Neubau des jüdischen Tempels in Jerusalem

Im Jerusalemer Konrad-Adenauer-Zentrum hat eine fromm-jüdische Gruppe für „Interreligiösen Dialog“ eine „Friedensvision“ vorgestellt, wie sich am „Ende der Tage“ Judentum, Christentum und Islam friedlich vereint den Jerusalemer Tempelberg teilen könnten…

Von Ulrich W. Sahm, Jerusalem, 19. Juni 2009

Ein israelischer Talmudschüler, Joav Frankel, hat fünf Jahre lang geforscht, ob es im jüdischen Religionsgesetz oder bei „bedeutenden Rabbinern“ Einwände gäbe, den Salomonischen Tempel nicht an der Stelle des „Allerheiligsten“, sondern ein paar Meter weiter nördlich zu errichten. Denn über dem heiligen Felsen, einst Ausgang des Paradieses, die Stelle wo Abraham den Isaak opfern wollte, und das „Allerheiligste“, wo Gott „Wohnung auf Erden“ bezogen hat, erhebt sich der Felsendom mit der Goldenen Kuppel, das erste und wohl schönste Bauwerk des Islam. Dort lehrte Jesus im Tempel und von dort fuhr der Prophet Muhammad in den Himmel: Geballte Heiligkeit.

Nachdem Frankel die innerjüdischen Probleme ausgeräumt hatte, finanziert durch eine Gruppe namentlich nicht genannter „reicher Juden“ und unter den Fittichen einer Organisation, die interreligiösen Dialog betreibt, ging er an die Öffentlichkeit

Heraus kam eine Visualisierung seiner Vision als riesiges Ölgemälde des Künstlers und Architekten Ascher Oskar Fröhlich aus Ein Hod bei Haifa. Links im Bild steht der muslimische Felsendom und wirft einen tiefgrünen, wohl islamistischen Schatten auf Menschengruppen auf dem Tempelberg, auch Berg Moria, Haram Esch-Scharif (erhabenes Heiligtum) oder schlicht El Aksa genannt. Rechts davon, im grellen Sonnenlicht, leuchtet die nachempfundene Rekonstruktion des salomonischen Tempels aus der Zeit des Herodes. Jenseits der Umfassungsmauer, sozusagen „ausgesperrt“, sieht man die christliche Grabeskirche und das protestantische Gartengrab. Durch das Goldene Tor, das sich bei der Ankunft des Messias wundersam öffnen wird, strömen Christen zum islamischen Felsendom und jüdischen Tempel.

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Unter den abgebildeten Figuren sind orthodoxe Juden in polnischer Tracht, Araber mit Keffije und Frauen mit Kopftuch zu erkennen. Die Christen sind nicht mit Kreuz oder Kutte gekennzeichnet. Über der Traumvision der Symbiose der drei Religionen schwebt ein Regenbogen.

Frankel behauptet, die „politischen Probleme“ ausgeblendet zu haben. Gleichwohl könnte diese Veranstaltung in der muslimischen Welt einen Sturm der Entrüstung auslösen, der die Aufstände gegen die dänischen Muhammad-Karikaturen oder die Regensburger Rede des Papstes in den Schatten stellt. Frankel will sein Projekt, den jüdischen Tempel auf dem heiligen Berg wieder zu errichten, über Al Dschesira und andere arabische Fernsehsender den 1,3 Milliarden Moslems nahe zu bringen.

Frankel glaubt fest an seine Friedensbotschaft und an die Symbiose der drei monotheistischen Religionen, obgleich er eingesteht, dass Gott da nachhelfen müsse, damit Christen und Moslems ihre Ansichten ändern… aber auch die Juden, ehe sie sich einig würden.

Seitdem die Römer den Tempel des Herodes im Jahr 70 geschliffen haben, und bis zur israelischen Eroberung Ostjerusalems 1967, war es Juden verboten, den Tempelberg zu betreten. Unter Verleugnung ihrer eigenen Geschichte behaupten Moslems, dass es in Jerusalem nie einen jüdischen Tempel gegeben habe. Die herodianischen Steinblöcke, etwa an der Klagemauer, hätten Jebusiter lange vor Ankunft der jüdischen Eroberer unter Josua gesetzt. Der Mufti Hadsch Amin el Husseini rief in den zwanziger und dreißiger Jahren zu blutigen Pogromen in Jerusalem und Hebron auf, weil die Juden sich vermeintlich des muslimischen Heiligtums ermächtigen wollten. 1990 gab es 22 Tote auf dem Tempelberg, weil ein israelischer Exzentriker, Gerschon Salomon, den „Grundstein“ für den Bau des Tempels legte. Jassir Arafat mobilisierte die Massen zum Aufstand mit dem gleichen Argument wie zuvor sein Onkel, der Mufti. Die El Aksa Intifada mit Tausenden israelischen wie palästinensischen Toten, wurde entzündet, nachdem Ariel Scharon demonstrativ auf den Tempelplatz gestiegen war. Auch dieser Akt wurde von Moslems als jüdischer Versuch empfunden, die drittheiligste Stätte des Islam einzunehmen. Und wenn man bedenkt, wie dieser Konflikt auf die muslimische Welt ausstrahlt, Ahmadinidschad, Saddam Hussein und Osama bin Laden zu ihrer Politik angespornt hat, löste das „erhabene Heiligtum“ längst einen Weltkrieg aus.

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Vor der Vorstellung dieses Gemäldes waren zwei muslimische Scheichs, zwei Rabbiner und ein katholischer Jesuiten-Priester eingeladen worden, um über den „einen Gott“ zu diskutieren. Alle waren in das Projekt eingeweiht, verschwanden jedoch vor der Enthüllung des Bildes. Auch wenn Nimmer Darwisch, der Gründer der islamischen Bewegung in Israel, forderte, bis zur Ankunft des Messias in Ostjerusalem den „status quo“ zu erhalten, weil es sonst zu Blutvergießen käme, sanktionierte er durch seine Anwesenheit die Errichtung eines jüdischen Tempels auf dem heiligen Berg. Das Ölgemälde kann Moslems in aller Welt als visueller „Beweis“ für die „perfiden“ Pläne der „Juden“ dienen, das Heiligtum der Moslems in Beschlag nehmen zu wollen.

© Ulrich W. Sahm / haGalil.com

2 Kommentare zu “Neubau des jüdischen Tempels in Jerusalem

  1. es ist ein wenig schwer an updates über den Tempelbau ranzukommen. Hab nur so im Internet mitbekommen, dass das Bankhaus Rockefeller hilft. Dass Baubeginn und der Altar schon sicher ist und auch die Bediensteten und dass, das ganze eben nun mal in Richtung Jericho liegt.
    http://www.israelnationalnews.com/News/News.aspx/133801
    Die Leviten werden dafür ausgebildet.

    Ich wäre dankbar noch mehr darüber lesen zu können.

    Wahrscheinlich wird die Bundeslade wie beim 2. Tempel noch fehlen. Es gibt Hinweise wo sie ist. Und ich denk Jerusalem University weiss Bescheid. Auch das archäologische James Wyatt Museum in den USA hat darüber nähere Infos.

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