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haGalil TV-Radar: Fernsehtipps der Woche

Vom 14.09. bis 20.09.2009 …

Dienstag, 15.09.2009

03.30 Uhr; Phoenix
Jerusalems erste Adresse

Das King David Hotel macht Geschichte
Das King David Hotel, 1930 als „Grand Hotel von Palästina“ eröffnet, ist bis heute eines der besten Häuser der Welt. Hier verbindet sich der Luxus eines Fünf-Sterne-Hotels mit der Tradition orientalischer Gastfreundschaft. Das King David ist aber auch Zeuge der Geschichte des Nahostkonflikts. Wichtige politische Weichen wurden hier gestellt.
„Es ist ja nicht mehr nur ein Hotel, es ist ein Teil unserer Geschichte. All die wichtigen Ereignisse, all die großen Figuren unserer Geschichte, all die Höhen und Tiefen unseres Lebens sind hier durch dieses Hotel gegangen. Wenn ich hierher komme, dann fühle ich mich nicht wie ein Gast, sondern wie ein Geschichtsstudent“ – mit diesen Worten beschreibt Israels großer Politiker Shimon Peres das King David Hotel in Jerusalem.
Der ägyptische Präsident Anwar-El Sadat wohnte hier, als er 1977 nach Jerusalem kam, um Frieden mit Israel zu schließen. US-Außenminister Henry Kissinger funktionierte das Hotel 1974 für vier Wochen in das US-Außenministerium um, als er eine Verhandlungslösung zwischen Israel und seinen Nachbarn finden wollte. Doch im King David kann man – wie der Film zeigt – auch einfach nur sein und genießen: nicht zuletzt den atemberaubenden Ausblick auf die Altstadt der Heiligen Stadt.

Mittwoch, 16.09.2009

23:32 Uhr; ARD
Nazis wider Willen

Michaela Kirst widmet sich dem Schicksal deutschstämmiger US-Familien, die in amerikanischen Lagern interniert und zum Teil sogar nach Deutschland zurückgeführt wurden, wo sie ebenfalls mit tiefem Misstrauen beäugt und der Spionage verdächtigt wurden. Fünf exemplarische Lebensläufe hat die Filmemacherin herausgegriffen, in denen sich die Odyssee von Menschen widerspiegelt, die, ohne es zu wollen oder es verhindern zu können, zwischen alle Fronten gerieten.
Ein Film über ein dunkles Kapitel des Zweiten Weltkriegs, das bis heute von der amerikanischen Politik beharrlich totgeschwiegen wird: das Schicksal deutschstämmiger US-Familien in amerikanischen Lagern.
Nach dem Angriff auf Pearl Harbor und dem Kriegseintritt der USA wurden fleißige deutsche Immigranten über Nacht plötzlich zu potenziellen Nazis und zur „Gefahr für die nationale Sicherheit“. Bei Tausenden klopfte eines Tages das FBI an die Tür. Sie wurden verhaftet, verloren Hab und Gut und finden sich hinter Stacheldraht in einem Internierungslager wieder.
Für etwa 4000 dieser Deutsch-Amerikaner ist das Lager aber nur eine Zwischenstation. Sie werden gegen ihren Willen zum Einsatz im geheimen Handel der Kriegsmächte: Die US-Regierung tauscht sie gegen amerikanische Kriegsgefangene ein und schickt sie – mitten im Krieg – per Schiff nach Deutschland zurück.
Damit beginnt ihr Leidensweg erneut: Auch in Deutschland sind sie nicht willkommen. Man hält sie für amerikanische Spione und sperrt sie wieder ein. Familien zerbrechen. Selbst nach Kriegsende bleibt vielen von ihnen die Rückkehr in ihre Wahlheimat Amerika verwehrt.
Die ehemals Internierten, Deportierten und Repatriierten haben nach dem Krieg jahrzehntelang geschwiegen – aus Scham oder Angst. Erst jetzt bricht eine kleine Gruppe ihr Schweigen. Sie kämpft im US-Senat dafür, dass die amerikanische Regierung ihr Schicksal endlich offiziell anerkennt.
Karen Ebel, deren Vater Max, eines der fünf Opfer, kurz vor den Dreharbeiten zu „Nazis wider Willen“ starb, hatte 2005 das Aktionsbündnis „German American Internee Coalition“ ins Leben gerufen, das um die Rehabilitierung der Internierten und Abgeschobenen kämpft. Mit im Boot sitzt u. a. der renommierte jüdische Senator Russ Feingold (Wisconsin), der schon im Sommer 2004 im Kapitol über „dieses tragische Kapitel in der Geschichte unserer Nation“ referierte und einen entsprechenden Gesetzentwurf vorschlug. Siebzehn Kongressmitglieder, darunter auch der frühere Präsidentschaftsbewerber Joe Liebermann, unterstützen dieses Vorhaben. Auch Menschenrechtler der „American Civil Liberties Union“ fordern die Einsetzung einer Untersuchungskommission. Und „Ehemalige“ wie Eb Fuhr erheben ihre Stimme immer lauter.

Donnerstag, 17.09.2009

00:05 Uhr; N24
N24 History – Die Geschichte der Deutschen

Heinrich Himmler: Aus dem Leben eines Massenmörders
Er war einer der einflussreichsten Männer unter Adolf Hitler. Der „Reichsführer SS“ organisierte die brutale Verfolgung politischer Gegner in einem System von Konzentrationslagern. Der fanatische Nationalsozialist und Antisemit plante die Vernichtung der europäischen Juden. Sechs Millionen fielen ihm zum Opfer. Wer war dieser Mann? Wie gelang es dem schmächtigen Jungen aus bürgerlicher Familie zum Zweiten Mann im Dritten Reich aufzusteigen, zum „Monster“ der Geschichte?
(Wdh. u.a. 04:50 Uhr)

01:00 Uhr; N24
Doku: Adolf Hitler – Wahn und Wahnsinn

Reichshammerbund, Germanenorden, Thule-Gesellschaft – diese okkulten, antisemitischen Vereinigungen bildeten mit ihrer rassischen Ideologie den Nährboden für die Deutsche Arbeiterpartei und ihre Nachfolgerin, die NSDAP. Sie verwendeten u. a. alte germanische Rituale und Symbole – das Hakenkreuz -, um das Deutsche Volk zu einer Rückbesinnung auf seine arischen Wurzeln zu bewegen. Der wahnhafte Glaube der Nazis an die Überlegenheit ihrer Rasse sollte verheerende Folgen haben …

22:25 Uhr; 3sat
Die Blechtrommel

Anna, eine junge Bäuerin aus der Kaschubei, kommt auf ungewöhnliche Weise zu Mann und Tochter. Später heiratet diese Tochter – Agnes – die rheinische Frohnatur Alfred Matzerath und betreibt mit ihm einen Kolonialwarenladen im Danziger Vorort Langfuhr. Doch Alfred ist nicht der einzige Mann in ihrem Leben, sie schenkt ihre Gunst auch ihrem Vetter Jan Bronski. So sind beide Männer für die Vaterschaft in Betracht zu ziehen, als Oskar Matzerath im Spätsommer 1924 geboren wird. Der ungewöhnliche Junge kann es kaum erwarten, drei Jahre alt zu werden, weil seine Mutter ihm für diesen Geburtstag eine Blechtrommel versprochen hat. Andererseits missfällt ihm das Treiben der großen Leute so gründlich, dass er an besagtem Geburtstag beschließt, von Stund an keinen Fingerbreit mehr zu wachsen. Ein arrangierter Sturz von der Kellertreppe liefert die vermeintliche Erklärung dafür. Ganz unerklärlich bleibt dagegen Oskars bald darauf entdeckte Fähigkeit, mit der bloßen Kraft seiner Stimme Glas zum Zerspringen zu bringen. Schreiend und trommelnd betätigt der kleine Oskar sich fortan als Störenfried in der ungeliebten Welt spießig-gefährlicher Erwachsener. Er bringt Nazi-Aufmärsche durcheinander und seine beiden mutmaßlichen Väter ins Grab. Er schwängert seine Stiefmutter Maria und umarmt die entzückende Liliputanerin Roswitha Raguna. In einem Fronttheater am Atlantikwall produziert er sich als Artist, immer aber bleibt er dabei der höhnische Zwerg, der die Welt auf den Kopf stellt.
Anders als der berühmte Roman aus dem Jahre 1959 endet Volker Schlöndorfs Verfilmung mit dem Kriegsende. Neben dem Oscar 1980 für den Besten fremdsprachigen Film erhielt „Die Blechtrommel“ in Cannes die Goldene Palme. Die internationale Kritik war vor allem fasziniert vom Spiel des jungen David Bennent, der – selbst kleinwüchsig – den unheimlichen Trommler Oskar verkörpert.

Freitag, 18.09.2009

05:00 Uhr; arte
Das verlorene Stück

Mit viel Selbstironie begibt sich Filmemacher Oded Lotan auf die Suche nach den Hintergründen der jüdischen Beschneidungstradition. Bei seiner Reise durch Israel und Deutschland trifft er auf ungewöhnliche Gesprächspartner, zum Beispiel auf einen „singenden Mohel“ – einen Beschneider -, Mütter und Väter von beschnittenen Jungen, aber auch entschiedene Beschneidungsgegner. Ein russisch-stämmiger Wehrdienstleistender erlaubt Oded, ihn in die Klinik zu begleiten, wo ihn die kurze Operation seinen Kameraden im Armee-Camp „gleich machen“ soll. In Berlin-Kreuzberg wohnt Lodan einer kurdischen Beschneidungsfeier bei, und in Heidesheim erfährt er, dass der Kult um die Vorhaut sogar Eingang in die christliche Reliquienverehrung gefunden hat.
Von Wissenschaftlern und Rabbinern sowie deren Frauen hört der Reisende von den Vorzügen und den Nachteilen der Beschneidung. In Tel Aviv sinniert er mit einem Psychologen über Beschneidung als Bestandteil nationaler Identität. Und mit seiner Mutter diskutiert er darüber, warum es ihr so wichtig ist, dass ihre Kinder sich nicht von anderen Menschen unterscheiden.
Schließlich findet sich Lotan auf den schmalen Fluren des „Kommissariats für die Inspektion von Mohelim“ in Jerusalem wieder. Wird sich hier das Rätsel seines eigenen „verlorenen Stückes“ lösen? Der Dokumentarfilm ist auch eine Reise durch die verschiedenen sozialen Schichten Israels und vermittelt ein komplexes und vielfarbiges Bild dieses Landes.

06:00 Uhr; arte
Kammermusik aus Jerusalem

Jelena Baschkirowa, in Moskau geboren, gilt als herausragende Pianistin mit einer besonderen Affinität zur Kammermusik. Die Ehefrau von Daniel Barenboim wirkte bei zahlreichen Uraufführungen mit. 1998 gründete Jelena Baschkirowa das Jerusalem Chamber Music Festival , das im September 2008 bereits zum elften Mal stattfand. Die Kammermusik-Konzerte im YMCA Jerusalem zeichnen sich durch eine freundschaftlich-ungezwungene, dabei aber hochkonzentrierte Atmosphäre aus, bei der die musikalischen Werke im Mittelpunkt stehen.
Die Konzert-Aufzeichnungen versammeln die Höhepunkte des 2008er Jahrgangs. Neben den Pianisten Jelena Baschkirowa und Kirill Gerstein sind namhafte Musiker wie Guy Braunstein und Michael Barenboim an der Violine, der Klarinettist Mathias Glander, Ori Kam und Madeleine Carruzzo an der Viola sowie Zvi Plesser, Nicolas Altstaedt und Gary Hoffmann am Violincello zu erleben.
Auf dem Programm stehen im Einzelnen:
– Wolfgang Amadeus Mozart: Andante und Variationen in G-Dur, KV 501
– Robert Schumann: Klavier-Quintett in Es-Dur, op. 44

21:02 Uhr; EinsExtra
Nazis wider Willen

Deutsche in amerikanischen Lagern
– siehe auch 16.09. – 23:32 Uhr – ARD –

Samstag, 19.09.2009

00:30 Uhr; Phoenix
Offiziere gegen Hitler (1/3)

Verschwörung der ersten Stunde
Nur eine Handvoll der fast 150 am Widerstand gegen Hitler beteiligten Offiziere hatte den Expansionskurs des Diktators von Anfang an abgelehnt – zu groß waren die gemeinsamen Interessen von Wehrmacht und NS-Regime.
Die scheinbaren Erfolge Hitlers ließen über offensichtliches Unrecht hinwegsehen. Bis sich die späteren Verschwörer zum Widerstand zusammenfanden, sollte es bis 1938 dauern. Doch alle Pläne für bewaffnete Aktionen und Umsturzversuche scheiterten.
Der von Hitler unter falschem Vorwurf der Homosexualität erzwungene Rücktritt des Generaloberst Fritsch – für das Offizierscorps ein Eingriff in die noch scheinbare Unabhängigkeit der Wehrmacht. Der Versuch einer bewaffneten Aktion gegen Gestapo und SS scheiterte kläglich an der mangelnden Geschlossenheit der höheren Generäle.
Gleichzeitig aber nahm mit der Aktion ein Mann den Kampf gegen Hitler auf, der zum Motor des militärischen Widerstandes werden sollte: Hans Oster. Während der Diktator im Sommer 1938 auf Kriegskurs gegen die Tschechoslowakei steuerte, gewann Oster genügend höhere Truppenführer, um Hitler mit Waffengewalt abzusetzen – die so genannte „Septemberverschwörung“.
Die Konferenz von München machte alle Planungen für einen gewaltsamen Tod Hitlers zunichte, im Jubel über die friedliche Besetzung des Sudetenlandes gingen die Hoffnungen auf einen Rückhalt in der Bevölkerung unter. Die Verschwörergruppe löste sich auf.
Nur Hans Oster machte weiter, knüpfte Verbindungen nach London, verriet dem Kriegsgegner schließlich die deutschen Angriffspläne gegen Frankreich. Ohne Erfolg. 1940 beförderte der Sieg über Frankreich den Diktator auf den Gipfel seiner Popularität. Jeder Widerstand gegen Hitler schien jetzt zwecklos.

01:15 Uhr; Phoenix
Offiziere gegen Hitler (2/3)

Aufstand des Gewissens
Einer der wenigen Offiziere, die versuchten, gegen Hitlers verbrecherische Befehle während des Russlandfeldzuges vorzugehen, war Henning von Tresckow im Stab der Heeresgruppe Mitte. Er bildete mit einer Hand voll Vertrauten eine Zelle, die fortan zum Zentrum des militärischen Widerstandes werden und deren Bemühungen schließlich im Attentat vom 20. Juli 1944 gipfeln sollte.
Seit dem Novemberpogrom 1938 war von Tresckow zum Regimegegner geworden, ohne sich dabei ganz von der Faszination für die außenpolitischen Erfolge und militärischen Siege Hitlers lösen zu können. Als er aber nach dem Überfall auf die Sowjetunion im Sommer 1941 erfuhr, dass die Einsatztruppen im Rücken der Front dazu übergingen, auch jüdische Frauen und Kinder zu ermorden, fasste er den einsamen Entschluss, Hitler zu beseitigen, um dem Morden ein Ende zu setzen.
Nachdem Tresckows erster Plan, mit Hilfe der Oberbefehlshaber der Heeresgruppen gegen Hitler vorzugehen, an deren Zaudern gescheitert war, verlagerte sich der Schwerpunkt des geplanten Staatsstreichs nach Berlin. Vor allem durch Hans Oster wurde die Verbindung zu jenen Verschwörern hergestellt, die sich schon seit 1938 im Widerstand befanden.
Im Herbst 1942 begannen dann die Planungen unter dem Decknamen „Walküre“. Immer klarer zeichnete sich nun auch die Niederlage von Stalingrad ab, die den Nimbus des „Feldherrn“ Hitler schwer beschädigte. Die Stunde Tresckows kam am 13. März 1943. Nach einem Besuch Hitlers bei der Heeresgruppe Mitte gelang es, eine Bombe in sein Flugzeug zu schmuggeln. Ohne Erfolg – der Zünder versagte. Das war der Auftakt einer Kette von Zufällen, die dem Diktator ein ums andere Mal das Leben retten sollten.
Mittlerweile war Tresckow zum Chef des Stabes der 2. Armee an der Ostfront ernannt worden. Eine Aufgabe, die ihn aus dem Zentrum der Verschwörung heraus katapultierte. Die Zeit bis zu seiner neuen Aufgabe im Sommer 1943 hatte er noch genutzt, um die „Walküre-Planungen“ in Berlin voranzutreiben. Hierbei wurde er von Claus Graf Stauffenberg unterstützt, der in Afrika schwer verwundet worden war und als Stabschef des Allgemeinen Heeresamtes in Berlin seine neue Verwendung fand. Mit Stauffenberg, der sich schon im Mai 1942 zum Widerstand gegen Hitler entschlossen hatte, stieß ein Mann zum militärischen Widerstand, der ebenso entschlossen war wie Tresckow.

02:00 Uhr; Phoenix
Offiziere gegen Hitler (3/3)

Staatsstreich im Untergang
In einem dramatischen Appell forderte Regimegegner Henning von Tresckow „…es kommt nicht mehr auf den Zweck an, sondern darauf, dass die deutsche Widerstandsbewegung vor der Welt und vor der Geschichte unter Einsatz des Lebens den entscheidenden Wurf gewagt hat.“
Am 20. Juli 1944 sollte es soweit sein. Doch wie so oft stand der Zufall auch diesmal wieder gegen die Attentäter.
Tresckow hatte im Juli 1944 einen Emissär nach Frankreich geschickt, der den Oberbefehlshaber im Westen, Hans Günther von Kluge, davon überzeugen sollte, den Briten und Amerikanern die Westfront zu öffnen; Kluge aber winkte ab, weil er den Durchbruch in spätestens sechs Wochen von selber erwartete.
Anders Rommel, der erst spät zum militärischen Widerstand gestoßen war. Er plante, auf eigene Faust zu handeln. Schon hatte er damit begonnen, die Truppenführer im Westen auf seine Seite zu bringen, da riss ihn ein Tieffliegerangriff aus dem Geschehen. Für die Verschwörer in Berlin und an der Ostfront hatte Kluges falsche Einschätzung fatale Folgen. Sie hatten gehofft, nach einem gelungenen Attentat einen Separatfrieden mit den westlichen Alliierten zu schließen, um die deutsche Grenze im Osten verteidigen zu können. Jetzt blieb ihnen nur noch die Tat als Fanal.
Am 20. Juli 1944 war es soweit. Im entscheidenden Moment jedoch wurde Stauffenberg im Führerhauptquartier gestört, als er die zweite Bombe in seine Tasche packen wollte. Unter den misstrauischen Blicken eines Feldwebels blieb ihm nichts anderes übrig, als mit nur einer Bombe in Hitlers Lagebesprechung zu gehen. Damit war ihre Sprengwirkung zu schwach – der Diktator überlebte auch dieses Attentat.
Im Moment, als Hitler nur leicht verletzt aus der Baracke geführt wurde, war der Umsturz endgültig und unwiderruflich gescheitert.
Kurz vor Mitternacht desselben Tages stürmte eine Kompanie des Wachbataillons den „Bendlerblock“, das Allgemeine Heeresamt an der Bendlerstraße, wo sich die Verschwörer aufhielten. Graf Stauffenberg und drei seiner Mitkämpfer wurden kurz darauf standesrechtlich er schossen. Der gewaltige Terrorapparat des Regimes überzog das Land mit einer Verhaftungswelle.
Am 8. August, nur 18 Tage nach dem Attentat, begann im Plenarsaal des Berliner Kammergerichts die erste Verhandlung gegen die Hauptbeteiligten der Verschwörung. Den Vorsitz führte der berüchtigte Roland Freisler. Mit unflätigen Hasstiraden demütigte er die Beschuldigten. Die Urteile standen bereits im Voraus fest.

02:45 Uhr; Phoenix
Auf den Spuren der Edelweißpiraten

Ehrenfeld ist vielleicht nicht das schönste Fleckchen Kölns, aber es ist ein Stadtteil mit Geschichte und Geschichten. Eine davon handelt von den „Edelweißpiraten“, einer Gruppe „unangepasster“ Jugendlicher, die sich im Dritten Reich gegen das Regime auflehnten. Sie hatten ihre eigene Kluft, eigene Lieder und wollten nichts mit der Hitlerjugend zu tun haben.
Jörg Stolpe hat in dem alten Arbeiterviertel die Spur der „Edelweißpiraten“ aufgenommen und auf historischen Seitenwegen eine Tour durch die Domstadt unternommen.
Sie führt sowohl in das ehemalige Hauptquartier der Kölner Gestapo als auch in die alte Ehrenfelder Badeanstalt „Neptunbad“, heute ein vornehmer Wellness-Tempel.

04:30 Uhr; Phoenix
Stalin (3/4)

Der große Terror
Im Bolschoitheater lauscht ein Mann verzaubert den gefühlvollen Klängen von Tschaikowskys „Schwanensee“, schaut wie hypnotisiert den graziösen Bewegungen des Ballett-Ensembles zu. Dann geht er in seinen Arbeitsraum im Kreml und unterzeichnet Todesurteile gegen einstige Kampfgefährten.
Blutiger Höhepunkt der Stalinschen Herrrschaft ist die Periode des „Großen Terrors“ in der zweiten Hälfte der dreißiger Jahre. Fast alle Altbolschewiken, Lenins Mitkämpfer aus den jahren des Exils fallen ihm zum Opfer, ebenso wie prominente Wissenschaftler und Künstler und praktisch alle führende Militärs. Mit ihnen werden Millionen einfacher Sowjetbürger als „Schädlinge“, „Saboteure“ und „Spione“ erschossen oder in die Straflager geschickt.
Ein riesiger Lagerkomplex entsteht, der „Archipel Gulag“. Zwangsarbeiter schuften unter mörderischen bedingungen in den Bergwerken Ostsibiriens, bauen Straßen und Staudämme. Doch auch die normalen Arbeiter werden in ein strenges Zwangssystem eingegliedert: Drakonische Strafen für mangelnde Arbeitsleistungen, Fehlen am Arbeitsplatz und Trunkenheit werden eingeführt. Auf der anderen Seite erhalten die „Bestarbeiter“, die alle Normen überbieten, bis zu zwölfmal mehr Lohn als ihre Kollegen. Stalin meint, wer besser arbeitet, soll auch besser leben.
Bisher unbekannte Filmaufnahmen von den Lagern des „Archipel Gulag“, vom Prozeß gegen den berühmten bolschewistischen Politiker Nikolaj Bucharin und von Stalin selbst sind in dieser Folge zu sehen.

13:00 Uhr; Phoenix
Meine Geschichte – Überfall auf Polen (4/6)

Karl-Heinz Gertig
Karl-Heinz Gertig, Jahrgang 1923, erlebte den sogenannten „Bromberger Blutsonntag“ am 3. September 1939, zwei Tage nach dem Überfall von Hitlers Wehrmacht auf Polen, als 16-jähriger Gymnasiast. Seine Eltern besaßen in Bromberg ein kleines Kaufhaus, ein Grund, warum sie nach dem 1. Weltkrieg für Polen optiert hatten.
Zunächst ging es der Familie als Teil der deutschen Minderheit recht gut, aber ab Mitte der 30er Jahre verschlechterten sich die Beziehungen zwischen Deutschen und Polen in der Stadt. Karl-Heinz Gertig erinnert sich an Gewalt, an Beschimpfungen auf der Straße. Nach seiner Erinnerung waren es die Polen, die angefangen haben zu morden. Das Gerücht von volksdeutschen Heckenschützen gegen polnische Soldaten auf dem Rückzug hält er für absurd, da die Überlegenheit der Deutschen Wehrmacht augenfällig war. Der Auslöser des Pogroms gegen deutsche Zivilisten ist bis heute umstritten. Es ist davon auszugehen, dass marodierende polnische Truppenteile an der deutschen Zivilbevölkerung Rache für die erlittene Niederlage nahmen. Karl-Heinz Gertig erinnert sich z.B., dass er den pensionierten Rektor einer deutschen Schule mit Kopfschuss in einer Blutlache liegen sah.
Die NS-Propaganda nahm die Ausschreitungen als willkommenen Anlass, die Kriegshandlungen gegen Polen zu rechtfertigen. SS-Truppen und Polizeieinheiten übten blutige Vergeltung. Auch hiervon berichtet Karl-Heinz Gertig als Augenzeuge. Er ist froh, dass seine Familie durch Fürsprache der polnischen Vermieter verschont blieb.Obwohl er zu den Ereignissen des „Bromberger Blutsonntag“ eine Einstellung hat, die von den meisten Polen abgelehnt wird, suchte er das Gespräch mit Polen. Er fuhr schon vor dem Ende der kommunistischen Diktaturen in Osteuropa mehrfach nach Bromberg.

13:15 Uhr; Phoenix
Der Überfall (1/2)

Deutschlands Krieg gegen Polen
Am 1. September 1939 überfielen deutsche Truppen Polen; 36 Tage sollten die Kämpfe dauern. Oft wird dieser Überfall als der Beginn des Zweiten Weltkriegs nur am Rande erwähnt. Dese ausführliche Dokumentation erinnert an den 70. Jahrestag. Im Zentrum stehen dabei nicht Militärgeschichte, Strategien oder Analysen, sondern das Erleben der Menschen auf beiden Seiten, Soldaten wie Zivilisten.
Ein in jeder Hinsicht bewegender Film, denn die Erinnerungen könnten nicht unterschiedlicher sein: größtes Leid auf der einen Seite, Gleichgültigkeit oder Siegesfreude auf der anderen. Zwei Thesen verfolgt die Dokumentation: Sie zeigt, dass schon dieser Krieg gegen Polen ein planmäßiger Vernichtungskrieg war, der von Anfang an gegen die gesamte Bevölkerung gerichtet war, bei dem auch Zivilisten von Wehrmachtssoldaten gezielt getötet wurden. Und sie zeigt, dass Polen von seinen Verbündeten Frankreich und Großbritannien im Stich gelassen wurde. Authentizität steht im Vordergrund; auf nachgespielte Szenen wird verzichtet. Wissenschaftlich unterstützt wurde die Arbeit an der Dokumentation von Dr. Jochen Böhler, Historiker am Deutschen Historischen Institut in Warschau und Autor des Begleitbuchs zum Film.

14:00 Uhr; Phoenix
Der Überfall (2/2)

Deutschlands Krieg gegen Polen
– siehe auch 13:15 Uhr –

17:15 Uhr; EinsExtra
Die Gestapo

1. Hitlers schärfste Waffe
Nach der Machtergreifung Hitlers am 30. Januar 1933 beginnt die Einschüchterung und Ausschaltung jeglicher Opposition. Da die Polizei dafür noch nicht voll in Anspruch genommen werden kann, bringt Hitler seine paramilitärischen Truppen zum Einsatz.
Unter dem Befehl von Ernst Röhm überzieht die ‚Sturmabteilung‘ (SA) der NSDAP das Land mit brutalem, ‚wilden‘ Terror. Im Visier der als ‚Hilfspolizei‘ eingesetzten Schläger sind vor allem Kommunisten, Sozialdemokraten und Gewerkschafter; aber auch die deutschen Juden trifft von Anfang an ihr Terror.
Aber der offene Terror der SA verschreckt auch manche Anhänger des neuen Regimes. Hitler befiehlt die Einstellung der ‚wilden‘ SA-Aktionen. Die reguläre Polizei soll wieder für Ruhe und Ordnung sorgen – nun allerdings unter nationalsozialistischer Führung. Die Polizei soll zum Machtinstrument des NS-Regimes werden. Das gilt vor allem für die politische Polizei des ‚Dritten Reiches‘: die Gestapo.
Im Mai 1933 bezieht die Gestapo ihr Dienstgebäude in der Prinz-Albrecht-Straße 8 in Berlin. Noch ist sie nur für Preußen zuständig, noch ist sie Objekt im Machtkampf der Nazi-Größen. Heinrich Himmler, Reichsführer SS, setzt sich schließlich durch. Im Frühjahr 1934 übernimmt er zusammen mit Reinhard Heydrich die Gestapo im gesamten Reich. Die erste Bewährungsprobe der neuen Formation: die Ermordung von SA-Chef Ernst Röhm – auf Geheiß Hitlers. Röhm, der aus der SA eine ‚Volksmiliz‘ machen will, steht Hitler im Weg.
Der von Gestapo und SS geplanten Mordaktion fallen Ende Juni 1934 etwa 90 Menschen zum Opfer.
Mit der Erstellung eines reichsweiten Karteisystems zur Erfassung von ‚Gegnern‘, der Ernennung Himmlers zum Chef der gesamten deutschen Polizei (1936) und der unaufhaltsamen Kompetenzerweiterung wird die Gestapo zur schärfsten Waffe Hitlers. Die Gestapo verhaftet willkürlich und exzessiv. Die in ‚Schutzhaft‘ genommenen Opfer werden in Konzentrationslager verschleppt. Ihnen wird jeder Rechtsbeistand verweigert.
Zeitzeugen schildern eindringlich die mitleidslosen Methoden der Gestapoarbeit.
So zum Beispiel Johann Schwert aus Frankfurt/Main, damals im kommunistischen Widerstand. Er wird verhaftet, gefoltert und muss viele Jahre in Einzelhaft verbringen. Erst 1945 kommt er frei. Nach 1935 überwacht die Geheime Staatspolizei auch die Einhaltung der ‚Nürnberger Rassegesetze‘, und sie ist im Verlauf des mörderischen Pogroms von 1938 auch dafür verantwortlich, dass tausende männliche Juden verhaftet und in Konzentrationslager verschleppt werden.
Die wachsende Bereitschaft der Bevölkerung zur Denunziation erleichtert der Gestapo den Terror. Josef Niklasch, damals bei den Zeugen Jehovas, und Marie-Luise Schulze-Jahn, damals im studentischen Widerstand, berichten von konkreten Fällen, in denen Hinweise aus der Bevölkerung zur Verhaftung durch die Gestapo führten.
Auch bei der Durchsetzung von Hitlers Expansionspolitik spielt die Gestapo eine wichtige Rolle. Ihre Aufgabe ist es, die polizeiliche Macht in den besetzten Gebieten zu übernehmen und jeden Widerstand zu unterdrücken. Sie wird sich aber auch maßgeblich am Völkermord an den europäischen Juden beteiligen.

18:02 Uhr; EinsExtra
Die Gestapo

2. Terror ohne Grenzen
1939 sorgt die Gestapo für einen Vorwand zum Angriff auf Polen. Heinrich Müller, ein erfahrener Kriminalbeamter, inszeniert einen angeblichen Überfall polnischer Soldaten auf den deutschen Rundfunksender Gleiwitz.
Wenig später wird aus Heinrich Müller ‚Gestapo-Müller‘, der neue Chef der Gestapo.
Die Gestapo gehört nun zum ‚Reichssicherheitshauptamt‘ (RSHA, seit 1939), in dem unter Leitung von Reinhard Heydrich die Kriminalpolizei, der Sicherheitsdienst der SS (SD) und die Gestapo zusammengefasst werden. Das RSHA wird zur Zentrale des Terrors.
Mit Hitlers Angriffskriegen weitet die Gestapo ihren Machtanspruch auf ganz Europa aus. Ob in Prag, Kopenhagen, Amsterdam, Paris oder in den polnischen Gettos – überall entwickelt die Gestapo mörderische Aktivitäten. Es wird erfasst, gefoltert, getötet. Auch die so genannten ‚Einsatzgruppen‘ – Mordkommandos, die im Osten wüten – werden in großem Umfang aus Kräften der Polizei rekrutiert.
Das Reichssicherheitshauptamt übernimmt auch die organisatorische Federführung bei der Deportation und Ermordung der europäischen Juden.
Zuständig ist eine eigene Abteilung, unter der Leitung von Adolf Eichmann – mit direktem Draht zu Gestapochef Heinrich Müller.
Am Beispiel der Stadt Würzburg dokumentiert der Film, wie sich die Gestapo am Völkermord beteiligte. In Würzburg ist neben schriftlichen Dokumenten eine einzigartige Fotosammlung überliefert, die in erschütternden Bildern den Abtransport von 852 mainfränkischen Juden in die Vernichtungslager zeigt. Ein Mitarbeiter der Gestapostelle Würzburg, Kriminaloberassistent Oswald Gundelach, begleitet den Transport bis nach Lublin.
Nach dem Krieg behauptet Gundelach, er habe lediglich ‚Arbeiten verrichtet, die vor 1933 und nach 1945 zu den dienstlichen Obliegenheiten der Polizei gehörten‘.
In Frankreich bereitet der ehemalige Leiter der Gestapostelle Köln, Kurt Lischka, die Deportation tausender Juden vor. Dabei helfen lokale Behörden und Informanten. Vom Sammellager Drancy aus werden mehr als 65.000 Juden deportiert, die meisten nach Auschwitz. Kurt Lischka baut die Gestapozentrale in Paris zu einer effektiven Terrorbehörde aus, die auch alle Widerstandsgruppen gnadenlos verfolgt. Peter Gingold, damals als Deutscher Mitglied der Résistance, erzählt, wie er in die Fänge der Gestapo geriet und nur mit knapper Not entkommen konnte.
Nach dem Krieg taucht Kurt Lischka unter. Erst als sich Serge und Beate Klarsfeld an seine Spur heften, wird er enttarnt und später zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilt.
Im Osten beginnt im März 1942 die so genannte ‚Aktion Reinhard‘ – Kennwort für die Ermordung von über zwei Millionen Juden in Polen. Ein Spezialauftrag von Heinrich Himmler. Angehörige der Gestapo, des SD, der Kriminal- und Ordnungspolizei töten zehntausende unschuldiger Menschen. Zitate aus Briefen und Tagebuchaufzeichnungen von beteiligten Polizisten dokumentieren die völlige Mitleidlosigkeit der Täter: Polizisten sind zu Massenmördern geworden.

18:45 Uhr; EinsExtra
Die Gestapo

3. Henker an der Heimatfront
In den letzten Kriegsmonaten ist der Gewaltapparat der Gestapo weitgehend auf das ‚Altreich‘ zurückgedrängt. Die Gestapo bekommt eine neue Aufgabe: sie soll dafür sorgen, dass die Heimatfront hält – um jeden Preis.
‚Abweichler‘, Kritiker und Gegner des Regimes sollen ‚ausgeschaltet‘ werden.
Schon kleinste Vergehen werden hart bestraft. Als Zeitzeugin berichtet Eva Rössner, wie ihr Großvater, wegen Hören eines ‚Feindsenders‘ mit zweieinhalb Jahren Zuchthaus bestraft wurde. Der Jazzmusiker Emil Mangelsdorff und die Zeitzeugen Wolfgang Lauinger und Franz Kremer erzählen, wie sie als so genannte Swingjugend von der Gestapo verfolgt, verhaftet und gefoltert wurden. Ihr Vergehen: Sie hatten verbotene Jazz-Musik gehört.
Ins Visier der Gestapo geraten jetzt auch noch jene wenigen Juden, die mit einem nichtjüdischen Partner in so genannter Mischehe leben. Zum Beispiel Clara Greding aus Frankfurt. Ihre Töchter erzählen, wie ihre Mutter in die Lindenstrasse 27 bestellt wurde, Sitz der Gestapozentrale in Frankfurt. Hier herrscht Heinrich Baab. Laut späterer Zeugenaussagen soll er sich damit gebrüstet haben, 387 Frauen ‚vernichtet und ausgelöscht‘ zu haben. Baab lässt Clara Greding im Januar 1944 nach Auschwitz deportieren. Dort wird sie ermordet. Heinrich Baab wird nach dem Krieg zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt – eine Ausnahme, viele seiner Gestapokollegen kommen straffrei davon.
In den Millionen im Reich lebenden Zwangsarbeitern sieht die Gestapo seit 1943 ein wachsendes Sicherheitsproblem. Deshalb werden sie misstrauisch überwacht und beim kleinsten Verdacht mit äußerster Härte bestraft. Salvatore Bertorelli ist einer von ihnen. Er erzählt, wie er unter Sabotageverdacht geriet und in ein Gestapo-Lager eingewiesen wurde, wo völlige Willkür herrschte.
Nach dem Attentat auf Hitler am 20. Juli 1944 erhält Gestapochef Heinrich Müller alle Befugnisse zur Verfolgung der Verschwörer. Jeder, der sich im Zusammenhang mit dem Attentat irgendwie verdächtig gemacht hatte, gerät jetzt in die Mühlen der politischen Polizei. Hunderte aus dem Umkreis des Widerstandes fallen der Gestapo zum Opfer.
In den letzten Kriegswochen macht sich bei den Verantwortlichen des Terrorsystems Untergangsstimmung breit. Die Organisationsstrukturen zerfallen, die Maschinerie des Terrors gerät außer Kontrolle. Einzelne Bereiche handeln praktisch autark. Gestapotrupps ziehen als ‚fliegende Standgerichte‘ mordend durchs Land. Soldaten und Zivilisten, die nur den geringsten Zweifel am ‚Endsieg‘ erkennen lassen, fallen ihnen zum Opfer.
Doch nicht wenige, die dem Regime bis zuletzt treu und schrecklich dienen, bereiten sich insgeheim auf die Nachkriegszeit vor. In großem Umfang werden belastende Akten vernichtet. Von den Gestapounterlagen bleibt nur ein verschwindend kleiner Teil erhalten. Mit gefälschten Papieren verschaffen sich viele Gestapomänner eine neue Identität. Man hilft sich gegenseitig: Fluchtwege, so genannte ‚Rattenlinien‘ in sichere Zufluchtsländer – meist nach Südamerika – werden eingerichtet. Und so manch einer der Weltanschauungstäter erinnert sich plötzlich an seinen Beamtenstatus. Wenige Jahre nach dem Krieg tun viele wieder Dienst. Nicht selten in leitender Funktion.

Sonntag, 20.09.2009

03:20 Uhr; Phoenix
Top Secret (1/3)

Helden und Verräter
Die vermutlich älteste Spionagegeschichte unseres Kulturkreises findet sich bereits in der Bibel, aber die Blütezeit der Spionage fällt ins 20. Jahrhundert mit zwei Weltkriegen, der Bildung von West- und Ostblock und den neuen technischen Möglichkeiten. Über das geheime Geschäft berichten in diesem Dreiteiler Top-Agenten, Geheimdienstchefs, Zeitzeugen und Experten.
Am 15. Oktober 1917 steht die niederländische Hutmachertochter Margarethe Gertrude vor ihrem Erschießungskommando. Eine Kusshand werfend stirbt sie in der tödlichen Salve. Die Stunde ihres Todes passt zum Künstlernamen der wohl berühmtesten Spionin: Mata Hari, „Auge des Sonnenaufgangs“. Mit der spektakulären Geschichte der berühmten erotischen Tänzerin und verurteilten Doppelagentin beginnt die Dokumentation über die großen Spione des 20. Jahrhunderts.
Dieses Jahrhundert ist geprägt vom Kampf der Ideologien, von einer Reihe fürchterlicher Kriege und der Aufteilung der Welt in Machtblöcke. Dieser Kampf bringt einen besonderen Typus von Spionen hervor: die politisch motivierten Überzeugungstäter. Für die einen Verräter, für die anderen Helden, haben sie Einfluss genommen auf den Lauf der Geschichte.
Zum Beispiel Richard Sorge. Der ungeliebte Meisterspion Josef Stalins hat mit seinen Informationen den Verlauf des Zweiten Weltkriegs entscheidend mitbestimmt. Er findet das genaue Angriffsdatum Hitlers auf die Sowjetunion heraus. Doch Stalin glaubt ihm nicht. Später berichtet er, dass Japan die Sowjetunion nicht angreifen werde. Und so kann Stalin seine sibirischen Armeen gegen Hitler einsetzen.
Stalin saß auch bei der Gründung der C.I.A. mit am Tisch: Kim Philby, Absolvent der britischen Eliteschulen in Cambridge und überzeugter Kommunist, wird zusammen mit vier Mitstudenten vom russischen KGB angeworben. Geduldig warten die sowjetischen Führungsoffiziere, bis die Fünf in wichtige Positionen aufgestiegen sind. Philby wird, in leitender Funktion beim britischen Geheimdienst, als Ratgeber und Verbindungsmann beim Aufbau der C.I.A. hinzugezogen.

09:00 Uhr; Phoenix
Ein Jude, der Deutschland liebte

Das Tagebuch des Willy Cohn
„Es ist trotz all dem sehr schwer, sich die Liebe zu Deutschland ganz aus dem Herzen zu reißen“, schreibt Willy Cohn im Februar 1933. Der Historiker ahnt, was auf die Juden zukommt – und kann sich dennoch nicht von dem Land trennen, „dessen Sprache wir reden und dessen gute Tage wir auch miterlebt haben!“
Die Veröffentlichung der Tagebücher von Willy Cohn unter dem Titel „Kein Recht, nirgends“ war 2006 eine zeitgeschichtliche Sensation. 1200 Seiten über das Leben seiner Familie, über die jüdische Gemeinde in Breslau und über die zunehmende Marter der Juden, die seit der Machtübernahme der Nationalsozialisten „in einer Mausefalle“ saßen: Vom Januar 1933 bis zum 17. November 1941 beschreibt Willy Cohn die Qual eines Patrioten, der sein Vaterland liebte, und eines gläubigen Juden, der sich ein neues Leben nur in „Erez Israel“ vorstellen konnte. Als der Entschluss auszuwandern fiel, war es zu spät. Im November 1941 wurden Cohn, seine Frau und seine beiden kleinen Töchter verschleppt, deportiert und erschossen. Sie gehören zu den ersten Opfern der systematischen Mordaktionen der Nazis. Seine drei ältesten Kinder Louis „Wölfl“, Ernst und Ruth hatte Willy Cohn noch rechtzeitig nach Frankreich und Palästina geschickt. So überlebten sie.
Die Journalistin Petra Lidschreiber hat die drei filmisch begleitet: Louis Wölfl Cohn besucht seine Heimatstadt Breslau zum ersten Mal, seit er 1933 als 18-Jähriger geflohen war. Das alte Wohnhaus ist noch erhalten, auch das „Johannesgymnasium“, in dem er Abitur machte und der Vater unterrichtete und schließlich das Familiengrab.
Ein filmischer Dialog zwischen den Kindern und ihrem ermordeten Vater entsteht: Warum kehrte Willy Cohn wieder zurück, als er 1937 mit seiner Frau den Sohn Ernst in Palästina besuchte? Warum zögerte er, die deutsche Heimat zu verlassen? Tochter Ruths Stimme versagt, als sie sich erinnert: „Es hätte so nicht enden müssen …!“ Das Tagebuch endet wenige Tage vor Willy Cohns Ermordung. „Doch habe ich den eisernen Wunsch, im Interesse der Familie keinesfalls schlappzumachen“, schreibt er Mitte November 1941. Drei Jahr zuvor hatte er notiert: „Meine Hoffnung ist, dass meine Kinder meinen Namen in meinem Sinne fortsetzen werden …“ Am Ende des Films versammelt sich eine Vier-Generationen-Familie zu einem Gruppenfoto. Sie haben Willy Cohns Wunsch aus dem November 1938 wahr gemacht.

10:45 Uhr; Phoenix
Meine Geschichte – Überfall auf Polen (5/6)

Wladyslaw Matkowski
Wladyslaw Matkowski, geboren im März 1922 in Warschau, gehörte nach dem Überfall der deutschen Wehrmacht auf Polen zu den jüngsten polnischen Soldaten. An jenem 1. September 1939 hatte er eigentlich eine Feier zum Schuljahresbeginn erwartete, stattdessen ertönte im Radio ein Aufruf an polnische Gymnasiasten, sich zur Armee zu melden. Für ihn gab es da keine Diskussion, patriotisch erzogen sah er es als Auszeichnung an. Er war stolz, sein Land zu verteidigen und kam an die Ostgrenze Polens.
Die Soldaten waren zwar mental auf den Krieg gegen die Deutschen vorbereitet, nicht jedoch gegen die Russen. Vom Hitler-Stalin-Pakt hatte Wladyslaw Matkowski nichts gewusst. Im Gegenteil, er dachte, dass ihnen die Russen zu Hilfe kommen würden. Seine Einheit erlitt hohe Verluste durch die sowjetische Luftwaffe. Als Melder auf freiem Feld während der russischen Luftangriffe war er wie gelähmt in seiner Todesangst. Nach der Niederlage gegen die Wehrmacht gelang es ihm, nach Hause nach Warschau zu fliehen, ohne in deutsche Gefangenschaft zu geraten. Als sehr junger Mann fiel er den deutschen Wachposten nicht auf. Es war ein Sonntag, als ihn seine Mutter wieder empfing.

15:00 Uhr; Phoenix
Historische Ereignisse

20.9.1959 – Vor 50 Jahren: Wiedereröffnung der Kölner Synagoge

Zusammenstellung: Holger Raak