Die Schweinegrippe stört den Ramadan

Die Angst vor Ansteckung mit der Schweinegrippe hat eine katastrophale Auswirkung auf die täglichen Festessen, dem Iftar nach Sonnenuntergang, während des muslimischen Fastenmonats Ramadan und auf die jährliche Pilgerfahrt (Hadsch) nach Mekka. Der Iran hat wegen der Epidemie ein generelles Verbot für Pilgerreisen nach Saudi Arabien verhängt. Alle Flüge von Teheran nach Mekka wurden ausgesetzt. 300.000 Passagiere sind betroffen…

Von Ulrich W. Sahm, Jerusalem, 26. August 2009

In Ägypten wurden bisher 12 Todesfälle infolge der Schweinegrippe registriert. Ägypter unter 25 und über 65 sowie schwangere Frau werden am Flughafen in Kairo daran gehindert, das Flugzeug nach Mekka zu besteigen. Saudi Arabien und die arabischen Gesundheitsminister haben Anfang August beschlossen, keine Pilger unter 12 und über 65 zuzulassen. Saad al-Qurashi von der Handelskammer von Mekka sagte der Zeitung Al-Jaum, dass seine Stadt mit einem Einbruch von 40 Prozent der Geschäfte rechne wegen dem Ausbleiben von Pilgern und der Stornierung schon bestellter Hotelzimmer. Arabian Business rechnet mit einem Verlust von 266 Millionen Dollar für die saudische Hotel- Industrie.

In der arabischen Presse werden Vorsichtsmaßnahmen diskutiert. So sollte man sich nicht länger als 15 Minuten in klimatisierten Moscheen aufhalten. Die Gesichtsmaske sollte jede viertel Stunde ausgewechselt werden. Stündlich sollte man sich die Hände mit Seife und warmem Wasser Waschen. Das Küssen auf die Backe und der Händedruck zur Begrüßung sollten ganz unterbleiben. Der prominente islamische Gelehrte aus Katar, Scheich Tahqueel Al Shummari, empfiehlt erkälteten Menschen, zu Hause zu beten und in diesem Jahr auf die Zusammenkünfte in Festzelten zu verzichten, wo jeden Abend nach Sonnenuntergang mit einem üppigen Essen das Fasten gebrochen wird.

In Kuwait, wo bisher 1100 Patienten behandelt wurden und zwei Menschen starben, sowie in Dubai wird erwogen, die Schulen erst wieder im Dezember zu öffnen.

Doch es gibt auch Profiteure. International Air Charter, der größte Betreiber eine Flotte von Privatjets in den arabischen Emiraten, rechnet mit einem Zuwachs von 50 Prozent der Flüge nach Saudi Arabien während des Ramadan. Wohlhabende Pilger werden mit Zeitersparnis gelockt, aber auch mit der Möglichkeit, einer Ansteckung in überfüllten Passagiermaschinen zu entgehen.

Israelische Soldaten an den Straßensperren im Westjordanland erhielten die Anweisung, während des Ramadan Rücksicht auf die Moslems zu nehmen und in der Öffentlichkeit weder zu rauchen noch zu essen. Muslimische Soldaten in der israelischen Armee, insbesondere Beduinen, forderten besondere Rücksichten und eine Reduzierung des Trainingsprogramms während der heißen Stunden am Tag, da sie wegen der Vorschriften ihrer Religion nicht einmal Wasser trinken dürfen.

© Ulrich W. Sahm / haGalil.com