1. August-Feier in Tel Aviv

Auch trotz dem angespannten Verhältnis zwischen der Schweiz und Israel, hatte die Schweizer Botschaft in Tel Aviv Grund zum Feiern: Der Schweizer Nationalfeiertag. Eingeladen wurde auch die Israelische Regierung…

Von Benji Epstein

Da der diesjährige 1. August auf einen Schabbat fällt, wurde die von der Schweizer Botschaft in Israel organisierte 1. August-Feier bereits am Dienstag abgehalten. Somit knüpft der Schweizer Botschafter in Tel Aviv, Walter Haffner, an eine Tradition an, die einst fest verankert war: Der Empfang zu Ehren des Schweizer Nationalfeiertages.

Der Empfang fand im Theater Nalaga’at in Jaffa statt. Es gehe darum, sich von vorgefassten Meinungen und Stereotypen zu verabschieden und statt dessen ein Schaufenster der multikulturellen Schweiz zu zeigen, die offen gegenüber andern und der Welt ist, sagte Haffner im Vorfeld des Anlasses gegenüber swissinfo.ch.

Keine kurze Gästeliste

Eingeladen wurden nicht nur alle israelischen Minister, sondern auch alle Abgeordneten der Knesset. Zusätzlich sämtliche Botschafter in Israel sowie alle Korrespondenten der Schweizer und einiger ausländischer Medien.

Nach dem offiziellen Teil mit der Nationalfeier führten die Schauspieler des Theaters Nalaga’at das Stück „Nicht von Brot allein“ auf. Das Besondere: Die Akteure des Theaters sind alle gehörlos und sehbehindert.

Wie swissinfo.ch berichtete, wurde das Budget des Anlasses zu 90 Prozent von Sponsoren getragen, 10 Prozent steuerte die Eidgenossenschaft bei. Zahlreiche Schweizer Firmen, die in Israel tätig sind, wie die UBS, Credit Suisse, Crédit Agricole suisse, Roche, Zürich Versicherung, Swiss, griffen ebenfalls ins Portemonnaie.

Zwischen Lampions und Hamas

Nach den diplomatischen Verstimmungen zwischen den beiden Ländern könnte man denken, es gebe keinen Grund zu feiern. Dem ist aber nicht so. Trotz dem Treffen der Schweiz mit einer Delegation der Hamas, sowie den jüngsten Auftritten der Schweizer Aussenpolitiker mit dem Iranischen Präsidenten Ahmedinejad, wurden auch dieses Jahr die Korken geknallt.

Passend zu den Spannungen wurde der Ort der Feier ausgewählt: Jaffo. In Jaffo leben Juden, Muslime und Christen nebeneinander. Der Multi-Kulti-Teil Tel Aviv’s kann als Beispiel für die mögliche Multi-Kulturalität vom friedlichen Nebeneinanderleben zweier Völker oder Religionen gesehen werden. Ein Abend also, ganz im Zeichen der Öffnung und der Solidarität.

Ganz im Sinne eines Theaters

Ob die Schweiz ihrem eher schlechten Ruf in Israel entgegenwirken wollte, sei dahin gestellt. Auf jeden Fall kann es kein Zufall sein, dass die Schweiz ein solch grosses Happening genau in dieser Zeit auf die Bühne stellt, in welcher sich die Hauptdarsteller gegenseitig nicht vertragen.
Die Schweiz hat mit ihrer Party zwar bestimmt ein paar Plus-Punkte sammeln können. Schaut man die letzten 2 Jahre zurück, kann man jedoch davon ausgehen, dass das gewonnene Guthaben schnell wieder verspielt wird.

Dennoch, die Schweiz hat trotz der Verstimmungen mit Israel mit der diesjährigen 1. August-Feier eine nette Geste gegenüber Israel und dem Dialog gesetzte. Ganz im Sinne der Neutralität.