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haGalil TV-Radar: Fernsehtipps der Woche

Vom 07.09. bis 13.09.2009 …

Montag, 07.09.2009

03:00 Uhr; arte
Patrouille in Jerusalem

Inmitten der geteilten Stadt Jerusalem wird den 18-jährigen Soldatinnen Mirit und Smadar ein Sektor in der Altstadt zugewiesen, in dem sie fortan Streife gehen müssen. Zu ihren Aufgaben gehört es, Palästinenser nach ihren Ausweispapieren zu fragen und die Sicherheit auf den Straßen sowie in den Bussen zu gewährleisten. Am liebsten jedoch würden die jungen Frauen in Geschäften stöbern, sich in Cafés wärmen und Männerblicke auf sich ziehen. Da sie ihren Posten aber unter keinen Umständen verlassen dürfen, ist es ihre größte Angst, von ihrer Vorgesetzten Drubek bei einem Regelverstoß erwischt zu werden und im Militärgefängnis zu landen.
Mirit und Smadar sind zudem ein ungleiches Paar: Während die schüchterne, introvertierte Mirit – allen Versuchungen zum Trotz – gewissenhaft ihren Verpflichtungen nachkommt, ist der rebellischen Smadar ihre Arbeit, die das Eindringen in menschliche Privatsphäre beinhaltet, zuwider und die Fügsamkeit der braven Mirit ein Dorn im Auge. Als jedoch in ihrem Sektor eine Bombe explodiert, ändert sich alles …

07:15 Uhr; Phoenix
MEINE GESCHICHTE – Überfall auf Polen (3/6)

Wlodzimierz Kaldowski
Wlodzimierz Kaldowski, Jahrgang 1923, erlebte den Beginn des Zweiten Weltkrieges in Bromberg, polnisch Bydgoszcz. Er war damals 16 und noch Schüler. Er hatte eine Kamera und machte mehrere Fotos vom Einmarsch.
Bis zum heutigen Tag sind die Ereignisse in Bromberg nicht auf einen Nenner zu bringen. Wer löste den sogenannten „Bromberger Blutsonntag“ aus? Hitler inszenierte Vorwände für den deutschen Überfall auf Polen am 1. September 1939. Zwei Tage später ziehen polnische Soldaten durch die Stadt auf der Flucht vor der deutschen Übermacht. Es kommt zu einem Pogrom, etwa 300 Deutsche werden ermordet. Die Vergeltung der Deutschen erfolgt umgehend. Auch Wlodzimierz Kaldowski gerät in die Fänge eines deutschen Erschießungskommandos. Nur durch einen geistesgegenwärtigen Trick kann er sich retten.
Diese Ereignisse haben Wlodzimierz Kaldowski damals tief betroffen, auch wenn er heutzutage versucht, das eher leicht und unbeschwert zu erzählen. Später wurde er als Zwangsarbeiter nach Deutschland verschleppt. Nach dem Krieg arbeitete er als Fotograf in Breslau.

21:00 Uhr; arte
Rendezvous mit einer Leiche

Meisterdetektiv Hercule Poirot verbringt seine Ferien auf einem Luxuskreuzfahrtschiff mit Kurs auf Israel. Doch wie könnte es anders sein: Poirot wird keine Zeit zum Faulenzen gegönnt. Denn wo er hinreist, ist auch der nächste Fall nicht weit … Eine reiche Amerikanerin wird ermordet. Die Witwe eines zu Geld gekommenen Gefängnisdirektors hat sich nach dessen Tod viele Feinde gemacht: ihre Kinder, die sie allesamt um die Erbschaft betrogen hat; ihr Rechtsanwalt, den sie zwecks Testamentsfälschung erpresst hat; schließlich die junge Ärztin, in die sich ihr Sohn verliebt hat. Hercule Poirot kommt, wie immer, dank seines feinen Gespürs und seines berüchtigten Scharfsinns dem wahren Schuldigen auf die Spur …

Dienstag, 08.09.2009

04:15 Uhr; ZDFdoku
New York – Mystischer Ort des Judentums

New York ist ein Schmelztiegel der Völker. Es gibt kaum eine Stadt auf der Welt, in der man so viele verschiedenfarbige Menschen auf den Straßen sehen kann.
Das ist das eine. Das andere ist das dichte Beieinander der Völker in ihren Vierteln in der Stadt. Die Völkerwelten New Yorks wechseln schnell – oft von einem Straßenzug zum anderen, von einer Metro-Station zur anderen. Und sie haben ihr eigenes Gesicht bewahrt, sind nicht „gemischt“. Die Viertel New Yorks sind kleine Heimaten geblieben. New York ist auch eine Stadt der Religionen. Sie haben sich bis zum heutigen Tag in den Häuserschluchten zwischen den Wolkenkratzern behauptet. Die Kirchen, Synagogen, Moscheen sind vergleichsweise klein gegenüber den Tempeln des Kapitals. Aber sie sind gegenwärtig. Eher still und unauffällig. New York ist die Heimat von vielen orthodoxen Juden, die die mystische Praxis ihrer Religion sehr betonen und leben. Neben alten Formen dieses Lebens bestehen und entstehen neue, ungewohnte. Der Film zeigt einen sehr intimen Einblick in dieses Leben.

Samstag, 12.09.2009

02:40 Uhr; arte
Eine Frage der Schuld

In gewohnt rascher Bildabfolge zeigt Jean-Gabriel Périot Eindrücke vom Zweiten Weltkrieg – die Flieger, die Bomben, die Zerstörung. Und dann: Der Tag der Befreiung von der deutschen Besatzung, die Franzosen im Freudentaumel, strahlende Gesichter. Doch inmitten dieser Aufnahmen von glücklichen Menschen erscheint plötzlich ein völlig anderes Bild, das im krassen Gegensatz zum Umfeld steht. Französinnen, die sich im Krieg mit deutschen Soldaten eingelassen haben, stehen auf Wagen mit der Aufschrift „Poules à boche“, „Deutschenflittchen“, die Menge bespuckt und beschimpft die verhassten „Kollaborateurinnen“. Einige Männer rasieren den Frauen öffentlich die Köpfe, malen ihnen Hakenkreuze auf die Stirn und demütigen sie vor aller Augen. Ganz ohne Kommentar gelingt es dem Regisseur, den Widerspruch der glücklichen Menge zu zeigen, die teilweise eben deswegen glücklich ist, weil andere menschenverachtend behandelt werden. Am Schluss bleibt so nur die Frage: Wer kann von sich behaupten, ohne Schuld zu sein?

14:00 Uhr; Phoenix
„Der Tag, als ich erschossen wurde“

Polen erinnern sich an den deutschen Überfall
70 Jahre nach dem Überfall sind die Autorinnen Antonia Schmidt und Wioletta Weiß durch die Dörfer und Städte entlang der ehemaligen deutsch-polnischen Grenze gefahren und haben gefragt, was die Menschen in den ersten Kriegstagen erlebt haben.
„Der Tag, als ich erschossen wurde“, sagt der 84-jährige Ireneusz Cuglewski, wenn er erzählt, wie die deutsche Wehrmacht sein Dorf überfallen hat. Acht Dorfbewohner sollten hingerichtet werden in Romanow, als „Vergeltungsmaßnahme“ für den Tod von zwei deutschen Soldaten. Die Dorfbewohner waren unschuldig, doch das nützte ihnen nichts. Ireneusz war damals vierzehn. Er hat das Massaker als einziger überlebt, durch Zufall. Oft hat er seine Geschichte schon erzählt. Aber noch nie einem Deutschen. Weil ihn noch nie jemand aus Deutschland gefragt hat.
Der deutsche Überfall auf Polen: Bekannt sind die „Fakten“, die Jahreszahlen, die ungefähre Zahl der Toten. Noch kaum erzählt wurden die Geschichten der Menschen in den Dörfern und Städten. Verbrechen an der Zivilbevölkerung gehörten zum Kriegsalltag. Die Alten erinnern sich noch sehr genau und die Jungen sind mit der Geschichte groß geworden.
Die Autorinnen sind dabei auf schreckliche Geschichten, aber nie auf Groll gestoßen. Im Gegenteil: Sie wurden mit offenen Armen empfangen. Die Menschen, die das Grauen erlebt hatten, freuten sich, dass ein deutsches Team gekommen ist, um ihnen zuzuhören.

17:30 Uhr; Phoenix
Jerusalems erste Adresse

Das King David Hotel macht Geschichte
Das King David Hotel, 1930 als „Grand Hotel von Palästina“ eröffnet, ist bis heute eines der besten Häuser der Welt. Hier verbindet sich der Luxus eines Fünf-Sterne-Hotels mit der Tradition orientalischer Gastfreundschaft. Das King David ist aber auch Zeuge der Geschichte des Nahostkonflikts. Wichtige politische Weichen wurden hier gestellt.
„Es ist ja nicht mehr nur ein Hotel, es ist ein Teil unserer Geschichte. All die wichtigen Ereignisse, all die großen Figuren unserer Geschichte, all die Höhen und Tiefen unseres Lebens sind hier durch dieses Hotel gegangen. Wenn ich hierher komme, dann fühle ich mich nicht wie ein Gast, sondern wie ein Geschichtsstudent“ – mit diesen Worten beschreibt Israels großer Politiker Shimon Peres das King David Hotel in Jerusalem.
Der ägyptische Präsident Anwar-El Sadat wohnte hier, als er 1977 nach Jerusalem kam, um Frieden mit Israel zu schließen. US-Außenminister Henry Kissinger funktionierte das Hotel 1974 für vier Wochen in das US-Außenministerium um, als er eine Verhandlungslösung zwischen Israel und seinen Nachbarn finden wollte. Doch im King David kann man – wie der Film zeigt – auch einfach nur sein und genießen: nicht zuletzt den atemberaubenden Ausblick auf die Altstadt der Heiligen Stadt.

18:05 Uhr; arte
Das verlorene Stück

Mit viel Selbstironie begibt sich Filmemacher Oded Lotan auf die Suche nach den Hintergründen der jüdischen Beschneidungstradition. Bei seiner Reise durch Israel und Deutschland trifft er auf ungewöhnliche Gesprächspartner, zum Beispiel auf einen „singenden Mohel“ – einen Beschneider -, Mütter und Väter von beschnittenen Jungen, aber auch entschiedene Beschneidungsgegner. Ein russisch-stämmiger Wehrdienstleistender erlaubt Oded, ihn in die Klinik zu begleiten, wo ihn die kurze Operation seinen Kameraden im Armee-Camp „gleich machen“ soll. In Berlin-Kreuzberg wohnt Lodan einer kurdischen Beschneidungsfeier bei, und in Heidesheim erfährt er, dass der Kult um die Vorhaut sogar Eingang in die christliche Reliquienverehrung gefunden hat.
Von Wissenschaftlern und Rabbinern sowie deren Frauen hört der Reisende von den Vorzügen und den Nachteilen der Beschneidung. In Tel Aviv sinniert er mit einem Psychologen über Beschneidung als Bestandteil nationaler Identität. Und mit seiner Mutter diskutiert er darüber, warum es ihr so wichtig ist, dass ihre Kinder sich nicht von anderen Menschen unterscheiden.
Schließlich findet sich Lotan auf den schmalen Fluren des „Kommissariats für die Inspektion von Mohelim“ in Jerusalem wieder. Wird sich hier das Rätsel seines eigenen „verlorenen Stückes“ lösen? Der Dokumentarfilm ist auch eine Reise durch die verschiedenen sozialen Schichten Israels und vermittelt ein komplexes und vielfarbiges Bild dieses Landes.

20:15 Uhr; Phoenix
Der Überfall (1/2)

Deutschlands Krieg gegen Polen
Am 1. September 1939 überfielen deutsche Truppen Polen; 36 Tage sollten die Kämpfe dauern. Oft wird dieser Überfall als der Beginn des Zweiten Weltkriegs nur am Rande erwähnt. Dese ausführliche Dokumentation erinnert an den 70. Jahrestag. Im Zentrum stehen dabei nicht Militärgeschichte, Strategien oder Analysen, sondern das Erleben der Menschen auf beiden Seiten, Soldaten wie Zivilisten.
Ein in jeder Hinsicht bewegender Film, denn die Erinnerungen könnten nicht unterschiedlicher sein: größtes Leid auf der einen Seite, Gleichgültigkeit oder Siegesfreude auf der anderen. Zwei Thesen verfolgt die Dokumentation: Sie zeigt, dass schon dieser Krieg gegen Polen ein planmäßiger Vernichtungskrieg war, der von Anfang an gegen die gesamte Bevölkerung gerichtet war, bei dem auch Zivilisten von Wehrmachtssoldaten gezielt getötet wurden. Und sie zeigt, dass Polen von seinen Verbündeten Frankreich und Großbritannien im Stich gelassen wurde. Authentizität steht im Vordergrund; auf nachgespielte Szenen wird verzichtet. Wissenschaftlich unterstützt wurde die Arbeit an der Dokumentation von Dr. Jochen Böhler, Historiker am Deutschen Historischen Institut in Warschau und Autor des Begleitbuchs zum Film.

21:00 Uhr; Phoenix
Der Überfall (2/2)

Deutschlands Krieg gegen Polen
– siehe auch 20:15 Uhr –

Sonntag, 13.09.2009

11:45 Uhr; Phoenix
Meine Geschichte – Überfall auf Polen (4/6)

Karl-Heinz Gertig
Karl-Heinz Gertig, Jahrgang 1923, erlebte den sogenannten „Bromberger Blutsonntag“ am 3. September 1939, zwei Tage nach dem Überfall von Hitlers Wehrmacht auf Polen, als 16-jähriger Gymnasiast. Seine Eltern besaßen in Bromberg ein kleines Kaufhaus, ein Grund, warum sie nach dem 1. Weltkrieg für Polen optiert hatten.
Zunächst ging es der Familie als Teil der deutschen Minderheit recht gut, aber ab Mitte der 30er Jahre verschlechterten sich die Beziehungen zwischen Deutschen und Polen in der Stadt. Karl-Heinz Gertig erinnert sich an Gewalt, an Beschimpfungen auf der Straße. Nach seiner Erinnerung waren es die Polen, die angefangen haben zu morden. Das Gerücht von volksdeutschen Heckenschützen gegen polnische Soldaten auf dem Rückzug hält er für absurd, da die Überlegenheit der Deutschen Wehrmacht augenfällig war. Der Auslöser des Pogroms gegen deutsche Zivilisten ist bis heute umstritten. Es ist davon auszugehen, dass marodierende polnische Truppenteile an der deutschen Zivilbevölkerung Rache für die erlittene Niederlage nahmen. Karl-Heinz Gertig erinnert sich z.B., dass er den pensionierten Rektor einer deutschen Schule mit Kopfschuss in einer Blutlache liegen sah.
Die NS-Propaganda nahm die Ausschreitungen als willkommenen Anlass, die Kriegshandlungen gegen Polen zu rechtfertigen. SS-Truppen und Polizeieinheiten übten blutige Vergeltung. Auch hiervon berichtet Karl-Heinz Gertig als Augenzeuge. Er ist froh, dass seine Familie durch Fürsprache der polnischen Vermieter verschont blieb.Obwohl er zu den Ereignissen des „Bromberger Blutsonntag“ eine Einstellung hat, die von den meisten Polen abgelehnt wird, suchte er das Gespräch mit Polen. Er fuhr schon vor dem Ende der kommunistischen Diktaturen in Osteuropa mehrfach nach Bromberg.

19:00 Uhr; arte
Kammermusik aus Jerusalem

Jelena Baschkirowa, in Moskau geboren, gilt als herausragende Pianistin mit einer besonderen Affinität zur Kammermusik. Die Ehefrau von Daniel Barenboim wirkte bei zahlreichen Uraufführungen mit. 1998 gründete Jelena Baschkirowa das Jerusalem Chamber Music Festival , das im September 2008 bereits zum elften Mal stattfand. Die Kammermusik-Konzerte im YMCA Jerusalem zeichnen sich durch eine freundschaftlich-ungezwungene, dabei aber hochkonzentrierte Atmosphäre aus, bei der die musikalischen Werke im Mittelpunkt stehen.
Die Konzert-Aufzeichnungen versammeln die Höhepunkte des 2008er Jahrgangs. Neben den Pianisten Jelena Baschkirowa und Kirill Gerstein sind namhafte Musiker wie Guy Braunstein und Michael Barenboim an der Violine, der Klarinettist Mathias Glander, Ori Kam und Madeleine Carruzzo an der Viola sowie Zvi Plesser, Nicolas Altstaedt und Gary Hoffmann am Violincello zu erleben.

Zusammenstellung: Holger Raak