„Islamisches Emirat“ am Mittelmeer zerschlagen

Scheich Abdel-Latif Abu Moussa hat in seiner Moschee in Rafah während des Freitagsgebets der im Gazastreifen herrschenden islamistischen Hamasbewegung eine unerträgliche Herausforderung vergesetzt. Weil die Hamas „verweltlicht“ sei und nicht ordentlich die Scharia, das islamische Religionsgesetz, eingeführt habe, erklärte er den Gazastreifen zum „Islamischen Emirat“. Scheich Abu Moussa ist Anführer einer Gruppe Namens Jund Ansar Allah („Gotteskämpfer „). Sie stehe ideologisch der El Qaeda des Osama bin Laden nahe…

Von Ulrich W. Sahm, Jerusalem, 15. August 2009

Der arabische TV-Sender Al Dschesira übertrug die Predigt des bärtigen Abu Moussa aus dem Gotteshaus. Der Geistliche war von vermummten bewaffneten Männern umringt. Einer von ihnen trug angeblichen einen Sprenggürtel.

Der “militärische Arm” der Hamas-Partei, die 2006 mit Mehrheit die demokratischen Wahlen in den Palästinensergebieten gewann und im Juni 2007 mit einem Putsch die offiziellen Streitkräfte der Autonomiebehörde aus dem Gazastreifen vertrieben hat, verlegte Truppen nach Rafah im Süden des Gazastreifens nahe der Grenze zu Ägypten. Sie umzingelte die Moschee, in der sich der Scheich und seine bewaffneten Gläubigen versammelt hatten. Die Kämpfe hätten mindestens 19 Tote und über 120 zum Teil „kritisch“ Verletzte gefordert, berichtete die palästinensische Nachrichtenagentur Maan. In der Nacht seien die Kämpfe abgeflaut.

Das vierstöckige Wohnhaus des abtrünnigen Scheichs wurde mitsamt seinen Bewohnern gesprengt. Das halb eingestürzte Gebäude sei explodiert, möglicherweise wegen darin gelagertem Sprengstoff, heißt es weiter bei Maan. Ob dabei auch Menschen zu schaden kamen ist unbekannt, da die Hamaskämpfer das Gebiet rund um das Gebäude großräumig absperrten und keine Ambulanzen durchließen, um möglichen Verletzten zu helfen. Auf das Gotteshaus, in dem Scheich Abu Moussa vor laufenden Kameras „Eine neue Geburt, die Geburt des islamischen Emirats“ verkündet hatte, wurde mit Mörsergranaten beschossen. Unter den Toten befindet sich neben Scheich Abu Moussa auch Abu-Jibril Shimali, Kommandeur der Izzadin al Qassam Brigaden. Obgleich die Hamas abstreitet, vor drei Jahren den israelischen Soldaten Gilad Schalit in den Gazastreifen entführt zu haben und seitdem dort an einem unbekannten Ort festzuhalten wird, gilt Schimali nach israelischen Angaben als jener Hamas-Kommandeur, der die Entführung geplant und ausgeführt habe.

Ein Sprecher des de-facto Innenministeriums der im Gazastreifen herrschenden aber von niemandem anerkannten Hamas-Regierung erklärte den meuternden Scheich für „verrückt“. Taher al-Nouno, ein Sprecher des de facto Premierministers Ismail Haniyeh sagte: “Wir behandelten sie wie eine illegale Gruppe mit Gewehren und Waffen. Jedes Mitglied der Gruppe sollte aufgeben.“ Die israelische Zeitung Jerusalem Post bezeichnete den bewaffneten Aufstand der extremistischen El Queda Gruppe als eine gefährliche Herausforderung für die radikal-islamische Hamas-Organisation, die mit gewaltsamen Mitteln versuche, ihre völlige Kontrolle des Gazastreifens durchzusetzen und keinen inneren Widerstand duldet.
„Jund Ansar Allah” des Scheich Abu Moussa hatte ihre Existenz vor zwei Monaten bekannt gegeben, als drei ihrer Männer, auf Pferden reitend, bei einem Angriff auf eine israelische Grenzpatrouille ums Leben kamen. Angeblich hätten sich viele Hamas-Leute dieser neuen, noch radikaleren Organisation angeschlossen.
Abu Moussa soll während seiner Predigt am Freitag erklärt haben, dass seine Gruppe von Osama bin Ladens El Qaeda “inspiriert” sei. Er forderte, im Gazastreifen den Salafi-Islam aufzuzwingen. Der Geistliche rief zum Krieg gegen den Westen auf. Die Hamas kritisierte er, weil sie weiterhin an weltlichen Gesetzen der Autonomie Behörde festhalte, anstatt islamisches Recht eingeführt zu haben. Ebenso kritisierte er die Hamas wegen ihrer Zustimmung zu einem Waffenstillstand mit Israel und wegen Kontakten mit westlichen Politikern, darunter dem ehemaligen amerikanischen Präsidenten Jimmy Carter.
Obgleich die Hamas wie El Qaeda eine Vernichtung Israels anstrebt und in ganz Palästina ein islamisches Kalifat gründen will, befolgt sie nicht das Ziel eines umfassenden Krieges gegen den Westen, heißt es in Agenturberichten.

© Ulrich W. Sahm / haGalil.com

Ein Kommentar zu “„Islamisches Emirat“ am Mittelmeer zerschlagen

  1. Man müsste dieses ganze fundamentalistische, islamo-faschistische, surreale Dreckspack zusammen mit der El-Kaida und den Herren aus dem Wächterrat (..Selbstzensur..).

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.