Alle Farben des Lebens: Gedenken an Lenka Reinerová

Franz Kafka, Egon Ewin Kisch, Max Brod und Lenka Reinerová – sie alle haben eines gemeinsam: Sie waren Prager Autoren, die auf Deutsch geschrieben haben. Lenka Reinerová war die letzte der deutschsprachigen Autoren in Prag. Bekannt wurde sie durch Bücher wie „Mandelduft“, „Närrisches Prag“ und „Traumcafé einer Pragerin“. Sie starb vor einem Jahr mit 92 Jahren. Am Samstag war ihr Todestag, aus diesem Anlass wurde eine Gedenktafel enthüllt – und zwar an dem Haus, in dem sie 50 Jahre lang lebte…

Janine Kowalke – Anhören: 32kb/s

Lenka Reinerová mochte ihre Wohnung im fünften Prager Bezirk sehr gern. Sie bot eine schöne Aussicht auf den Park Klamovka. Anna Mladějovská, die Tochter von Lenka Reinerová, erinnert sich:

„Wir sind 1956 hierher gekommen, ich war zehn Jahre alt und es war ein ganz neues Haus, wir waren dort die ersten Bewohner. Vorher, Anfang der 50er Jahre, war meine Mutter im Gefängnis und wir durften nicht in Prag wohnen. Da wohnten wir in einer schrecklichen Wohnung in Pardubice. Später wurde uns diese Wohnung zugeteilt, das war gut. Meine Mutter wohnte in dieser Wohnung, und sie ist dort auch gestorben. Sie liebte es dort sehr.“
In der Wohnung wurde jedoch kaum Deutsch gesprochen, obwohl Lenka Reinerová all ihre Bücher auf Deutsch verfasste. Anna Mladějovska erzählt:

„Ich habe nie richtig Deutsch gelernt. Mein Vater war Jugoslawe und wir sprachen zu Hause Serbisch. Er sprach mit mir Serbisch, und ich war nicht imstande, Deutsch zu lernen. Dafür könnte man vielleicht Gründe finden, aber jetzt bereue ich es sehr, dass ich es nicht gelernt habe. Ich konnte die Bücher, die meine Mutter schrieb, nie im Original lesen.“

Viele der Bücher von Lenka Reinerová wurden ins Tschechische übersetzt. So auch der Erzählband „Schiffskarte“, tschechisch Lodní lístek. Dieser wurde am Samstagabend im Kino Světozor vorgestellt. Wie am Morgen zur Enthüllung der Gedenktafel, trafen sich alte Freunde und Bekannte – also Menschen, die Lenka Reinerová persönlich kannten-, um der Lesung zu lauschen. Gezeigt wurde auch ein Film über Lenka Reinerová. Ihre Tochter war mit dem Tag zufrieden.
„Es war sehr rührend. Heute ist es genau ein Jahr her, seit meine Mutter gestorben ist. Ich bin sehr froh, dass es eine Feier für sie gab und dass ich wieder Leute traf, die sie gern hatte.“

Organisiert wurde der Tag vom Prager Literaturhaus deutschsprachiger Autoren, Seit fünf Jahren gibt es das Literaturhaus, Lenka Reinerová war Mitgründerin. Ihre Idee: Das Literaturhaus soll Autoren vorstellen und an Autoren erinnern, die in den böhmischen Ländern gelebt haben und eben auf Deutsch schrieben. Lucie Černohousová ist Direktorin des Literaturhauses und freut sich über einen Fortschritt besonders:

„Einer der wichtigen Schritte, die wir gegangen sind, und den Lenka Reinerová leider nicht mehr erlebt hat, war, dass wir aus einem Büro ein richtiges Haus geworden sind. Ich hatte es mir zur Aufgabe gemacht, dass ich das Haus Lenka Reinerová zum Geburtstag widme und wir haben es wirklich am 17.5.2009 eröffnet.“