Für Krisenzeiten: Stadt Haifa entwickelt virtuelle Schule

Die Stadtverwaltung Haifa hat in Eigeninitiative ein Programm entwickelt, mit dem Schüler in Krisenzeiten von zu Hause aus den Schulunterricht fortsetzen können. Finanziert wurde das Projekt hauptsächlich durch Spenden aus Israel und dem Ausland…

Die Idee zu dem Programm hatte der Bürgermeister der Stadt, Jona Jahav. Als die Schulkinder während des Zweiten Libanon-Krieges 2006 lange Zeit zu Hause bleiben mussten, hatte er sich Gedanken dazu gemacht, wie der Unterricht in solchen Krisenzeiten fortgesetzt werden könne.

Zusammen mit Lehrern verschiedener Schulen der Stadt entwickelte er schließlich das Programm „Learning From Afar“ („Lernen aus der Ferne“). Im Internet errichteten die Lehrer ein virtuelles Schulgebäude mit einem großen Angebot an Unterricht, Arbeitsblättern, Erklärungen und sogar Spielen, erzählte Jahav gegenüber der Tageszeitung „Jerusalem Post“. Schüler und Lehrer müssen sich zu Hause auf der Internetseite anmelden und können dann mit dem Unterricht beginnen. Die Lehrer könnten von ihrem Computer aus den Schülern Anweisungen geben und die Teilnahme überwachen.

Das Programm wurde in der vergangenen Woche erfolgreich mit rund 450 Schülern an zwölf Schulen aus dem religiösen, säkularen und arabischen Sektor getestet. „Es ist wirklich einfach ein außergewöhnliches Programm, welches ohne Störungen in der vergangenen Woche getestet wurde. Wir werden es nun in allen 126 Schulen Haifas ausprobieren und wir wollen zum Start des nächsten Schuljahres im Herbst zu 100 Prozent bereit sein“, so Jahav.

Bislang keine Finanzhilfe von Regierung

Auf Unterstützung von Seiten der Regierung werde er nicht mehr warten, erzählte der Bürgermeister weiter. Aus dem Zweiten Libanonkrieg habe er gelernt, dass man jederzeit bereit sein müsse. Auch dann, wenn es nicht notwendig erscheint. Um das Projekt umsetzen zu können, sammelte die Stadt Spenden in Israel und dem Ausland von über einer Million Dollar.

Laut Jahav ist das Projekt so erfolgreich, dass er bereits von Lehrern darauf angesprochen wurde, die das Lernprogramm für kranke Schüler einsetzen wollen. Dem Bericht zufolge ermutigte der Bürgermeister andere Städte im Land, das Programm auf Eigeninitiative ebenfalls einzuführen und nicht auf Unterstützung der Regierung zu warten.

Stadt kauft fehlende Computer für Schüler

Für die Nutzung benötigen die Schüler zu Hause einen Internetanschluss und einen Computer. Eine Umfrage in Haifa hatte ergeben, dass von den rund 40.000 Schülern in dem Verwaltungsbezirk nur 339 nicht über einen PC verfügen. Auch hier will die Stadt Abhilfe schaffen und die Rechner für die Familien kaufen.

inn, 16.06.2009