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Irans Atombombe in wenigen Monaten

Die Behauptungen eines Regierungsdirektors des BND, wonach der Iran innerhalb sechs Monaten eine erste Atombombe zünden könnte, deckt sich fast mit amerikanischen wie israelischen Einschätzungen. Schon vor einer Woche veröffentlichte die Jerusalem Post, dass sich die USA und Israel in ihren Mutmassungen über den Zeitlauf des „schlimmsten denkbaren Szenario“ nur unwesentlich unterscheiden…

Von Ulrich W. Sahm, Jerusalem, 15. Juli 2009

Gleichwohl glauben die Experten beider Länder, dass sich die schlimmsten Befürchtungen nicht verwirklichen würden. Während die Amerikaner von einem Jahr reden, bis die Iraner eine Atombombe zünden könnten, überraschte Geheimdienstchef Meir Dagan kürzlich mit der Einschätzung, dass dies nicht vor 2014 geschehen werde.

Ein hoher israelischer Regierungsbeamte, der mit dem Thema befasst sei, warnte die Zeitung davor, fahrlässig mit derartigen Vorhersagen der Geheimdienste umzugehen. Denn neben der technischen Fähigkeiten, möglichen Pannen auf dem Wege, gebe es noch andere Elemente, die das Regime in Teheran berücksichtigen müsse, ehe es sich entscheide, einen ersten Test zu machen. Weiter meinte der israelische Beamte, dass Iran wohl eher ein komplettes Arsenal an Atomwaffen produzieren werde, ehe es der Welt seine Fähigkeiten vorzeige.

Alle Versuche, von israelischen Sprechern eine Reaktion auf die aktuellen BND-Behauptungen zu erhalten, wurden abgeblockt. Im Verteidigungsministerium sagte die Sekretärin im Ministerbüro: „Das ist eine Angelegenheit, die uns nichts angeht und auf die wir nicht reagieren.“ Aus dem Büro des Ministers für Strategie und Atom-Angelegenheiten, Dan Meridor, wurde beschieden: „Zu diesem Thema gibt der Minister keine Interviews.“ Auch Sprecher anderer Ministerien waren wortkarg und behaupteten, „nicht zuständig“ zu sein. Yigal Palmor, der Sprecher des Außenministeriums, sagte: „Ich kenne keine derartigen Aussagen des BND. Ich glaube, dass wir nicht darauf reagieren wollen.“

Derweil wurde am Dienstag Abend offiziell bestätigt, dass zwei israelische Raketen-Korvetten, darunter die „INS Hanit“ durch den Suezkanal in Richtung Rotes Meer gefahren seien. Israelische Militärkorrespondenten deuten das als deutliche Warnung an die Adresse des Iran. Vor einer Woche hieß es, dass ein in Deutschland gebautes U-Boot der Dolphin-Klasse, begleitet von einem israelischen Raketenboot, den Suezkanal passiert habe. Dieses wurde allerdings von israelischen Stellen nicht bestätigt.

Dank der ägyptischen Zustimmung, die israelischen Kriegsschiffe den Suezkanal passieren zu lassen, erspare das der israelischen Marine den langen Umweg rund um Afrika. Vor einigen Tagen erklärte ein Admiral der israelischen Marine im Laufe einer Presseführung durch den Militärhafen von Haifa, dass der Suez-Kanal als „internationales Gewässer“ gelte: „Wir müssen uns da nur anmelden und die entsprechenden Gebühren bezahlen. Amerikanische und andere Kriegsschiffe fahren schließlich auch durch den Suezkanal.“

© Ulrich W. Sahm / haGalil.com