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„Gut Schabbes“ und „Schabbat Schalom“

David Heimann (geb. 1864), 1934: Tagebuch über meine Reise nach Erez Israel…

10.5.34.

Wir passieren einen Karmel-Vorort von Haifa, Cheweh Schaanan wo kleine Leute wohnen. Dagegen wohnt der Mittelstand und die Beamten in Achusath Herbert Samuel. Hadar-Hakarmel ist das neue jüdische Geschäftsviertel, während Har-Hakarmel ganz oben Villen-Viertel ist. Das Panorama von Haifa ist überwältigend.   Man sieht an jeder Spitze der Haifa-Bucht Akko und die syrische Grenze. Die nördliche Buchtseite hat breite Dünen, durch welche der Kischon in das Meer mündet. Links vom Kischon Ansiedlungen, der Hafen mit zwei Molen, Kasernen, Templer-Teil, Technikum, Realschule. Rechte Kischon-Seite fruchtbar. Auf dem Har-Hakarmel persischer Garten mit Mausoleum.

Wir fahren am Hauptbahnhof vorbei, passieren das Kraftwerk Ruthenberg, die Rothschild-Mühle, die grösste in Erez Israel. Davor malerisch Beduinen-Lager. Wir kommen an der Zementfabrik Nescher vorbei, welche in Tag- und Nachtbetrieb 400 jüdische, 200 arabische Arbeiter beschäftigt. Dann fahren wir an der jüdischen Siedlung Kfar Chassidim vorbei, 1925 von polnischen Chassidim unter Rabbi Jabloner gegründet, 350 – 400 Seelen, haben Wasser, ziehen Grape fruits und Orangen.   Rechts Jadjur Achla, durch ältere Arbeiter vor dem Kriege begründet, 350 Seelen, als Kwuzah betrieben. Gemischte Wirtschaft, Wein, Orangen, grape fruits. Kinderheim. Kühe, Geflügelfarm.

Nun geht es in das Emek Jesreel. Wir passieren Berge mit Wäldern; links christliches Waldheim und   Bethlehem, rechts in der Ferne Kfar Jehoschua , 500-600 Seelen. Gründer Jehoschua Chankin. Fruchtbare Ebene. Vorbei an der Textilfabrik Dschedda liegt rechts von uns die Siedlung  Beth Schaarim, von jugoslawischen Juden begründet, links die Privatsiedlung eines reichen Juden aus Triest.   Der Emek Jesreel wurde 1921 angekauft, hat 600.000 Dunam fruchtbaren Boden, wovon 400.000 jüdischer Besitz sind.

Nunmehr erreichen wir Nahalal, eine der wichtigsten und schönsten Siedlungen im Emek, 1922 begründet; damals versumpft und viele Opfer durch Malaria fordernd, ist Nahalal heute durch Eukalyptus-Anpflanzungen und Drainierungen gesund und enthält etwa 100-120 Familien, welche in der Form des Moschaw Owdim leben: je 2 Familien wirtschaften zusammen, jede hat 100-120 Dunam Boden. Es sind Ostjuden, die deutsche Chaluzim und Chaluzoth aufnehmen und musterhaft wirtschaften. Alle Sorten Obst, Getreide, Orangen, Wein, Melonen, Gurken, Gemüse jeder Art. Kühe, Pferde, Hühner.

Nun besuchen wir die landwirtschaftliche Schule für Mädchen Nahalal. Grossartige Leistung. 100 Mädchen aus allen Ländern, 18-20 Jahre alt, erhalten hier eine zweijährige Ausbildung. Preis pro Jahr £ 42.-. Zur Verfügung sind 500 Dunam Land, auf welchem Getreide, Wein, Obst, Orangen, grape fruits, Blumen, Gemüse jeder Art gezogen werden, täglich 6 Stunden praktische, 3 Stunden theoretische Arbeit. Ohne Hebräisch wird kein Mädchen aufgenommen. 60 Stück Gross – und Kleinvieh, Zuchtbulle, eigene Molkerei für Butter und Käse, Geflügelfarm. Mädels gesunde, frische, frohe Gestalten. Es ist eine Freude, das zu sehen. Zum Pflügen sind 5 Chaluzim da. Wir fahren an der Gründung einer kanadischen Hadassa vorbei.

Weiterfahrt ins Emek-Zentrum. Hoch von den Bergen Umblick auf das ganze Emek, auf den Karmel, auf das Epharim-Gebirge, auf Gilboa, auf den kleinen Hermon. Ganz links der Berg Tabor, die Stadt Nazareth und das Galiläa-Gebirge. Wir fahren an verschiedenen jüdischen Siedlungen vorbei und zwar Kwuzah Gnejah, 150 Seelen, liegt tief unten, ferner an Tel Ataschim, 300 Seelen, Kfar Gideon, 300 Seelen, Misra, 150 Seelen,  Balfouria , 500 Seelen, von ungarischen Juden begründet,   und gelangen nach Afule, arabischer Name für Ir Israel , wichtige Eisenbahnlinie nach Damaskus, grosse, wohlhabende Siedlung, 900-1000 Seelen. Ich besuche die massive Synagoge mit Kuppel, Almemor und Oraun, acht Thorarollen. 1 Raw, 3 Lehrer. Vor der Synagoge freier grosser Platz mit Palmen. Die Siedler sind Ostjuden, zum Teil Deutsche. Wein, Getreide, Orangen, grape fruits.

Wir berühren nunmehr im Ost-Emek die Siedlung Merchawia , 1910 gegründet, bedeutend, besitzt ca. 10.000 Dunam. Es werden Getreide, Orangen, grape fruits, Bananen und Wein gebaut. Ca. 1000 Seelen, Kwuzah-Form.

Wir passieren Kfar Jecheskel, 1921 begründet, gemischte Wirtschaft;; ferner die Siedlungen Gewar und Tel Joseph, je 3-400 Seelen. Nun sind wir am Fusse des Gilboa-Gebirges. Ich denke an das biblische Drama von Saul, David und Jonathan. Ganz hinten erscheinen die Berge von Gilead. Wir befinden uns unter dem Meeresspiegel, und fahren nunmehr in En Charod ein, grosse Kwuzah-Siedlungen mit 450 Seelen, eine der schönsten und besten in ganz Erez Israel. Alles gemeinsam, Speisesäle, Kinder- und Säuglingshäuser, Werkstätten, Schuhmacherei, Schlosserei, Tischlerei, Schneiderei, landwirtschaftliche Maschinen, Baumschulen. Vorbildlicher Betrieb. 120-150 Chaluzim und Chaluzoth in Zelten und Baracken, sind froh und glücklich, müssen zwei Jahre arbeiten. Kindergarten, Schule, Synagoge. Am Schabbat nur Notstandsarbeiten. 280 Kühe, 4 Bullen, 38 Pferde, Esel, Maultiere. 150 Kinder. Die Quelle in En Charod gibt stündlich 400 cbm Wasser und versorgt noch benachbarte Siedlungen. Schomrim zu Pferde, Idealgestalten. Vier Verteidigungstürme, gepanzert, gegen Araber, welche 1922 die Siedlung angegriffen hatten.

Wir treffen nun in der Siedlung Beth Alfa ein, eine ebenso grosse Siedlung wie En Charoth. Gleiche Kwuzah-Wirtschaft, am Fusse des Gilboa gelegen. Die eigene Quelle ergibt stündlich 300 cbm Wasser. Hier sind Ausgrabungen einer alten Synagoge aus dem 5. nachchristlichen Jahrhundert, aus der Zelt des Kaisers Justinian, erfolgt. Ueber den ausgegrabenen Teilen hat man ein Haus gebaut. Wir besichtigen die Ausgrabungen und sehen die einzelnen Teile in buntem Mosaik, die Gänge der alten Synagoge aus kleinen, ca. 1 cm im Quadrat messenden Steinchen zusammengesetzt.  Das erste Mosaik zeigt die Opferung Isaaks und seine Rettung, Figuren von Abraham mit dem Opfermesser, Isaak, das Feuer, den Esel, den Engel, den Widder. Jede Figur mit aramäischem Namen bezeichnet. Das zweite Mosaik zeigt Sonne und Sterne, im Kreise umgeben von den 12 Stämmen mit Wappen und Namen derselben, in den Ecken die 4 Jahreszeiten, sämtlich mit aramäischen Worten. Das dritte Mosaik zeigt einen Thora-Schrein, rechts und links davon Löwen, darüber eine Ewige Lampe, eine Menorah, eine Weintraube, einen Fisch, ein Schofar und eine Thorarolle. Oben erhöhter Teil der ausgegrabenen Synagoge mit runder Oeffnung für Aufbewahrung des Geldes. Zwei grosse Lücken, wo vermutlich Säulen standen, sodann Stufen für den Zugang zum heiligen Schrein, Sitze für die Priester, rings herum an den Wänden der Synagoge Erd- und Steinsitze für das Volk.

Auf der Rückfahrt Abschied von Gilboas Bergen. Wir fahren in Serpentinen abwärts. Nazareth erscheint zur Seite. Schmerzliche Gedanken. Von hier begann das jüdische Schicksal. Durch das alte jüdische Haifa-Viertel kehren wir abends zurück.

11.5.34.

Mit dem nächsten Ziel Akko kommen wir ueber den biblischen Kischon-Fluss. Links Regierungsboden mit Eisenbahn-Werkstätten und der Endleitung der Petroleum Mossul-Leitung. Rechts jüdischer Boden. In der Ferne Siedlung  Samuel  Joseph  für Arbeiter. Wir fahren nunmehr in die bekannte Arbeiterkolonie  Kirjath Chajin, zu Ehren des ermordeten Arlosoroff erbaut. Auf den Dünen der Haifabucht sind bisher 400 Arbeiter-Wohnhäuser errichtet, weitere 200 sind im Bau. Strassenanlagen, gute Verbindung mit Haifa. Vor jedem Hause Garten mit Blumen und Früchten. Es sollen 2000 Familien untergebracht werden.

Rechts vom Kischon erscheinen vor unserem Auge einige neue Fabrikanlagen. Rechts von der Akko-Strasse erscheint die Siedlung eines rumänischen Juden Pardess Katz.

Wir nähern uns Akko. Araberstadt an der Mündung des Flusses Naaman gelegen, Palmenwald, sumpfiges Gelände. Wir gehen in die Dünen, geniessen Anblick der Stadt, Zitadelle, Moscheen mit Minaretts, von welchen die Muezzin Tag und Nacht siebenmal zum Gebet rufen. Das Meer erscheint dunkelblau, vorn in der Brandung smaragdgrün. Geschichtlich ist Akko eine der ältesten Städte in Erez Israel, zum Stamme Ascher gehörig. Von den Makkabäern erobert, nachdem sich Jonathan eingeschlichen und die Makkabäer einliess, dafür aber getötet wurde. Heute wohnen unter etwa 18.000 Arabern nur etwa 200 Juden.  Im Mittelalter war Akko der wichtigste Platz für die Kreuzfahrer in den Jahren 1100 – 1200 n.Chr., alt, starke Festung. Zur Zeit sieht man noch Gräben, Walle, verrostete Kanonenrohre. Akko wurde auch von den Mauren erobert. Erinnerung an Richard Löwenherz usw. In Akko ist die einzige Zündholzfabrik des Landes mit Monopol.

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Bilder aus Akko in David Heimanns Reisetagebuch

Nunmehr fahren wir in Richtung Safed, welches ganz hoch, ca. 850 m, im Gebirge von Galiläa liegt. Steinige Berge, karge Vegetation. Die Strasse führt durch 15-20 km lange Olivenbaum-Wälder, in welchen wir Bäume von 500-1000 Jahre Alter sehen.  Wir passieren das arabisch Migdal Keren. Glühende Sonne. Aufwärts. Beduinen mit Hab und Gut. Arabisches Dorf Rama. Oliven, Feigen, Kakteen. Arabisches Dorf Faridie, in welchem sich eine behördliche Gemüse-Versuchsanstalt für die Araber befindet. Rechts in der Ferne der Berg Tabor. Vor uns ganz tief unten, wie in einem tiefen Kessel eingebettet, der Tiberias-See, hellblau schimmernd. Ich denke an Herodes. Hinter dem See in der Ferne die Umrisse des Chauran-Gebirges. Bunte Vögel. Panne im ober-galiläischen Gebirge. Wir sitzen in glühender Mittagssonne auf Felsen herum. Unser jüdischer Chauffeur repariert. Herr Hirsch aus Würzburg photographiert mich. Ich erklettere einen Abhang und ruhe im Schatten eines alten Olivenbaumes. Wir fahren weiter, müssen aber bald wieder halten. Ein arabisches Auto nimmt uns auf und fährt uns nach Safed. Die Stadt liegt malerisch an den Hängen des galiläischen Gebirges, 5000 Araber, 2500 Juden. Vor unserer Einfahrt sehen wir hoch oben die Jeschiwa Nieron. Grosser Bau mit Kuppeln. Dort oben befindet sich das Grab des Gründers der Kabbala, Simon ben Jochai aus dem zweiten Jahrhundert. Am Lag Baumer waren einige tausend Juden oben zu einer grossen Feier. Die ganze Nacht wurde getanzt. Den jungen Kindern liess man zum ersten Mal die Haare schneiden. Die Jeschiwa besteht schon einige hundert Jahre ist aus Sammlungen erbaut. Zur Zeit wohnen etwa 25 Familien droben. Vor unserem Hotel in Safed sahen wir zwei Olivenbäume aus der Römerzeit, ca. 2000 Jahre alt, die behördlich registriert und geschützt sind. Der Ort hat ein arabisches, ein sephardisches und ein aschkenasisches Viertel,   wir besuchen das aschkenasische, in welchem sich die alte Synagoge befindet, erbaut von dem Kabbalisten Rabbi Are, Abkürzung für Rabbi Jizchok Luria, im 15. Jahrhundert. Buntes Oraun Hakaudesch in grellen orientalischen Farben. Im Cheder wundervoller alter geschnitzter Beschneidungsstuhl. In Safed wurde das L’cho daudi-Lied durch Rabbi Schlomo Alkawi, spanischem Juden, verfasst und zuerst gesungen. Jeden Freitagabend begeben sich die Juden in weissen Gewändern in die Berge, um die Sabbatbraut zu begrüssen.

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Bilder aus Safed in David Heimanns Reisetagebuch

Links von der alten Synagoge sehen wir den höchsten Berg in Erez Israel, den Azmon, 1150 m hoch. Vor uns liegt das Dorf Pekiim in Galiläa mit 50 jüdischen Familien, welche niemals ausgewandert sind und Jahrtausende bis heute im Orte leben. Alte Synagoge.

Safed erlitt 1920 einen Angriff der Araber, wobei es 25 Tote und viele Verwundete gab und das jüdische Viertel zerstört wurde. Wir sehen noch die Ruinen.

Nun geht es nach Tiberias. Wir durchfahren das Gebirge Kanaan, von Gott dem Volke als das Land Kanaan verheissen, 1850 m hoch über dem Meeresspiegel. Von der Höhe erscheint der Tiberias-See mit der Einmündung des Jordan, ganz hinten der schneebedeckte Hermon, vor uns der Kinereth-See, beide 234 m unter dem Meeresspiegel, Chule-Sümpfe, Täler, fruchtbare Tiefebene fast tropischen Charakters. Die Hitze wird immer stärker. Wir wechseln die Höhe von 850 m über, mit 234 m unter dem Meeresspiegel, kommen also rapide in einen Temperaturunterschied von über 1100 m. Wir fühlen das durch eine Depression und eine gewisse plötzliche Taubheit. An der Siedlung Rosch Pinah fahren wir vorbei. Gemischte Wirtschaft. Tel Genezareth, jüdischer Besitz. Diese Siedlung hat schon im alten Israel Bikurim, die ersten Früchte für die Opfer, nach Jeruschalajim geliefert, weil in diesem heissen Klima eine schnelle Reife erfolgt. Wir sehen die jüdische Siedlung Migdal, 500 Seelen, Geburtsort  Magdalenas;  unten am See befindet sich das Grab von Petrus, der Ort Kapernaum. Wir sehen Orangen- und Bananenpflanzungen, passieren die steil abfallenden Migdal-Felsenn, von den Juden in alter Zeit als Feste gegen die Römer gebraucht. Endlich sind wir in Tiberias. Erhitzt, verstaubt. Sofort ins Hotel, wo diese Taubheit nachlässt, erfrischt und umgezogen. Schnell, es ist ¾ 6 Uhr. Hier im Osten ist eine Stunde früher Schabbat.  Wir besuchen die grösste sephardische  Synagoge. Knaben, rund um im Almemor, singen näselnd abwechselnd alte hebräische Heldenlieder, da es noch zu früh ist. Der Chasan popelt in der Nase und spuckt auf den Fussboden. Unten in der Synagoge aber sind auf allen vier Seiten breite, mit Teppichen belegte Bänke, auf denen die Juden, ganz wie die Araber, mit untergeschlagenen Beinen sitzen, nackte Füsse, Schuhe ausgezogen und unter jedem Sitze stehend. Selbst die beiden Chachamim in weissen langen Burnussen mit vergoldeten Schärpen und rotem Tarbusch mit Troddeln sitzen so. Auf der gegenüberliegenden Seite erblicke ich zwei ehrwürdige Greise in langen Gewändern mit Charakterköpfen. Alle Juden tragen den roten Tarbusch mit Troddel oder den Turban. Also auch hier eine gewisse Assimilation an den arabischen Umkreis.

Wir gehen von hier in eine chassidische Synagoge, wo der Gottesdienst später anfängt. Lange Gewänder, Pelzmützen, Streimel, Stirnlocken, hoch interessante Gestalten, Fanatismus. Hier sagt man „Gut Schabbes“, bei den Sephardim „Schabbat Schalom“.

Im Hotel haben wir einen besonderen Tisch. Uns gegenüber jüdische Franzosen aus Algier, die wir schon bei den Sephardim trafen und die jetzt nach ihrem Ritus Kiddusch machen. An unserer Tafel mache ich den Kiddusch. Nachher benschen wir.

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Bilder aus Tiberias in David Heimanns Reisetagebuch

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David Heimann, geboren am 12. März 1864 in Festenberg, Kreis Groß Wartenberg in Schlesien, war ein erfolgreicher Kaufmann für Lederwaren. Sein Geschäft eröffnete er zunächst in Pommern, wo er seine erste Frau Clara, geb. Amfeld ehelichte. Das Paar hatte drei Kinder: Theodor (geb. 1891), Thekla ( geb. 1895) und Else (geb. 1899). Nach einem mehrjährigen Aufenthalt in Oslo zog David Heimann 1904 mit seiner Familie nach Berlin, wo er sich in der jüdischen Gemeinde engagierte und eine Ausweitung des Synagogenbezirkes bis nach Oranienburg erwirkte. David Heimann war Vorsitzender der Synagogengemeinde sowie Kuratoriumsmitglied des Jugend-, Mädchen- und Altersheimes in Berlin-Hermsdorf. Nach dem Tod seiner Frau Clara 1924, heiratete er deren verwitwete Schwester Rosa.

David Heimann musste sein Haus Ende 1940 weit unter Wert verkaufen, nach damaliger Schreibweise “Entjudung”, und mit den noch verbliebenen Angehörigen in das s.g. Judenhaus nach Berlin-Hermsdorf umziehen. Seinen Kindern Thekla und Theodor konnte David Heimann die Ausreise nach England und die USA ermöglichen. David Heimanns eigener Versuch, nach Palästina auszuwandern, scheiterte. Das Palästina-Amt Berlin schrieb ihm: “Bei der Bearbeitung Ihres Fragebogens stellen wir fest, dass Sie bereits 75 Jahre alt sind. Da erfahrungsgemäss die Strapazen einer derartigenReise sehr gross sind, können wir es nicht verantworten, Menchen ihres Alters auf diesem Wege zur Alijah zu bringen.”

Rosa Heimann starb am 1. Januar 1942. David Heimann wurde 11. September verhaftet und drei Tage später mit dem 62. Alterstransport nach Theresienstadt deportiert. Am 29. September 1942 wurde er weiter in Richtung Osten transportiert und galt als verschollen. David Heimann wurde vermutlich im KZ Minsk ermordet.

Im folgenden dokumentieren wir David Heimanns Tagebuch einer Reise nach Palästina im Jahr 1934.