Ein ló Dmuth haGuf v’ejnó Guf: Und wenn Er lebt, ohne Körper…

Ihr neuestes Album „Sentir“ („Fühlen“) beschließt Yasmin Levy mit dem Lied „Jigdal Elohim chaj“ („Erhaben der lebendige G’tt“), das der Poet und Rabbi Daniel ben Yehudah um 1410 in Rom schrieb. Er bezog sich dabei auf die dreizehn Grundüberzeugungen wie sie der spanisch-jüdische Philosoph und Rabbiner Moses Maimonides (RaMBaM, 12.Jh.) aus Cordova definierte…

Sie schreibt: „Ich bin mit jüdischen liturgischen Liedern meiner Eltern aufgewachsen, und als jemand, der an Gott glaubt, beende ich alle meine Alben mit einem Gebet. Das ist meine Tradition – und meine Art, Gott für all das Gute zu danken, das er mir hat zuteil werden lassen“.

Im Yigdal heisst es: Er (gemeint ist Gott) hat weder die Gestalt eines Körpers, noch ist er ein Körper…

Ein ló Dmuth haGuf v’ejnó Guf

Ma sot omeret: ulaj Haftacha, sche gam anachnu, kesche Jom echad niju lelo Guf ve gam lelo Dmut haGuf, ve akh adajin nichijeh; ki gam hu, sche ein lo Demut haGuf veeino guf (veseh mikwar vegam akhshav) chai, veafilu laNezach.

As im hu kajam, vemamschikh lehitkajem, lelo guf, gam anachnu nokhal lehitkajem lelo guf.

Ve im atah schoel akhshav vesokher et haSafek ha-im hu kajam? Ejkh lotischal, harej atah nimza, ha-im lo? Ve im ken, eikh lelo Jozer chaj? Meajin?

Was bedeutet dies? Vielleicht versichert es uns, dass auch wir, wenn wir irgendwann einmal ohne Körper, ja sogar ohne Ähnlichkeit eines Körpers, sein sollten, noch immer leben. Da doch auch Er, der (schon immer) ohne Körper und ohne Ähnlichkeit mit einem Körper, lebt, und dies sogar ewig.

Wenn also Er lebt, und weiterhin lebt, ohne Körper, warum sollten dann nicht auch wir ohne Körper weiter leben. Und wenn du dich fragst, ob denn Er überhaupt lebe, dann frage dich doch auch, ob denn du existierst. Und wenn ja; wie, und woher, ohne lebendigen Schöpfer?

Jigdal Elohim chaj...
Gepriesen sei der lebendige Gott,
Gott ist, und keine Zeit begrenzt Gottes Sein.
Einzig ist Gott, nichts ist Gott gleich.
Uns verborgen und ohn‘ End‘ ist Gottes Einzigkeit.
Kein Körper ist Gott, ohne körperlich‘ Gestalt,
niemals erahnen wir Gottes Heiligkeit.
*
Gott war vor allem da, vor einem jeden Geschöpf,
war da von Angang an, doch selbst ohne Beginn.
Gott herrscht über die Welt, und alles, was Gott schafft,
offenbart Gottes Größe, Gottes Macht.
Fülle an Prophetie gab Gott für die,
die Gottes Eigentum sind und Gottes Ruhm.
Niemals in Israel war wie Mose ein Prophet,
der Gott von Angesicht zu Angesicht geschaut.
Die gute Lebensweisung gab Gott seinem Volk
durch Mose, Gottes treuen Prophet.
Diese Lebensweise wird Gott niemals gereu’n,
niemals durch eine andere revidier’n.
Gott sieht und kennt, was verborgen in uns ist.
Das Ende einer Sach‘ ist vorab Gott bekannt.
Die Frommen belohnt Gott ihren Taten gemäß,
den Bösen zahlt Gott ihre Bosheit zurück.
Am Ende aller Zeit sendet Gott uns das Heil,
um zu erlösen die, die Gottes Hilfe erharrt.
Gott wird durch seine Gnad‘ Tote beleben;
Gepriesen sei Gottes Name bis in Ewigkeit.
  1. יִגְדַּל אֱלֹהִים חַי וְיִשְׁתַּבַּח
    נִמְצָא וְאֵין עֵת אֶל מְצִיאוּתוֹ
  2. אֶחָד וְאֵין יָחִיד כְּיִחוּדוֹ
    נֶעְלָם וְגַם אֵין סוֹף לְאַחְדּוּתוֹ
  3. אֵין לוֹ דְּמוּת הַגּוּף וְאֵינוֹ גוּף
    לֹא נַעֲרוֹךְ אֵלָיו קְדֻשָּתוֹ
  4. קַדְמוֹן לְכָל דָּבָר אֲשֶׁר נִבְרָא
    רִאשׁוֹן וְאֵין רֵאשִׁית לְרֵאשִׁיתוֹ
  5. הִנּוֹ אֲדוֹן עוֹלָם לְכָל(וְכָל) נוֹצָר
    יוֹרֶה גְּדֻלָּתוֹ וּמַלְכוּתוֹ
  6. שֶׁפַע נְבוּאָתוֹ נְתָנוֹ
    אֶל אַנְשֵׁי סְגֻלָּתוֹ וְתִפְאַרְתּוֹ
  7. לֹא קָם בְּיִשְׂרָאֵל כְּמשֶׁה עוֹד
    נָבִיא וּמַבִּיט אֶת תְּמוּנָתוֹ
  8. תּוֹרַת אֱמֶת נָתַן לְעַמּוֹ אֵל
    עַל יַד נְבִיאוֹ נֶאֱמַן בֵּיתוֹ
  9. לֹא יַחֲלִיף הָאֵל וְלֹא יָמִיר דָּתוֹ
    לְעוֹלָמִים לְזוּלָתוֹ
  10. צוֹפֶה וְיוֹדֵעַ סְתָרֵינוּ
    מַבִּיט לְסוֹף דָּבָר בְּקַדְמָתוֹ
  11. גּוֹמֵל לְאִישׁ חֶסֶד כְּמִפְעָלוֹ
    יִתֵּן לְרָשָׁע רָע כְּרִשְׁעָתוֹ
  12. יִשְׁלַח לְקֵץ יָמִין מְשִׁיחֵנוּ
    לִפְדּוֹת מְחַכֵּי קֵץ יְשׁוּעָתוֹ
  13. מֵתִים יְחַיֶּה אֵל בְּרֹב חַסְדּוֹ
    בָּרוּךְ עֲדֵי עַד שֵׁם תְּהִלָּתוֹ

Aus dem Sefer Schomea Tefila, einem Kommetar zum Sidur (Schma Tefila / Schma Kolenu):

Das Lied spricht über die Eigenschaften und das Lob Gottes. Die ersten zehn Zeilen sprechen über das Wesen Gottes. Er ist überzeitlich, ein für Menschen unergründliches, einheitliches Wesen; Er ist körperlos, nichts ist Ihm vorausgegangen.
Die folgenden Zeilen handeln von der Emanation, die jüdische Menschen zu Propheten machte, sowie von der besonderen Stellung des Propheten Mosche, der uns das Wort Gottes mitteilte. Alles, was er gelehrt hat, ist unabänderlich.
Weiter ruft das Lied aus: Gott kennt die Taten und Gedanken der Menschen, auch weiss Er im voraus, wie der Mensch entscheiden wird. Gutes wird belohnt, Schlechtes bestraft. Der grösste Lohn – so führt Maimonides an einer anderen Stelle aus – ist das Fortleben der Seele im Jenseits.
Die letzten zwei Zeilen sind ein von der Gewissheit und der Bitte um das Kommen des „Maschiach“ und die Auferstehung der Toten durchdrungenes Gebet. Insgesamt sind es 13 Verszeilen.

Ganz ähnlich auch das noch bekanntere „Adon Olam“ („Herr der Welt“) im Morgengebet.

Mit Adon Olam beginnt der Jude seinen Tag, und mit ihm beendet er den Tag zum Abschluss des Nachtgebetes. Die ersten sechs Sätze sprechen über Gott, den Herrn, König der Welt, der einzig, überzeitlich, ohne Anfang und Ende ist. Diesem Einzigen, Erhabenen vertraut sich der Betende in den letzten vier Sätzen an. Seinen Geist, den Körper und sein Geschick überlässt er Gott und fühlt sich in Sicherheit. Ob Ibn Gwirol (11. Jh.) oder der etwas vor ihm lebende Hai Gaon Verfasser des Gedichtes war, steht nicht eindeutig fest.

*) Nach dem 3. Artikel des RaMBaM: Ich glaube in ganzem Glauben, dass der Schoepfer, gelobt sei sein Name, unkoerperlich ist und frei von jeder Moeglichkeit, materiell vorgestellt zu werden; und dass ihm auch keine Gestalt beigelegt werden kann.

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