Rechtsextremer Aufmarsch in Sempach?

Die diesjährige Gedenkfeier für die Schlacht bei Sempach soll am 27. Juni stattfinden. Die Schlachtjahrzeit erinnert an die Gefallenen, die in der Auseinandersetzung am 9. Juli 1386 zwischen den Habsburgern und den Eidgenossen umgekommen sind. Die Bedeutung dieses Ereignisses für den Kanton Luzern und die Eidgenossenschaft wird seit ein paar Jahren auch von politischen Bewegungen als Bühne ausgenutzt…

Von Benji Epstein

2003 erfolgte die erste Kundgebung von Rechtsextremen bei der Gedenkstätte. Seit dem wurde der Aufmarsch von Rechtsextremen immer grösser und mehr und mehr zu einem Medienereignis. Die linksextreme Szene in der Schweiz versuchte im vergangenen Jahr dem rechtsextremen Aufmarsch einen roten Tupfer auf die braune Fahne zu verpassen. Die antifaschistische Online Plattform Indymedia veröffentlichte nach dem Aufmarsch in Sempach 241 Bilder von Rechtsextremen im Internet. Ganz im Sinne des mittelalterlichen Prangers, sollten die Glatzköpfe zwar nicht an einem Pfahl, jedoch in World Wide Web zur Schau gestellt werden.

Dank des modernen Schandpfahls werden nun dieses Jahr weniger Rechtsextreme in Sempach erwartet. Zu gross waren die Folgen für einige der Glatzköpfe letzes Jahr. Wie der Sprecher der rechtsextremen Partei National Orientierter Schweizer (PNOS), Martin Martig, gegenüber 20Minuten Online erklärte, führte der Online-Pranger für verschiedene Teilnehmer zu Schwierigkeiten: „Einige Personen haben durch die Publikation der Bilder Probleme bekommen. Sie wurden etwa vom Arbeitgeber erkannt und ins Büro zitiert.“

Das Problem von rechtsextremen Aufmärschen bei patriotischen Gedenkkundgebungen zeigte sich auch bei den Feierlichkeiten zum 1. August auf dem Rütli. Unterdessen wurden am Vierwaldstättersee die Sicherheitsvorkehrungen verschärft, um den braunen Aufmarsch zu verhindern. 2007 führte das jedoch dazu, dass wegen finanziellen Schwierigkeiten die 1. Mai Feierlichkeiten ganz ins Wasser fielen.

Anders als in den vergangen Jahren schaltet sich nun erstmals auch die Politik in die Feierlichkeiten in Sempach ein. Die Jungsozialisten (Juso) planen eine Veranstaltung gegen den Rechtsextremismus auf dem Schulhausplatz. Dies trotz der Verkündung der Luzerner Regierung, dass die Feierlichkeiten nicht zu einer politischen Plattform missbrauch werden sollten. Dass diese Stellungnahme der Luzerner Regierung bereits im Mai stattfand, bevor die Jungsozialisten ihren Entwurf überhaupt vorstellen könnten, sorgt bei der Juso für Furore, wie auf ihrer Internetseite zu lesen ist: „Unter dem Deckmantel der Meinungsfreiheit will man Neonazis demonstrieren lassen. Wenn aber junge Leute gegen die faschistische Vereinnahmung der Schlachtfeier aufstehen, dann ist das plötzlich ein Problem“.

Es bleibt jedoch unklar, wie viele Rechtsextreme sich am Samstag zeigen werden. Ein weiteres Fragezeichen ist auch die Präsenz des Schwarzen Blocks. Ob dieser anreisen wird oder nicht wird wohl erst am Tag des Umzugs ersichtlich. Ziemlich wahrscheinlich ist jedoch, dass sich die beiden Parteien am Samstag gegenüberstehen werden, führt doch der offizielle Umzug an der Platzkundgebung der Juso vorbei. So oder so wird die Gedenkfeier ein weiteres Mal zu einem Medienspektakel.