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Juden in der Welt: Die Balearen

Die Balearen bezeichnen eine im Westen des Mittelländischen Meeres gelegene Inselgruppe, die aus Mallorca mit der Hauptstadt Palma de Mallorca, Menorca mit der Stadt Mahon und Ibiza mit der gleichnamigen Stadt besteht…

SfaradDr. Mark Wischnitzer, Die Juden in der Welt: Die Inseln des Mittelmeers

Man hört von Bekehrungen von Juden Anfang des 5. Jahrhunderts in Mahon. Während der arabischen Herrschaft lebten Juden im befestigten Teil von Palma. Um die Mitte des 12. Jahrhunderts, nach dem Almohadenaufstand, erfolgte ein fluchtartiger Zustrom von Juden vom spanischen Festland. Im 13. Jahrhundert wiesen die Balearen unter aragonischer Herrschaft Zuzug aus Südfrankreich, Nordafrika, Ägypten und anderen Mittelmeerländern auf. Die Inseln erhielten steigende Bedeutung für den Handelsverkehr, dank ihrer günstigen Lage zwischen der katalonischen Provinz und Sizilien. Auf diesem Handelsverkehr, der Nordafrika und den Orient einbezog, wurde der sprichwörtlich gewordene Wohlstand der jüdischen und christlichen Kaufleute von Mallorca, namentlich in der zweiten Hälfte des i4- Jahrhunderts, begründet. Die jüdische Bevölkerung von Mallorca wurde zu jener Zeit auf 1.000 Familien geschätzt.

Dem materiellen Aufstieg entsprach ein Aufschwung auf allen Gebieten des kulturellen Lebens. Mallorca war die Heimat der jüdischen Kartographen. Abraham und Joseph Cresques von Mallorca haben durch ihre „portolanos“ die Voraussetzungen für die grundlegenden geographischen Entdeckungen ihrer Landsleute geschaffen. Die Balearen waren ein mächtiger Anziehungspunkt für geistig hochstehende Juden. Leo Mosconi kam vom Balkan; er starb in Palma, wo er eine bedeutende Büchersammlung hinterließ. Simon Ben Zemach Duran stammte aus Palma, von wo er 1391 bei Ausbruch der Verfolgungen nach Algier flüchtete. Gelehrter, Religionsphilosoph und Kabbalist — erwarb er sich in den nordafrikanischen Gemeinden ein hohes Ansehen. Sein Name wurde dort in das Abendgebet am Versöhnungstage aufgenommen.

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Nach dem Untergang der blühenden Gemeinde in Mallorca wurden seitens der aragonischen Herrscher Bemühungen gemacht, Juden aus Portugal heranzuziehen und dort anzusiedeln. Jedoch war das Schicksal der Niederlassung besiegelt. Die Ritualmordlüge fand 1435 bei der fanatisierten Masse williges Gehör. Die Taufe schien den einzigen Ausweg aus der recht bedrohlichen Lage zu bieten, auch öffnete sie die Tür zu manchen Gewerben, zur Wollspinnerei, zur Tuchweberei, zum Beispiel, die Fremden, Neuzugewanderten unzugänglich blieben. Die Nachkommen der Bekehrten wurden späterhin mit dem Schimpfnamen Chuetas (Schweineesser) bezeichnet. Sie bildeten eine besondere Kaste. Die Inquisition bewachte sie argwöhnisch, die christliche Gesellschaft mied und hasste sie, obwohl sie dem katholischen Glauben Treue hielten. Unter den Täuflingen gab es Handwerker, hauptsächlich Goldschmiede. Aber noch im Jahre 1782 wurden diese Goldschmiede von der Juwelierinnung in Mallorca ausgeschlossen. In den Kirchen standen die Chuetas scheu zusammengedrängt in einer besonderen Ecke. Auf den Friedhöfen hatten sie ihren besonderen Begräbnisplatz. Das Schicksal dieser Vereinsamten ist von Blasco Ibanez in dem Roman „Die Toten befehlen“ geschildert worden. Erst Ende des 18. Jahrhunderts erhielten die Chuetas Gleichberechtigung.

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Die Insel Menorca wurde 1713 von den Engländern besetzt, die den Juden Zuflucht gewährten. In Mahon wurde eine Synagoge errichtet, jüdisches Leben begann sich zu entfalten. Aber die Herrschaft der Engländer wurde durch die Spanier und Franzosen bedroht. 1781 wurde Menorca belagert. Juden und Mauren verteidigten die Stadt. Sie ergaben sich. Die Juden verließen die Insel mit der englischen Garnison.

Die Balearen wurden 1933 eines der Zielländer für die jüdische Auswanderung aus Deutschland. Die niedrigen Lebenskosten, das milde Klima sowie die Möglichkeiten des Ausbaues der Fremdenverkehrsindustrie übten eine große Anziehung aus. Es sind im Dezember 1933 einige Erschwerungen für die Einreise und den Aufenthalt erlassen worden. Groß ist die Aufnahmefähigkeit der Balearen nicht. Bei der Wahl neu zu gründender Industrien ist eine sorgfältige Prüfung der wirtschaftlichen Verhältnisse auch auf dem spanischen Festlande zu empfehlen. Es ist zu erhoffen, daß eine sehr überlegte und keineswegs überhastete Einwanderung, die sich in bescheidenen Grenzen bewegt, den Juden und dem Land zum Segen gereichen wird.

Die Juden in der Welt: Spanien

[alemannia-judaica.de/mallorca.htm] [redjuderias.org] [memoriajueva.com]

Con una historia que se remonta al siglo V, la época más esplendorosa de los judíos mallorquines o chuetas se sitúa a mediados del siglo XIV. Mallorca era una de las más importantes escuelas de navegación del mundo y gozaba de gran reputación como centro del saber y de cultura. El rey Joan I insistió en que fuera respetado el saber de los judíos y ordenó que los libros hebreos de la aljama no fueran incautados y fueran considerados bienes privilegiados.

Quelle: Dr. Mark Wischnitzer, Die Juden in der Welt, 1935

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