Heimatcontainer: Deutsche Kupferhäuser in Israel

„Nehmen Sie ein Kupferhaus mit nach Palästina. Sie wohnen bei größter Hitze in kühlen Räumen“ – so warb einst die Firma Hirsch Kupfer- und Messingwerke AG in der „Jüdischen Rundschau“ für ihre patentierten Fertighäuser aus Kupferplatten. Von der Geschichtsschreibung der Architektur wurden die Kupferhäuser bisher weitgehend übersehen…

Die Ausstellung „Heimatcontainer“ zeigt deutsche Fertighäuser in Palästina

Das will nun eine Ausstellung in Dessau ändern, die die Geschichte der Metallhäuser in Deutschland und Israel untersucht. Die Ausstellung „Heimatcontainer – deutsche Fertighäuser in Israel“ versammelt dazu künstlerische Arbeiten, die sich der Geschichte dieser Ende der Zwanziger Jahre entwickelten Ganzmetallhäuser widmen.

Die Ausstellung ist bis zum 7. März 2010 im Meisterhaus Schlemmer, Ebertallee 67, in Dessau zu sehen.

Die Kupferhäuser waren zwar technisch innovativ, gestalterisch jedoch zunächst sehr konservativ. Das mag daran liegen, dass ihr Ursprung nicht in der Architektur, sondern in der Herstellung lag: Aron Hirsch, ein Unternehmer aus Eberswalde, wollte sein Metallwerk, das während des Ersten Weltkrieges mit der Rüstungsmittelproduktion brummte, in den friedlicheren 20er Jahren besser auslasten und ersann deshalb das Fertighaus aus Metall: Hinter einer Kupferfassade befand sich ein hölzernes Ständerwerk und eine dicke Dämmschicht, die von einer zweiten (wie eine Tapete gemusterten) Stahlschicht innen verkleidet wurde. In einer Mini-Siedlung, die der Unternehmer Hirsch neben seinem Werk bauen liess, konnten Interessenten die verschiedenen Haustypen vergleichen, kaufen und mitnehmen: Ein solides Fundament vorausgesetzt, konnten Kunden in nur 24 Stunden ihr Fertighaus aufbauen.

Die Kupfer-Plattenbauweise war 1929 von dem Architekten Robert Krafft und dem Ingenieur Friedrich Förster entwickelt worden und wurde zwei Jahre später auf der Internationalen Kolonialausstellung in Paris mit einen Gand Prix prämiert. Im gleichen Jahr wurde der Gründer und erste Direktor des Bauhauses, der berühmte deutsche Architekt Walter Gropius, mit der Verfeinerung des Entwurfs der biederen Kupferhäuser beauftragt. Erst als Gropius die Entwürfe in der Formensprache der Moderne überarbeitete, zeigte sich das moderne, serielle Prinzip der Häuser auch in ihrer Architektur.

Die Bauelemente konnten einfach zusammengeschraubt werden, die Kanten wurden außen mit einem Kupferblechstreifen abgedeckt. Die schmalen, hochrechteckigen Eternitplatten waren mit geripptem Kupferblech belegt. Aluminiumfolie diente der Isolierung. Die Häuser konnten sogar mit komplett eingerichteten Küchen und Einbauschränken oder mit fertig in den Wänden verlegten Elektroinstallationen, Sanitäranlagen und Zentralheizung bestellt werden. Der einzige Nachteil der Kupferbauweise war die Hellhörigkeit und der schlechte Radioempfang in den Räumen.

Mit der Weltwirtschaftskrise stieg im Deutschen Reich zwar der Bedarf an günstigem Wohnraum sprunghaft, die Firma Hirsch jedoch geriet ins Trudeln und der Schwiegersohn des Firmengründers übernahm das Kupferhauswerk. Als 1933 „auswanderungswilligen“ deutschen Juden vom Reichswirtschaftsministerium ‚gestattet’ wurde, einen Teil ihrer Ersparnisse als Warenexport nach Palästina zu bringen, wittert der Unternehmer eine Chance: Die flink umbenannten Haustypen sollten nun den deutsch-jüdischen Flüchtlingen in Palästina nicht nur schnell eine neue Heimat geben, sondern durch die vorgesehenen Einliegerwohnungen auch Mieteinnahmen erlauben. Der Typ „Haifa“ etwa wog, in 34 Paket verpackt, nur 15 Tonnen, war gut feuer- und korrosionsbeständig und konnte von Eberswalde nach Palästina verschifft werden. Ein gutes Dutzend der Eberswalder Kupferhäuser gelangte so in das heutige Israel, nur vier von ihnen stehen heute noch: drei in Haifa und eines in Zfat (Safed). In Deutschland sind es nur etwa zehn Mal so viel. Ein durchschlagender kommerzieller Massenerfolg war das Kupferhaus also nicht, aber gemeinsam erzählen die Häuser in Deutschland und Israel von dieser interessanten Episode der deutsch-israelischen Architekturgeschichte.

Die Geschichte der deutschen Kupferhäuser in Israel wird auch in dem von Friedrich von Borries und Jens-Uwe Fischer verfassten Buch „Heimatcontainer“ ausführlich erzählt (Suhrkamp-Verlag). Dabei zeichnen die Autoren den Weg der Erbauer und Bewohner der Kupferhäuser nach.

Ulf Meyer in der vom ZJD herausgeg. Zeitschrift „Zukunft“ (Atid) 10. Jahrgang Nr. 1 / 29. Januar 2010 – 14. Schwat 5770