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Verfolgte Christen im Nahen Osten

Die Website MEMRI übersetzt nicht nur arabische und/oder muslimische Hassprediger sondern auch Stimmen der Vernunft aus der arabischen bzw. muslimischen Welt. Damit trägt sie wesentlich dazu bei, dass dieser Teil der Welt von MEMRI-Lesern vorurteilsfrei gesehen wird…

Von Karl Pfeifer

Ein Problem, das oft geleugnet wird, ist die Abwanderung von Christen aus dem Nahen Osten, eine Abwanderung, der Diskriminierung und Verfolgung vorangeht. Diese Tatsachen wollen die meisten Medien und gewisse christliche Organisationen im Westen nicht zur Kenntnis nehmen, denn sie sehen im Nahen Osten lediglich ein Problem: Israel. Vor der Lage ihrer christlichen Brüder und Schwestern verschließen sie die Augen. Denn sich um diese zu kümmern, macht ihnen Angst, sie könnten politisch unkorrekt sein. Manche aber haben sich derart auf Israel eingeschossen, dass ihnen alle anderen Konflikte im Nahen Osten gleichgültig sind Auf diese Unausgewogenheit habe ich bereits oft hingewiesen.

Hier die von mir redigierte und übersetzte Memri Meldung vom 21. September 2009:

„Die Verfolgung von Christen im Nahen Osten ist gleichbedeutend wie ethnische Säuberung schrieb der liberale kuwaitische Schriftsteller und Publizist Ahmad Al-Sarraf, der arabische Länder kritisiert, weil sie ihre christlichen Minderheiten verfolgen und diskriminieren.

Er behauptet, dass diese Misshandlung einer ethnischen Säuberung gleichkommt, weil es oft die Christen zwingt ihre muslimische Heimat zu verlassen und in den Westen auszuwandern. Al-Sarraf ruft die arabischen Länder auf, ihre nichtmuslimischen Einwohner so zu behandeln, wie sie erwarten, dass der Westen seine muslimischen Minderheiten behandelt.. Es folgen Auszüge aus seinem Artikel [1]:

Zahllose Akte der Ungerechtigkeit, die gegen Christen im Nahen Osten begangen werden, zwingen diese ihre Heime zu verlassen.

Wenn wir [den Beitrag] der christlichen Minderheiten zur Kultur und Entwicklung ihrer Gastländer (in allen arabischen Ländern lebten Christen vor den Muslimen, daher ist der Terminus „Gastland“ fehl am Platz. K.P.) in der arabischen [Welt] einschätzen, dann werden wir zu unserer Überraschung entdecken, dass dieser ausnahmslos ihren Prozentsatz in der gesamten [Bevölkerung] übertrifft.

Trotzdem, oder vielleicht gerade deswegen hat sich ein breiter Strom von Christen seit vielen Jahren aus dem Nahen Osten [Richtung Westen] gedrängt. Einige sind selbst weggegangen, während andere zur Auswanderung gezwungen wurden – aber alle mussten ihre Heimatländer, insbesondere den Irak, Ägypten, Libanon, die besetzten Gebiete, den Sudan und sogar den Iran verlassen.

Die einzigen Ausnahmen unter dieser erzwungenen Auswanderung waren die [Golf]Staaten und Nordafrika, die ersten weil ihre christliche Einwohnerschaft [verhältnismäßig] klein ist, während bei den letzteren es eine lang anhaltende Tradition der Toleranz gegenüber nichtmuslimischen Minderheiten gibt. Syrien kann auch als ein Land beurteilt werden, in dem die Toleranz während ihrer Geschichte den nichtmuslimischen Einwohnern zugute kam.

Was diesen Strom der erzwungenen Auswanderung [der Christen aus dem Nahen Osten] aufrechterhalten hat, waren die unzähligen Vorfälle einer Ungerechtigkeit, denen die christlichen Minderheiten ständig unterworfen wurden und die in vielen Gebieten zur Routine wurden. So wurden die Führer von [christlichen] Gemeinschaften ermordet, [christliche] Gotteshäuser wurden in Brand gesetzt, Geschäfte [Eigentum von Christen] wurden ausgeraubt, die Christen wurden ausgegrenzt in ihren [Wirts]Gesellschaften, ihr Leben wurde bitter gemacht und das ist nur eine mangelhafte Liste.

Diese [Missetaten] haben viele [Christen] veranlasst ihr Heimatland, manchmal provisorisch aber öfter für immer zu verlassen und westwärts zu fahren, um ihr Schicksal der Großzügigkeit der westlichen Staaten und ihrer Bürger zu überlassen – was genau das war, was die [anti-Christlichen Elemente] planten zu vollbringen.

Was diese aggressiven [Elemente] jedoch nicht realisieren, ist dass wenn eine besondere Religion, Bewegung oder ethnische Gemeinschaft ganz liquidiert wird, die ethnische Säuberung nicht aufhören wird, andere ethnische Gemeinden, Gemeinschaften und Religionen werden zum Zielpunkt gemacht, eins nach dem anderen, und am Ende werden große Gruppen versuchen einander zu vernichten.

Die Behauptung, dass die [in unserer Mitte lebenden Christen] eine Gefahr bilden, ist nicht anderes als verabscheuungswürdiger und irrationaler Extremismus.

Wenn wir den Irak beiseitelassen… werden wir herausfinden, dass die Situation der Christen in einigen Teilen des Libanon, in Gaza und Ägypten nicht gut ist, dass ihre Anzahl sich ständig vermindert. Und doch hat ein verachtenswerter [Kommentator] einen feindseligen Artikel [publiziert] behauptend, dass die Christen schon dran sind in den Osten einzufallen und ihn zu okkupieren, dass Horden von [christlichen] Missionären mit großer Geschwindigkeit [vorwärts marschieren]. Ich weiß wirklich nicht über was er spricht.

Es ist dringend erforderlich das ständige Abnehmen der christlichen Einwohner der arabischen und muslimischen Ländern zu versuchen zu verhindern [insbesondere seit dem] die meisten jüdischen Einwohner seit den späten 40er und frühen 50er Jahre ausgewandert sind. Desto weniger Christen bleiben, umso extremistischer und weniger tolerant werden wir und umso weniger werden wir fähig sein, den [Standpunkt] eines anderen oder die Bedingungen [in denen er lebt] zu verstehen.

Die Behauptung dass die [in unserer Mitte lebenden Christen] eine Gefahr bilden ist nicht anderes als verabscheuungswürdiger und irrationaler Extremismus“. Ihre Jahrhunderte dauernde Präsenz unter uns hat uns nicht weniger abhängig von unseren Gebräuchen und Traditionen gemacht – und ich sage dies ungeachtet meiner Abneigung für diese beiden Vorstellungen. Unsere verhältnismäßig tolerante [Haltungen]… haben unsere Region nicht gehindert eine Brutstätte für obskuren Fundamentalismus zu werden, der sich in alle Richtungen entwickelt.

Ich weiß nicht wann wir anerkennen werden, dass wir ein Teil dieser Welt sind und genauso wie wir von allen Ländern der Welt, insbesondere westlichen Länder, verlangen den Glauben ihrer muslimischen Bürger zu achten, ihnen zu ermöglichen ihre Religion zu praktizieren und ihr Wohlbefinden zu garantieren – so müssen wir gegenüber Nichtmuslimen in unserer Mitte [fair] agieren. Die Extremisten und die Rüpel in dieser unglücklichen Nation [jedoch] denken genau das Gegenteil – nämlich, dass während Muslime das Recht auf alle Zeichen des Respekts haben, wir nicht verpflichtet sind [die Mitglieder anderer Religionen zu ehren] – weil wir allein die Boten der wahren [Religion] sind, haben wir Recht, während alle anderen irregeleitet sind.“

(1) Al-Qabas (Kuwait), August 8, 2009.

Quelle: http://www.memri.org/bin/latestnews.cgi?ID=SD255109  

Siehe auch: Memri September 21, 2009 Meldung No. 2552, die über das Verbrennen von sieben Christen in der Pakistanischen Stadt Gojra berichtet.
Pakistani Columnist Irfan Husain on the Burning Alive of Seven Christians in Gojra Town: ‚If Muslims in the West Were Treated as We Treat Non-Muslim Citizens of Pakistan, There Would be Loud Accusations of Islamophobia and Anti-Muslim Discrimination‘ http://www.memri.org/bin/latestnews.cgi?ID=SD255209