Gewaltsame Proteste wegen Parkplatzöffnung am Schabbat

In Jerusalem sorgt derzeit die Öffnung eines Parkplatzes am Schabbat für Tumulte. Am Samstag demonstrierten Tausende ultra-orthodoxe Juden (Haredim) gegen diese Entscheidung und versuchten, die Stadtverwaltung zu stürmen. Bürgermeister Nir Barkat kündigte unterdessen am Sonntag an, der Parkplatz bleibe geöffnet. Die Haredim drohen nun mit weiteren Protestkundgebungen…

Während der Demonstration kam es zu gewaltsamen Ausschreitungen zwischen den Teilnehmern und der Polizei. Dabei wurden mindestens sechs Polizisten und ein Pressefotograf verletzt. Sie waren von den Haredim mit Steinen, Müll und Windeln beworfen worden. Sechs Demonstranten waren verhaftet worden. Gegen Kautionszahlungen wurden sie am Sonntag jedoch wieder freigelassen. Das meldet die Tageszeitung „Jerusalem Post“.

Bürgermeister Barkat hatte sich noch am Freitag mit dem führenden Rabbiner der Haredim, Jitzchak Tuvia Weiss, in dessen Haus getroffen, um eine Lösung für die Streitigkeiten zu finden. Beide Seiten konnten jedoch keine Einigung erzielen. In einer am Sonntag von seinem Büro veröffentlichten Stellungnahme verurteilte Barkat die Gewalt während der Demonstration als „unnötig“. Er wies darauf hin, dass die Entscheidung zur Öffnung des Parkplatzes im Einklang mit der ultra-orthodoxen Partei des Vereinigten Torah-Judentums seiner Koalition getroffen worden war. „Der Parkplatz muss am Schabbat geöffnet bleiben, da er eine wirkliche Lösung für ein wirkliches Problem darstellt, ohne den Schabbat zu entweihen“, hieß es in der Erklärung weiter.

Der Parkplatz wurde geöffnet, um dem Mangel an Parkmöglichkeiten nahe der Altstadt entgegen zu wirken. Als Wächter wurde ein Druse angestellt. Es werden keine Gebühren verlangt. Wochenendbesucher hatten durch illegales Parken oftmals die Straßen blockiert. Trotz der Proteste hatten am Samstag, dem ersten geöffneten Schabbat, mehr als 100 Fahrzeugführer ihre Wagen auf dem umstrittenen Platz geparkt.

Die ultra-orthodoxen Juden Jerusalems werfen der Stadtführung vor, mit der Öffnung des Parkplatzes am Schabbat die Atmosphäre des den Juden heiligen Tages zu zerstören. Die Gemeinschaft kündigte weitere Demonstrationen in ganz Israel und im Ausland an, bis eine Vereinbarung erzielt werde.

inn, 08.06.2009