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Wir erinnern: Kleine Israel-Chronik

Im Januar 2010 jährte sich eine Reihe wichtiger Ereignisse, die nicht dem allgemeinen Vergessen anheim fallen sollten…

 Von Robert Schlickewitz

Vor 110 Jahren

1.1. 1900. Baron Edmond Rothschild, der bisher für den Unterhalt jüdischer Siedlungen in Palästina aufgekommen war, überträgt deren Betreuung nun an die Jewish Colonization Association (J.C.A.). Es leben etwa 5000 Menschen in diesen jüdischen Ortschaften – deren Lebensbedingungen u.a. von Achad Ha’am (Ascher Ginsberg) und der Schwedin Selma Lagerlöf untersucht und beschrieben werden.

Die frühe jüdische Presselandschaft Palästinas beleben vor allem Elieser Ben-Jehudas Zeitung „Ha-Zvi“ sowie „Chavatzelet“.

 Vor 105 Jahren

Januar 1905. Die erste russische Revolution findet statt. Wie sooft zuvor in Russland werden Juden wieder zu Sündenböcken erklärt und blutig verfolgt. In mehreren Wellen ziehen jüdische Flüchtlinge Richtung Westen.

Vor 100 Jahren

26. 1. 1910. Die Bewohner der kleinen jüdischen Siedlung (60 Personen) Achusat-Bajits halten ihre erste Vollversammlung ab; aus Achusat-Bajits wird wenig später Tel Aviv.

Vor 95 Jahren

Januar 1915. Nachdem die Türken in Zusammenhang mit ihrem Eintritt in den Ersten Weltkrieg dazu übergegangen waren, Hunderte Juden aus Palästina auszuweisen, setzen sich sowohl der US-amerikanische Botschafter als auch sein deutscher Kollege für die jüdische Bevölkerung in Palästina ein.

Baha ad-Din, der neue Berater des Befehlshabers der türkischen Truppen in Palästina, Dschamal Pascha, verbietet den Gebrauch jedweder zionistischer Symbole oder Embleme, sowie hebräische Beschriftungen. Führende zionistische Persönlichkeiten werden ausgewiesen, anderen die Verbannung in die Innertürkei angedroht. Später werden diese repressiven Regelungen teilweise gelockert.

Vor 90 Jahren

1.1.1920. Die jüdische Siedlung Hamara in Galiläa wird von Beduinen angegriffen und muss schließlich von ihren Bewohnern aufgegeben werden.

3.-5.1.1920. In Metulla kommt es zu Zusammenstößen zwischen französischen Truppen und Beduinen bzw. Arabern. Über 100 Einwohner des Ortes müssen fliehen, vornehmlich nach Sidon.

Vor 85 Jahren

Januar 1925. Allein in diesem Monat kommen 2000 neue jüdische Einwanderer in Palästina an.

Auf die häufigen Streiks der Arbeiter in Tel Aviv reagieren alle Bauunternehmer der aufstrebenden, beständig wachsenden Stadt mit Aussperrung.

9.1.1925. In Haifa findet die feierliche Eröffnung des Technions, der ersten akademischen Bildungsstätte in Palästina statt.

19.1.1925. Der Nationalrat (der Juden Palästinas) schafft mit der „Kommission der 15“ eine Einrichtung, die das Verhältnis zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern neu und wirkungsvoll regeln soll.

Vor 80 Jahren

6.1.1930. Die „Mapai“, die „Partei der Arbeiter in Eretz Israel“ wird gegründet.

27.1.1930. Die britische Mandatsregierung in Palästina erhält Verstärkung durch den als besonders fähig angesehenen ehemaligen Chef der (britischen) Polizei in Ceylon, Herbert Dowbegin. Dieser soll nach den Kämpfen zwischen Juden und Arabern im Vorjahr u.a. die Sicherheitslage prüfen.

Vor 75 Jahren

Januar 1935. Der Jerusalemer Bürgermeister Dr. Al-Chaldi ist Muslim, seine Stellvertreter Daniel Oster und Jakub Faradsch – Jude bzw. Christ.

11.1.1935. Die Organisation „Kibbuz dati“ entsteht. Hinter ihr stehen mehrere religiöse Schulungsgruppen. Zwei Jahre später entsteht deren Kibbuz Tirat-Zvi.

22.1.1935. Die Pipeline, die Haifa mit dem Erdöl aus dem Nordirak versorgen soll, wird eingeweiht.

Vor 70 Jahren

Januar 1940. Britische Truppen, die in Javne’el eine Razzia nach verborgenen Waffen durchführen, werden fündig. Sie stoßen, wie wenig später auch im Dorf Ben-Schemen, auf ein Depot der Hagana. Eine Anzahl Juden wird verhaftet.

23.1.1940. Das Schiff „Hilda“, das illegale (jüdische) Einwanderer an Bord hat, wird von den Engländern aufgebracht.

Vor 65 Jahren

16.1.1945. Sowjetische Truppen befreien die polnische Stadt Kielce von den deutschen Okkupanten; da, wo einst eine blühende jüdische Gemeinde existierte, sind nur noch 25 Juden übrig geblieben.

17.1.1945. Die SS erhält den Befehl Auschwitz zu räumen. Tags darauf zwingen Deutsche und ihre aus der Ukraine sowie anderen osteuropäischen Ländern stammenden Gehilfen 66 000 Häftlinge zu einem Marsch nach Wodzisław, wo eine Umverteilung auf andere Lager stattfinden soll. Unterwegs sterben an Entkräftung oder werden von ihren Bewachern 15 000 der Insassen des Todeslagers erschossen oder erschlagen. In Auschwitz und seinen Außenlagern verbleiben weitere 66 000 Häftlinge.

Sowjetische Behörden verhaften den schwedischen Diplomaten Raoul Wallenberg in Budapest.

19.1.1945. Die zentralpolnische Stadt Lodz, einst einer der Mittelpunkte jüdischen Lebens im Osten, später Standort eines berüchtigten Ghettos, wird von den Sowjets befreit. Nur 800 Insassen des Ghettos überleben den Krieg.

25.1.1945. Die Leitung des Lagers Blechhammer zwingt 4000 Juden zu Fußmärschen ins KZ Groß-Rosen. Unterwegs sterben, oder werden von ihren Bewachern ermordet, etwa 1000 Häftlinge.

25.1.-25.4. 1945. Auf ganz ähnliche Weise räumen Deutsche das Lager Stutthof. Von den 50 000 unter Waffenandrohung in Marsch gesetzten Juden stirbt auf dem Wege mehr als die Hälfte an Kälte, Hunger, Erschöpfung, an gewalttätigen Übergriffen durch ihre Bewacher, oder wird erschossen.

27.1.1945. Sowjetsoldaten erreichen Auschwitz, wo sie 7650 Häftlinge lebend antreffen, die von den Deutschen nicht mehr ermordet oder verschleppt werden konnten.

 Vor 60 Jahren

23.1.1950. Jerusalem wird vom israelischen Parlament, der Knesset, zur Hauptstadt des Staates Israel erklärt.

Die wirtschaftliche Lage in Israel ist angespannt. Die Regierung muss sparen; die Versorgung der Bevölkerung mit Lebensmitteln, Brenn- und Treibstoff leidet; Schwarzmarkt und Spekulation erleben eine Blütezeit.

Vor 55 Jahren

4.1.1955. Die Westmächte fordern die ägyptische Regierung auf die Blockade des Suezkanals zu beenden. Die Ägypter setzen ihre Maßnahme jedoch fort und israelischen Schiffen bleibt die Passage noch auf Jahre verwehrt.

13.1.1955. Uri Ayalon, einer von fünf israelischen Soldaten, die in Damaskus in Haft sitzen, begeht Selbstmord.

27.1.1955. In Zusammenhang mit der „unglückseligen Affäre“ zwischen Israel und Ägypten werden in Kairo zwei Israeli als Saboteure zum Tode, zwei zu lebenslänglicher Haft, sechs weitere zu langen Haftstrafen verurteilt.

Vor 50 Jahren

1.1.1960. Eine Währungsreform in Israel sieht vor, dass ein Israelisches Pfund nicht mehr 1000 Pratot, sondern 100 Agorot entsprechen soll.

16.1.1960. Die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) sollte, so lautet ein Vorschlag der Niederlande, auch Israel aufnehmen.

Vor 45 Jahren

3.1.1965. Ein Anschlag der palästinensischen Al-Fat’h auf die Landeswasserleitung misslingt.

5.1.1965. David Ben-Gurion fordert erneut und mit Nachdruck eine gerichtliche Untersuchung der „unglückseligen Affäre“.

Vor 40 Jahren

1.1.1970. In Zusammenhang mit der Cherbourg-Affäre (Entführung von fünf Schnellbooten, um einem Embargo zuvorzukommen) fordert Frankreich den israelischen General Mordechai Limon auf das Land zu verlassen.

Die israelische Luftwaffe fliegt Angriffe auf den jordanischen Ghor-Kanal. Tags darauf erfolgen israelische Luftangriffe auf Ziele in Innerägypten.

15.1.1970. Die israelische Dichterin Lea Goldberg stirbt.

20.-21.1.1970. Israelische Panzer greifen in Jordanien gelegene Stützpunkte palästinensischer Terroristen südöstlich des Toten Meeres an.

22.1.1970. Im Golf von Suez nehmen israelische Truppen die Insel Saduan ein.

24.1.1970. Im Hafen von Eilat explodiert ein LKW, der Munition geladen hatte – 60 Tote bzw. Verletzte sind zu beklagen.

Am Suezkanal werden die Kämpfe zwischen Israelis und Ägyptern fortgesetzt; Scharmützel mit palästinensischen Terroristen finden im Jordantal und an der Grenze zum Libanon statt.

Vor 35 Jahren

7.1.1975. In Israel langt der 100 000. Einwanderer aus der Sowjet Union an.

13. und 19.1.1975. Zwei Terroranschläge auf israelische Verkehrsflugzeuge der Gesellschaft „El-Al“ in Paris können vereitelt werden.

23.1.1975. Im Handelsverkehr zwischen Israel und der EWG fallen auf beiden Seiten die Zollschranken.

30.1.1975. Die Agranat-Kommission, die die Gründe für das Versagen der israelischen Streitkräfte zu Beginn des Jom-Kippur-Krieges untersuchen sollte, eröffnet der Regierung ihren Schlussbericht. Erst 30 Jahre später wird er der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.

Vor 30 Jahren

7.-10.1.1980. Im ägyptischen Assuan treffen sich die Staatschefs Menachem Begin und Anwar al-Sadat zu bilateralen Gesprächen.

23.1.1980. Israelische Truppen räumen den Sinai (Abschluss der fünften Etappe).

Lehrer sowie Beschäftigte der Flug- und Seehäfen in Israel streiken für bessere Arbeitsbedingungen.

Vor 25 Jahren

Januar 1985: Mit beträchtlicher Verspätung wird bekannt gegeben, dass in den Wochen davor Tausende äthiopischer Juden nach Israel eingeflogen wurden.

2.1.1985. Eine der Meisterleistungen israelischer Luftfahrttechnik wird der Öffentlichkeit vorgestellt, der Prototyp des „Lavi“ der Israel Aircrafts Industries (IAI).

20.1.1985. Ein Plan für den Truppenrückzug aus dem Libanon wird von der Armee vorgelegt. Vorausgegangen war ein diesbezüglicher Beschluss der Regierung.

24.1.1985. Finanzierungslücken im israelischen Haushalt zwingen zu erneuten harten Maßnahmen: Auf Importwaren und Auslandreisen werden hohe Steuern erhoben.

27.1.1985. In Be’ersheva finden die ersten der Taba-Gespräche zwischen Israel und Ägypten statt.

Vor 20 Jahren

1.-6.1.1990. In Israel langen immer wieder Briefbomben mit Absendern aus Zypern und Griechenland an. Sie können rechtzeitig abgefangen oder unschädlich gemacht werden.

2.1.1990. Die besonderen Kontakte des Politikers Ezer Weizmann zur PLO hatten eine Regierungskrise ausgelöst, die nun beigelegt wird.

Vor 15 Jahren

1.1.1995. Dem Generalstabschef Ehud Barak folgt auf diesem Posten Amnon Lipkin-Shachak nach.

8.1.1995. Eine Kommission soll den Verbleib von Kindern jemenitischer Einwanderer untersuchen, verlangt ein Beschluss der Regierung.

19.1.1995. Nach einemTreffen zwischen Ministerpräsident Izhak Rabin und PLO-Führer Arafat erklärt Israel seine Absicht, die Bautätigkeit in den besetzten Gebieten zu stoppen.

22.1.1995. An einer Kreuzung bei Beit-Lid töten palästinensische Selbstmordattentäter 21 Israelis.

30.1.1995. Ministerpräsident Rabin schafft die umstrittene Börsensteuer ab – gegen den Protest seines Finanzministers.


Anmerkung:

Die Auswahl der Daten und Fakten für diese Chronik erfolgte nach subjektiven Gesichtspunkten und kann keinen Anspruch auf Vollständigkeit erheben. Ich rufe meine Leser ausdrücklich auf, sich mit eventuellen Korrekturvorschlägen oder Kritik bezüglich meiner Auswahl an mich zu wenden. Nichts ist so gut, dass es nicht noch verbessert werden könnte.

Literatur:

Encyclopaedia Judaica, Jerusalem 1971
Enzyklopädie des Holocaust, (Hg.) Israel Gutmann, Tel Aviv 1990 (Berlin 1993)
Mordecai Noar, Eretz Israel, Tel Aviv 1996 (Köln 1998)
Neues Lexikon des Judentums, (Hg.) Julius H. Schoeps, Gütersloh/München 1998