CDU-CSU gehört.
    Ich tue deswegen aber nicht verallgemeinern. Daher lehne ich auch Ihre Verallgemeinerungen ab, es gibt linken Antisemitismus und damit muss man sich auseinandersetzen, und das tue ich sachlich und konkret, doch nicht alle Linken sind Antisemiten.
    Ich versuche linken und rechten Antisemiten entgegenzutreten und bin immer erstaunt, wie wenig sachlich die meisten Zuschriften sind.

  14. Dieser dummen Antisemitin sollte man endlich Paroli bieten und sie rausschmeissen. Ich verstehe nicht, warum Hagalil so etwas zuläßt. Da kann ich ja gleich zum SS-Kameradentreffen fahren und Heil Hitler schreien. Mit der hat es doch keinen Sinn, die ist unbelehrbar. Nur die armen Palis davon kann diese Type faseln, sonst nicht dahinter. Eine Schande, das die da ein Plattform kriegt!

  15. Mit der zu reden hat doich keinen sinn, die ist so unleherbar wie alle stalinisten. mich wundert das nicht, das sowas in dem kommunistenblatt steht, was kann man da erwarten. das sind antrisemiten. da sollte man nicht darauf eingehen. links liegenlassen. buchstäblich links!

  16. „Jane, bleiben Sie doch mal ausnahmsweise beim Thema.“

    @Herr Pfeifer
    man kennt das leider seit 5 Jahren aus dem Efef unter den unterschiedlichen Pseudonymen der Dame im Forum. Diese Frau ist eine Antisemitin, es lohnt sich nicht, sich mit ihr lange aufzuhalten. Es ist immer und immer wieder dasselbe.
    Dass sowas die altstalinistische und linksextremistische „Junge Welt“ veröffentlicht, wundert mich wenig, etwas anderes kennt man nicht von denen, weder heute noch während der DDR-Diktatur. Der Antisemitismus der DDR findet hier nur logischerweise seinen Fortgang.

  17. Ich kann das einfach nicht ertragen, wenn auch noch Leute mit so einer Antisemitentusse reden. Was Pat sagt ist auch Blödsinn, aber auch Karl. Wie kann man mit solchem Abschaum sich unterhalten! Ich raffs nicht. Das ist doch genau was so eine will. So tun, als wäre sie ein Gesprächspartner. Dabei hat die doch keine Ahnung. Ich krieg so eine Hals. Und Hagalil soll sich auch mal überlegen, wozu das Gut sein soll an so eine Tusse Speicherplatz zu verschwenden.

  18. Jane, bleiben Sie doch mal ausnahmsweise beim Thema. Was sich der Schreiber in der Jungen Welt erlaubt hat, ist sekundärer Antisemitismus und wenn Sie davon ablenken wollen, mit dem Hinweis dass es ja auch unter Juden Rassisten gibt, dann zeigt es, dass mein Text Sie und Ihresgleichen getroffen hat. Denn wann immer kruder Antisemitismus in Deutschland beanstandet wird, kommt die Replik mit dem Alten Testament, Israel, Siedler etc.
    Erinnert mich an die Geschichte aus dem Zweiten Weltkrieg, als die USA Flugzeuge an die Sowjetunion lieferte. Als eine amerikanische Delegation einen sowjetischen Militärflughafen besuchte und feststellte, dass ein paar amerikanische Flugzeuge ohne Motoren abgestellt wurden. Die Antwort der sowjetischen Begleiter war: „Und was ist mit der Unterdrückung der Neger?“

    Doch Jane, meine Kritik geht weiter, heute publizierte die FAZ einen ausgezeichneten Text von Raphael Gross, wie der Orientalist Rudi Paret, den im Koran geschilderten grausamen Mord an Juden verharmlost hat. „Die Juden Medinas hätten jederzeit gefährlich werden können. Zudem seien die Gepflogenheiten in der damaligen Kriegsführung in mancher Hinsicht brutaler gewesen, als wir es im „Zeitalter der Genfer Konventionen“ gewohnt seien. So sei Mohammed in der Meinung seiner Zeit zwar für das Fällen von etlichen Palmen schuldig gesprochen worden, nicht aber dafür, dass er an einem einzigen Tag mehr als ein halbes Tausend Juden „über die Klinge hat springen lassen“ Die Juden – so Paret, mussten massakriert werden, da sie in seiner Sprache, in Medina angeblich einen „Fremdkörper“ darstellten. Er schreibt auch von den Juden als „Fremdkörper“ und dreizehn Jahre nach 1945:“Die Judenfrage als solche war damit noch nicht endgültig geklärt.“

    Und jetzt Jane eine Frage, wann hat je die Junge Welt, auf diesen Sachverhalt aufmerksam gemacht.
    Wer also dem Alten Testament vorwirft, nicht die Genfer Konvention beachtet zu haben, bei Mohammed und dem Koran aber für die Abschlachtung der Juden Verständnis zeigt, bzw. das nicht beanstandet, dem kann man Antisemitismus vorwerfen.
    Also Jane, was konkret haben Sie an meinem Text zu beanstanden? Dass ich den immer wieder geleugneten linken Antisemitismus dokumentiere?

  19. Also Jane, schon die Aussage „wenn das wirklich gemacht wurde“, ist merkwürdig. Es (das „Stigmatisierung der Juden, auf Grund einzelner Passagen des Alten Testaments“) wurde gemacht, das kannst du mir glauben, und dass du das nicht sowieso schon weißt, glaube ich dir nicht. Du hast ja von Herrn Pfeifer ein wunderbares Beispiel vor Augen. Der Rachegott mit „Auge um Auge“ passt auch dazu und von einschlägigen Talmudzitaten, von denen auch das Internet voll ist, ganz zu schweigen.

    Soviel dazu. Dass dies aktuell auch mit Zitaten aus dem Koran geschieht, zeigt nur die Wichtigkeit, daraus zu lernen. Sei nicht so festgefahren. Die Grenzen gehen nicht zwischen den Völkern sondern zwischen den Dummen und den Weisen 😉

    Was du dann über diesen Rabbiner von Chabad – Lubawitsch sagst, ist weniger überraschend. Allerdings ist Chabad eine zwar wachsende, aber dennoch sehr kleine extremistische Gruppierung. Fundamentalistisch, extrem nationalistisch, rassistisch, irgendwie verdummend, ja, stimmt. Und auch, dass sie erstmal freundlich und kinderlieb daher kommen, ja, stimmt auch. Und natürlich gilt diese werbende Freundlichkeit nur für Juden, oder solche die es gerne wären, aber das ist ja noch irgendwie legitim, jeder hat halt so seine Zielgruppe. Chabad – Lubawitsch jetzt aber als typisch jüdisch hinzustellen ist sicher nicht legitim, auch wenn Chabad das selbst gerne tut. Da gehst du diesen Werbern selbst auf den Leim.

    Große Rabbiner, am bekanntesten der Litvak Rav Schach, haben gar bezweifelt, ob man Chabad überhaupt noch als jüdisch bezeichnen kann, oder nur noch „dem Judentum nahe stehend“. Chabad hat zweifellos Erfolg. Auch in Deutschland, wo kaum jemand das Abziehbildchen vom Juden besser repräsentiert. Je weniger sicher sich jemand seines Judentums ist, um so militanter und rücksichtsloser muss er es oft demonstrieren. Aber das ist doch eine allgemein menschliche Schwäche, dass man Unsicherheit mit Getöse verdrängt. Und heute hat Chabad diesen Zulauf, weil eben viele sich unsicher sind. Sonst würde auch der ganze Werberummel nicht so viel bringen.
    Die jüngere Geschichte ist fürchterlich und die moderne Welt sehr komplex. Da ist es doch schön zu wissen, dass es auch ganz einfache Rezepte gibt. Aber wie gesagt, solche Bewegungen gibt es überall. Und überall sind sie gefährlich, das muss jedem aufgeklärten Menschen klar sein.

    Wie alle Fundamentalisten haben diese Leute die eine richtige Antwort, die einzig gültige Wahrheit, längst gefunden, während viele sich noch fragen, was überhaupt die wichtigen Fragen sind. Warum sollte es nicht auch jüdische Deppen, Nationalisten, Fundamentalisten geben?

    Was ich aber auch nicht stehen lassen will, ist, die Aussage, die leider auch Herr Pfeifer so stehen lässt, die Genfer Konvention sei Ausdruck heutiger Menschlichkeit, dem das „Alte Testament“ als hinterwäldlerisch und womöglich grausam gegenüber gestellt wird. Das stimmt so eben absolut nicht, und auch Chabad hat da einiges missverstanden.

    In der „Heiligen Schrift“ stehen nämlich genaue Regelungen über Kriegsrecht, zum Beispiel, dass man keine Bäume abholzen darf, vor einer belagerten Stadt. Dass man die Grundlagen zum eigenständigen Leben des Feindes nicht ausreißen darf. Dass man Gefangene nach einer Frist freilassen muss und so weiter.
    Die Geschichte vom Massaker nach der Landnahme ist talmudisch so nicht zu verstehen. Unter Siedlern und anderen rechtsextremen ist der Name Joschi, Joschua, sehr beliebt, wegen dieses Nichtverstehens dieser komplizierten Passage. Der im Buch Joschua erwähnte Befehl zum Völkermord steht dort nämlich nicht etwa, um erfüllt zu werden, und er wurde auch nie erfüllt, wie auch die Archäologie inzwischen ganz eindeutig bestätigt. Er steht dort um abzuschrecken. Um innezuhalten und erstmal nachzudenken: Sieh‘, wie grausam es sein kann, aber ihr seid so nicht. Zugegeben, es wird kompliziert und da liegt dann auch der Grund, weshalb diese Lehre eine Lehre ist, an der man ein Leben lang zu lernen und zu suchen und zu fragen hat.
    Das Gegenteil von Fundamentalismus.
    Und von einfältiger Einfachheit à la Chabad, oder auch Ronald Kohl, keine Spur.

  20. Einzelne Passagen des Alten Testaments als Grundlage zur Stigmatisierung der Juden im Ganzen zu nehmen, wäre zweifelsohne, falls das tatsächlich so geschehen sein sollte, überhaupt nicht in Ordnung – genauso wenig, wie die Stigmatisierung der Muslime auf Grund mancher Koranzitate, Zitate, die oft aus dem Zusammenhang gerissen werden und zu denen es im selben Buch andere Zitate gibt, die dazu in völligem Widerspruch stehen. Beides gilt für den Koran und für die Torah. Und bei beiden Religionen, lassen sich extremistische Strömungen finden, die aber genau das tun, um ihre Agenda ohne Rücksicht durchzusetzen.

    Auch unter Juden gibt es extremistische Religiöse, die sich ganz bewusst auf entsprechende Zitate aus der Torah verweisen, um das humanitäre Völkerrecht und das Verbot von Kollektivstrafen für Juden für ungültig zu erklären und zwar selbst erklärtermaßen und ganz ausdrücklich:

    ‚Like the best Chabad-Lubavitch rabbis, Manis Friedman has won the hearts of many unaffiliated Jews with his charismatic talks about love and God; it was Friedman who helped lead Bob Dylan into a relationship with Chabad.

    But Friedman, who today travels the country as a Chabad speaker, showed a less warm and cuddly side when he was asked how he thinks Jews should treat their Arab neighbors.

    „The only way to fight a moral war is the Jewish way: Destroy their holy sites. Kill men, women and children (and cattle),“ Friedman wrote in response to the question posed by Moment Magazine for its „Ask the Rabbis“ feature.

    „I don’t believe in Western morality,“ he wrote. „Living by Torah values will make us a light unto the nations who suffer defeat because of a disastrous morality of human invention.“ ‚

    http://www.haaretz.com/hasen/spages/1091469.html

    Man kann dann davon ausgehen, dass in entsprechenden Yeshiwas an die Jugend auch entsprechendes weitergegeben wird, und genau diesbezüglich ist ja hinsichtlich der Armeerabbis so einiges zu Tage gekommen.

    So haben einige der Broschüren, die von solch fundamentalistischen Rabbis vor dem Gazakrieg an die Soldaten verteilt wurden, ganz explizit dazu aufgefordert, das humanitäre Völkerrecht und den Schutz der Zivilisten in Kriegszeiten, zu missachten.

    Es gibt also nicht nur Rabbis, die die Torah ganz bewusst nutzen, um das humanitäre Völkerrecht zu delegitimieren, nein mitunter, sind sie sogar Angestellte des IDF.

    Die Namensnennung ‚Sharon‘ hat der arme Pavian wirklich nicht verdient, aber ich nehme an, er wird trotzdem ordentlich behandelt, als einziger Pavian, der letzten Tiere im Zoo von Gaza (Falls die Blockade ihm irgendwann nicht auch noch den Rest gibt).

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