Steinbruch des Königs Herodes ausgegraben

Inmitten eines ultraorthodoxen Viertels in Jerusalem hat die Antikenbehörde vor dem Neubau eines Wohnhauses einen Teil des riesigen Steinbruchs freigelegt, aus dem König Herodes um das Jahr 20 vor Christi die riesigen Steinquader für den Neubau des Tempels und die Erweiterung der Esplanade des Tempelbergs bezogen hat. Besonders eindrucksvoll kann man die durchschnittlich fünf bis zehn Tonnen schweren Steinblöcke an der Klagemauer bewunden…

Von Ulrich W. Sahm, Jerusalem, 6. Juli 2009

In dem innerhalb von zwei Wochen freigelegten Steinbruch sind noch die Rillen zu sehen, die rund um die Steine gemeißelt worden sind, ehe sie mit eisernen Keilen ausgelöst und auf Holzrollen, von Ochsen oder Kamelen gezogen, wegtransportiert worden sind. „Die Hightech der römischen Zeit war die Fähigkeit und Technik, mit besondern großen Steinquadern umzugehen“, sagte Dr. Ofer Sion, der 48 Jahre alte Archäologe, während rund 50 arabische Hilfsarbeiter aus Ostjerusalem gerade die Sonnenschutzplanen abmontierten.

Die im Steinbruch zurück gebliebenen „Negativ-Abdrucke“ der herausgebrochenen Steine entsprechen exakt den Maßen der Riesenquader an der Klagemauer: 4 Meter lang, 2,5 Meter breit und etwa 1,25 Meter hoch.

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Verbaut wurden Steinblöcke, die etwa einen Meter hoch oder doppelt so hoch waren, aber unterschiedlich lang. „Wenn alle Steine gleich lang sein müssten, wäre Herodes auch nach achtjähriger Vorbereitungszeit für den Neubau des Tempels nicht fertig geworden, sondern stecken geblieben“ erklärt Sion. So seien die Steinmetzen freier gewesen, je nach Beschaffenheit des Kalksteins Steine unterschiedlicher Größe herauszubrechen. Sion demonstriert die Technik mit Werkzeug, das die Bauleute von über 2000 hinterlassen hatten: einem abgebrochen Eisenmeißel, eine zerborstene Brechstange und mehrere Eisenkeile, die in den Felsen getrieben wurden, bis die Steinbrocken vom Felsen abgelöst werden konnten.

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Vor vielen Millionen Jahren muss es bei Jerusalem ein Meer gegeben haben. Denn der typische Jerusalemer Kalkstein bestehe aus zusammengepressten Meeresablagerungen, sagt der Archäologe weiter.

Nur die oberste Steinschicht des Kalksteins, Millionen Jahre lang von der Sonne gehärtet, konnte als Baumaterial für den Tempel verwendet werden. Schon in fünf Metern Tiefe sei der Kalkstein so weich, dass er dem enormen Gewicht der 70 Meter hohen Umfassungsmauer des Tempelbergs nicht standgehalten hätte „und geradezu geschmolzen wäre“.

Die beiden gefundenen Münzen aus der Hasmonäerzeit (etwa ab 150 vor Chr.) seien für die Datierung des Steinbruchs „unnütz“, meinte Sions Mitarbeiter Yehuda Rapuano, einem ausgewiesenen Scherben-Experte. Auf einem Tisch liegen einige Tonscherben aus der Zeit des Königs Salomons. Doch die größte Menge stamme aus der römischen Zeit, also des Königs Herodes, sagt Rapuano, ohne sein Geheimnis preiszugeben, woran er das Alter der Bruchstücke und Henkel zerbrochener Kochpötte oder Trinkgefäße aus Ton erkenne.

Zwei Wochen lang seien etwa 100 Lastwagenladungen Erdreich und Schutt abtransportiert worden. Jetzt ist die Grabung abgeschlossen. Die Spuren der Steinmetzen des Königs Herodes werden bald einer Tiefgarage unter einem neuen Wohnhaus weichen müssen. „Man kann nicht alles bewahren, was wir entdecken“, sagt Sion.

© Ulrich W. Sahm / haGalil.com