Die ewigen Gäste

Juden in der Republik Türkei zwischen Ausgrenzung, Zwangsassimilierung und Toleranz – Ein Vortrag von Corry Guttstadt mit Diskussion…

Die jüdische Minderheit in der Türkei (gegenwärtig 18-20.000 Menschen) gilt nach weit verbreiteter Meinung als privilegiert und geschützt in einem Land, das sich in seiner modernen Geschichte sonst schwer mit religiösen bzw. ethnischen Minderheiten, teilweise auch regionalen Mehrheiten tut. Aber lässt sich das Bild von der Sondersituation der Juden als „Vorzeigeminderheit“ der Republik Türkei überhaupt aufrechterhalten? Gibt es dort Antisemitismus und aus welchen Quellen speist er sich?

Corry Guttstadt (geb. 1955) studierte Turkologie und Geschichte an der Universität Hamburg und absolvierte ein Forschungssemester am Center for Advanced Holocaust Studies des USHMM in
Washington. Ihre Monographie Die Türkei, die Juden und der Holocaust (Hamburg 2008, 520 S.) gilt schon heute nach einhelliger Meinung der Kritik als Pionierarbeit zur Geschichte der jüdischen
Gemeinschaft in der Türkei. Im Zentrum der Abhandlung steht das Schicksal der sephardischen Juden in Europa während der Schoah und die Haltung der türkischen Regierung, die wenig unternahm, um ihre Staatsbürger zu retten. Michael Halévy: „Nach unserer Kenntnis ist dies die wichtigste Arbeit über die sephardischen Juden türkischen Ursprungs, die Opfer des Holocaust wurden.“

Veranstaltungstermin: Berlin, Freitag, den 15. Januar 2010, ab 19:30
Ort: Haus der Demokratie und Menschenrechte, Robert Havemann-Saal, Greifswalder Str. 4, 10405
Berlin-Friedrichshain
Anfahrt: S-, U- und Regionalbahnhof Alexanderplatz, weiter mit der Tram M4 sowie den Bussen 200
und 240 jeweils bis zur Station „Am Friedrichshain“.

Eine Veranstaltung der Arbeitsgruppe Anerkennung – Gegen Genozid, für Völkerverständigung e.V. – www.aga-online.org

2 Kommentare zu “Die ewigen Gäste

  1. Bei dieser Programmankündigung hat mir nun eines sehr überascht! Es geht also ums: „Juden in der Republik Türkei zwischen Ausgrenzung, Zwangsassimilierung und Toleranz“ Also um Ausgrenzung… Assimilierung… Und es geht um Juden.. und eventuell auch für Juden… ! Und was passiert?? Dann setzen sie eine Veranstaltungstermin: in Berlin, für Freitag, an den 15. Januar 2010, ab 19:30!!!!!!! Also am Erev Schabbat, wo dann NUR die hingehen können die Assimiliert sind… d die andere halten d Schabbat.. und somit sind eben auch ausgegrenzt!

    Die Frage ist und bleibt dann selbstverständlich: Wo ist der Unterschied???

    Schabbat Schalom!

    Tiqvah Bat Shalom

  2. http://buecher.hagalil.com/2008/11/tuerkei/comment-page-1/#comment-295
    von delice am 10. November 2008 gepostet:

    Die Türkei als Zuflucht und verschlossener Hafen

    Mit dem lange angekündigten und nun endlich erschienen Werk „Die Türkei, die Juden und der Holocaust“ legt die Turkologin und Historikerin Corry Guttstadt ein Buch vor, das zu einem Standardwerk über die Situation der jüdischen Minderheit in der türkischen Republik, vor allem aber über die Positionierung der Türkei gegenüber der deutschen Vernichtungspolitik, werden wird“

    Entdeckt im Internet unter folgender Adresse: http://buecher.hagalil.com/2008/11/tuerkei/

    Nun, ich gestehe ich habe das obige Buch nicht gelesen, das tut aber meinen Zeilen deswegen keinen Abbruch. Denn ich will nur einige ganz normale Überlegungen mit einbringen in die Diskussion um „Die Türkei, die Juden und der Holocaust“:

    Ich denke, dass es hier wieder einmal der Versuch ist eine weitere Wadenbeisserei ist, an dem Bild über die „Türken“ oder besser gesagt den Menschen die einfach nur aus der Türkei kommen. Die fehlenden Diskussionspartner von der türkischen Seite beruhen auch, weil die Menschen, um die es hier geht selber so wenig von dieser Zeitspanne von über 600 Jahren wissen! Weil zum einen seit der Gründung der Republik Türkei im Jahre 1923 alles osmanische ausgemerzt und getilgt wurde und zum anderen man mehrheitlich weder der arabischen Schriftzeichen mächtig ist noch diese osmanische Obersprache nicht spricht, weil im Gegenzug die türkische Sprache erst mit Atatürk im ganzen Land eingeführt wurde. Denn diese osmanische Sprache war angereichert bzw. geschwängert von den Sprachen, die das Reich eingenommen hatte. Und so ist die Türkei etwas ganz anderes, als das Osmanische Reich!

    Trotzdem wird der heutige Staat gleichgesetzt mit dem untergegangen Koloss von Staatsgebilde. Heute wissen wir ganz genau, dass die Frauen der osmanischen Herrscher seit der Geschichte mit Timur Lenk, dem lahmen Mongolen, nur noch Sklavinnen aus Herren Ländern waren und schon gar nicht muslimisch. Die Mutter von Fatih dem Grossen, der Konstantinopel eroberte, hatte eine Griechin zur Mutter, er konnte auch sehr gut griechisch, und so ist es ihm zu verdanken, dass die Akropolis in Athen nicht zerstört wurde. Alle osmanischen Herrscher hatten eine Sklavin als Mutter, die immer ihre Religion behalten durfte, niemand musste zum Islam konvertieren, selbst am Todesbett kam ein Priester oder Haham an ihr Bett, wenn sie nicht vorher schon mit Würdenträger des Staates verheiratet wurde. Die einzige, erste und letzte Sklavin, die offiziell nicht nur zum Islam übertrat und einen Sultan heiratete war, die Sultanin Hürrem, die im Abendland als „Roxalene“ bekannt wurde, denn sie heiratete den Sultan Süleyman (Simon), dem Prächtigen.

    Und die Würdenträger waren ausnahmslos Resultate der Knabenlese, der Devschirme, die im Enderum, dafür selektiert wurden. Die mit Gehirnschmalz kamen in den Staatsapparat, die kräftigen in den Armen zu den Yeniser (gesprochen: Yenischer), den Janitscharen, den Elite-Soldaten des Osmanischen Heeres, die im Übrigen auch die Militärmusik begründeten, weil sie immer mit Musik in den Kampf zogen, so dass die Feinde es mit der Angst kriegen sollten.

    Das osmanische Reich war nicht auf eine Nation ein Volk begründet und zugeschnitten. Die Volksgruppen im grossen Reich hatten, solange es die Belange des Staates nicht betraf, eine eigene Gerichtsbarkeit und Urteilsfindung. Und so konnten Kroaten, Serben und viele Mitglieder von anderen Völkern bis zum zweiten Mann im Staate es schaffen, keiner wurde wegen seiner Herkunft benachteiligt, denn nur die Hingebung zum Sultan war wichtig!

    So kann man ich doch die einfache Frage stellen: Wie es denn nach über 600 Jahre vermeintlicher Unterwerfung, dennoch die Völker des Reiches sich plötzlich in Serben, Bulgaren, Kroaten, Ungarn, Rumänen, Russen, Albaner, Griechen, Makedonier und anderen Volksgruppen bezeichnen konnten? Wieso gab es noch so viele Christen verschiedener Richtungen und auch Juden? Ich möchte nicht wissen, was alleine die Habsburger aus diesen vielen verschiedenen Menschen daraus so gemacht hätten!

    Um jetzt auf die Juden zu kommen: Aus der Zeit der spanischen Inquisition wissen wir, dass die meisten sephardischen Juden in das osmanische Reich fliehen konnten. Aber auch sehr viele aschkenasische Juden aus dem Abendland und Russland kamen ebenfalls zu den Muslimen. Vor allem dann, wenn wieder einmal Pogrome an ihnen verübt wurde. Das erfolgte dann immer wenn die christlichen Bauern durch Missernten, Adelige und Landesfürsten sich bei vielem Verspekulierten, so z.B. einen Krieg verloren, dass von Juden finanziert wurde. Es immer jedesmal ein leichtes sich von diesen Schuldscheinen sich zu lösen. Denn man inszenierte immer einen Vorwand, manchmal ging ein Kind plötzlich verloren. Später wurde es tot aufgefunden und schob es den Juden unter, weil sie angeblich damit ihre „frevelhaften Hostien“ feierten, mit frischem Blut eines christlichen Kindes“, und man erinnert sich an Jesus der am Kreuz von den Juden geschlagen wurde, dass Jesus selbst Jude war hat wohl auch nicht viel geholfen, jedenfalls wurden fast alle Juden in ihre Tempel oder Synagogen hineingetrieben und bei lebendigem Leib verbrannt, natürlich samt den Schuldscheinen. Von daher kann man sagen, dass man die „Reichskristallnacht“ nicht als einen Lapsus in der Geschichte sehen sollte, man hatte auch schon viele Jahrhundertelang darin eine Erfahrung, eine gewisse Übung. Oder nicht?

    Und so kamen immer wieder grosse Teile von Juden in ein sie rettendes Land. Schliesslich musste man nur über die Alpen und dann die Habsburger überwinden und schon war man dort. Und die Osmanen wollten und brauchten sie. Sie waren das Gleichgewicht zu den griechischen und armenischen Händlern! Und die Juden zeigten sich schon immer souverän zu der muslimischen Obrigkeit. Es gibt keinen einzigen Vorfall, wo Juden systematisch Pogromen ausgesetzt waren. Sie waren überall im Lande angesehene Händler und konnten zudem Berufe ausüben, die ihnen im christlichen Abendland untersagt war! In Saloniki, der Geburtsstadt von Atatürk, war die Mehrheit der Bevölkerung ganz einfach jüdisch! Hitlers vordringlichstes Ziel war auf dem Balkan auch gerade diese Stadt! Wenn also vor allem nicht die glühenden Phil-Hellenischen Freiheitskämpfer aus Bayern und anderswo gewesen wären, sie sich nicht unbedingt so sehr für die Befreiung der Griechen vor den Osmanen ereifert hätten, wären vielleicht auch viele Menschen noch am Leben, vor allem jüdische Mitbürger in Griechenland! Denn durch das Verdrängen der Osmanen, wurden sie später Freiwild für Hitlers Schergen! Das sollte man auch einmal mit überlegen. Denn anders als in Frankfurt oder anderswo mussten sie hier nie in die Höhe bauen, weil der Magistrat der Stadt eine Ausweitung der Judengasse untersagte! Die Nürnberger gar liessen die Juden erst recht nicht in der Stadt sich ansiedeln. Und so mussten sie die Stadt Fürth vor den Toren Nürnbergs begründen! So konnten die Juden auch keine freien Bürger der freien Reichsstadt Nürnberg sein!

    Was hat sich nicht alles – nach über 600 Jahren der osmanischen Herrschaft – nicht über die Menschen dort ausgetragen. Wie eine Walze kam Hitler, dann die Rote Armee und der grossen Unfreiheit und Unterdrückung, und selbst noch im ausklingenden 20. Jahrhundert mussten zehntausende Menschen grundlos sterben und zehntausende Frauen sich Monatelang den Serben in Lagern auf die ordinärste Art mit ihnen Sex treiben, und mussten diese ungewollten Kinder auch noch austragen, denn mindestens solange wurden sie festgehalten. Draussen hatten sie auch niemanden mehr, denn ihre Männer und Kinder wurden ja schon vorher unter ihren Augen zum Spass ermordet! Und das aufgeklärte Europa schaute genüsslich zu!

    Anders, als bei manchen Völkern in Europa üblich, führen Türken nie Buch über ihre Hilfen, so dass natürlich Historiker von Heute damit ihre Schwierigkeiten hatten. Es schickt sich auch nicht über seine Gaben (Sakat) und guten Werke in der Öffentlichkeit breitspurig zu berichten. Diese Krämerseele haben wir nicht! Auch haben wir keine sehr gut geölte Verwaltung, die selbst vor einer Vernichtung eines Menschen dessen Inventar auflistet. Und so müssen wir die Krümelglauber der Geschichte hier enttäuschen, auch wenn sie sich als Turkologin ausgibt und eigentlich keine Historikerin sein kann!

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