100 Jahre Hakoah Wien 1909–2009

Erinnerungen an den einst größten jüdischen Sportverein – Eine Internetpräsentation des Nürnberger Instituts für NS-Forschung und jüdische Geschichte des 20. Jahrhunderts…

Relativ viele Aktivisten des am 26. September 1909 gegründeten jüdischen Sportvereins Hakoah Wien überlebten die Shoa, da sie frühzeitig gegen den Antisemitismus kämpften und sich keine Illusionen über die Ziele der Nationalsozialisten machten. Deshalb planten sie schon beizeiten eine Emigration. Hinzu kam, dass die Sportlerinnen und Sportler in hervorragender körperlicher Verfassung waren.

Die Strategien, der Vernichtung zu entgehen, waren jedoch unterschiedlich. So floh etwa der ehemalige Handballer und langjährige Ehrenvorsitzende Erich Sinai nach Osten in die UdSSR, um dort auf abenteuerliche Weise in Kasachstan zu überleben, die Turnerin Kitty Schrott fuhr über die Donau durch die Dardanellen nach Palästina. Dort angekommen wurde sie von der britischen Mandatsmacht zwangsweise auf die Insel Mauritius verschifft. Die Schwimmerin Elisheva Schmidt Susz emigrierte ebenfalls nach Palästina, um dort bis ins hohe Alter eine – nach Freudschen Maßgaben arbeitende – psychotherapeutische Praxis zu führen. Andere wurden als sogenannte Halbjuden in Österreich zur Zwangsarbeit herangezogen. Sie überlebten nur mit viel Glück, da kurz vor ihrer geplanten Deportation in die Vernichtungslager der Nationalsozialismus niedergeschlagen wurde.

Hakoah_Logo

In über einem Dutzend biografischen Skizzen von mittlerweile hochbetagten Hakoahnern werden Schlaglichter auf die wechselvolle Geschichte dieses einst größten jüdischen Sportvereins von der Gründung über die sportlichen Erfolge bis hin zur Verfolgung im Nationalsozialismus und dem Neuaufbau geworfen.

Im Frühjahr 1926 folgte die damals vermutlich beste europäische Fußballmannschaft der Einladung zu Freundschaftsspielen in die USA. Die Tournee war ein großer Publikumserfolg; Zehntausende sahen die Hakoah und bescherten nicht nur den Klubeignern glänzende Einnahmen. Das Spiel der Österreicher gegen eine New Yorker Mannschaft ging in die Geschichtsbücher ein: 46.000 Besucher strömten in den „Polo Ground“, ein Zuschauerrekord, der rund ein halbes Jahrhundert Bestand hatte. Der wissenschaftliche Aufsatz Die US-Tournee der Fußballmannschaft von Hakoah Wien 1926 – Als der Flügelstürmer Alex Neufeld aus Österreich so berühmt war wie der amerikanische Baseballspieler Babe Ruth lässt die ruhmreiche Vergangenheit der Elf wieder aufleben. Dieser Text steht auf der Internetseite des Nürnberger Instituts als kostenloser Download zur Verfügung. Weiterhin wird pro Woche eine biografische Skizze von ehemaligen Hakoah-Sportlern dort zu lesen sein.

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