Kritik an Fernsehwerbung für israelischen Mobilfunkanbieter

Arabische Gesetzgeber haben gefordert, die Fernsehwerbung für den israelischen Mobilfunkanbieter „Cellcom“ zurückzuziehen. Wie die Nachrichtenagentur „Reuters“ berichtet, verunglimpfe sie das Leid der Palästinenser und zeige, wie die Israelis ihre Nachbarn sehen…

Von A. Klotz, inn v. 13.07.2009

In der Werbung spielen israelische Soldaten mit einem nicht sichtbaren Gegenüber Fußball über die Mauer im Westjordanland hinweg. Nach einem längeren Ballwechsel ruft einer der Soldaten mit seinem Mobiltelefon Verstärkung und zwei junge Frauen in Uniform herbei, um gemeinsam Fußball zu spielen. Die Werbung, die die Werbeagentur McCann Erickson kreiert hat, endet mit den Worten: „Wir alle wollen dasselbe: Ein bißchen Spaß.“

In der vergangenen Woche jährte sich zum fünften Mal der Gesetzesbeschluss des Weltgerichtshofes, dass die Mauern und Zäune der Israelis im Westjordanland illegal seien. Auf Weblogs und sozial Netzwerken äußerten sich Israelis bestürzt über die Werbung, berichtet die Tageszeitung „Ha´aretz“.

http://www.youtube.com/watch?v=210H8wavqbc

„Diese einminütige Werbung sage viel darüber aus, wie der Durchschnitts-Israeli sich und die Palästinenser gerne sehen würde“, sagte der Journalist Dimi Reider in einem Blogeintrag. Ein arabisches Mitglied der israelischen Regierung, Ahmed Tibi, sagte: „Diese Absperrung trennt Familien und hindert Kinder daran, in Schulen oder Krankenhäusern gehen zu können. In der Werbung wird diese Abtrennung wie ein kleiner Gartenzaun in Tel Aviv dargestellt.“

„Mir wurde übel beim Schauen der Werbung“

Bei dem sozialen Netzwerk „Facebook“ hat sich eine Gruppe mit dem Namen „Mir wurde übel, als ich die neue Cellcom-Werbung gesehen habe“ gegründet. Die Gruppe hat bereits 218 Mitglieder. Sie fordern dort, „diese rassistische Werbung umgehend zurückzuziehen“.

Der israelische Blogger Ami Kaufman sagte laut der Nachrichtenagentur „Reuters“: „Wir sehen in der Werbung israelische Soldaten mit denjenigen Fußball spielen, die hinter einer Mauer eingekerkert sind. Aber das Groteskte, das Schlimmste an diesem Teil der Werbung ist, dass man die Palästinenser noch nicht einmal sieht. Sie sind wie Monster oder Alien. Das ist eine Entfremdung, die die israelische Gesellschaft gegenüber dem palästinensischen Volk ausübt.“

Auch der Mobilfunkanbieter selbst äußerte sich zu der Kritik. „Unser Anliegen ist die Kommunikation zwischen den Menschen.“ Religion, Herkunft und Geschlecht spielten dabei keine Rolle. Die Werbung solle zeigen, dass Menschen mit unterschiedlichen Meinungen durch gemeinsame Freizeitaktivitäten verbunden werden könnten. Dass die Veröffentlichung der Werbung in dieselbe Woche wie das Jubiläum der Weltgerichts-Beschluss gefallen sei, sei Zufall gewesen.

5 Kommentare zu “Kritik an Fernsehwerbung für israelischen Mobilfunkanbieter

  1. Apropos, vor einer Woche haben sich die Demonstranten von Bil’in von diesem Werbespot anregen lassen und haben bei ihrer allwöchentlichen Demo einen Fußball zu den Grenzpolizisten geschossen. Als Antwort kamen Tränengas und Wasserwerfer, die Grenzpolizisten haben wieder mal bewiesen, dass sie keinen Sinn für Humor haben und keinen Spaß wünschen. Das ist die Realität, die dem Werbespot entgegensteht.
    Quelle (hebr.): http://www.ynet.co.il/articles/0,7340,L-3749655,00.html

  2. Die Hintergrundstimme sagt: „Was wollen wir alle letzendlich? Etwas Spaß!“ Das Thema so anzusprechen ist wirklich geschmacklos. Die Mauer wird als etwas alltägliches und gar nicht schlimmes dargestellt und das ohne auch nur einen Hauch von Mitgefühl. Das ist geschmacklos. Das ist wirklich ein Beispiel, wie man eine gute Idee fast ins Gegenteil verdrehen kann, denn es fehlt ja an sich nicht viel, um einen Spot mit Friedens- und Koexistenzbotschaft zu machen.

  3. Ich verstehe zwar kein Hebräisch, aber ich finde die Werbung genial. Vllt hätten sie die Arabs auch zeigen sollen, aber es ist doch ein israelisches Unternehmen. Und die zeigen halt was sie zeigen wollen. Ich find die Werbung nice.

  4. Die Werbung wäre durchaus nett gewesen, hätte man den Palästinensern ein Gesicht gegeben, so ist sie irgendwie geschmacklos. Schade, dabei hatte die Idee ein gutes Potenzial.
     
    Andere Frage: Was zum Kuckuck ist denn bitte der Wltgerichtshof? So einen Begriff gibt es doch gar nicht. Es gibt zahlreiche UN-Gerichtshöfe und -Tribunale, aber keines heißt Weltgerichtshof.

  5. Äh ich fand die Werbung jetzt nicht so schlimm. Ja sie zeigt keine Palästinenser sondern nur das was die Israelis sehen, eben eine Mauer.
    Ok man hätte durchaus einen Teil einbauen können in dem auch die Palästinenser gezeigt werden aber ich würde es nicht so darstellen das diese dann gleich „Monster“ oder „Aliens“ seien. Man kann sich auch zu sehr aufregen und dabei vergessen das dort gerade Israelis und Palästinenser über die Mauer Fußball spielen, was doch irgendwie positiv ist.
     
     

    Find ich.

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