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Zurück auf die Anklagebank

Vor 16 Jahren sprach das Oberste Gericht in Israel John Demjanjuk aus Mangel an Beweisen frei von der Anklage, Juden in den Vernichtungslagern Treblinka und Sobibor ermordet zu haben. Gestern, und ausgerechnet auf deutschem Boden, wurde gegen ihn ein Strafantrag wegen der Beihilfe zur Ermordung von 28.000 Juden eingereicht…

Maariv v. 14.07.2009

Rabbiner Lau, Vorsitzender von Yad Vashem und Holocaustüberlebender, schreibt dazu:

„Es scheint mir, als seien nicht nur die Holocaustüberlebenden, sondern alle, denen die Gerechtigkeit am Herzen liegt, mit dem Beschluss zufrieden, John Demjanjuk alias „Iwan der Schreckliche von Treblinka“ vor Gericht zu stellen. Hier kann das geflügelte Wort zur Anwendung gebracht werden: Besser spät als nie.

Mein persönliches Schicksal ist hier nicht von Bedeutung, und auch von persönlicher Rache ist nicht die Rede. Mein Vater, Rabbiner Mosche Chaim, und mein 13-jähriger Bruder Shmuel kamen in Treblinka ums Leben, wo Demjanjuk gedient hat. Aber trotzdem empfinde ich keine Rachelust und auch keine persönliche Befriedigung darüber, dass ihr Mörder vor Gericht steht. Vor meinen Augen stehen die Hunderttausende, die in Treblinka den Tod fanden, und die Aussagen derer, die ihn im Gerichtshof in Jerusalem erkannt und seine schrecklichen Taten geschildert haben.

Ich erinnere mich an einen Morgen während des Prozesses, als ich im Auto saß und der Life-Übertragung der Aussage von Josef Tscherni zuhörte. Er erzählte, wie er von Demjanjuk halb tot geprügelt wurde, den er im Saal als Iwan den Schrecklichen identifiziert hatte, und ich erinnere mich, wie ich anhalten musste, weil ich vor Tränen nichts mehr sehen konnte.

Der Demjanjuk-Prozess in Jerusalem hatte ein schwaches Ende, aber zumindest hat der Prozess der jungen Generation den Holocaust wieder ins Bewusstsein gerufen, 20 Jahre nach dem Eichmann-Prozess.

Auch deshalb begrüße ich den Beschluss, denn der Prozess ermöglicht es der ganzen Welt, einen Teil dieser dunklen Vergangenheit kennen zu lernen und vielleicht auch das Bewusstsein dafür zu stärken, dass sich so etwas niemals wiederholen darf.“

Medienspiegel der Deutschen Botschaft Tel Aviv