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TV-Radar: haGalil Fernsehtipps

Vom 01.03. bis 15.03.2010 …

Mo, 1. Mrz · 23:00-00:00 · SWR
Wiedersehen in Böhmen – Zwei Lebenswege

Das Haus, in dem Isa Engelmann aufgewachsen ist, hat noch immer ein grünes Dach. Doch ihre verlorene Kindheit findet sie dort nicht mehr. Auf der Suche nach ihren Wurzeln ist Isa Engelmann in die böhmische Stadt Reichenberg zurückgekehrt.  Die Menschen, die im heutigen Liberec leben, sprechen jedoch nicht ihre Sprache, sondern tschechisch. Vieles hat sich seit dem zweiten Weltkrieg verändert. Auch die Synagoge gibt es nicht mehr. An ihrer Stelle ist ein modernes Bethaus entstanden, in dem die jüdische Tradition weiterlebt. Auch Edita Weitzenová konnte ihre Heimat nicht vergessen. Sie gehört zu den Überlebenden des Holocaust. Nach dem Krieg ist sie nach Reichenberg/Liberec zurückgekehrt und hat dort wieder ein Zuhause gefunden. Zwei Frauen, zwei ganz unterschiedliche Lebenswege, zwei Blicke auf dieselbe Stadt. Der Film erzählt die Geschichten von Isa, die mit ihrer Familie 1946 vertrieben wurde, und von Edita, die als Jüdin bereits 1938 vor den deutschen Besatzern fliehen musste. Und er erzählt die Geschichte einer ungewöhnlichen Begegnung. Dabei enthält sich der Film jeden Kommentars und folgt allein den Erzählungen der beiden Frauen. Ihre Erinnerungen strukturieren die gegenwärtigen und vergangenen Bildwelten. Aktuelle Aufnahmen verschmelzen mit zum Teil noch nie gezeigtem Archivmaterial. Die Prager Filmemacherin Blanka Závitkovská hat die beiden Frauen mit der Kamera begleitet. Entstanden ist dabei ein einfühlsames und bewegendes Doppelporträt. Zwei Persönlichkeiten treffen mit gänzlich unterschiedlichen Erfahrungen aufeinander und beginnen das Wagnis, sich für die Gefühle und Erlebnisse der anderen zu öffnen. Nur allmählich gelingt es ihnen, Misstrauen und Vorurteile zu überwinden. Die Stadt Liberec, auf deutsch Reichenberg, wird dabei zum Ort einer vorsichtigen Annäherung.

Di, 2. Mrz · 00:30-02:00 · SWR
Applebaums großer Auftritt

Morris Applebaum war einst ein gefeierter Shakespeare-Darsteller am New Yorker Broadway. Mittlerweile ist er schon lange in Pension – aber auch mit knapp 90 Jahren ist er noch immer ein gewitzter und mit allen Wassern gewaschener Exzentriker. Trotz aller Vitalität hat er sich nun aber vorgenommen, seinem Leben ein Ende zu setzen – er will abtreten, solange er noch in der Lage ist, es selbst zu bestimmen. Und da der legendäre Applebaum ein unverbesserlicher Showman ist, will er sich – nachdem diverse Dinge geregelt sind – gebührend verabschieden. Dazu gehört, die drei erwachsenen Kinder über seine Freitodpläne zu informieren und zu einer Art Abschlussfeier einzuladen. Natürlich steht der Applebaum-Nachwuchs binnen kürzester Zeit bei Morris auf der Matte, um ihn von seinem Vorhaben abzubringen. Allerdings haben die Geschwister so sehr mit ihren eigenen Neurosen zu kämpfen, dass ihr ungewöhnlicher Vater dagegen regelrecht normal erscheint. Der geschiedene Psychologe Ted hätte selbst eine Therapie nötig; die TV-Produzentin Flo hadert mit dem Singledasein als 40-Jährige und hat Komplexe wegen ihres vermeintlich trivialen Berufs; der Familienvater und mäßig erfolgreiche Autohändler Barry ringt vergeblich um die Anerkennung seines Vaters und zieht sich dessen Zorn zu, weil er seinen jüdischen Namen in „Apple“ geändert hat. Keine Frage, dass in den kommenden Tagen jede Menge alter Konflikte aufbrechen, denn eines wird immer deutlicher: Morris liebt seine Kinder zwar über alles – aber ein einfacher Vater war er nie.

Di, 2. Mrz · 23:15-00:00 · WDR
Ferne Klänge

Nach ihrem Feldzug gegen „entartete Kunst“ verfolgten und verboten die Nationalsozialisten während ihrer Schreckensherrschaft auch die ihrer Auffassung nach „entartete Musik“, in personam deren überwiegend jüdische und anti-nazistische Komponisten und Interpreten. Während zur Flucht gezwungene, prominente Komponisten wie Paul Dessau, Arnold Schönberg, Paul Hindemith oder Hanns Eisler fest im historischen Bewusstsein verankert sind, verschwanden Hunderte deutscher und europäischer Komponisten namenlos in Konzentrationslagern, in der Emigration, im Vergessen. Am Vergessen hat sich auch nach 1945 nicht viel geändert. Ein ganzes Kapitel europäischer Musikgeschichte wurde ausgelöscht. Erst Jahrzehnte später, Ende des 20. Jahrhunderts, ist dieses Kapitel wiederentdeckt worden. Bernhard Pfletschinger begleitet den Musikwissenschaftler, Pianisten und Violinisten Kolja Lessing auf seiner Spurensuche nach den „Fernen Klängen“.

Di, 2. Mrz · 20:15-21:00 · PHOENIX
Hitlers nützliche Idole: Max Schmeling, der Boxer

Er war Hitlers „Vorzeigeathlet“: Deutschlands Boxlegende Max Schmeling. Kein anderer Sportler war in den 30er Jahren so berühmt, beliebt und geachtet wie der Weltmeister im Schwergewicht.  Er war Hitlers „Vorzeigeathlet“: Deutschlands Boxlegende Max Schmeling. Kein anderer Sportler war in den 30er Jahren so berühmt, beliebt und geachtet wie der Weltmeister im Schwergewicht. Schmeling selbst bemühte sich um Distanz zum Hitler-Regime. Der Film zeigt ihn und andere Spitzensportler bei der schwierigen Gratwanderung zwischen Opportunismus und Distanz.

Mi, 3. Mrz · 06:00-06:45 · arte
Hommage an Yehudi Menuhin

* Violinkonzert Nr. 1 von Max Bruch. (1961) * „Moderato malinconio“ aus der Sonate für Violine und Klavier Nr. 3, op. 25 von Georges Enescu (1973) * Finale von Beethovens Violinkonzert op. 61. Sir Colin Davis dirigiert das London Symphony Orchestra (1962)  Yehudi Menuhin wurde 1916 in New York geboren und war einer der größten Geigenvirtuosen des 20. Jahrhunderts. Er setzte sich nicht nur für die Musik ein, sondern auf für Frieden und Völkerverständigung. Nach dem Zweiten Weltkrieg war er – obwohl jüdischer Herkunft – einer der ersten Amerikaner, die in Deutschland mit deutschen Orchestern auftraten, und der erste Musiker überhaupt, der Werke deutscher Komponisten in Israel spielte.

Mi, 3. Mrz · 21:50-23:35 · arte
Liebesleben

Jara ist glücklich verheiratet, hat beste Aussichten auf eine Karriere an der Universität, eine schöne Wohnung und eine verlässliche Familie. Doch als sie dem viele Jahre älteren Arie begegnet, einem Freund ihres Vaters, gerät ihre heile Welt aus den Fugen.  Zum 60. Geburtstag ihres Vaters Leon bereitet Jara liebevoll ein Picknick vor. Doch die freudig erwarteten Gäste, Jaras Eltern, kommen nicht. Als Jara besorgt zu ihrem Haus fährt und klingelt, öffnet ihr ein fremder Mann die Tür. Der Gast scheint der Grund zu sein für die Aufregung im Hause: Jaras Mutter Hannah schließt sich in ihrem Zimmer ein und gibt theatralisch die Kranke.

Auch Vater Leon ist kaum ansprechbar, er scheint seinen Geburtstag vergessen zu haben und bedient nervös den Gast. Der Fremde namens Arie stellt sich als Studienfreund von Jaras Vater heraus, der nach fast 30 Jahren plötzlich wieder aufgetaucht ist. Er hat lange in Paris gelebt, scheint abgebrüht und gibt sich hochmütig. Die widersprüchliche Anziehungskraft, die der ungebetene Gast auf sie ausübt, verwirrt Jara und lässt sie rasch das Haus verlassen. Doch sie begegnet Arie wieder, zunächst auf der Straße, später in einer Boutique, wo in einer Umkleidekabine die erste erotische Annäherung stattfindet. Gerade seine elegante Eitelkeit und seine gelangweilte Selbstgefälligkeit scheinen Arie für Jara unwiderstehlich zu machen. Und damit stürzt sie sich wider jede Vernunft in eine zerstörerische Liaison.

Ein Spiel aus Demütigung, Unterwerfung und obsessiver Leidenschaft zwischen dem ungleichen Paar beginnt. Jara riskiert dabei, alles zu verlieren: Sie verletzt ihren Ehemann Joni, der sie über alles liebt. Sie bricht ihre Arbeit an der Universität ab, wo sie einen Job angeboten bekommen hat und kurz vor der Magisterarbeit steht. Und sie überwirft sich mit ihrer Familie, die sich gegen die Beziehung stellt. Doch bald erkennt sie, dass ihre Eltern ein langjähriges Geheimnis hüten, das ihre Beziehung vergiftet und zu dem Arie der Schlüssel ist. Ohne es zu wissen, tritt Jara das emotionale Erbe ihrer Mutter an, um sich schließlich endlich davon befreien zu können …

Fr, 5. Mrz · 01:10-02:40 / 6. Mrz · 14:30-16:10 · arte
Die Wannseekonferenz

20. Januar 1942: In einer streng geheimen Konferenz in der Berliner Villa „Am Großen Wannsee“ besprechen Vertreter der SS, des Reichssicherheitshauptamtes, der NSDAP und verschiedener Ministerien die Kooperation bei der geplanten Deportation und Ermordung der europäischen Juden. Es ist eisig kalt in Berlin, als am Morgen des 20. Januar 1942 höchste Vertreter des NS-Regimes und diverser Ministerien in der herrschaftlichen Villa „Am Großen Wannsee“ eintreffen. Gastgeber ist SS-Obersturmbannführer Adolf Eichmann, der im Auftrag von SS-Obergruppenführer General Reinhard Heydrich zu einer Besprechung mit anschließendem Frühstück geladen hat. Unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen – und nur unterbrochen von kurzen Pausen mit Getränken und Häppchen- diskutieren die Anwesenden in den folgenden Stunden Mittel und Wege, um so schnell und so effizient wie möglich Millionen europäischer Juden zu ermorden.

Heydrich, der die sogenannte „Endlösung“ bereits vorgeplant hat, reagiert äußerst ungehalten, als seine Vorschläge bei einzelnen Teilnehmern auf Widerstand oder Ablehnung stoßen. In repressiven Einzelgesprächen gelingt es ihm, einen nach dem anderen zur Zusammenarbeit zu „überreden“, denn nur eine großangelegte Planung und Durchführung der Deportationen unter Beteiligung sämtlicher Ministerien garantiert das Einhalten des vorgegebenen Zeitplans. Und die Zeit drängt, denn wenige Wochen zuvor haben die Amerikaner den Deutschen den Krieg erklärt und an der Ostfront leisten die Russen zunehmend Widerstand.

Sa, 6. Mrz · 00:00-01:30 · arte
2 oder 3 Dinge, die ich von ihm weiß

60 Jahre nach Kriegsende begibt sich Filmemacher Malte Ludin auf Spurensuche nach der Geschichte seines Vaters Hanns Ludin, eines überzeugten Nationalsozialisten, der 1947 als verurteilter Kriegsverbrecher hingerichtet wurde.  Die Familie eines Nazitäters, 60 Jahre nach Kriegsende. Längst ist die Wahrheit über die Vergangenheit des Vaters aktenkundig, aber unter seinen Verwandten wird sie beschönigt, geleugnet und verdrängt. Jahrzehnte nach der Hinrichtung des verurteilten Kriegsverbrechers Hanns Ludin zeigt der Dokumentarfilm des Sohnes Malte Ludin die verzweifelte eigene Suche nach der Wahrheit und die Schwierigkeit, mit ihr zu leben. Er geht der Frage nach, wie viel Schuld der Vater auf sich geladen hat und er will wissen, was seine älteren Schwestern wussten oder hätten wissen müssen.

Hanns Ludin wird bereits in der Weimarer Republik berühmt, weil er in der Reichswehr für Hitler konspiriert. Nach 1933 steigt er schnell zum SA-Obergruppenführer auf. Ihm werden der Blutorden und andere hohe Weihen des Nazistaates zuteil. 1941 schickt ihn Hitler als Gesandten in den „Schutzstaat“ Slowakei. Als „Bevollmächtigter Minister des Großdeutschen Reiches“ soll er dort die Interessen Berlins durchsetzen, vor allem die „Endlösung“. Nach dem Krieg wird Hanns Ludin von den Amerikanern an die Tschechoslowakei ausgeliefert, 1947 zum Tode verurteilt und hingerichtet. Diese Fakten nimmt sein jüngster Sohn, der Filmemacher Malte Ludin, zum Ausgangspunkt einer schmerzlichen filmischen Auseinandersetzung mit den Legenden, die in der Familie über den Vater kursieren. War er ein Held und Märtyrer oder ein Verbrecher? Auf einmal sind Schwestern, Schwager, Nichten und Neffen bereit zu reden.

Sa, 6. Mrz · 09:25-12:20 · MGM
Anatevka

Russland, vor der Oktoberrevolution: Der jüdische Milchmann Tevje (Chaim Topol) lebt mit Frau und Töchtern im beschaulichen ukrainischen Dorf Anatevka. Nicht nur die üblichen Probleme des „Schtetl“-Lebens machen Tevje zu schaffen. Die zaristischen Machthaber wollen die Bewohner aus ihrer Stadt vertreiben. – Verfilmung des berühmten Broadway-Musicals mit Oscar-gekrönter Musik. An der Violine: Isaac Stern!

Sa, 6. Mrz · 12:45-13:30 · NDR
Josef Neckermann

Ein Porträt des Unternehmers und Dressurreiters Josef Neckermann (1912-1992).  Aus der „Übernahme“ jüdischer Firmen in Rahmen der so genannten Arisierung entstand die „Wäsche- und Kleiderfabrik Josef Neckermann“. Neckermann lieferte u. a. drei Millionen Stück winterfester Kleidung für die Soldaten an der Ostfront. Nach Kriegsende wurde ihm die weitere Ausübung seiner Tätigkeit verboten, seine Frau führte das Unternehmen. Neckermann war zeitweise in Haft. 1951 übernahm er wieder die Firmenleitung.

Mit dem Konzept der Massenanfertigung und des Massenverkaufs hatte er großen Erfolg. 1953 wurde das Sortiment um Elektroartikel, Rundfunkgeräte, Hausrat und anderes erweitert. 1963 erfolgte die Gründung der „NUR“ (Neckermann und Reisen); 1965 der „Neckura“ (Neckermann Versicherung). In den 1970er-Jahren kam es zu einem rapiden Umsatzrückgang. Neckermann war zu keinen Änderungen seiner Geschäftspolitik und auch nicht zur Aufgabe seiner autokratischen Unternehmensführung bereit. Der Kaufhauskonzern Karstadt übernahm die Aktienmehrheit der Neckermann-Unternehmen. Als Dressurreiter erzielte Neckermann große Erfolge. Als Vorsitzender der Deutschen Sporthilfe verhalf er zahlreichen bundesdeutschen Sportlern auch zu olympischen Erfolgen.

Sa, 6. Mrz · 23:30-01:35 · WDR
Invincible – Unbesiegbar

Dies ist die wahre Geschichte des jüdischen Schmiedegesellen Zishe Breitbart, der zu Beginn der 30er Jahre als stärkster Mann der Welt zum Missfallen der aufstrebenden Nazis in der Welt des Varietés in Berlin Furore macht, weil es für sie als unmöglich gilt, dass ein Jude so stark sein kann. Zudem bekennt sich Zishe bald provozierend offen zu seinem Judentum und wird so zur Hoffnung der jüdischen Gemeinde Berlins. Er gerät mit seinem Arbeitgeber Erik Jan Hanussen in Konflikt, der in seinem Palast des Okkulten der Magnet für die Verwirrten seiner Zeit ist und zur Begeisterung seines vornehmlich aus Nazis bestehenden Publikums als Hellseher den Sieg Hitlers vorhersagt; Hanussen träumt sogar davon, in einem zukünftigen Kabinett Hitlers Minister für das Okkulte zu werden.

Als Zishe Breitbart Hanussen betrügerischer Manipulationen bei dessen Séancen beschuldigt, wird er von Hanussen vor Gericht zitiert. Dort kommt es zum Eklat: es stellt sich heraus, dass Hanussen gar kein dänischer Adliger ist, als den er sich ausgibt, sondern ein tschechischer Jude mit richtigem Namen Herschel Steinschneider. SA-Männer entführen ihn kurz nach dem Prozess und seine Leiche wird elf Tage später in einem Wald bei Berlin gefunden.

Der Schock der Ereignisse löst bei Zishe eine innere Wandlung aus. Er wird religiös und glaubt seine wahre Berufung entdeckt zu haben. Er empfindet sich als „Neuer Samson“, der sein Volk vor etwas Furchtbarem, das er in plötzlicher Hellsicht erkennt, bewahren muss. Zu Fuß kehrt er nach Ostpolen zurück und predigt in Dorfgasthöfen von seiner Mission, zum Schutz der jüdischen Bevölkerung Tausende von „jungen Samsons“ heranzuziehen; sein kleiner, elfjähriger Lieblingsbruder Benjamin unterstützt ihn dabei. Man glaubt ihm nicht so recht. Zum Beweis seiner Kraft treibt Zishe Nägel mit bloßer Faust durch einen Balken und ritzt sich dabei leicht sein Knie. Unbeirrt, trotz einer sich rasch ausbreitenden Entzündung, zieht Zishe weiter von Dorf zu Dorf. Als er schließlich ins Krankenhaus eingeliefert wird, ist es zu spät, sein Bein muss amputiert werden. Innerhalb von drei Wochen stirbt Zishe Breitbart nach elf Operationen in Folge, nur zwei Tage, bevor Hitler die Macht antritt.

>>> nächste Woche…

So, 7. Mrz · 11:15-12:00 · HR / So, 7. Mrz · 23:30-00:15 · RBB
Martin Buber – Philosoph, Erzieher, Menschenfreun
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Martin Buber ist der vielleicht berühmteste deutsch-jüdische Philosoph des 20. Jahrhunderts. Gemeinsam mit Franz Rosenzweig hat er das Alte Testament neu übersetzt. „Das edelste Geschenk an die deutsche Sprache“, so nannte Bubers Zeitgenosse Hermann Hesse das Werk.

Vor allem aber ist Martin Buber ein Philosoph der Versöhnung, ein Mann, der unermüdlich auf die Kraft des Dialogs setzte, um Feindschaft zu überwinden. Das machte ihn zum Brückenbauer zwischen Juden und Palästinensern und zwischen Juden und Deutschen. Selbst nach den bitteren Erfahrungen des Holocaust prägten nicht Rache und Hass seine Gefühle, sondern der Wunsch nach Begegnung – auch mit seinen einstigen Landsleuten, die ihn, den weisen Gelehrten, mit Schimpf und Schande verjagt hatten.

Geboren in Wien, aufgewachsen in Lemberg, kam Buber schließlich nach Deutschland. Doch aus dem Trubel der Großstadt Berlin zog es ihn 1916 ins beschauliche Heppenheim, einen kleinen Ort in Hessen. Die Familie Buber fühlte sich wohl in Deutschland, ihr Zuhause war Heppenheim – bis die Nazis kamen. 1938 floh sie nach Jerusalem. Martin Buber war sechzig 60 Jahre alt, als er in Palästina eintraf. Eine jahrzehntelange Hassliebe verband ihn mit Israels Staatschef David Ben Gurion.

Eisern hielt Buber an seiner Vision des Dialogs mit den arabischen Nachbarn und selbst mit den deutschen Feinden fest. Lange bevor Deutschland und Israel offizielle Beziehungen zueinander aufnahmen, traf Buber deutsche Politiker, Studenten und Intellektuelle. Denn das Gespräch, so glaubte Buber, ist der einzige Weg, zum gegenseitigen Verständnis und damit zum Frieden. Bei seiner Beerdigung 1965 wurde der Friedhof zu einem Ort der Begegnung zwischen israelischen Politikern und arabischen Studenten, zwischen Jungen und Alten.

Verehrt und geliebt über alle Grenzen hinweg, ist Martin Buber seiner Nachwelt dennoch bis heute ein Mann voller Rätsel und Widersprüche geblieben. Wer war er, dieser gläubige Jude, der nie in die Synagoge ging? Der jüdische Flüchtling, der den Kontakt zu den Deutschen suchte? Der Zionist, der die Politik seines Landes so scharf kritisierte wie kaum ein anderer? Und was hat er uns heute noch zu sagen?
Sehr persönlich erzählen in dem Film von Gabriela Hermer erstmals Martin Bubers Enkelkinder sowie seine letzte Sekretärin über diesen außergewöhnlichen Mann. Sie zeichnen das Bild eines Menschenfreundes, dessen Engagement für Frieden und Versöhnung nichts an Aktualität verloren hat. Zum Auftakt der Woche der Brüderlichkeit erinnert alljährlich die Verleihung der Buber-Rosenzweig-Medaille an das Vermächtnis des großen Philosophen. Aus diesem Anlass zeigen hr und RBB die gemeinsame Koproduktion „Martin Buber „.

So, 7. Mrz · 15:05-15:50 · WDR
Als der Osten noch Heimat war – Westpreußen

Westpreußen als ehemalige deutsche Provinz spielt eine besondere Rolle. Die Region entlang der Weichsel fiel nach dem Ersten Weltkrieg zu großen Teilen an den neu gegründeten Staat Polen. Die Deutschen waren nun Minderheit unter „fremder“ Herrschaft, sie konnten nicht mehr im Staatsdienst arbeiten und mussten sich nach den neuen, polnischen Regeln des Alltags richten. Auf dem Lande änderte sich nicht viel: Dort, wo Grund und Boden Deutschen gehörte, blieben sie die Herren und wurden auch von ihren polnischen Arbeitern als solche angesehen. Im Mittelpunkt der Dokumentation steht die Stadt Graudenz/Grudzianz. Hier gründete die nach dem Ersten Weltkrieg verbliebene Minderheit eine deutsche höhere Schule, um ihren Kindern auch weiterhin eine Ausbildung in der Muttersprache zu ermöglichen. Ehemalige Schülerinnen und Schüler dieser Schule, die 1932 den Namen Goetheschule erhielt, erzählen von ihren Erlebnissen als Kinder und Jugendliche. Sie erinnern sich an die Schwierigkeiten der Eltern, Polnisch zu sprechen, an die beinahe noch feudalen Lebensumstände auf dem Lande und an das Bemühen der Deutschen, um jeden Preis „unter sich“ zu bleiben. Ab 1933 wurden die Spannungen zwischen der polnischen Mehrheit und der deutschen Minderheit deutlicher – immer wieder sorgten Einflüsse aus dem nationalsozialistischen Berlin für Irritationen. Als dann im Herbst 1939 die Wehrmacht Polen überfiel, jubelten viele deutsche Westpreußen den vermeintlichen Befreiern zu. Den Terror gegen Polen und Juden nahmen sie billigend in Kauf – und konnten sich bis zum Schluss nicht vorstellen, dass am Ende dieses Krieges der Verlust der Heimat stehen würde.

So, 7. Mrz · 23:40-00:25 · ZDF
Verlorene Maßstäbe

Seit mehr als 50 Jahren richten die Gesellschaften für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit die „Woche der Brüderlichkeit“ aus. In diesem Jahr steht sie unter dem Motto: „Verlorene Maßstäbe“. Auf der zentralen Eröffnungsfeier zur Woche der Brüderlichkeit werden alljährlich Persönlichkeiten mit der „Buber-Rosenzweig-Medaille“ für ihr Engagement im christlich-jüdischen Dialog ausgezeichnet.

In diesem Jahr erhält die Medaille Daniel Libeskind, international renommierter Architekt und Stadtplaner. Wie kaum ein anderer hat der in Polen Geborene und an vielen Universitäten der Welt Lehrende in Theorie und Praxis das Verständnis der Funktionen von Architektur neu geprägt. Dies bestätigt besonders das in Entwurf und Realisierung als revolutionär geltende jüdische Museum in Berlin, das 2001 eröffnet wurde. Immer gelingt es Libeskind, durch die inspirierende Räumlichkeit seiner Arbeiten einen Dialog zwischen Architektur und Geschichte der Juden herzustellen, dem man sich nicht entziehen kann.

Die jüdischen Philosophen Martin Buber (1878-1965) und Franz Rosenzweig (1886-1929), nach deren Namen der Preis benannt ist, haben dem dialogischen Denken bis heute starke Anregungen gegeben, die für die moderne jüdische und christliche Theologie richtungsweisend sind. Ebenso hat Daniel Libeskind mit seinen Rauminstallationen und seiner Architektursprache, die das gewohnte Sehen sprengen, neue Maßstäbe für die Wahrnehmung jüdischer Geschichte gesetzt und ihrem Verständnis starke Impulse verliehen. Die Laudatio hält Katrin Göring-Eckardt. Das ZDF überträgt eine Zusammenfassung der Feier, die von Tina Mendelsohn moderiert wird, aus dem Theater in Augsburg.

Mo, 8. Mrz · 02:20-04:30 · MGM
Hôtel Terminus: Zeit und Leben des Klaus Barbie 1

Marcel Orphüls‘ Oscar-gekrönte Dokumentation gegen das Vergessen: Viereinhalb Stunden dauert sein Film über den Nazi-Verbrecher Klaus Barbie, der als Gestapo-Chef von Lyon tätig und für grauenhafte Massaker verantwortlich war. Das titelgebende „Hotel Terminus“ war das Gebäude, in dem Barbie residierte. – Erster Teil.

Mo, 8. Mrz · 04:30-06:45 · MGM
Hôtel Terminus: Zeit und Leben des Klaus Barbie 2

Marcel Orphüls‘ Oscar-gekrönte Dokumentation gegen das Vergessen: Viereinhalb Stunden dauert sein Film über den Nazi-Verbrecher Klaus Barbie, der als Gestapo-Chef von Lyon tätig und für grauenhafte Massaker verantwortlich war. Das titelgebende „Hotel Terminus“ war das Gebäude, in dem Barbie residierte. Teil 2

Di, 9. Mrz · 07:30-08:00 · SWR
Jugend unter Hitler

Die Sendung zeigt, wie die Autorität der Familien untergraben wurde und gleichzeitig bei den Hitlerjungen Führerverehrung und antijüdische Agitation auf fruchtbaren Boden fiel.  Spielszenen und Dokumentarteile aus dem Jahr 1938 verdeutlichen das Selbstverständnis der Hitlerjugend: Die Unterordnung unter die Gemeinschaft und eine Führung, das Fühlen als „Auserwählte“.

Di, 9. Mrz · 20:15-21:00 · RBB
Eros unterm Hakenkreuz

Eine Moral- und Sittengeschichte aus der Zeit des Nationalsozialismus. Das von den Nazis kontrollierte Zusammenspiel von Mann und Frau war ein wichtiges Versatzstück in der von Wahn- und Irrsinn beherrschten NS-Ideologie.  Unmittelbar nach ihrer Machtübernahme räumten die Nazis mit allem aufgeräumt, was ihnen an den sinnenfrohen 20er Jahren suspekt und verderblich erschien. Freizügige Sitten, zur Schau gestellte Nacktheit wurden verboten und verdammt. Das Zusammenleben von Mann und Frau hatte nur einem Zweck zu dienen: der Produktion von Kindern. Möglichst viele sollten es sein, gehörte man doch zur „wichtigsten aller Rassen“. Vor allem aber sollte das Potenzial künftiger Soldaten vergrößert werden. Alleinstehende junge Mütter wurden in Lebensborn genannte Heime gebracht, wo sie gezielt mit blonden SS-Männern zusammenkamen. Der Leiter der Einrichtung sprach gänzlich ungeniert von Zuchtzwecken, die der „Aufnordung der Rasse“ dienlich sein sollten.

Di, 9. Mrz · 23:15-00:15 · WDR
Bin nur ein Jonny – Der Operettenkomponist Paul Abraham

Paul Abraham war in den frühen 30er Jahren einer der beliebtesten und erfolgreichsten Unterhaltungskomponisten Europas. Seine Jazzoperetten wurden an Hunderten von Theatern gespielt, seine Filmmusiken machten ihn zu einem Star des jungen Tonfilms, im Radio und auf Schellackplatte begeisterten die Songs von Paul Abraham Millionen Zuhörer.

Die Dokumentation „Bin nur ein Jonny“ porträtiert den ungarischen Komponisten und erzählt von der späten Glanzzeit der Operette und vom „Goldenen Zeitalter“ des europäischen Musikfilms.  Paul Abraham wurde 1892 geboren. 1930 zog er von Budapest nach Berlin, wo ihm mit der Operette „Viktoria und ihr Husar“ der internationale Durchbruch gelang. Auch mit seinen nächsten Bühnenwerken, „Die Blume von Hawaii“ und „Ball im Savoy“, feierte er sensationelle Erfolge. Die Musik von Paul Abraham traf den Nerv des großen Publikums. Sein Gefühl für eingängige Melodien und sein ausgeprägter Sinn für moderne Klangfarben machten ihn zu einem der gefragtesten Komponisten seiner Zeit. So eroberte Abraham nicht nur die Theatersäle, sondern auch die Kinopaläste: Die Songs, die er für Filmoperetten wie „Ein bisschen Liebe für Dich“ oder „Das Blaue vom Himmel“ schrieb, wurden zu Abrahams populärsten Kompositionen.

Die glanzvolle Berliner Zeit dauerte nur drei Jahre. Ende 1932 sah sich Paul Abraham, der Jude war, der antisemitischen Hetze der Nationalsozialisten ausgesetzt. Am 30. Januar 1933, am Tag von Hitlers Machtergreifung, flüchtete er nach Ungarn. Sechs Jahre lang arbeitete Abraham in Budapest und Wien, aber mit seinen neuen Werken konnte er an die Triumphe der Berliner Zeit nicht mehr anknüpfen.  1939 floh er über Paris und Havanna nach New York.

Seine Versuche, in Amerika als Komponist Fuß zu fassen, scheiterten, sein geistiger Zustand verschlechterte sich rapide. 1946 wurde Abraham in die New Yorker Nervenheilanstalt Creedmoor eingeliefert, wo er zehn Jahre einsam und von aller Welt vergessen verbrachte.  Ab 1954 setzte sich ein Paul-Abraham-Komitee dafür ein, den Komponisten in die Bundesrepublik zu holen, wo seine Operetten inzwischen wieder überall gespielt wurden und neue Verfilmungen erlebten. 1956, dreiundzwanzig Jahre nach seiner Flucht aus Berlin, kehrte Abraham als kranker und gebrochener Mann nach Deutschland zurück. Er starb 1960 in Hamburg.

Do, 11. Mrz · 22:45-23:30 · RBB
1945 – Schlachtfeld Deutschland

Am 15. April 1945 erlebt das jüdische Mädchen Orna Birnbach ihre Befreiung aus dem KZ Bergen-Belsen, einen Tag später beginnt die blutige Schlacht um die Seelower Höhen vor Berlin. Noch ein knapper Monat, und der Krieg wird beendet sein.  Ende Dezember 1944 brach die Ardennenoffensive der Wehrmacht im Westen endgültig zusammen, am 12. Januar 1945 eröffnete die Rote Armee von ihren Brückenköpfen an der Weichsel einen Großangriff.

Der Dreiteiler „1945 – Schlachtfeld Deutschland“ dokumentiert die letzten 18 Wochen des Krieges. Er zeigt das Kriegsende vor allem aus der persönlichen, der individuellen Sicht der Beteiligten.

Im Teil 3 erlebt das jüdische Mädchen Orna Birnbach ihre Befreiung aus dem KZ Bergen-Belsen, einen Tag später beginnt die blutige Schlacht um die Seelower Höhen vor Berlin. Noch ein knapper Monat, und der Krieg wird beendet sein. Alexander Martinenko, ein russischer Artillerieoffizier, stürmt mit seiner Kompanie der Reichshauptstadt entgegen. Sie jagen deutsche Soldaten vor sich her. Einer von ihnen ist Harry Czepuck, der in den Kessel von Halbe gerät, in das letzte große Blutbad im Osten Deutschlands.

Vom Westen, über die Elbe, kommt der GI Tony Vaccaro den anrückenden russischen Truppen entgegen. Im Norden muss der 17-jährige Eberhard Lehmann selbst noch im Kriegsgefangenenlager den Engländern die Stirn bieten. So verlangen es seine deutschen Vorgesetzten. Im Süden trifft der Frontsoldat Georg Schulz auf befreite KZ-Häftlinge und versteht die Welt nicht mehr. Jeder der Beteiligten hat das Ende des Nazi-Reichs im Mai 1945 auf seine Weise erlebt. Jene schrecklichen, ängstigenden, hoffnungsvollen, verzweifelten, ersehnten Momente, die sich ins Gedächtnis brannten und bis heute lebendig blieben.

Fr, 12. Mrz · 00:35-02:30 · Das Erste (ARD)
Das Tribunal

Der Senatorensohn Thomas W. Hart, Lieutenant bei der US-Army, gerät im Dezember 1944 in deutsche Kriegsgefangenschaft. Die Befehlsgewalt über die internierten US-Soldaten hat Colonel McNamara. Als unter den Gefangenen der rassistische Sergeant Bedford ermordet wird, kann McNamara den deutschen Lagerkommandanten, Oberst Visser, dazu bewegen, ein improvisiertes Tribunal abzuhalten. Der mutmaßliche Mörder, ein farbiger Pilot, soll in einem fairen Prozess abgeurteilt werden. Die Verteidigung muss der unerfahrene Jurastudent Hart übernehmen, der nicht ahnt, dass er dabei in ein doppeltes Spiel verwickelt wird. „Das Tribunal“ ist ein spannungsgeladenes Militärdrama, das mit Bruce Willis, Colin Farrell und Cole Hauser hochkarätig besetzt ist.

Gegen Ende des Jahres 1944 muss Thomas W. Hart (Colin Farrell), ein amerikanischer Lieutenant und Jurastudent, in einem deutschen Kriegsgefangenenlager die Verteidigung des schwarzen Piloten Scott (Terrence Dashon Howard) übernehmen. Scott wird beschuldigt, einen rassistischen weißen G.I. ermordet zu haben, um einen erschossenen Freund zu rächen. Der zynische Lagerkommandant, SS-Oberst Werner Visser (Marcel Iures), verspricht sich von dem improvisierten Militärgerichtsprozess amüsante Unterhaltung und den schlagenden Beweis dafür, dass die Amerikaner trotz ihres Hoheliedes auf Demokratie und Menschenrechte die eigenen schwarzen Soldaten als „Untermenschen“ behandeln. Bei den Ermittlungen, begleitet von zunehmenden Fliegerangriffen der Alliierten und der Hoffnung auf ein baldiges Kriegsende, verkehren sich die Fronten: Der gebildete Nazi, der in Yale studiert hat, gibt dem juristisch unerfahrenen Hart Tipps für Scotts Verteidigung, während der ranghöchste amerikanische Offizier und Wortführer der POW’s (Prisoners of War), William A. McNamara (Bruce Willis), sich auf merkwürdige Weise zurückhält. Hart erkennt, dass nicht nur die rassistischen G.I.’s etwas zu verbergen haben, sondern auch McNamara. Ist der verschlossene Offizier ein Rassist wie viele der Rekruten, oder dient sein Verhalten einem anderen Zweck?

Zug um Zug entpuppen sich Hart und Scott als Bauernopfer eines raffinierten, tödlichen Schachspiels um einen geschickt eingefädelten Ausbruchsversuch. Seine Spannung gewinnt dieser ungewöhnliche Genremix aus Kriegsfilm und Gerichtsdrama dadurch, dass sich der Zuschauer stets auf Augenhöhe mit Hart befindet, also nie mehr weiß als der junge Senatorensohn, der als Angehöriger der Oberklasse mit dem Misstrauen und den Ressentiments der einfachen Soldaten kämpfen muss. Regisseur Gregory Hoblit („Frequency“, „Zwielicht“) zeigt nur wenige Kriegsszenen und inszeniert stattdessen das Katz-und-Maus-Spiel zwischen Hart, Visser und McNamara als doppelbödiges Charakterdrama – zugespitzt auf die Frage, ob Gerechtigkeit einem höheren Zweck geopfert werden darf. Mit Bravour spielt Colin Farrell („Alexander“, „Minority Report“) den innerlich zerrissenen Hart, der selbst ein schmerzliches Geheimnis birgt. Als Glücksgriff erweist sich aber besonders Bruce Willis, der mit gekonntem Understatement sein „Stirb-Langsam“-Image anklingen lässt und der verschwiegenen Heldenrolle subtile Nuancen abgewinnen kann.

Sa, 13. Mrz · 14:30-15:55 · arte
Alles auf Zucker!

Jaeckie Zucker, ein liebenswerter Zocker aus Leidenschaft, steckt – wie er selbst sagt – „bis zum Hals in der Scheiße, aber mit gutem Ausblick!“ Der ehemalige DDR-Sportreporter ist über beide Ohren verschuldet, seine Frau droht ihm mit Scheidung, der Gerichtsvollzieher mit Haft. Einziger Lichtblick könnten die 100.000 Euro Preisgeld des Fünften Europäischen Poolbillard Turniers sein und die will Jaeckie gewinnen.

In diesem ganzen Schlamassel ereilt Jaeckie die Nachricht vom Tod seiner Mutter. Nach 40 Jahren Funkstille reist sein jüdisch-orthodoxer Bruder Samuel samt Familie und toter Mutter aus Frankfurt an, um die Verstorbene in Berlin zu beerdigen. Mit seiner jüdischen Herkunft, diesem „Club“, will Jaeckie Zucker alias Jakob Zuckermann nichts zu tun haben. Seine Frau Marlene hat alle Hände voll zu tun, sich im Schnellkurs jüdisches Brauchtum anzueignen und Jakob, Sohn und Tochter zu überzeugen, sich den Anschein einer glücklichen, jüdischen Familie zu geben. Jaeckies einzige Sorge jedoch gilt der gefährdeten Teilnahme am Billardturnier und so täuscht er während der Beerdigung einen Herzinfarkt vor.

Damit aber nicht genug. Der Rabbi eröffnet den Söhnen den gewitzten letzten Willen der Mutter: Die Brüder sollen nur erben, wenn sie sich aussöhnen und die Familie nach jüdischem Ritus sieben Tage Trauer übt. So schwer es den beiden fällt, Samuel und Jaeckie können es sich nicht leisten, auf eine Erbschaft zu verzichten, und willigen ein. Die orthodoxe Verwandtschaft wird bei den Zuckers einquartiert und Samuels strenggläubiger Sohn Joshua übernimmt die Aufsicht. Doch während die Ehefrauen sich solidarisieren, die Söhne und Töchter sich näher kommen, als unter Verwandten unbedingt üblich, schweigen die Brüder sich sturköpfig aus. Mit immer fantastischeren Einfällen strampelt Jaeckie dem drohenden Knast und Erbschaftsverlust davon und läuft zwischen Billardturnier und Wohnung Amok.

Sa, 13. Mrz · 16:30-17:00 · HR
Horizonte: Ich bin raus

Sie sind jetzt um die dreißig Jahre alt. Schon als Schüler gehörten sie zur rechtsextremen Szene. Sie bereiteten sich für das 4. Deutsche Reich vor, schlugen zu, verbreiteten Angst und versuchten mit Sozialarbeit und Lagerfeuerromantik neue Anhänger zu werben. Zwei ehemalige Neonazis, Anführer von „Kameradschaften“, erzählen, wie sie in die „Szene“ kamen, was sie dort jahrelang faszinierte und wie sie den „Ausstieg“ schafften.

Bei dem Aussteiger aus Westdeutschland legten die Großväter mit ihren Heldengeschichten aus dem Zweiten Weltkrieg die Grundlage. Schon als Kinder war ihnen das nationalsozialistische Denken vertraut. Den ehemaligen DDR-Jungpionier aus der ostdeutschen Provinz bewegte der Fall des „antifaschistischen Schutzwalls“ gegen die BRD zum Umdenken. Nun wollte er auch dazu gehören, zum Land der „Faschisten“. Übers Internet, über Musik und durch NPD-Zeitschriften und Schulungen erfuhren sie, dass man der deutschen Demokratie nicht trauen dürfe, denn die Alliierten hätten jeden Deutschen nach dem Krieg einer Gehirnwäsche unterzogen. Die Lehrer in der Schule setzten sich nicht mit ihnen auseinander, und so lebten sie mit ihren Kameraden in einer eigenen „deutschen“ Welt.

Durch die Hilfe der Aussteigerorganisation „EXIT“ haben es die drei langsam geschafft, sich von ihrem alten Leben zu lösen. Das ist nicht ungefährlich. Heute gehen sie in Schulen und erzählen von ihrer Neonazizeit, um aufzuklären und etwas von ihren Schuldgefühlen zu verlieren. Moderation: Meinhard Schmidt- Degenhard

Sa, 13. Mrz · 20:15-21:00 · PHOENIX
Der letzte Rabbiner – Die Geschichte des Leo Trepp

Er ist 96 Jahre alt, sitzt im Rollstuhl, pendelt zwischen den USA und Deutschland, lehrt an der Universität und ist mit einer 45 Jahre jüngeren Frau verheiratet.  Er ist 96 Jahre alt, sitzt im Rollstuhl, pendelt zwischen den USA und Deutschland, lehrt an der Universität und ist mit einer 45 Jahre jüngeren Frau verheiratet: Leo Trepp ist der letzte noch lebende Rabbiner aus Deutschland aus der Zeit vor dem Holocaust. Man sagt über ihn: „Man konnte den Juden aus Deutschland vertreiben, aber nicht Deutschland aus dem Juden.“

Sa, 13. Mrz · 23:25-00:55 · RBB
Gruppenbild mit Dame

Basierend auf dem Roman des Nobelpreisträgers Heinrich Böll erzählt „Gruppenbild mit Dame“ die bewegende Geschichte einer Frau, die gegen alle gesellschaftlichen Widerstände nach ihren persönlichen Idealen lebt.

Deutschland 1941. Trotz aller Gefahren sucht die 18-jährige Unternehmertochter Leni Gruyten weiterhin den Kontakt zu ihrer jüdischstämmigen Lehrerin, der Nonne Rahel, die man hinter Klostermauern gefangen hält. Rahel wird beschuldigt, mit ihrer weltoffenen Art ihre Schülerinnen zu „verderben“. Die Nonne ist der einzige Mensch, dem Leni sich anvertrauen und von der Liebe zu ihrem Cousin Erhard erzählen kann. Als Erhard zur Wehrmacht eingezogen wird, folgt die junge Frau ihm kurz entschlossen nach Dänemark. Aber auch dort ist den beiden nur eine kurze Zeit des gemeinsamen Glücks vergönnt – denn schon wenig später werden Erhard und Lenis Bruder Heinrich wegen Vaterlandsverrates erschossen. Es ist nicht der letzte Schicksalsschlag in Lenis Leben: Ihre Mutter stirbt und ihr Vater wird wegen illegaler Bereicherung verhaftet und enteignet.

Leni, der nur das elterliche Haus bleibt, nimmt einen Job als Hilfsarbeiterin in einer Friedhofsgärtnerei an. Eines Tages verliebt sie sich in den russischen Kriegesgefangenen Boris – es wird die glücklichste Zeit ihres Lebens. Sie bekommt einen Sohn von Boris und beschafft ihm nach dem Krieg das Soldbuch eines deutschen Soldaten, damit er bei ihr bleiben kann – ohne Erfolg: Boris wird von der Militärpolizei verhaftet. Es ist das letzte Mal, dass Leni ihn lebend sieht. 20 Jahre später: Leni führt ein bescheidenes, aber glückliches Leben. Und noch immer ist sie eine Frau, die ihrem Gefühl und ihren ganz persönlichen Idealen folgt. Selbst als sie von den Medien als ehemaliges „Russenliebchen“ und nun als „Türkenfreundin“ in den Schmutz gezogen und von einem Spekulanten aus dem elterlichen Haus vertrieben wird, bleibt sie ihren Prinzipien treu: Ja, sie liebt den Türken Mehmet, von dem sie schwanger ist. Und sie wird ihn heiraten – ganz gleich, was „die Leute“ sagen.

So, 14. Mrz · 01:10-02:35 · MDR
Gefährliche Flitterwochen

Wie sehr haben sich Professor Richard Myles und seine Braut Frances auf ihre Flitterwochen gefreut. Doch daraus wird nichts. Peter Galt vom britischen Außenministerium bittet Myles und Frances, als Touristen getarnt zunächst nach Paris und dann in das von den Nazis besetzte Österreich zu reisen. Denn als hochkarätiger Physiker ist Myles der Einzige, der beurteilen kann, welche Wichtigkeit die Information eines in Österreich untergetauchten Agenten über eine deutsche Wunderwaffe hat. Mit Hilfe des österreichischen Kollaborateurs Hassert Seidel kommen Myles und seine Frau ihrem Ziel in Innsbruck rasch näher. Doch da trifft Myles überraschend seinen alten Freund und Kollegen von Aschenhausen wieder, der sich als Antifaschist ausgibt, in Wahrheit aber ein SS-Mann ist, der Myles Kontaktmann Dr. Mespelbrunn längst enttarnt hat. Mit knapper Not können Myles und seine Frau der von Aschenhausen geschickt gestellten Falle entgehen. Eine turbulente Flucht nach Italien beginnt.

So, 14. Mrz · 21:50-23:00 · arte
Zwei alte Knaben

Der israelische Filmemacher Yossi Avraham erzählt in seinem ersten Dokumentarfilm die Geschichte seines Onkels Reuven Vardi, der seit über 30 Jahren mit seinem Lebenspartner Pierluigi in Paris lebt.  Seine Geburtsstadt Haifa hatte Reuven Mitte der 50er Jahre zum Studium der Architektur in Richtung Paris verlassen, auch um der Enge und der konservativ geprägten Gesellschaft im damaligen Israel zu entkommen.

Nach dem Studium begann für Reuven eine große Karriere. Mitte der 70er Jahre traf er den jungen Italiener Perluigi, der ebenfalls Architekt werden wollte. Beide wurden ein Paar und setzten ihre Karriere gemeinsam fort. Jetzt, im Alter von 76 Jahren, beschließt Reuven, seinen Lebensabend in seinem Heimatland zu verbringen.
Er hatte Israel vor einem halben Jahrhundert verlassen und außer regelmäßigen Besuchen bei Familie und Freunden nicht mehr längere Zeit dort gelebt. Diese Absicht stört das sonst harmonische Zusammenleben der beiden Männer empfindlich. Denn der lebensfreudige und optimistische Pierluigi will die Metropole an der Seine auf keinen Fall verlassen. Pierluigi ist Mitte 60 und hat immer noch berufliche Pläne, die er verwirklichen will. Behutsam und liebevoll versucht er dem zu Hypochondrie und Pessimismus neigenden Freund vor Augen zu führen, dass sie beide nur in Paris eine gemeinsame Lebensperspektive haben … ein Film voller Humor und in leisen Tönen behutsam erzählt.

Mo, 15. Mrz · 21:00-21:45 · PHOENIX
Rommels Schatz

Was verbirgt sich hinter dem Schatz und was wusste Rommel selbst von der Kriegsbeute aus Afrika?  Was verbirgt sich hinter dem Schatz und was wusste Rommel selbst von der Kriegsbeute aus Afrika? Neu entdeckte Dokumente aus einem jüdischen Nachlass und aus dem Archiv der CIA belegen erstmals die tatsächliche Existenz, die wahre Herkunft und den Verbleib des geheimnisvollen „Rommel-Schatzes“. Sein wirklicher Ursprung ist eng verbunden mit bislang unbekannten Verbrechen der SS gegen Juden in Tunesien kurz vor dem deutschen Abzug aus Nordafrika im Mai 1943.

Mo, 15. Mrz · 22:15-00:00 · ZDF
Das perfekte Verbrechen

Schon Alfred Hitchcocks sehr ambivalente Helden waren von der Idee des perfekten Verbrechens magisch angezogen. Und bis heute hat die Idee eines wasserdichten Falles für die Drehbuchautoren Hollywoods nichts an Faszination eingebüsst. Im Jahre 2007 kam Gregory Hoblits eleganter Justizthriller „Das perfekte Verbrechen“ in die Kinos, den das ZDF Montagskino nun als Free-TV-Premiere zeigt. Charakterdarsteller Anthony Hopkins überzeugt hier einmal mehr in seiner Paraderolle des skrupellosen Killers, der seine untreue Ehefrau eiskalt niederschießt. Es folgt ein spannendes Duell mit einem jungen ambitionierten Anwalt, gespielt von Ryan Gosling, der alles tut, damit es zu einer Verurteilung kommt. Doch nichts ist wie es scheint in diesem vertrackten Fall, und der Täter ist schon bald wieder auf freiem Fuß…

Als Ted Crawford (Anthony Hopkins) entdeckt, dass ihn seine schöne junge Ehefrau Jennifer (Embeth Davidtz) betrügt, plant er ihren Tod – den perfekten Mord. Als die Polizei wenig später am Tatort erscheint, gibt der selbstsichere Ingenieur das Verbrechen unumwunden zu. Doch der ermittelnde Beamte, Detective Rob Nunnally (Billy Burke), achtet kaum auf das Geständnis. Am Boden liegt seine Geliebte in einer Blutlache und kämpft ums Überleben. Ted Crawford wird verhaftet und vor Gericht gestellt. Der Fall scheint sonnenklar zu sein, und der ehrgeizige junge Staatsanwaltsgehilfe Willy Beachum (Ryan Gosling) ist sich seiner Sache nur allzu sicher. Doch Hochmut kommt vor dem Fall, und dank eines Verfahrensfehlers gelangt Crawford wieder auf freien Fuß, während seine Frau im Koma liegt. Doch der eiskalte Flugzeugingenieur hat seinen Gegner unterschätzt, der nicht nur sein moralisches Gewissen entdeckt, sondern auch erstaunliche Kämpferqualitäten entwickelt…

Regiehandwerker Gregory Hoblet, der sich seine ersten Sporen mit Folgen für die US- Erfolgsserien „NYPD Blue“ und „LA Law“ verdiente, legte mit „Das perfekte Verbrechen“ einen spannenden Thriller der Sonderklasse vor, der sich nicht nur auf ein raffiniertes, präzise konstruierte Drehbuch verlassen kann, sondern auch auf einen exzellenten Cast. Seit seiner Paraderolle als Ausnahme-Killer Hannibal Lecter liebt man den Briten und Oscar-Preisträger Sir Anthony Hopkins für seine Darstellung charismatischer Bösewichter, die ihre rechtschaffenen Gegner mit gewissenloser Intelligenz und boshaftem Charme an die Wand spielen. „Ich habe mich bei Dreharbeiten schon lange nicht mehr so amüsiert“, sagt Hopkins zu „Das perfekte Verbrechen“. „Die Rolle ist sehr scharfsinnig geschrieben. Crawford ist wie Jago, er hat jede Menge Asse im Ärmel. Wenn so etwas gut geschrieben ist, kann man’s leicht spielen.“ Und er hat in dem jungen Shooting-Star Ryan Gosling ein ebenbürtiges Gegenüber. Als ambitionierter, allzu selbstgewisser Jurist, den lediglich der Sieg, aber nicht das Recht interessiert, überzeugt Gosling mit jugendlicher Chuzpe und hartnäckigem Stehvermögen.

„Die Story handelt davon,wie man erwachsen wird und ein Gewissen entwickelt“, führt Drehbuchautor Glenn Gers zu seiner Story aus. „Willy ist anfangs ein bisschen schmierig und aalglatt, doch als er mit echter Tragik und Verlust konfrontiert wird, lässt ihn das reifen. Er geht mit anderen Menschen ziemlich rücksichtslos um und erfährt die Konsequenzen.“ Auf der anderen Seite des Gesetzes stand Ryan Gosling noch in dem Thriller „Mord nach Plan“, in dem er es war, der gemeinsam mit einem Schulkameraden den perfekten Mord plante. Auf sich aufmerksam gemacht hatte der blonde Kanadier mit der kontroversen Titelrolle in dem Neonazi-Drama „The Believer“. Seine Darstellung brachte ihm glänzende Kritiken ein. Seitdem wird er immer wieder als einer der aufregendsten Schauspieler seiner Generation bezeichnet, und dieses Prädikat hat er mit seinen folgenden Rollen in dem Schüler-Lehrer-Drama „Half Nelson“ (Oscarnominierung) und der anrührenden Komödie „Lars und die Frauen“ aufs Schönste bestätigt. Fertig gestellt hat er inzwischen die Romanze „Blue Valentine“, die gerade auf dem Filmfestival in Sundance präsentiert wurde, und den Mystery-Thriller „All Good Things“. Und auch Anthony Hopkins kann man nicht gerade Untätigkeit vorwerfen. Im Februar ist sein neuester Film, das Horror-Remake „The Wolfman“, in den Kinos gestartet. Mit Woody Allen hat er die romantische Komödie „You Will Meet a Tall Dark Stranger“ abgedreht, und für kenneth Branagh steht er als Göttervater Odin in dem Action-Abenteuer „Thor“ vor der Kamera. Komplettiert wird das herausragende Schauspielensemble von „Das perfekte Verbrechen“ durch David Strathairn („Das Bourne Ultimatum“), Bond-Girl Rosamund Pike („James Bond 007 – Stirb an einem anderen Tag“), Embeth Davidtz („Californication“) und Billy Burke („Untraceable“). Free-TV-Premiere.