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Einigungsfaktor Antisemitismus

Dass Linke in ihrem Kampf gegen Israel und die USA wie Rechtsextreme klingen, ist ja ein bereits vielfach beobachtetes Phänomen. Dass sie dabei aber auch unmittelbar in rechtsextreme Kampagnen einstimmen, war bis dato nur schwer vorstellbar. Nun hat ein deutscher Künstler und Palästinabewegter namens Erhard Arendt ein über 30.100 Zeichen umfassendes wirres Elaborat auf seiner Homepage veröffentlicht, das sich gegen Karl Pfeifer, Kuratoriumsmitglied des Dokumentationsarchivs des österreichischen Widerstandes und Träger der Samuel Bloch Medaille der Aktion gegen den Antisemitismus in Österreich, richtet…

Aktion gegen den Antisemitismus in Österreich

Es gipfelt in der von Rechtsextremen übernommenen Behauptung, Pfeifer gehöre „einer besonderen talentierten Sorte von ‚Jägern‘ einer ‚Jagdgesellschaft‘ an, die mit allerhand Tricks und Suggestion angeblich aus Texten Andersdenkender ‚NS-Töne‘ oder ‚Antisemitismus‘ herausdestillieren oder mit Vorliebe hineininterpretieren. So haben sie auch in der Gegenwart einige Opfer hinterlassen.“ Eines dieser armen „Opfer“ Pfeifers nennt Arendt dann auch: Werner Pfeifenberger. Dieser war jedoch weniger ein Andersdenkender als schlicht ein antisemitischer Paranoiker. Als solcher erkannte er im FPÖ-Jahrbuch 1995 einen ewigen Kampf der (jüdischen) „Internationalisten“ gegen die Nationen. Pfeifer kritisierte den Text in einer Besprechung für die Gemeinde zu Recht als (neo-)nazistisch, was ihm eine Klage Pfeifenbergers einbrachte. Der Beklagte wurde jedoch in allen Instanzen freigesprochen, da die Kritik auf einem ausreichenden Tatsachensubstrat beruhte.

Nun musste die Staatsanwaltschaft gegen Pfeifenberger aktiv werden: Im Februar 2000 erhob sie Anklage gegen den FPÖ-Autor wegen mutmaßlicher Verstöße gegen das NS-Verbotsgesetz. Kurz vor dem Beginn des Gerichtsverfahrens verübte Pfeifenberger jedoch Selbstmord. Knapp ein Jahr später schreibt Andreas Mölzer in seiner Eigenschaft als Zur Zeit-Herausgeber an seine AbonnentInnen: „Dann gibt es den Fall Karl Pfeifer gegen Zur Zeit: der langjährige Redakteur der Zeitschrift der Israelitischen Kultusgemeinde Karl Pfeifer wurde aus Anlass des Todes von Prof. Pfeifenberger in den Reihen jener Jagdgesellschaft geortet, die den konservativen Politikwissenschaftler in den Selbstmord getrieben hat.“ Tatsächlich wollte sich Pfeifer diese antisemitische Täter-Opfer-Umkehr nicht gefallen lassen und hat bei Gericht Klage gegen die in Zur Zeit öffentlich aufgestellte Behauptung, er hätte als „Kopf“ einer „Jagdgesellschaft“ Pfeifenberger in den Tod „gehetzt“, eingebracht. Am Ende des Instanzenzuges stand eine Verurteilung Österreichs in Straßburg: Der EMRK sah im Unterschied zu österreichischen Gerichten in der inkriminierten Textpassage nicht ein sanktionsfreies Werturteil, sondern eine nachprüfbare Tatsachenbehauptung. Da ein Zusammenhang zwischen dem Selbstmord Pfeifenbergers 2000 und dem kritischen Artikel Pfeifers 1995 nicht nachgewiesen werden konnte, ist die inkriminierte Äußerung daher eine gerichtlich zu ahndende unwahre und unehrenhafte Behauptung. (1)

Diesen Ausgang der antisemitischen Kampagne muss zwar auch Arendt zur Kenntnis nehmen, aber wie immer, wenn man sich als Opfer von Juden wähnt, nicht ohne kryptische Hinweise: „Der Fall ‚Pfeifenberger‘ und die Umstände seines Selbstmordes sind zwar rechtlich abgeschlossen, letztlich aber mangels ausreichender Beweise bis heute nicht endgültig aufgeklärt.“ Arendt macht dann aus Pfeifer, der 1938 vor den Nazis fliehen musste, einen „Schreibtischtäter“ in „Hitlers Geburtsland“. Wie tief ist der linke Antizionismus gesunken, wenn er sich in seinem Kampf gegen „Zionisten“ in solche Diskurse verstrickt! Arendt betreibt offene Täter-Opfer-Umkehr, indem er ein Opfer des Naziterrors beschuldigt, sich selbst der Methoden des Naziregimes zu bedienen. Der Ausdruck „Jagdgesellschaft“ vermittelt, dass mehrere Menschen in gemeinschaftlichem Zusammenwirken eine Person gezielt verfolgen. Dadurch wird Pfeifer, der rund drei Dutzend nahe Verwandte als Opfer des Naziregimes zu beklagen hat, unterstellt, völlig unschuldige Personen zu hetzen und im methodischen Zusammenwirken mit anderen gezielt in den Tod zu treiben.

Das Schöne am Antisemitismus ist, dass alles irgendwie Sinn macht, irgendwie zusammenhängt. Und so drängen sich auch Arendt abschließend „Parallelen […] zum Selbstmord von Jürgen W. Möllemann auf“: Dieser sei nach zu offen formulierter Feindschaft gegen Israel „vom Zentralrat der Juden in Deutschland politisch zum Abschuss freigegeben worden. […] Der Selbstmord, letztlich auch nicht geklärt, folgte auf dem Fuß.“ (2)

Anmerkungen
1) http://www.lansky.at/237.html.
2) http://www.arendt-art.de/deutsch/palestina/karl_pfeifer_wien.htm.