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Der Koran und die Juden (4): Wem gehört das Land Israel?

Schauen wir uns doch einmal an, was der Koran hinsichtlich des Landes Israel und die Juden zu sagen hat: „Und gedenke, als Moses zu seinem Volk sprach: ‚O Leute, gedenket der Gnade Allahs gegen euch, da er unter euch Propheten erweckte und euch Könige einsetzte und euch gab, was er keinem von aller Welt gegeben. O Volk, betritt das heilige Land, das Allah euch bestimmte; und kehret nicht den Rücken, auf dass ihr nicht als Verlorene umkehrt“ (Sure 2,20 und 21)…

7. Die Hebräische Bibel

Durch den gesamten Koran hindurch zieht sich der Vorwurf, die Israeliten – die späteren Juden – hätten die Schrift verfälscht. Häufig begegnet man der Formulierung: „…da warfen sie dieselbe hinter ihre Rücken und verkauften sie für winzigen Preis“ (Sure 3,184) oder aber: „Und dieweil sie den Bund brachen, haben wir sie verflucht und haben ihre Herzen verhärtet. Sie vertauschten die Wörter an ihren Stellen und vergaßen einen Teil von dem, was ihnen gesagt ward“ (Sure 5,16 und 45). Der Kommentator erklärt zudem, der Talmud spreche schlecht über die Mutter Jesu (Sure 4,155, Fußnote 71).[20]

Immer wieder zitiert bzw. paraphrasiert der Koran aus der Hebräischen Bibel, wie der Kommentator, Kurt Rudolph, nicht müde wird zu betonen. Dass sich dabei nicht nur der Kommentator irrt, sondern dass das auch schon bei Mohammed immer wieder der Fall ist, sei anhand von Mose Vater vorgeführt. Amram, wie er in der Hebräischen Bibel heißt (2. Mose 6,20), wird von Mohammed als „Imran“ bezeichnet. Für Mohammed ist dieser Imran der Vater der Jungfrau Maria, die zusammen mit ihrer Schwester Elisabeth, Jesus, Johannes dem Täufer und dessen Vater Zacharias das „Haus des Imran“ bilden. Um die Verwirrung zu vervollständigen, erklärt der Kommentator (Sure 3, Fußnote 15), die Mutter Jesu, Maria (arab. Marjam), werde mit der Schwester Aarons und Mose, Mirjam (= Maria), gleichgesetzt.[21]
Der Kommentator zitiert nicht nur gerne aus der Hebräischen Bibel, dem Talmud, dem Midrasch und dem Neuen Testamen sondern auch aus dem äthiopischen Henoch-Buch und dem äthiopischen Baruch-Buch. Inwieweit seine Interpretationen stimmen, ist angesichts seiner Aussagen hinsichtlich jüdischer Bräuche und Zitate aus jüdischem Schrifttum zumindest fragwürdig, da kaum überprüfbar.

Insgesamt beansprucht Mohammed für sich, die Vollendung der mosaischen Offenbarung gebracht zu haben (Sure 6,155–158).

In Sure 45,15–16 heißt es, Allah habe den Kindern Israel die Schrift, die Weisheit und das Prophetentum sowie alles Gute gegeben und sie vor aller Welt bevorzugt. Leider war die Folge dieser Gaben: „Nicht eher wurden sie uneins, als bis das Wissen zu ihnen gekommen war, aus Neid aufeinander“ (Vers 16).

8.   Wem gehört das Land Israel?

Palästina gehört den Moslems und nicht den Juden. So steht es im Koran! Das ist in arabisch-islamischen Kreisen eine mehr als gängige Meinung, und jeder der antritt, den Gegenbeweis zu erbringen, wird von arabischen Experten als Lügner gebrandmarkt. Sowohl die PLO als auch die Hamas verweisen auf Verse im Koran, die vorgeblich das Recht der Araber auf das Land stützen. Gerne begründen Moslime ihre Verbindung zum Land mithilfe der anfänglichen Gebetsausrichtung auf Jerusalem und mit Mohammeds nächtlicher Himmelfahrt von der „Entfernten“ (auf Arabisch: Al-Aksa).

Wenn jemand eine derartige Behauptung aufstellt, sollte er auch in der Lage sein, sie zu belegen. Der Name der Stadt Jerusalem kommt im Koran nicht ein einziges Mal vor. Was die Gebetsrichtung angeht, erwähnt Sure 2,142 tatsächlich die neue Gebetsrichtung, die Qibla: „Sprechen werden die Toren unter dem Volk: ‚Was wendet er sie ab von ihrer Qibla, die sie früher hatten?‘ Sprich: ‚Allah ist der Westen und der Osten; er leitet, wen er will, auf den rechten Pfad.“ Diese Verse beziehen sich auf die neue Gebetsrichtung zur Kaaba in Mekka. Davor hatte Mohammed den Tempel in Jerusalem als Gebetsrichtung befohlen. Damit wollte er die Juden für sich und seinen neuen Glauben gewinnen. Als sie ihn ablehnten, setzte er statt dessen Mekka als neue Gebetsrichtung ein.

Was die „Entfernte“ betrifft, kann nach arabisch-islamischer Ansicht nur die Al-Aksa-Moschee in Jerusalem gemeint sein. Dabei wird nur allzu gerne vergessen, dass es diese Moschee zu Mohammeds Lebzeiten noch gar nicht gegeben hat: Sie wurde zwischen 709 und 715 erbaut vom Kalifen al-Walid, also lange nach Mohammeds Tod im Jahr 632. In Bezug auf die nächtliche Himmelfahrt Mohammeds von Jerusalem aus ist heute weitgehend vergessen, dass die meisten moslemischen Theologen in der Vergangenheit diejenigen als Ungläubige bezeichneten, die an diese Himmelfahrt Mohammeds glaubten. Sie haben sie als Legende bezeichnet. Angesichts dieser Tatsachen dürfte eigentlich klar sein, dass das Land Israel nicht an die Muslime vererbt wurde und dass es ihnen auch nicht heilig ist.

Aber wir wollen uns nicht mit der einfachen Widerlegung der Behauptungen in Bezug auf das Land Israel begnügen. In diesem Aufsatz geht es um die Juden und den Koran. Schauen wir uns deshalb näher an, was genau der Koran hinsichtlich des Landes Israel und die Juden bzw. die Kinder Israel zu sagen hat.

„Und gedenke, als Moses zu seinem Volk sprach: ‚O Leute, gedenket der Gnade Allahs gegen euch, da er unter euch Propheten erweckte und euch Könige einsetzte und euch gab, was er keinem von aller Welt gegeben. O Volk, betritt das heilige Land, das Allah euch bestimmte; und kehret nicht den Rücken, auf dass ihr nicht als Verlorene umkehrt“ (Sure 2,20 und 21).

„Und zum Erbe gaben wir dem Volk, das für schwach erachtet war, den Osten und Westen der Erde, die wir gesegnet hatten, und erfüllt ward das schöne Wort deines Herrn an den Kindern Israel, darum dass sie standhaft geblieben. Und wir zerstörten die Werke und Bauten Pharaos und seines Volkes“ (Sure 7,137).

„Und wir sprachen nach seiner Vernichtung zu den Kindern Israel: ‚Bewohnet das Land, und wenn die Verheißung des Jenseits eintrifft, dann werden wir euch herzubringen in buntem Haufen'“ (Sure 17,104).

Klarere Beweise für die Tatsache, dass das Land Israel den Kindern Israel versprochen wurde, gibt es wohl kaum. Sie entsprechen der Verheißung Gottes an Abraham, kurz nachdem er im Land Kanaan eingetroffen und sich im Terebinthen-Hain More niedergelassen hat: „Und der Ewige erschien dem Abram und sprach: Deinem Samen werde ich geben dieses Land“ (1. Mose 12,7). Dagegen finden sich in allen 114 Suren des Korans keinerlei Hinweise darauf, die das muslimische Recht auf dieses Land stützen würden!

9.   Muslime und Juden

Sure 5 spricht sich in den Versen 56 bis 63 ganz klar gegen Bündnisse mit Juden (und auch Christen) aus: „O ihr, die ihr glaubt, nehmt nicht die Juden und Christen zu Freunden.“

Gemäß dem Koran versündigen sich die Israeliten und später die Juden unablässig gegen Allah: Sie kamen im Unglauben und gingen fort in ihm; sie essen Verbotenes, sie führen sündige Reden und handeln schlimm. Höhnisch erklären die Juden gemäß dem Koran: „Die Hand Allahs ist gefesselt“ (Sure 5,69), dabei ist es dem Koran zufolge doch eher so, dass die Juden beim Jüngsten Gericht mit an den Hals gefesselten Händen vor Gott werden erscheinen müssen.

Sure 9 formuliert in den Versen 29 bis 35 eine Kampfansage an Juden und Christen, die hier auf eine Stufe mit Götzendienern gestellt werden: „Kämpfet wider jene von denen, welchen die Schrift gegeben war, die nicht glauben an Allah und an den Jüngsten Tag“ (Sure 9,29). Da die Juden gemäß Sure 9 behaupten, Esra sei Allahs Sohn (sic!), enthält diese Sure die Bitte: „Allah, schlag sie tot!“ (Sure 9,30). Außerdem wird den Juden in dieser Sure vorgeworfen, sie nähmen ihre Rabbiner zu Herren, obwohl ihnen geboten worden sei, einem einzigen Gott zu dienen. Solange Juden und Christen „nicht bekennen das Bekenntnis der Wahrheit“ (Sure 9,29), dürfen sie erst nach Entrichten einer entehrenden „Kopfsteuer“ ihren Glauben behalten. „Heiden“ erging es noch viel schlimmer. Sie konnten nur zwischen Islam, Tod oder Sklaverei wählen.

In einer der chronologisch ältesten Suren, der 98., werden die Juden, das Volk der Schrift, wie es im Koran heißt, erwähnt. Allerdings werden sie die Ungläubigen genannt, denn sie seien erst abtrünnig geworden, als der deutliche Beweis, d.h. Mohammed mit seinem Koran, zu ihnen kam. Zur Strafe kommen die Ungläubigen vom Volk der Schrift ins Feuer und werden ewig darin verweilen. Dagegen werden die Gläubigen, die das Rechte tun, belohnt und dürfen in Edens Gärten verweilen: „durcheilt von Bächen, ewig und immerdar“ (Vers 7). Eine Verheißung, die sich durch den gesamten Koran als Belohnung der Gläubigen zieht.

10.  Zusammenfassung und Schlussfolgerungen

Trotz der Meinungen von Rudi Paret und Annemarie Schimmel, wonach der Koran eher vom Christentum denn vom Judentum beeinflusst sei, ist die Verfasserin dieser Zeilen nach ihrer weiter oben vorgestellten sprachlichen Analyse des Korans, die natürlich weiter vertieft werden könnte, der Ansicht, dass der jüdische Einfluss auf den Koran vorherrscht.

Das gilt für grundsätzliche Ansichten genauso wie für religiöse Rituale und Sitten. Genau wie traditionelle Juden seit jeher ihre Hebräische Bibel für das Wort Gottes halten, sind auch Muslime der Ansicht, der Koran enthalte die Äußerungen Allahs, vermittelt von seinem Boten Gabriel an seinen Propheten Mohammed. Beide Bücher sind eine Offenbarung Gottes an sein Volk. Die Verfasser des christlichen Neuen Testaments sind dagegen gewöhnliche Sterbliche und auch namentlich bekannt.

Für den Koran spielen die aus der Hebräischen Bibel bekannten Gestalten Noach, Abraham und Lot sowie Moses eine große Rolle: Sie sind die frühen Gesandten Gottes, die ihr Volk warnen, von ihrem Volk aber nicht ernst genommen werden, denn es macht sich lustig über sie. Dafür werden diese Völker bestraft und weitgehend vernichtet, sodass nur eine kleine Schar zusammen mit den Gesandten übrig bleibt. Abraham ist für den Koran bzw. Mohammed überdies der Mann und Vertreter des reinen, monotheistischen Gottesglaubens schlechthin. Für die Juden ist Abraham einer ihrer Erzväter.

Eines der Rituale, das Mohammed von den Juden übernimmt, ist das dreimalige Beten am Tag, das er durch zwei weitere ergänzt hat. Von der anfänglichen Gebetsrichtung nach Jerusalem war bereits weiter oben die Rede. Für die Muslime führte Mohammed den Freitag-Gottesdienst als zentrales rituelles Geschehen ein — damit wollte er sich von den Juden unterscheiden, für die der Samstag, der Schabbath, der heilige Tag der Woche ist. Und auch das „Fasten am Aschura-Tag“, dem zehnten Tag im hebräischen Monat Tischri, erweiterte Mohammed zum Ramadan-Fasten. Ebenso hat Mohammed die Beschneidung für alle männlichen Kinder übernommen, allerdings nicht am achten Tag nach der Geburt wie bei den Juden, sondern generell erst sehr viel später. Juden nehmen vor jeder rituellen Handlung und auch vor dem Thora-Studium das rituelle Händewaschen vor, Muslime waschen bekanntlich Gesicht, Hände und Füße, bevor sie die Moschee zum Gebet betreten. Auch dabei dürfte es sich vermutlich um mehr als bloße Ähnlichkeiten handeln.

Ein islamischer Brauch, der zwar so nicht ausdrücklich im Koran steht, aber doch tagtäglich praktiziert ist der, dass ein frommer Muslime den Koran küsst, sobald er ihn in die Hand nimmt bzw. ihn wieder an seinen Platz zurücklegt. Genau das tut ein frommer Jude auch. Er küsst die Hebräische Bibel, wenn er sie nimmt und ein zweites Mal, wenn er sie wieder an ihren Platz stellt. Er berührt auch die Mesusa, die kleine Kapsel, die am rechten Türpfosten eines jeden Zimmers seiner Wohnung angebracht ist, mit der rechten Hand und führt diese an den Mund. In beiden Fällen berührt er damit die Worte Gottes, die darin stehen, und erinnert sich an Gottes Gebote. Es fragt sich, wer diesen Brauch von wem abgeschaut hat. Ein Hinweis mag dazu reichen: Das Judentum ist um mindestens 2600 Jahre älter als der Islam. Damit dürfte diese Frage beantwortet sein.

Diese Fakten erkennt Paret auch durchaus an.[22] Trotzdem beharrt er darauf, dass im islamischen Gebetsritus, so wie er von Mohammed eingeführt wurde, noch heute das Vorbild christlich-arabischer Kultformen nachwirkt — wenngleich, wie er einräumt, weder in Mekka noch in Medina je eine christliche Gemeinde existiert hat. Dagegen lebten in Medina Juden, und die Auseinandersetzungen mit ihnen beschäftigten Mohammed nicht gerade wenig.

Zwar sagt auch Annemarie Schimmel[23], zahlreiche Erzählungen im Koran bezögen sich auf das Leben der alttestamentlichen Propheten ebenso wie auf das Leben Jesu und setzt damit beide in ihrer Bedeutung gleich. Aber diese Behauptung dürfte dank der Tatsache, dass die Zitate aus der Hebräischen Bibel bei weitem die aus dem christlichen Neuen Testament übertreffen, weitgehend widerlegt sein.

Und selbst Christoph Luxenberg, der die revolutionäre These aufstellt, der Koran sei gar nicht von Arabern sondern von Juden oder Christen — noch dazu anfangs auf Aramäisch — geschrieben, ist der Ansicht, es seien doch wohl eher Christen gewesen, die den Koran geschrieben haben könnten.

Allen drei Islamwissenschaftlern kann man lediglich entgegenhalten, dass sie leider noch immer an einer sehr eurozentrischen Sicht der Welt festhalten, die seit dem Ende der Kolonialzeit überholt ist. Nicht immer und nicht überall hat das Christentum andere Völker befruchtet. Und das gilt ganz sicher auch für den Koran. Gleichgültig, ob er nun von Mohammed, von Christen oder Juden auf Aramäisch geschrieben und dann ins Arabische übersetzt wurde, er atmet an vielen Stellen unverkennbar jüdisches Gedankengut aus.

11.  Weiterführende Literatur

[20] Ebda., S. 115.

[21] Ebda., S. 77.

[22] Siehe Paret, Rudi: Mohammed und der Koran, Fußnote 1 oben.

[23] Siehe Fußnote 2 oben.