- haGalil - http://www.hagalil.com -

Eichmann-Prozess im israelischen Unterricht

Der Prozess gegen den früheren SS-Obersturmbannführer Adolf Eichmann wird Teil des Lehrplanes für den israelischen Geschichtsunterricht. Bislang ist das Thema für die Lehrer nicht verpflichtend…

Von E. Hausen, inn v. 05.02.2010

Wie die Tageszeitung „Ha´aretz“ berichtet, soll der Eichmann-Prozess ab dem kommenden Schuljahr im Geschichtsunterricht der Oberstufe behandelt werden. Dafür sind sechs Unterrichtseinheiten vorgesehen. Der Stoff kann dann auch Inhalt der Abschlussprüfung werden.

„Der Eichmann-Prozess ist ein Wendepunkt, an dem der Holocaust in ein zentrales Element der israelischen Identität übergeht“, sagte Professorin Hanna Jablonka von der Ben Gurion-Universität in Be´er Scheva. Sie leitet den Ausschuss, der das Bildungsministerium bezüglich der Schoah berät. Die Eichmann-Entführung in Argentinien und sein Prozess von 1961 lägen nun bald 50 Jahre zurück. Dies sei eine „Gelegenheit, den Schülern einige der grundlegenden Ereignisse nahe zu bringen, die das Gesicht der israelischen Gesellschaft verändert haben“.

Michael Jaron vom israelischen Bildungsministerium sagte: „Wenn vor dem Prozess die vorherrschende Ansicht war, dass Juden wie die Schafe zur Schlachtbank gegangen seien, dann hat danach das Konzept des Mutes eine größere Bedeutung erhalten. Es war ein Vorgang, der mit dem Eichmann-Prozess begann und seitdem stärker geworden ist – durch den Einfluss des Sechs-Tage-Krieges und des Jom-Kippur-Krieges.“

Der Eichmann-Prozess habe den Überlebenden eine wichtige soziale Rolle verliehen, fügte Jablonka hinzu. „Sie waren die einzige Verbindung zur jüdischen Vergangenheit, die im Holocaust ermordet wurde. Der Prozess war auch das erste Mal, dass die Überlebenden als Teil der Holocaust-Geschichte wahrgenommen wurden.“ Folgerichtig sei schrittweise das Ende des Sprechens von „sechs Millionen“ gekommen, und man habe sich mit Überlebenden als gegenwärtigen Menschen befasst.

In den Unterrichtseinheiten sollen Todesopfer, Überlebende und Widerstandskämpfer als Helden dargestellt werden.

Nach seiner Entführung durch den Auslandsgeheimdienst Mossad war Eichmann in Jerusalem vor Gericht gestellt worden. In dem Prozess traten Überlebende der Judenvernichtung als Zeugen auf. Viele Israelis verfolgten die Verhandlungen mit Spannung im Rundfunk. Der Nazi wurde wegen Kriegsverbrechen hingerichtet – es war das einzige Todesurteil in der Geschichte des modernen Staates Israel, das vollstreckt wurde.