Weihnachtsbäume „verletzen religiöse Gefühle“

Israelische Hotels, Restaurants und Clubs dürfen keine Weihnachtsbäume aufstellen, ihre Gäste nicht mit Weihnachtsmännern erheitern, keine rote Mützen austeilen oder „christliche Symbole“ in ihren öffentlichen Räumen aufstellen. Eine entsprechende „Empfehlung“ hat das Oberrabbinat ausgegeben…

Von Ulrich W. Sahm, Jerusalem, 22. Dezember 2009

Zusätzlich geht in letzter Zeit eine Rabbinergruppe namens „Lobby für jüdische Werte“ gegen Hotels und Restaurants vor, die gegen diese Regel verstoßen. „Wir planen, die Namen der Einrichtungen zu veröffentlichen, die christliche Symbole aus Anlass der christlichen Feste aufstellen und zu einem Boykott gegen sie aufzurufen“, zitiert die Zeitung Jedijot Achronot jene Lobby.

Auch die Stadtrabbiner von Jerusalem gehen gegen solche „christlichen Symbole“ vor und drohen den Restaurants und Hotels, die Koscher-Urkunden zu nehmen. Fromme Juden meiden Gaststätten ohne eine solche Urkunde, sodass ein Verstoß gegen den Willen der Rabbiner erhebliche wirtschaftliche Auswirkungen haben kann, obgleich die Speisen genauso koscher vorbereitet werden.

Derweil liefen beim israelischen Außenministerium Beschwerden gegen die „Empfehlung“ der Oberrabbiner ein. Der Vatikanbotschafter Motti Lewy erhielt eine Klage aus dem Vatikan und hörte Kritik in den italienischen Medien. Beim Botschafter in Washington beschwerten sich christliche Kongressabgeordnete. Das Außenministerium wandte sich daraufhin an den Generaldirektor des Oberrabbinats, Oded Weiner, und erfuhr, dass es sich nicht um ein „bindendes Verbot“, sondern nur um eine „Empfehlung“ handle, an öffentlichen Plätzen, wie Hotel-Lobbys keine christlichen Symbole aufzustellen. Gleichwohl dürften die Hotels zum Beispiel in „geschlossenen Räumen“ am 31. Dezember Sylvester-Feiern ansetzen, „ohne die Koscherurkunde zu verlieren“. Doch in „öffentlichen Räumen sind Symbole tunlichst zu vermeiden, die Gefühle von Menschen anderer Religionen verletzen könnten“, erklärte Weiner.

Die Protokollabteilung des Außenministeriums sorgte auch in diesem Jahr wieder für die Austeilung von Pinienbäumchen an alle rund 8000 in Israel dienenden Diplomaten. Ebenso konnten Journalisten wieder bei einer Baumschule nahe dem Ela-Tal, wo David gegen den Goliath kämpfte, einen Baum auswählen und frisch fällen lassen. Während früher die Bäume kostenlos an Kirchen, Diplomaten, Journalisten und sonstige Christen ausgeteilt wurden, gab es diesmal eine gestaffelte Spendenforderung. Allein Botschafter bekämen ihren Baum kostenlos, erklärte ein Förster. Journalisten bräuchten nur umgerechnet 6 Euro pro Baum zahlen, während alle anderen, auch die Diplomaten, mit einer freiwilligen Spende in Höhe von 14,- Euro pro Baum zur Kasse gebeten werden.

© Ulrich W. Sahm / haGalil.com

69 Kommentare zu “Weihnachtsbäume „verletzen religiöse Gefühle“

  1. Nur scheinen die von Dir, Willow, aufgezählten Themen irgendwie ernsthafter als eine Diskussion über Weihnachtsbäume. Wer die ernst nimmt, ist selbst schuld. Aber für die europäische Presse sind die genau deshalb gefundenes Fressen.

    Sorry, meine Grammatik hatte den Geist aufgegeben.

  2. @Olaf
     
    „Wie Carla berichtete, ist in Israel die Diskussion über den Einfluss des Rabbinats aufgekommen.“
     
    Nun, diese Diskussion gibt es schon seeehr lange und nach meinen Eindrücken steuert sie auf einen neuen „Höhepunkt“ zu… zum Beispiel wird gerade über die Frage gestritten, ob israelische Gastgeber Staatsbesucher auch in einem der vielen sehr guten Nicht-Kosheren Restaurants bewirten dürfen – in denen durchaus auch namhafte Politiker regelmäßig „gesichtet“ werden. (Ja! Es gibt auch nicht koshere Restaurants, gute und nicht so gute… religiöse Juden machen z.B. einen Riesenbogen um Gaststätten, in denen russische Schriftzeichen im Kneipenschild oder der Speisekarte auftauchen – und natürlich gibt es z.B. auch arabische Restaurants) Oder das Thema einer säkularen Eheschließung, öffentlicher Transport am Shabat, Tierfutter & Zahnpaste zu Pessach… diese Diskussionen sind wirklich nicht erst über Weihnachtsbäumchen ausgebrochen, keineswegs.
     

  3. Hallo Ester,
    erstmal vielen Dank für Deine Antwort. Ich hoffe, Dir und den anderen Lesern nicht den Eindruck vermittelt zu haben, mir sei alles nicht so wichtig. Ich teile schon einige der geäußerten Bedenken. Meine Zerstreuungsversuch waren keine Reaktion auf JK. Ich wollte mich nicht auf diese Niveau begeben. Mir ging es um die ganze Aufgeregtheit zu diesem Thema.

    Vorurteile lassen sich nicht immer leicht abbauen und Vergleiche haben auch ihre Tücken. Mit mehr Toleranz im Umgang miteinander lässt es sich besser leben.
    Es ist nicht nötig Städte, weder in Israel noch in Deutschland oder woanders, zu Weihnachten zu dekorieren. Man muss sich ebenso in die Lage der Israelis versetzen können. Wozu sollen sie überhaupt dekorieren? So ist doch jeder kleine Tannenbaum eine freundliche Geste an Besucher aus christlich geprägten Ländern. Stellt man in Deutschland zu Chanukka etwa Leuchter auf? Geh hier mal auf die Straße und frage was Chanukka ist.

    Ich bitte um etwas Vorsicht im Umgang mit dem Artikel. Es könnte leicht der Eindruck entstehen, dass es bei der Empfehlung des Oberrabbinats, deren Inhalt uns als Quellenmaterial nicht zur Verfügung steht, und der Vorgehensweise der „Lobby für jüdische Werte“ sich um eine Art Komplott handelt. Eine Institution gibt eine Empfehlung raus und die Lobby sorgt für die Umsetzung. Dies wäre ein sehr trauriger Zustand, ich hoffe er ist nicht wahr. Der erste Absatz des Artikels berichtet über die Empfehlung des Oberrabbinat, zweiter und dritter Absatz über sie sogenannte Lobby und einige Stadtrabbiner, vierter Absatz berichtet über ausländische Reaktionen zu Absatz 1 und Klarstellungen des Oberrabbinats. Somit schließt sich der Kreis für den Leser und entsteht so ein wohl nicht gemeinter Zusammenhang. War das beabsichtigt oder nicht, entspricht es der Wirklichkeit? Ich kann es von hieraus nicht sagen.

    Auch wenn man den Sinn der Empfehlung in Frage stellt, sehe jetzt keinen Grund zur Aufregung. Ich lebe hier in Deutschland und will von hier aus keine guten Ratschläge in Richtung Israel dazu geben. Wie Carla berichtete, ist in Israel die Diskussion über den Einfluss des Rabbinats aufgekommen. Vielleicht berichtet uns Carla noch etwas über die Diskussion.

    Ärgerlich wird es, wenn man auf selbsternannte Sittenwächter trifft. Ich hatte meine Meinung dazu schon abgegeben. Die können wir morgen auch treffen, aber eben auch in Deutschland.

    Liebe Esther und die anderen, bitte versucht nicht zu vergleichen. Wir können nicht einfach Vergleiche oder Parallelen in dieser Diskussion aufstellen. Es geht hier nicht um Naturwissenschaften oder Mathematik.
    Wenn ich in Israel in ein Restaurant gehe, gehe ich in Israel in ein Restaurant und eben nicht in Deutschland. Bisher hatte ich die Koscher-Zertifikate nicht gesehen und ich nehme an, dass alle Restaurants koscher sind, egal ob zertifiziert oder nicht. Wenn da noch eine kleine Tanne stehen sollte, kann ich mich ja darüber freuen, muss es aber nicht. Ich treffe meine Restaurantwahl nicht nach Baum oder nicht Baum. Dem Besitzer wünsche ich deshalb nicht den Entzug des Zertifikats. Und schon gar nicht sollten wir erwarten, dass man uns in Israel mit Baum und Weihnachtsmann empfängt. Es geht hier nichts nach hinten los. Ich will privat nicht auf den Weihnachtsbaum verzichten, aber in Israel kann ich auf den Weihnachtsbaum in der Öffentlichkeit, im Hotel oder im Restaurant verzichten. Kein Rabbi sagt, dass wir auf Weihnachten, die Tanne oder den Weihnachtsmann verzichten sollen oder müssen, weder die Menschen in Israel noch in Deutschland müssen darauf verzichten.

    Und noch etwas Lebenserfahrung – Erfahrung aus Fernost: Missionierung läuft meistens hart ab, sehr hart. Die eigene Kultur, die eigenen religösen Wurzeln, selbst die eigene Familie wird der Verachtung preisgegeben. Christentum hätte die Lösungen für die Probleme mit der Industriegesellschaft, so wird behauptet. Und bei uns: Ganz selten kommt mal ein kritischer Bericht darüber. Wenn man die Welt mal anders sieht, dann wird man klein und nachdenklich. Schulamith hat weiter oben (23.12.) schon etwas über Missionierung geschrieben.

    Wir werden weiterhin Weihnachten feiern, aber ganz bürgerlich und auch mit einem Baum mit Kerzen aus Wachs, Gänsebraten mit Klößen und Rotkraut und solange es noch geht mit dem Weihnachtsmann. Wir lassen es uns nicht nehmen, auch wenn einige ihre Bedenken zu unserem Brauch äußern. Wie kann eine Familie Weihnachten feiern, wenn keiner getauft ist?

    So, ich werde mich jetzt endgültig aus dieser Runde verabschieden. Die Zeit wird wieder knapper, der Urlaub ist vorbei, unser Kind muss wieder in die Schule, Dienstreisen stehen an. Irgendwo treffen wir uns wohl mal wieder.

    Und nicht vergessen: Bald ist Ostern! Schaut mal rein bei Hagalil! Wird es einen Osterhasenartikel geben oder nicht? Der Artikel ist doch schon längst in der Vorbereitung. Und wie ich Euch kenne gibt es dann wieder die super aufgeregte Diskussion. Oder?

    Also bis dann
    Euer
    Olaf

  4. Hallo Olaf und alle zusammen,
    noch ein kleiner Nachtrag, um etwas verständlicher zu machen, worum es mir eigentlich geht:

    Vor ein paar Monaten z.B. gab es in Israel eine Kontroverse um eine geplante Ausstellung von Madonnenbildern, die die Gesichter palästinensischer Selbstmordattentäterinnen trugen… Soweit ich die Diskussion bei HaGalil verfolgt habe, ging es hier nicht mal ansatzweise darum, ob diese Bilder die Gefühle von (zumindest orthodoxen oder katholischen) Christen verletzen könnten. Letztlich scheiterte das Ganze aufgrund der Proteste von Angehörigen der Opfer der Selbstmordanschläge.

    Meine drei Beispiele – Minarettverbot, Weihnachtsbäume, Madonnenbilder – sind natürlich nur in einzelnen Aspekten miteinander vergleichbar. Dennoch finde ich, sollte man sich ernsthaft überlegen, ob bereits der Anblick von Symbolen anderer Religionen (wenn ja, welcher?) die eigenen religiösen Gefühle verletzt bzw. ob diese für einen nur dann „erträglich“ sind, wenn sie verunglimpft werden.

    Im übrigen: Israel ist natürlich schön, Deutschland ist auch schön und überhaupt die ganze Welt ist schön! 🙂

    Entspannte Grüße, Esther

  5. Hallo Olaf,
    manche der Kommentare waren u.a. auch als Reaktion auf JK verständlich und vielleicht auch notwendig – nur hatte ich das Gefühl, daß sie allzu bereitwillig vom Thema des Artikels abdrifteten… Im übrigen rennst Du bei mir offene Türen ein, wenn Du dafür plädierst, die Kirche/ Moschee/ Synagoge lieber im Dorf zu lassen und die Dinge in die richtige Relation zu rücken.
     
    Was das Thema betrifft, so springen mir v.a. die Parallelen zum schweizer Minarettverbot ins Auge, bei dem wesentlich weniger Hemmungen bestanden, sich in die „inneren schweizer Angelegenheiten“ einzumischen. Zwei Unterschiede muß man natürlich nennen: In der Schweiz handelte es sich um eine Volksabstimmung, in Israel um eine Empfehlung des Oberrabbinats, weswegen zu fragen ist, wen die Oberrabbiner eigentlich repräsentieren. Außerdem dürfte das Minarett für den Islam von größerer Bedeutung sein als der Weihnachtsbaum für das Christentum.
     
    Für mich persönlich ist ein Weihnachtsbaum in einem koscheren Restaurant auch eher widersinnig und ich kann mir nicht vorstellen, daß ihn gläubige oder ungläubige Christen dort tatsächlich erwarten. Ebenso stimmt es, daß der einzige einigermaßen bedeutungsvolle Weihnachtsbaum derjenige ist, den man selber geschmückt hat und um den sich die Familie am Weihnachtsabend versammelt oder vielleicht der in der Kirche während der Christmette – alle anderen besitzen ohnehin nur den Rang von mehr oder weniger stimmungsvollen Dekorationsobjekten. Es ist allgemein bekannt, daß viele Weihnachtsbräuche heidnischer Herkunft sind, keinem religiösen Gebot entsprechen und daher auch keine religiösen Symbole im engeren Sinne darstellen: Sie sind, wie die bisherige Diskussion gezeigt hat, für Christen sowohl verzichtbar als auch problemlos mit Nichtchristen teilbar.
     
    Der Haken an diesem wunderschönen Argument liegt nur darin, daß es leider nach hinten losgeht… Je verzichtbarer Weihnachtsbäume und Weihnachtsmänner aus christlicher Sicht sind, desto unverständlicher ist es, warum die Oberrabbiner sie unbedingt zu einem Problem hochstilisieren wollen und eigene religiöse Gefühle dadurch verletzt sehen. Warum wird sofort die Drohkulisse wirtschaftlicher Erpressungsmöglichkeiten (Entzug von Koscher-Zertifikaten und Boykottlisten) aufgebaut?
     
    Viele Grüße, Esther

  6. Hallo Roccu,
    ich denke, wir beide schweifen zu sehr vom Weihnachtsbaumthema ab. Wir sollten lieber auf einer anderen Welle quatschen.

    Viele Grüße
    Olaf

    Hallo Esther und alle zusammen,

    ich verstehe schon, dass das Thema die Gemüter auch nach Abschiebung in den Archivteil weiter bewegt und interressant bleibt. Zur Eurer Information verweise ich auf einen Artikel in der letzten Ausgabe der Jüdischen Allgemeinen:

    http://www.juedische-allgemeine.de/epaper/pdf.php?pdf=../imperia/md/content/ausgabe/2009/ausgabe52/04.pdf

    Ich ziehe mir gerne den Schuh eines Verharmlosers und Relativierers in dieser Sache an. Mich störte die Art der Diskussion zuvor. Dieses dauernde Vergleichen. Kommt erst mal auf andere Gedanken! Macht Euch nicht fertig, da haben nur andere ihre Freude dran. Esther, was erwartest Du von der Diskussion?

    Sicher, es bleibt die Frage nach dem Einfluss des Oberrabbinats. Wenn aber selbsternannte Sittenwächter durch Restaurants und Hotels patrouillieren, um Boykottlisten zu erstellen, bleibt neben allen gesellschaftlichen Fragen, die Frage nach dem Gewaltmonopol im Lande. Das sollte beim Staat liegen. 

    Das Tröstliche: Man spricht darüber und auch dort wo man darüber sprechen sollte, in Israel.

    Viele Grüße

    Olaf

  7. Irgendwie ist das hier doch eine recht seltsame Diskussion… Ein ganzes Aufgebot von „Verharmlosern und Relativierern“ (das ist jetzt nicht bös gemeint, sondern bezeichnet nur die Wirkung solcher Äußerungen) erklärt uns, daß auch in Israel nichts so heiß gegessen, wie es gekocht wird und daß einer säkular orientierten Zivilgesellschaft die Empfehlungen des Oberrabbinats ziemlich am A…. vorbeigehen. So manche Empfehlung des Papstes ereilt – zum Wohle der Menschheit – ein ähnliches Schicksal. Darauf hinzuweisen, ist natürlich schön und gut und auch irgendwie richtig… Den kleinen Seitenhieb (Olafs) auf die HaGalil-Redaktion als Überbringer schlechter Nachrichten übergehen wir mal und kommen gleich zum Kern der Sache:
     
    Das Oberrabbinat – und nicht irgendeine religiöse Splittergruppe – vertritt die Ansicht, daß bereits der Anblick von Symbolen anderer Religionen eine Verletzung religiöser Gefühle darstelle und daher verhindert werden müsse. Das muß man sich mal auf der Zunge zergehen lassen! Die theologische Begründung würde mich wirklich interessieren. Denn letztlich geht es wohl weniger um religiöse Gefühle, sondern vielmehr um einen „Kampf der Kulturen“ (nebenbei auch der religiösen mit der säkularen)… Und die Oberrabbiner scheinen in einer so langweiligen Weltgegend wie Jerusalem offensichtlich nichts besseres zu tun zu haben, als sich genau diesem zu widmen.
     
    Wenn sie es bei einer bloßen Empfehlung beließen, so könnte man das ja noch verstehen – denn niemand möchte gerne andere Götter neben sich haben. Aber der (willkürliche) Entzug der Koscher-Urkunde als Druckmittel/ Sanktionsmaßnahme geht darüber doch deutlich hinaus. Noch problematischer ist es, wenn selbsternannte Sittenwächter durch Restaurants und Hotels patrouillieren, um Boykottlisten zu erstellen… Solche Konsequenzen sollte die geistliche Führung bedenken, bevor sie solche Entscheidungen trifft – oder hat sie das etwa?

  8. Bei dieser kommentarreichen Tanne-Toleranz-Diskussion stellt sich mir eine Frage: Sollte ich (rk) an Weihnachten auf die Idee kommen, den einzig wahren Weihnachtsbaum (nämlich die von mir und meinen „Lehrmädchen“ = Töchtern) getakelte Tanne/Fichte o.ä. zu verlassen und auf Pilgerpfaden im Heiligen Land zu wandeln – Was brächte mich eventuellen Erbauungsgefühlen ob der Nähe zum Leben und Wirken Jesu näher: Rote Mützen und Weihnachtsbäume (womöglich aus Plastik!!) in Hotelhallen und eines der netten Kärtchen, die ich im Büro höflich zurückgrüßend beantworte um sie wenig später als ordentlicher deutsche Mülltrenner ins Altpapier zu geben, oder das was in Israel jüdisch ist? Was man an jüdischer Lebensweise, Theologie, Philosophie, Diskussion – was weiß ich – mitbekomen kann? Ich meine, um Elemente des in den letzten 20-30 Jahren sich extrem entwickelnden Weihnachtsrummel mitzubekommen, fahre ich doch nicht nach Jerusalem, da suche ich mir doch eine passende europäische oder amerikanische Großstadt, oder? Es ist mir egal, ob in Hotels irgendwo auf der Welt – incl. D – Weihnachtsbäume stehen und es ist mir egal, was geistliche Vertreter anderer Religionen dazu sagen, dass ihre Glaubensbrüder Weihnachtsbäume aufstellen. Ich mag die Bäume, aber irgendwie sind sie für mich eher Brauchtum, das sich verbreitet hat. Und wenn Nichtchristen Spaß dran haben oder sie aus anderen Gründen als Deko verwenden, ok. Und was die eigentlichen Symbole betrifft – irgendwie fände ich Kreuzchen-Deko – so als Tisch-, Raum- und Fensterschmuck – mit dem Sinn, dass Touristen aus christlichen Ländern sich nett begrüßt fühlen, etwas befremdlich. Und da möchte ich nicht wissen, was da die geistlichen Führer der meisten christlichen Konfessionen Feuer spucken würden…

  9. hallo olaf
    da gebe ich dir vollkommen recht israel ist immer gefragt aber sobald dort etwas passiert wird storniert wie nirgendwo , dabei finden terroranschlaege meist in anderen laendern oefter statt und da sogar auf touristen was in israel nicht der fall ist und hoffentlich auch nie sein mag.nehme ägypten als beispiel da expoldiert eine bombe im hotel,alles storniert und in einem monat buchen die leute als sei nix gewesen und vergessen dieses auch.spricht man sie auf israel an da wollen alle hin haben aber angst wegen anschlaegen.paradox ist aber leider so in der branche.ich liebe dieses land und die leute die verschiedenen kulturen und die religionen die ja auch sehr unterschiedlich sind.klar bei fragen wie konfliktloesungen da hört man verschiedenen teils für uns nicht akzeptable antworten,aber wenn man eine zeit dort lebt dann versteht man vieles.
    viele grüsse
    roccu

  10. Hallo Roccu,
    ich war wieder zum Arbeiten dort, also kein Urlaub.  Fünf Fabriken in 1,5 Wochen, vom Kibbutz nahe der libanesischen Grenze bis runter nach Sderot. Dabei ein interessantes und schönes Wochenende auf den Golanhöhen und auf Masada am Toten Meer verbracht.  Ich habe es mit Arbeitern, Technikern, Ingenieuren und Managern zu tun. Im Regelfall sind alles sehr vernünftige Leute.   Ich schaue auch nicht weg, sehe aber auch manches anders. Ich halte mich raus, auch zu religösen Problemen.  Ich beschränke mich auf Fragestellung, lass mir dann alles erklären. Frage nach Lösungsvorschlägen. Zugegeben, letztes Jahr war das doch  etwas frustrierend. Auf meine Frage, welche Lösung sich anbietet gabs nur zur Antwort: Keine.  Dieses Jahr schauten die Israelis doch etwas optimistischer in die Zukunft.  Die Menschen in Israel können selbst denken, diskutieren und Lösungen entwerfen. Die Israelis, Carla und andere, schaffen das schon alleine. Mir steht es  nicht zu, als moralischer Weltverbesserer aufzutreten.  Ich sehe erstmal die positiven Dinge: Da haben es Millionen  geschafft ein Land aufzubauen und am funktionieren zu halten und noch immer werden  Tausende aus aller Welt jedes Jahr integriert. Wir haben Respekt, Vertrauen und gegenseitige Anerkennung untereinander erreicht. Wir können noch mehr erreichen. Die Israelis finden Deutschland ganz okay und Berlin steht als Reiseziel ganz oben an. Umgekehrt sollte das auch gelten.
    Viele Grüße
    Olaf

  11. na das dieses subjekt von kissly sich selbst antisemit nennt ist gar köstlich.sich selbst als unmenschen darzustellen da gehört schon ne portion mut hinzu na oder besser gesagt dummheit.bei uns im rheinland gibt es ein lied das genau passend zu ihm wäre :die hinger de jardinge stonn un spingste dat sinn die schläädse minsche!

    nun und olaf ich reise sehr oft nach israel und habe dort auch schon gelebt also nicht nur urlaub machen mit mietauto und kibbuzim besuche,nein so richtig mit wohnung und und vielen freunden auf israelischer und palästinensischer seite und kann dort einfach nur sagen den hass und hader verbreiten meist die politiker sowie die wirtschaft und eine gewisse minderheit die meint alles sei auf teufelkommraus ihres.das wahre leben dort sieht anders aus.doch stehe ich zu meiner ansicht das hoteliers und tourismus sich schon den touristen offener gegenübertreten sollen ,sie leben davon und reissen sich um jeden gast und da die mehrheit der touristen christen sind und ins heilige land kommen und pilgern ist es eine kleine aufmerksamkeit eventuell ein weihnachtsgruss auf dem zimmer zu lassen.da die politik und die intifada schon etliche male es geschafft haben den tourismusstrom abzureissen so sollen sich die herren des oberrabbinats mal kräftig zusammenreissen. so ist es einfach und daherzukommen wie manch einer hier sagt das ist israel und die koennen  machen was sie wollen in diesen sachen so sage ich lieber nein,denn vom tourismus leben die israelis grösstenteils schon.wie auch erwähnt in den zimmern und nicht ein kitschigen blinkelampenbaum im foyer des hotels.man kann sich schon sehr anstellen und man kann sich auch alles verbauen.ich habe es jahrelang gesehen als ich dort lebte was man sich verblocken kann und was gemacht wurde und was nicht da koennte ich einiges aufschreiben und das sieht man nicht wenn man in israel nur urlaub macht.

  12. @Kissly
    „Denn: Wo Unrecht zu Recht wird (Israel) wird Widerstand zur Pflicht….“
    „..JK – ja nennen Sie mich einen Antisemiten – aus ihrem Mund ist das ein Lob.“

    Bemerken Sie den Widerspruch?

  13. @ Olaf
    Ich bin Israelin und schreibe dir aus Israel, schreibe dir davon, wie das hier diskutiert wird, in der Annahme, dass du nicht hebräisch sprichst..
    Ich habe nicht behauptet, dass die Demokratie in Gefahr ist durch diese Empfehlung, sondern darauf hingwiesen, dass dadurch Diskussionen über den Einfluss der Rabbanut wieder hoch gekommen sind.

    Carla

  14. @Ingrid
    Ja Ingrid Sie haben Recht:
    Israel ist ein jüd.Staat – und …
    Und wenn es anderswo Antisemitismus gibt haben die Juden das zu akzeptieren – und damit habe ich die bodenlose Dummheit ihrer Aussage bewiesen.
    Denn: Wo Unrecht zu Recht wird (Israel) wird Widerstand zur Pflicht.
    Und das fängt schon mit der ethnischen Säuberung Palästinas in den 40er Jahren durch Juden an.
    Dagegen sind ja die Benes Dekrete in der ehemaligen tschech.Republik noch richtig demokratisch.
    JK – ja nennen Sie mich einen Antisemiten – aus ihrem Mund ist das ein Lob.

  15. An Carla und Gerrit,
    Danke für Eure sachlichen Antworten bzw. Hinweise. Mich stört diese Vielfalt von Reportagen zu Reizthemen und die dann aufschäumende Kommentarflut und dieses sich gegenseitig fertig machen. Da entsteht ein verzerrtes Israelbild in den Köpfen.

    Liebe Carla,
    auch wenn die Weihnachtsbaumgeschichte als Lückenfüller in den Abendnachrichten kam und hier und dort kommentiert und diskutiert wird, geht Israels Demokratie nicht gleich den Jordan runter und versalzt im Toten Meer. Nur Geduld! Israel ist immer noch ein junger Staat, eine junge Demokratie. Man sollte das nicht an den Jahren seit der Staatsgründung messen sondern an den Menschen im Land. Ein großer Teil sind Einwanderer aus Rußland, Osteuropa, Äthiopien, den arabischen Ländern. Alle brauchen ihre Zeit Fuß zu fassen, sich anzupassen, eine eigene Meinung zu haben und sich zu behaupten. Eines Tages stellt sich diese Frage, wieviel Einfluss man dem Rabbinat zugesteht neu. Es wird auch Antworten auf noch andere Fragen geben. Lassen wir das die Menschen in Israel diskutieren! Es ist ihr Land, ihre Demokratie.

    Lieber Gerrit,
    Danke für Deine schöne Recherearbeit. Wenn alles gut geht bin ich in drei Jahren beim gleichen Kunden und im gleichen Hotel. Mal sehen, ob dann die CD nochmal gespielt wird. Dann höre ich genauer hin.

    Nun gilt es diesen ewigen Diskutanten im Weihnachtsbaumforum zu sagen: Fliegt nächsten Herbst mal nach Israel! Macht einfach Badeurlaub oder eine Wüstentour. Lernt Land und Leute kennen.

    Viele Grüße
    Olaf

  16.  
    Hallo,
     
     
    also ich versteh die Aufregung nicht.
    Weihnachten ist in Israel kein offizielles Fest, warum sollen die Hotels und öffentliche Gebäude dann Bäume aufstellen?
    Die Israelis haben ihre eigenen Feste und dafür sicherlich die entsprechende Dekoration.
    Ich kann die Rabbiner gut verstehen. Das ist keine Intoleranz, sondern die Wahrung der eigenen Kultur.
    Wenn ich als Tourist zu Weihnachten ins Ausland reise, kann ich nicht erwarten, dass überall auf der Welt, alles so wie in Deutschland ist.
    Wir wollen die Vielfalt der Kulturen erhalten. Einheits- Weihnachtskitsch -Made in China- gibt es schon genug.
     
    Wir waren im Herbst in Israel, einfach Flug und Mietwagen gebucht und Privatunterkünfte im Internet gesucht.
    Es war einer unser schönsten Urlaube! Kann man nur empfehlen!
    Wir sind über 1000 Kilometer durch das ganze Land gefahren und haben viel gesehen.
     
    Beste Grüße!
     
     

  17. Frage an Radio Erivan:  … ab wann gilt ein Kritiker der israelischen Politik oder der jüdischen Kultur automatisch als „Antisemit“ ???

    Antwort: Im Prinzip sofort … außer ( den Rest konnte ich leider nicht mehr verstehen und mitschreiben … )

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