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Der Löwe und der große Bruder

Die „Herzliyah-Konferenz“ war, wie jedes Jahr, gut besucht: Die militärische, politische und wirtschaftliche Elite Israels und der Welt kam zu dem Ort, der nach dem Gründer des politischen Zionismus benannt ist, um sämtliche Aspekte israelischer Innen- und Außenpolitik zu diskutieren…

Von Benjamin Rosendahl

Es gaben sich die Ehre: Professoren, Journalisten, Mitglieder der israelischen Knesset und des europäischen Parlaments, Botschafter und andere Diplomaten – und sogar der Leiter des IMF (International Monetary Fund) kam. Sowohl Premierminister Benjamin Netanyahu als auch Staatspräsident Shimon Peres hielten Reden. Jedoch brachte es jemand ganz anderes in die Schlagzeilen.

Er kam, sprach und siegte. So oder so ähnlich läßt sich der Auftritt von Rabbi Aryeh Deri in der Herzliyah-Konferenz beschreiben. Deri, der sich bei der Paneldiskussion um eine halbe Stunde verspätet hatte, ging in seiner Rede sofort auf Frontalkurs: Das Erziehungsministerium erziehe nicht, sondern vermittele nur Arbeit. Das „neue Judentum“ (säkulares Judentum) habe keinen Inhalt. Und – der wohl meist zitierte Satz der Konferenz – die neue säkulare Kultur habe, wenn überhaupt, uns nur „Big Brother“ gebracht.

Diese Rede – in einer kleinen Sitzung der Konferenz zum Thema „jüdische Erziehung“ gehalten – schlug wie eine Bombe ein: Deri konnte sich vor Interviewanfragen bereits am selben Tag kaum noch retten und schaffte es sogar in die Hauptnachrichten. Der renommierte israelische Autor Meir Shalev verglich ihn in seiner wöchentlichen Kolumne mit James Camerons „Avatar“, beide würden Kulturen kritisieren, deren Vorteile sie vollkommen ausnutzen. Benny Ziffer, der Chefredakteur des Literaturteils bei „Haaretz“, kritisierte ihn scharf, ebenso wie Nevah Lenir: „Wenn der Rabbi zum „Big Brother“ wird…“, so der Titel ihres Artikels. Andere Zeitungen Israels folgten.

In der „Jerusalem Post“ sagte Gil Hoffmann schließlich, was alle denken: Deri hat mit dieser Rede die Grundlagen seiner Rückkehr gelegt. Nach einer erfolgreichen politischen Karriere (für die ShaS Partei), einem Gefängnisaufenthalt wegen Korruption und einem gescheiterten Versuch, sich für das Bürgermeisteramt Jerusalems zu bewerben, heißt es jetzt wohl: Der Löwe brüllt wieder. In welchem politischen Rahmen sich das auswirken wird, ist noch unklar, ebenso wie sein politisches Programm. Eines ist jedoch sicher: Aryeh Deri macht wieder Schlagzeilen.