„Juden fressen palästinensische Kinder“

Ein impertinenter Kölner geriert sich nun als antisemitischer Volksverhetzer – Walter Herrmann und seine „Antiwand“…

Von Uri Degania

Es gibt Menschen, die derart unangenehm sind, dass man nicht über sie schreiben mag. Ihr Auftreten, ihre hasserfüllten Ressentiments und, was auffallend häufig hinzukommt, ihr primitiver Antisemitismus berühren einen unangenehm. Warum soll man sein kurzes Leben dafür verwenden, über solche unverbesserlichen Typen zu schreiben?

Dies war lange mein Empfinden, wenn ich ab und zu einmal in Köln auf der quirligen Domplatte verweilte – was gelegentlich, besonders im Sommer, ganz nett sein kann. Der Kölner Dom, der Weg über den Heinrich Böll Platz hin zum Rhein, hat Atmosphäre. Vereinzelt hatte ich auch einmal die Gelegenheit, israelischen Besuchern oder ehemals Verfolgten Köln zu zeigen, hierbei auch an der Mikwe sowie am auf dem Heinrich Böll Platz gelegenen Denkmal Ma’aloth Dani Karavans zu verweilen.

In den letzten Jahren beschlich einen ein zunehmend stärker werdendes Unbehagen: Die im Herzen Kölns, vor dem Kölner Dom gelegene, von Walter Herrmann vor über 20 Jahren gegründete – sich selbst irrtümlich-peinlich als „Klagemauer“ bezeichnende – Ansammlung von Pappschildern bildete gerade auch für Touristen eine gewisse optische Attraktion. Ich würde vermuten, dass sie auch in „ausländischen“ Reiseführern Erwähnung findet. Ursprünglich ein durchaus ambitioniertes öffentliches Projekt der „Friedensbewegung“ ist sie seit einigen Jahren eine einzige Ansammlung primitiver, hasserfüllter Angriff gleichermaßen gegen den demokratischen Staat Israel wie auch gegen Juden. Mehr als klischeehafte, bösartige Verunglimpfungen vermag man dort nicht mehr zu finden, es werden primitivste antisemitische Affekte geweckt bzw. diese gezielt aufgegriffen.

Inzwischen ist diese „Klagemauer“ – die wir ab jetzt nur noch „Antiwand“ (Gerd Buurmann) nennen werden – nur noch ein abstoßender Schandfleck für die sich selbst gerne als liberal und weltoffen darstellende Stadt Köln.

Ein beschämendes Beispiel: Mit einem Gefühl der Peinlichkeit erinnere ich mich etwa des Besuches der große alte Dame des israelischen Theaters, Orna Porat in Köln. Am 31.5.2005 wurde diese wunderbare, im Juni 1924 in Köln-Porz unter dem Namen Irene Klein geborene Frau im Kölner Rathaus empfangen und für ihr Lebenswerk als israelische Schauspielerin geehrt. 1947 war sie mit ihrem Ehemann, einem Kölner Juden, in das damalige Palästina emigriert und war später zum jüdischen Glauben übergetreten. In einer großen Rede sprach sie über ihre Erinnerungen an „ihr“ früheres Köln – um kurz darauf, voller Schrecken, mit dem antisemitischen Dreck des Walter Herrmann konfrontiert zu werden – ein tiefer Schock. Inzwischen, so will mir scheinen, ist diese Ansammlung antisemitischer und antizionistischer Hetzparolen peinlicher und schädlicher als die Vertreter der rechtsradikalen, im Stadtrat vertretenen Organisation „Pro Köln“. Lange, zu lange hat man dies in Köln in falsch verstandener Toleranz geduldet.

(Als ich vor sechs Jahren zu einem Vortrag nach Wien eingeladen wurde begegnete mir im Zentrum Wiens eine gleiche Antiwand, mit den gleichen abstoßenden, geifernd inszenierten antisemitischen Verlautbarungen ausgestattet. Auch hier war eine Diskussion mit deren Protagonisten nicht möglich. Wenn man sich freundlich auszudrücken bemüht darf man deren Protagonisten, die brav das Erbe ihrer nationalsozialistischen Eltern weitertragen, als überzeugte Nationalsozialisten bezeichnen. Das ideologische „linke“ Deckmäntelchen, das sie sich anzueignen bemühen, ändert daran nichts. Wir müssen an dieser Stelle nicht Adorno bemühen.)

Jede nur vorstellbare Hetze gegen Israel ist auf diesen Papptafeln verzeichnet: „Hisbollah ist Widerstand“ war dort zu lesen, „Israels aggressive Besatzungs- und Siedlungspolitik ist das Problem“, oder auch: „Israel – Vom Opfervolk zum Tätervolk“ – eine von Geschichtsleugnern und Antisemiten gerne verwendete „Argumentationskette“ zur Entschuldung der nationalsozialistischen Morde. Die brutalen Mordtaten palästinensischer Terroristen gegen israelische Bürger, gegen israelische Jugendliche, werden als „legitime Widerstandshandlungen“ dargestellt, der geifernde Scheich Yassin wird dort verehrt. Besonders gerne trägt Walter Herrmann ein Plakat mit der antizionistischen Parole: „Landraub – Massaker – Vertreibung: Wie die USA mit den Indianern so Israel mit den Palästinensern“. Henryk M. Broder hat hierzu vor gut einem Jahr in zutreffender Weise ausgeführt: „Die Frage, warum sie so was nicht mit einer `Klagemauer´ über den Völkermord im Kongo oder im Sudan machen, können sie nicht beantworten. Sie sind halt auf Palästina fixiert, denn auch sie gehören zu den ehrenamtlichen deutschen Bewährungshelfern, die aus der Geschichte gelernt und es sich zur Aufgabe gemacht haben, darauf zu achten, dass die Juden nicht rückfällig werden.“ Dies ist sehr zutreffend formuliert.

Walter Herrmanns antisemitische Verbissenheit ist in Köln nicht unentdeckt geblieben. Öffentlich dazu geäußert hat sich hierzu jedoch nahezu niemand – galt Herrmann, ein ehemaliger Lehrer, der jedoch rasch aus seinem pädagogischen Beruf wieder herausgeflogen ist, doch anfangs als „Linker“. So wurde ihm sein offenkundiger Antisemitismus nachgesehen. Immer noch darf er seinen antisemitischen Dreck abends in der „Alten Feuerwache“ deponieren.

Der taz-Journalist Pascal Beucker gehört zu den wenigen, die sich etwas deutlicher über den überzeugten deutschen Antisemiten Herrmann geäußert haben – wenn auch noch in zurückhaltender Weise. 2007 führte er unter der immer noch um Verständigung bemühten Überschrift „Mahner mit Hang zur Egomanie“ aus:

„Für die einen ist er der „Rebell von der Domplatte“, ein unermüdlicher Kämpfer für die gute Sache. Für die anderen ist er schlichtweg ein querulantischer Plagegeist. Der Kölner Walter Herrmann, der seit Jahren jeden Tag mit seiner `Klagemauer´ Mahnwache hält, stößt inzwischen auch einstige politische Verbündete und Sympathisanten vor den Kopf.
Die Szene wirkt bizarr. Unvermittelt unterbricht Walter Herrmann das Gespräch. Sein Blick schweift über die Domplatte hinüber zu einem jungen Straßenkünstler. `Der ist sehr laut´, bemerkt Herrmann missbilligend. Vor allem jedoch führt nach seinem Befinden der feuerschluckende Einradfahrer seine Kunststückchen viel zu nah der „Klagemauer“ vor. Das kann Herrmann nicht hinnehmen. `Da muss ich jetzt die Polizei rufen´, sagt er. Dann ruft er die Polizei. Schließlich geht es ja um sein Lebenswerk: Tagtäglich von 11 bis 20 Uhr steht Herrmann mit seiner „Kölner Klagemauer“ unweit des Domes. Und niemand soll in dieser Zeit die Aufmerksamkeit von seiner „urdemokratischen Veranstaltung“ ablenken, findet der 68-Jährige. Auch keine Straßenkünstler.

Kommt die Sprache auf Walter Herrmann, verfinstert sich umgehend die Miene von Franco Clemens. „Der glaubt in seinem Größenwahn doch inzwischen, dass die Plätze in Köln ihm gehören“, echauffiert sich der Sozialarbeiter. Auch der als „Don Franco“ bekannte Straßenmusiker und seine „Magic Street Voices“ hatten kürzlich Ärger mit dem eigenwilligen Politaktivisten. Herrmann habe sich von deren Musik in „amerikanischer Sprache“ belästigt gefühlt und sie deshalb in unflätiger Form aufgefordert, das Umfeld seiner „Mahnwache“ zu räumen, berichtet Clemens. Es sei an der Zeit, endlich dem merkwürdigen Treiben des Trägers des Aachener Friedenspreises etwas entgegenzusetzen, findet er.“

Seit dem Jahr 2005 hat die Jüdische Gemeinde Kölns mehrfach gegen dieses von ihr als „Palästinawand“ bezeichnete antisemitische Machwerk protestiert – vergeblich. Im „liberalen“ Köln glaubte man für einen „ewigen Antisemiten“ Verständnis aufbringen zu müssen. So weit, so schlecht.

Nun jedoch gibt es Bemerkenswertes zu berichten: Gerd Buurmann ist ein wunderbarer jüngerer, in Köln lebender Schauspieler und Moderator. Vor einigen Jahren erlebte ich ihn regelmäßig als Moderator eines wöchentlich stattfindenden „alternativen“ literarischen Abends im Cafe Duddel. Seine Moderationstätigkeit war eine einzige Ansammlung von Ironie, Hintersinn und Witz – immer ein phantastisches, inspirierendes Erlebnis. Seit dem 1. Januar 2008 ist er künstlerischer Leiter des Kölner Severins-Burg-Theaters – in dessen Rahmen er nun wöchentlich u.a. die KGB inszeniert – das Event „Kunst gegen Bares“. Von seinem politischen Engagement wusste ich nichts.

Gerd Buurmann sichtete bei der „Antiwand“ ein besonders ekelhaftes, abstoßendes antisemitisches Machwerk: Ein Bild, auf dem ein palästinensisches Kind mit einem Messer von einem jüdischen Menschen zerstückelt und gegessen wird – mit dem also bewusst auf antisemitische Verschwörungstheorien rekurriert wird, dass Juden Kinderblut trinken; der blaue Davidstern symbolisiert hierbei das „Weltjudentums“.

Gerd Buurmann machte nun etwas, was längst überfällig war: Er erstattete bei der Polizei Anzeige wegen Volksverhetzung – was ein gewisses Durchhaltevermögen erforderte: anfangs wollte der herbeigerufene Polizist ihm weismachen, dass dieses Bild doch auch im Spiegel publiziert worden wäre (siehe Interview).

In seinem Internetblogg http://tapferimnirgendwo.blogspot.com führt Gerd Buurmann zu seinen Motiven und Überlegungen aus:

„Stellen wir uns mal vor, auf der Kölner Domplatte versammelten sich fast täglich Menschen zu einer Demonstration, auf der Muslime ausschließlich als Terroristen und Mörder dargestellt werden. Stellen wir uns weiter vor, diese Demonstration wäre mit Karikaturen versehen, auf der Muslime zu sehen sind, die kleine Kinder essen und sich an ihrem Blut laben. Stellen wir uns weiterhin vor, in Köln wäre ein Anti-Islam-Kongress geplant. Was wäre dann wohl in der Domstadt los. Das Schöne und vor allem Beruhigende ist, wir müssen es uns gar nicht vorstellen, denn wir wissen es ganz genau. Die Bürger Kölns würden sich versammeln und dieser Feindlichkeit die rote Karte zeigen, alles unter dem wunderbaren Kölner Motto `Arsch huh, Zäng ussenander!´“

Und Gerd Buurmann fügt hinzu: „Was Ende der 80er Jahre als vorbildliche Demonstration begann, ist zu einem Verbrechen geworden! Es ist, als wäre aus einer Friendensdemonstration mit Lichterkette und Kerzen im Laufe der Jahre ein Nazi-Fackelzug geworden – und alle schauen zu.“

Gerd Buurmann hat mit seiner Strafanzeige getan, was längst überfällig war. Auf den Ausgang dieses Strafverfahrens wegen Volksverhetzung gegen Walter Herrmann dürfen wir gespannt sein.

Der Antisemit und geifernde Antizionist Walter Herrmann gehört in Köln geächtet – dies sollte unsere politische Aufgabe sein, gerade in linken und alternativen Kreisen!

Mehr zum Thema:

Gerd Buurmann: Arsch hoch? Zähne auseinander? Nicht für Juden!
… und noch mehr Ärsche!
Gerd Buurmann: „Imagine“ a la Faschismus
MAD Köln: 20 Quadratmeter gegen Israel

Als Reaktion auf die Strafanzeige des Kölner Schauspielers Gerd Buurmann gegen den Betreiber der „Klagemauer“ wie auch aufgrund der Berichterstattung hat der Betreiber der „Klagemauer“ seine Antiwand am Wochenende abgebaut. Helmut Frangenberg vom Kölner Stadtanzeiger berichtet am 23.02.10 hierzu:

Kölner „Klagemauer“ abgehängt

Die umstrittenen Papptafeln zum Nahost-Konflikt an der „Klagemauer“ am Dom sind nicht mehr zu sehen. Hat Walter Herrmann, der Betreiber des Projekts, damit auf die laufenden Ermittlungsverfahren wegen Volksverhetzung reagiert?

Der Betreiber der „Klagemauer“ am Dom, Walter Herrmann, hat offenbar auf die laufenden Ermittlungsverfahren wegen Volksverhetzung reagiert. Die umstrittenen Papptafeln, mit denen er die Politik Israels gegenüber den Palästinensern kritisieren will, sind nicht mehr zu sehen. Am Sonntag war statt dessen auf einem der Pappschilder zu lesen: „Klagemauer Palästina wieder ab Juni!“. Vor allem ein Bild, auf dem ein Jude ein palästinensisches Kind mit Messer und Gabel zerstückelt, um es zu essen, hatte für massive Kritik gesorgt. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Volksverhetzung.

Walter Herrmann ist vom Leiter des Severinsburg-Theaters, Gerd Buurmann, und der Kölnischen Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit angezeigt worden. Ihm wird „öffentlicher Antisemitismus“ vorgeworfen. Der Stil der Kritik erinnere an das nationalsozialistische Hetzblatt „Der Stürmer“… –> Weiter

Antwort der Kölner Grünen auf einen offenen Brief von Gerd Buurmann:

„Sehr geehrter Herr Buurmann,

vielen Dank für Ihre Mail mit dem Hinweis auf die Besorgnis erregenden Aktivitäten Walter Herrmanns. Die „Klagemauer“ von Walter Herrmann, die vor rund 20 Jahren als „Klagemauer für Frieden“ entstand, war damals eine wichtige Ausdrucksform gegen Obdachlosigkeit und Krieg und wurde zu Recht dafür mit dem Aachener Friedenspreis ausgezeichnet. Wir Grüne haben uns damals für den Erhalt der „Klagemauer“ eingesetzt.

Mittlerweile ist die „Klagemauer“ aber zu einem Instrument einseitiger und verbohrter  Kritik an Israel verkommen. Deshalb nimmt in der Politszene auch kaum noch jemand Walter Herrmann ernst. Doch das gilt leider nicht für PassantInnen aus der ganzen Welt, die Köln besuchen. Hier tut Aufklärung dringend not!

Wir Grüne müssen uns ebenso wie die anderen demokratischen Kräfte in Köln  eingestehen, dass wir die „Klagemauer“ von Walter Herrmann nicht mit der nötigen Aufmerksamkeit bedacht und entsprechend kritisier haben! Insofern sind wir dankbar für Ihre Wachsamkeit und sehen Ihre Anzeige wegen Volksverhetzung als berechtigt an.

Wir sind erschrocken und entsetzt darüber, dass Herrmann zur Illustration seiner Kritik an der Politik Israels unter anderem eine Karikatur aufgehängt hat, die einen Juden zeigt, der mit Messer und Gabel ein palästinensisches Kind zerstückelt. Das ist widerwärtig. Das ist ganz klar antisemitisch.

Egal, was man von der Politik Israels hält – Antisemitismus und Rassismus dürfen und wollen wir nicht dulden.

Solange diese „Dauerdemonstration“ aber durch das Recht auf Meinungsfreiheit gedeckt ist, müssen wir sie leider dulden.

Wir schlagen daher vor, dass eine Gegenaktion durchgeführt wird, in der auf Flugblättern über den Antisemitismus Walter Herrmanns informiert wird. Vielleicht können wir auch das Dom-Forum dafür gewinnen, solch ein Flugblatt auszulegen.

Mit freundlichen Grüßen
Ciler Firtina
Beisitzerin im Kreisvorstand der GRÜNEN Köln“

51 Kommentare zu “„Juden fressen palästinensische Kinder“

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.