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Kabbalistisches Glossar (1): Aba – Ima

Eine kabbalistische Stichwortsammlung zu Konzepten und Personen…

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Abba, „Vater“; in der „kabbalistischen Terminologie Bezeichnung für die „Sefira „Chochma. Abba und „Ima („Vater und Mutter“) sind „kabbalistische Termini für „Chochma und „Bina, die die „Middot (emotionale Attribute) „gebären“.

Adam Kadmon, Bezeichnung für die erste und höchste Form des Seins, in der sich der Unendliche nach dem „Zimzum offenbart.

Aggada, aram. „Erzählung“, Pl. Aggadot. Die nicht-gesetzlichen Teile der Mündlichen „Tora. Die Aggada umfasst verschiedene erzählerische Traditionen: Geschichten mit ethischer Anleitung, Weisheits- und Wundergeschichten, Anekdoten, Gleichnisse, Rätsel und vieles andere. „Die meisten Geheimnisse der Tora sind in der Aggada verborgen“ (R. Schneor Salman von Ljadi, Hilchot Talmud Tora 2:2, 2:9). Die Aggada zielt in der Auslegung der Tora nicht auf die Herleitung praktischer Normen, sondern vielmehr auf die Ideen, die religiös-ethischen Werte, die dahinter stehen. Im Gegensatz zur „Halacha ist die Aggada nicht autoritativ, so kann aus einer Aggada keine Halacha abgeleitet werden.

Aggadot, Pl. zu „Aggada.

Ahava, „Liebe“ (zu G‑tt); eine der Seele innewohnende Qualität, die Ursprung für die Erfüllung der 248 Gebote (s. „Mizwa) des Judentums ist. Ahava Rabba, Ahavat Olam, Ahava BeTaanugim etc. sind verschiedene Ausdrucksformen und Stufen der Liebe.

Amoräer, von hebr. „Amora“, Pl. „Amoraim“, „Sprechender“, Ausleger; Bezeichnung für die Gelehrten in der Zeit vom Abschluss der „Mischna bis zum Abschluss des Babylonischen „Talmuds (200-500 n.Z.).

Arich Anpin, aram. „langes Gesicht“, s. „Keter.

Assija, Welt der „Tat“, vierte der „Vier Welten.

Atik, höchste Ebene nach dem „Zimzum, auch als „Keter bezeichnet.

Atik Jomin, „abgetrennt von den Tagen“, s. Dan. 7:9 u.a. Bezeichnung für die innere Dimension von „Keter, den Ursprung der Zehn „Sefirot.

Azilut, Welt der „Emanation“, erste der „Vier Welten; etymologisch verbunden mit „ezel“, „nahe“, d.h. nahe zum Ursprung der Schöpfung, dem „Ejn Sof, daher noch immer in einem Zustand der Unendlichkeit.

Baal Schem Tov, Israel, 18. Elul 5458 – 6. Sivan 5520 (1698-1760), Offenbarer der „Chassidut und erster Führer der chassidischen Bewegung.

Ban, hebr. ב״ן ; G‑ttesname, dessen Zahlenwert 52 ergibt (s. „Gematria).

Barajta, aram. „Draußenstehende“; jede „Halacha oder „aggadische Tradition, die nicht in die von R. „Jehuda HaNassi redigierten „Mischna aufgenommen wurde. Die anonyme Barajta wird durch eigene Kennworte eingeleitet: Tanja – „es wurde gelehrt“, Tannu Rabbanan – „unsere Meister haben gelehrt“, im Gegensatz zu Tenan – „wir haben gelehrt“, das stets eine „Mischna einleitet. Es gibt verschiedene, zum Teil verlorengegangene, Sammlungen von Berajtot (z.B. Tosefta).

Bar Mizwa, „Bar“ ist aram. für „Sohn“, „Mizwa“ ist hebr. für „Gebot“ (s. „Mizwa), also „Sohn des Gebots“, Bezeichnung für einen Jungen mit Vollendung des 13. Lebensjahres, der damit religiös volljährig wird. Das Mädchen wird bereits mit Vollendung des 12. Lebensjahres religiös volljährig.

Berajtot, Pl. zu „Barajta.

Barchu, „Segnet (den Ew‑gen, den Gesegneten)“, Teil des Morgen- und Abendgebets, der nur bei Anwesenheit eines Quorums von zehn erwachsenen Männern („Minjan) gesprochen wird.

Bejnoni, „Durchschnittsmensch“; R. Schneor Salman von Ljadi zeigt in seinem Sefer Schel Bejnonim („Buch der Durchschnittsmenschen“, ein alternativer Titel für das Buch Tanja) auf, dass jeder Jude über das Potential und die Möglichkeit verfügt, die Stufe des Bejnoni zu erreichen, d.h. weder in Gedanke, Wort noch Tat zu sündigen. Der äußerlichen Kontrolle über Gedanke, Wort und Tat zum Trotz bestehen aber beim Bejnoni Wesen und Essenz seiner tiergleichen Seele in ihrer angeborenen Stärke und erfordern ständige Wachsamkeit und Bekämpfung.

Bejnonim, Pl. zu „Bejnoni; Sefer Schel Bejnonim, das „Buch der Durchschnittsmenschen“, ist ein alternativer Titel für das Buch Tanja.

Beria, Welt der „Schöpfung“, zweite der „Vier Welten.

Bina, „Verständnis“, zweite der Zehn „Sefirot; in diesem zweiten Stadium des intellektuellen Prozesses wird das Urkonzept („Chochma) entwickelt.

CHaBaD,

1. Akronym für „Chochma („Weisheit“), „Bina („Verständnis“), „Daat („Wissen“); die ersten drei „Sefirot; die drei Stufen des intellektuellen Prozesses.

2. Bezeichnung für die philosophische Schule und „chassidische Bewegung, die von R. Schneor Salman von Ljadi begründet wurde. Siehe auch „Lubawitsch.

Chaja, zweithöchste von fünf Ebenen, auf denen die menschliche Seele zum Ausdruck kommt: „Nefesch, „Ruach, „Neschama, Chaja und „Jechida.

Chajot, Art von Engeln.

Chassadim, Pl. zu „Chessed, „Güte“. Aspekte der Güte.

Chassid, der „Gütige“, „Fromme“; Anhänger des „Chassidut.

Chassidim, Pl. zu „Chassid.

chassidisch, zu „Chassidut gehörend.

Chassidismus, s. Chassidut

Chassidut, hebr. „Chassidismus“. Innere, mystische Dimension der „Tora, wurde auf g‑ttliche Weisung ab dem Jahr 1734 von R. Israel „Baal Schem Tov offenbart. Als innere Dimension der Tora vermittelt Chassidut Zugang zur inneren Dimension der G‑ttlichkeit und der menschlichen Seele. Ziel der Chassidut ist aber niemals die Vermittlung von Information per se, ihre Einsichten und Weisheiten sind vielmehr ein Mittel, um den Menschen im Dienst G ttes zu unterstützen und seine Verbindung mit dem Schöpfer zu offenbaren. Kenntnis der Tora ist nicht vollkommen ohne Kenntnis ihrer mystischen, chassidischen Dimension. Von der „Verbreitung der mystischen Dimension der Tora nach draußen“ ist das Kommen des Maschiach abhängig (s. Keter Schem Tov, § 1).

Chessed, „Güte“, erste der sieben „Sefirot.

Chizonijut, hebr. „Äußeres“, der äußere Aspekt, im Gegensatz zu „Penimijut“, dem inneren Aspekt.

Chochma, hebr. „Weisheit“, erste der Zehn „Sefirot; Urstadium des intellektuellen Prozesses, bei dem der Kern des Konzepts erstmals greifbar wird.

Chochma Ilaa, „hohe Weisheit“; das Attribut von „Chochma in „Azilut.

Chochma Stimaa, „verborgene Weisheit“.

Choschen HaMischpat, hebr. „Brustschild des Rechts“ (Ex. 28:30); vierter Teil von „Tur und „Schulchan Aruch, enthält das Zivil- und Strafrecht.

Daat, hebr. „Wissen“ im Sinne von Erkenntnis; dritte der Zehn „Sefirot; Vollendung des intellektuellen Prozesses, der zuvor „Chochma und „Bina durchläuft.

Dikna, aram. „Bart“; Bezeichnung für das mächtige Licht, das aus „Keter heraus in „Azilut gelenkt wird, um die „Sefirot hervorzubringen.

Din, hebr. „Gesetz“. In der „kabbalistischen Terminologie gleichbedeutend mit „Gevura (Strenge).

Dov Bär von Mesritsch, bekannt als „Maggid (Redner, Prediger) von Mesritsch“ und „der große Maggid“ (?–1772), Schüler von R. Israel „Baal Schem Tov und nach dessen Tod Führer der „chassidischen Bewegung.

Edom, auch „Esaw“ (Gen. 36:1), Symbol für „Kelipa.

Ejn Jaakov, populäres Sammelwerk sämtlicher „Aggadastellen des Babylonischen und vieler des Jerusalemer „Talmuds; zusammengestellt von R. Jaakov ben Schlomo ibn Chabib, der 1516 den ersten Band in Saloniki druckte; das Werk wurde von seinem Sohn R. Levi fertiggestellt.

Ejn Sof, der „Unendliche“; in der „kabbalistischen Literatur Bezeichnung für gewisse Stufen der G‑ttlichkeit.

Etrog, Paradiesapfel (Citrus medica), einer der Vier Arten am Laubhüttenfest nach Lev. 23:40 – Etrog, Lulav (Palmzweig), Hadassim (Myrten) und Arawot (Bachweiden).

Even HaEser, hebr. „Stein der Hilfe“ (1 Sam. 28:30); dritter Teil von „Tur und „Schulchan Aruch, enthält das Ehe- und Scheidungsrecht.

Ez Chajim, hebr. „Baum des Lebens“, grundlegendes „kabbalistisches Werk, das R. Chajim Vital auf Grundlage der Lehren seines Meisters R. Jizchak „Lurja verfasste.

Gan Eden, „Garten der Wonne“, Paradies.

Gaon, Ehrentitel für einen bedeutenden Toragelehrten.

Gemara, aram. „lernen“. Erörterung und Erläuterung der „Mischna; bildet mit dieser den „Talmud.

Gematria, Zahlenwert hebräischer Buchstaben und Worte. Den 22 Buchstaben des hebräischen Alphabets entsprechen Zahlen – den ersten 9 die Zahlen 1–9, den 9 folgenden die 9 Zehner und den 4 letzten die 4 ersten Hunderter. Die verschiedenen Berechnungsmethoden der Gematria erschließen so Bedeutungsebenen von hebräischen Wörtern und Toraversen.

Gematriot, Pl. zu „Gematria.

Geonim, Pl. zu „Gaon, zw. 589 und 1034 n.Z. Amtstitel des Leiters einer Jeschiwa (Akademie für jüdische Studien) in Bavel (heutiges Irak). Andere vertreten die Auffassung, bedeutende Toragelehrte überall hätten in diesem Zeitabschnitt den Titel „Gaon“ getragen.

Gevura, hebr. „Strenge“, „Stärke“, eines der zehn g‑ttlichen Attribute (s. „Sefirot).

Gevurot, Pl. zu „Gevura; Attribute g‑ttlicher Strenge.

Halacha, das gesamte Gesetzessystem des Judentums, die Ge- und Verbote der mündlichen und schriftlichen Überlieferung; normiert sowohl rituelle Handlungen, als auch die Lebensführung des Einzelnen und der Gesellschaft, und viele Bereiche des Ethischen. Eine Trennung zwischen Säkularem und Religiösem existiert nicht.

Halachot, Pl. zu „Halacha; Gesetzesvorschriften.

halachisch, zur „Halacha gehörend.

Hejchal, in der Mystik himmlische „Kammer“.

Hejchalot, Pl. zu „Hejchal.

Hod, hebr. „Herrlichkeit“, eines der zehn g‑ttlichen Attribute (s. „Sefirot).

Ibbur, „(Seelen)schwängerung“; die „kabbalistische Lehre, wonach sich eine Seele an die Seele einer anderen Person heften kann. Nach R. Schneor Salman kann dem Menschen durch ständige Bemühung um Überwindung der individuellen spirituellen Grenzen die g‑ttliche Gnade zuteil werden, dass sich der Geist eines „Zaddiks seiner Seele anheftet und sie erleuchtet.

Idra Rabba, Teil des „Sohar.

Igulim, „Kreise“, Emanationsmuster der „Sefirot.

Ima, „Mutter“, in der „kabbalistischen Terminologie Bezeichnung für die „Sefira „Bina.“ Abba und Ima („Vater und Mutter“) sind kabbalistische Termini für „Chochma und Bina, die die „Middot (emotionale Attribute) „gebären“.

Israel Baal Schem Tov, s. „Baal Schem Tov.

Quelle: de.chabad.org
LIKKUTEJ AMARIM: TANJA
von Rabbiner Schneor Salman von Ljadi
ins Deutsche übertragen von Levi Sternglanz unter der Leitung von Rabbiner Jacob I. Biderman
© Für die deutsche Übersetzung, Anmerkungen und Glossar bei Levi Sternglanz
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