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„Das war bösartig, um unser Radio gezielt zu destabilisieren“

Radio-1-Chef Roger Schawinski kritisiert ein Werbemailing, das Konkurrent Energy Zürich an Kunden verschickte. Laut Schawinski ist das Schreiben des Ringier-Senders geschäftsschädigend, ehrverletzend und antisemitisch. Nun will der Radiopionier gegen Ringier juristisch vorgehen. Im Interview mit „persoenlich.com“ spricht er Klartext: „Meine Person wurde auf perfide Weise mit einer Fotomontage der Lächerlichkeit preisgegeben“…

Interview: Christian Lüscher
Persoenlich.com, das Online-Portal der Schweizer Kommunikationswirtschaft, 17.08.2009

Herr Schawinski, laut „SonntagsZeitung“ werfen Sie Radio Energy Zürich Geschäftsschädigung, Ehrverletzung und Antisemitismus vor. Das sind harte Vorwürfe, die Sie erheben. Wie haben Sie eigentlich vom Mailing erfahren?

Es wurde uns von Kunden zugestellt, die noch nie einen solchen Werbeversand erhalten haben. Quantitative Vergleiche mit anderen Medien sind üblich, aber nur auf sachlicher Ebene. Ringier hat hingegen ein einziges Medium gezielt diskreditiert, und hat dabei mit unzulässigen Preisvergleichen offen dazu aufgefordert, Radio 1 nicht mehr zu buchen. Ausserdem wurde meine Person auf perfide Weise mit Fotomontagen der Lächerlichkeit preisgegeben. Das ist ohne Beispiel.

Was war Ihrer Meinung nach die Motivation von Ringier, ein solches Mailing zu verschicken?

Dort liegen die Nerven blank. Zuvor hat man alle Mittel eines Grossverlags ausgeschöpft, doch noch zu einer Konzession zu gelangen: Sowohl eine gewaltige Werbekampagne in den eigenen Medien als auch eine kontinuierliche redaktionelle Kampagne für Energy, wie es die Schweiz noch nie erlebt hat. Dabei wurden alle journalistischen Grundregeln der fairen Berichterstattung ausgehebelt. Dabei hat man die im Konzessionsgesuch dementierte Medienmacht auf dem Platz Zürich auf überdeutliche Art demonstriert. Ausserdem gibt es bei Ringier offenbar keine klare ethische Haltung in Bezug auf den Umgang mit der Konkurrenz und keine Kontrolle. Da kann jeder wüten, wie er will.

Warum vergleicht Ringier die Zahlen von Radio 1 und Energy Zürich? Inwiefern sind die Zahlen manipuliert?

Energy bezieht sich bei seinen Leistungsvergleichen mit uns allein auf eine „werberelevante Zielgruppe“ der 15-49 Jährigen, weil der Sender mit einem jüngeren Publikum zu besseren Werten kommt. Nur gibt es diese Zielgruppe in der Schweiz ausser bei den deutschen TV-Sendern gar nicht – weder beim Radio, noch bei der SRG oder den Zeitungen. Kein anderer Radiosender stützt sich auf diese Werte. Energy weiss dies genau, und tut es im Vergleich zum deklarierten „Radio für Erwachsene“ trotzdem. Ein Beispiel: Der grösste lokale Werbekunde auf dem Platz Zürich, Schubiger Möbel, zahlt nur für die Hörer ab 35 Jahren. Bei Leistungsvergleichen zieht er die Jüngeren einfach ab. Deshalb hat Energy nach vielen Jahren die Schubiger-Werbung verloren, dafür ist Radio 1 zum Zug gekommen. Auch die meisten anderen Werbekunden sind vor allem an den Hörern über 30 Jahren interessiert, und da sehen die Leistungszahlen für Radio 1 viel besser aus, als es von Energy dargestellt wird. Dies ist nur eine der vielen Verleumdungen in der Werbeschrift. Insgesamt habe ich gegen zehn aufgelistet.

Sie werfen Ringier vor, Sie als Person bei den Werbekunden anzuschwärzen. Spitzt sich das Konkurrenz-Gebaren vor dem noch hängigen Rekurs-Entscheid zu?

Ringier hat viele Hunderttausende von Franken für Rechtsschriften investiert, um nach dem ablehnenden Entscheid doch noch zu einer Konzession zu kommen. Darauf mussten wir kontern, und haben es getan. Das halte ich für legitim. In diesem Verfahren konnten wir auf alle Unterstellungen antworten und die Richter werden entscheiden, wer Recht hat. Aber was jetzt geschehen ist, hat eine ganz andere Dimension. Man will uns einfach nur Schaden zufügen, und schreckt dabei vor gar nichts mehr zurück.

Ist es üblich, dass man im Schweizer Radiomarkt mit solchen Mitteln arbeitet?

Dies hat es noch nie gegeben, nicht einmal annäherungsweise. Was jetzt passiert, ist schlicht eine Schande, und dies sage ich auch als Gründer und Pionier dieser Branche.

Sie sind der Meinung, dass Sie im Mailing als geldraffender Jude dargestellt werden. Interpretieren Sie da nicht ein bisschen viel in die Fotomontage?

Es ist nicht meine Interpretation. Es ist die Reaktion von Mitarbeitern, Kunden und Konkurrenten, die allesamt entsetzt waren. Und es ist nicht das erste Mal, dass mich Ringier auf diese Weise zeigt. Der „Blick“ veröffentlichte nach dem Verkauf meiner Firma im Jahr 2001 eine Karikatur, die mich auf ähnliche Weise darstellt. Meines Wissens wurde kein anderer Unternehmer, der seine Firma verkauft hat, in einer ähnlichen Weise gezeigt. Dieser neue Fall ist noch gravierender als der erste, weil man sich direkte wirtschaftliche Vorteile erhofft. Diese Fotomontage steht unter der Überschrift „Warum mehr bezahlen?“, mit der man also direkt und offen vom Buchen beim überteuerten Radio 1 abrät. Es fehlt nur noch die Überschrift „Kauft nicht beim Juden“ – aber eigentlich ist dies gar nicht mehr nötig. Im Übrigen habe ich mit Radio 1– entgegen der Darstellung – kein Geld verdient, sondern im Gegenteil bisher einen hohen einstelligen Millionenbetrag investiert. Zuerst musste ich die Konzession erwerben, dann baute ich die Infrastruktur auf, dann verzögerte sich die Konzessionsvergabe, darauf wurde von Energy Rekurs eingelegt. Und schliesslich stecken wir mitten in der schlimmsten Werbekrise seit Menschengedenken. Da hat es ein neues Medium mit einem dreimal kleineren Sendegebiet als die direkte Konkurrenz besonders schwer. Trotzdem stellen mich die Leute von Ringier als jemanden dar, der nur das viele Geld zählt, das er eingenommen hat, und zwar indem er seine Kunden mit unseriösen, überhöhten Preisen übers Ohr gehauen hat. Da soll sich jeder Betrachter eine eigene Meinung bilden.

Die Fotomontage ist für Sie antisemitisch. Werden Sie das Antirassismus-Gesetz zum Zug kommen lassen?

Dies habe ich bisher nicht konkret ins Auge gefasst. Im Vordergrund steht erstmals die klare Verletzung des UWG. Ich klage, weil ein solches Verhalten nicht toleriert werden darf. Wir müssen dafür sorgen, dass auch in einem harten Konkurrenzkampf weder die Wahrheit, noch die Sitte und die Würde verloren gehen, alles Werte, welche Verleger immer gerne im Munde führen.

Was haben Sie bis jetzt unternommen?

Ich habe alles versucht, damit Ringier den angerichteten Schaden möglichst geräuschlos beseitigt. Dabei sind meine Ferien drauf gegangen, weil ich zwei Wochen lang versucht habe, eine gütliche Lösung zu erreichen. Stattdessen hat sich der Konflikt immer weiter hochgeschaukelt. So ist man auf meine sachlichen Argumente in keiner Weise eingegangen, sondern hat mich mit zum Teil schockierenden, zum Teil lächerlichen Erklärungen abspeisen wollen. Darauf konnte und durfte ich nicht eingehen. Schliesslich hat ein Journalist der „SonntagsZeitung“ von der Sache Wind bekommen und gestern einen kurzen Artikel dazu publiziert.

Haben Sie das persönliche Gespräch mit Marc Walder gesucht?

Über Details meiner Kontakte mit der Ringier-Spitze möchte ich zurzeit nichts verbreiten.

Das ist nicht der erste Zwist zwischen Ihnen und Ringier. Das Medienhaus soll angeblich Gerüchte gestreut haben, Sie würden Ihr Radio verkaufen.

Das war bösartig, um unser Radio gezielt zu destabilisieren. Auf diese Weise wollte man insinuieren, dass man mir keine Konzession geben dürfe, da ich bereits auf dem Sprung sei, zu verkaufen. Das ist unter jedem Titel unwahr und bösartig. Dies habe ich noch dementieren können, und schliesslich versickerte die Sache. Aber ich hätte nicht gedacht, dass man die Perfidie noch weiter treibt, wie es mit diesem Werbeversand geschehen ist.

http://www.youtube.com/watch?v=kU2tV14f5kQ

Eigentlich unterhielten Sie früher immer eine gute Beziehung zu Ringier. Brechen Sie nun vollends mit dem Medienhaus?

Im Moment herrscht Funkstille, nachdem Ringier verbreiten liess, dass man nicht bereit sei, sich zu entschuldigen. Ich bedaure, dass Ringier keine Fehler eingestehen kann, sondern immer wieder dazu gezwungen werden muss, das eigene krasse Fehlverhalten einzugestehen. So war es im Fall Borer und ähnlich auch im Fall Swissfirst-Matter. Mir bleibt daher nichts anderes übrig, als denselben Weg zu gehen, was ich bedaure.

Was sagen Sie Michael Ringier, wenn Sie ihn das nächste Mal sehen?

Wir haben keinen neuen Termin vorgesehen.