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Inseln im Mittelmeer: Sardinien

In Sulcis wurden Spuren einer jüdischen Ansiedlung aus der römischen Kaiserzeit gefunden. In der Hauptstadt Gagliari ist eine Synagoge aus dem Ende des 6. Jahrhunderts bezeugt. Unter aragonesischer Herrschaft (seit 1325) erhielt Sardinien dauernd jüdischen Zuzug aus Barcelona und von den Balearen. Auch Alghero hatte eine blühende jüdische Gemeinde…

Dr. Mark Wischnitzer, Die Juden in der Welt: Die Inseln des Mittelmeers

Die berufliche Struktur der Juden war ähnlich gelagert wie in Sizilien, wo neben dem Handel das Handwerk stark vertreten war. Es gab in Sardinien jüdische Schlosser, Schmiede, Silberarbeiter und Weber, deren wackere Arbeit sogar eine Antilärmbewegung ausgelöst hatte, verbot doch König Ferdinand der Katholische die Ausübung der „geräuschvollen Gewerbe“ an christlichen Feiertagen. Die Juden betätigten sich ferner im Baugewerbe und im Bergbau. Sie sanierten und reorganisierten den Betrieb im verwahrlosten Bergwerk bei Iglesias. Dann gab es jüdische Buchhalter, Büroangestellte, Finanzbeamte, Hof- und Heereslieferanten, auch Ärzte.

Die Lage der sardinischen Juden verschlechterte sich, nachdem Aragonien mit Kastilien vereinigt wurde. Es machte sich bald der Drang zur Auswanderung unter den Juden bemerkbar, die aber von der königlichen Regierung hintangehalten wurde. Sieben Jahre später (1492) erfuhr die Staatspolitik eine entscheidende Wendung. Die Juden verließen Sardinien, diesmal war es eine Zwangsauswanderung. Die Maßregel betraf alle Länder unter aragonischer Herrschaft.
Erst in neuester Zeit kamen Juden wieder ins Land. 1861 gab es 10 Juden, 1911: 206.

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