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Grünes Licht für Militärschlag gegen Teheran?

Amerika wird Israel nicht an einer Militäraktion gegen den Iran hindern. Das stellte Joe Biden am Sonntag in einem Interview mit dem Fernsehsender ABC-News klar. Wörtlich meinte der US-Vizepräsident gegenüber dem ABC-Chefkorrespondenten George Stephanopoulos: „Israel hat das Recht, seinen eigenen Weg im Blick auf die Nuklearbedrohung durch den Iran festzulegen, ganz unabhängig davon, was die Obama-Administration tun wird.“…

Als der Journalist nachhakte, unterstrich der Politiker: „Israel kann selbst bestimmen – es ist eine souveräne Nation – was in seinem Interesse ist und was es dem Iran und jedem anderen gegenüber tun will.“

Dreimal wiederholte der zweitmächtigste Mann der Vereinigten Staaten von Amerika diese Aussage: „Wenn die Regierung Netanjahu sich für einen anderen Weg entscheidet, als den, der bislang verfolgt wird, ist das ihr souveränes Recht.“ Gleichzeitig unterstrich Biden, dass das Angebot Washingtons zu einem Gespräch mit dem Iran zwar auf dem Tisch bliebe, die Amerikaner gleichzeitig aber nicht zu weiteren Zugeständnissen gegenüber der Islamischen Republik Iran bereit seien. Insgesamt sprach er eindeutig davon, dass Obamas Regierung gegenüber dem Iran eine härtere Gangart einschlagen werde. Der amerikanische Generalstabschef Admiral Mike Mullen äußerte sich indes besorgt darüber, dass jegliches militärische Vorgehen gegen den Iran eine destabilisierende Wirkung für die gesamte Region haben werde.

Gerüchte über einen Militärschlag gegen den Iran kommen weder aus Regierungskreisen in Jerusalem noch aus dem Verteidigungsministerium in Tel Aviv. Selbst der als rechtsradikaler Hardliner verschriene israelische Außenminister Avigdor Lieberman hat wiederholt klar gemacht, dass sein Land nicht an einem Militärschlag gegen den Iran interessiert sei. Wenn israelische Politiker trotzdem betonen, man schließe keine Option aus, ist das als Aussage zu werten, die sie zu jeder Konfliktsituation machen und die jedem potentiellen Kriegsgegner gilt. In den vergangenen Wochen war auch verschiedentlich aus israelischen Regierungskreisen zu hören, dass Israel nicht die Interessen Amerikas zu vertreten habe, sondern seine eigenen.

Insofern ist die Aussage des US-Vizepräsidenten weniger als „grünes Licht“ für die Regierung Netanjahu zum Angriff auf die persische Möchte-gern-Atommacht zu deuten. Joe Biden hat mit dieser Tonart in erster Linie den Machthabern in Teheran signalisiert, dass die versöhnlichen Töne, die seit dem Amtsantritt Barack Obamas aus Washington zu hören sind, nicht missverstanden werden dürfen. Amerika will sich nicht mit einer schiitischen Atommacht in Asien abfinden – ganz gewiss nicht nach Verlauf, Ausgang und Nachwehen der iranischen Präsidentenwahlen im Juni. Hätte die US-Regierung ihren militärischen Bullterrier von der Leine gelassen, hätte das die Weltöffentlichkeit – wie üblich in derartigen Fällen – wohl kaum durch ein Interview in ABC-News erfahren.

Andererseits fällt Bidens dreimal unterstrichene Bemerkung zusammen mit eigenartigen Drohgebärden aus Israel und der sunnitisch-arabischen Welt. So behaupteten zwei Tage vor dem Biden-Interview Quellen aus dem israelischen Verteidigungsministerium, eines von drei israelischen U-Booten habe im Rahmen eines Manövers den Suezkanal ins Rote Meer und damit in den indischen Ozean passiert. Israel besitzt drei Dolphin-U-Boote, die in Deutschland gebaut wurden und in der Lage sein sollen, mit Atomsprengköpfen besetzte Marschflugkörper abschießen zu können. Natürlich dementierten die Ägypter umgehend, dass ein israelisches U-Boot den Kanal passiert haben könnte. Aber die Botschaft war in Richtung Teheran auf dem Weg.

Und schließlich war da am Sonntagmorgen die Meldung der britischen The Sunday Times, Saudi-Arabien habe signalisiert, man werde stillschweigend dulden, wenn israelische Kampfjets den Luftraum des Wüstenkönigreichs in Richtung Iran passierten. Mossad-Chef Meir Dagan soll sich laut der britischen Zeitung mit Vertretern der saudischen Regierung getroffen haben. Auch diese Meldung wurde umgehend dementiert – dieses Mal aus Jerusalem.

Es ist ein allseits bekanntes Geheimnis, dass sunnitische Staaten wie Jordanien, Saudi-Arabien oder Ägypten mehr von einer Atommacht Iran zu befürchten haben, als der jüdische Staat Israel. Für die Sunniten ist nicht nur das selbstbewusste Erwachen der Schiiten ein Problem, sondern auch die Tatsache, dass der amerikanische Irak-Feldzug den Mullahs aus Teheran das Land Saddam Husseins praktisch auf dem Silberteller serviert hat. Sunniten und Schiiten verfluchen sich gegenseitig im Rahmen ihrer jeweiligen Freitagsliturgien. Und das Erwachen des sunnitischen Extremismus als Reaktion auf den schiitischen Siegeszug kann schon bald zur echten Existenzbedrohung der westlich orientierten Diktatoren in der arabischen Welt werden.

Quelle: israelnetz