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Die neuen Deutschen und die imaginäre Vergangenheit

Der erste Akkord- genauer gesagt war es ein ganzes Requiem- erklang im Juni 2004, als der damalige Bundeskanzler, Gerhard Schröder, an den Gedenkfeiern anlässlich des 60. Jahrestags der Invasion der Alliierten in der Normandie teilnahm und seine Anwesenheit damit erklärte, auch Deutschland sei einer der Staaten gewesen, der durch diese Invasion befreit worden sei. „Auch Deutschland war ein Opfer der Nazis“, verkündete Schröder…

Von Noach Klieger, Jedioth Achronoth v. 16.06.2009

Schon damals übte ich heftige Kritik an dieser Erklärung, die sowohl der Geschichte als auch den Tatsachen widerspricht. Meine Befürchtung war und blieb, dass die „neuen Deutschen“, also die, die nach dem 2. Weltkrieg zur Welt kamen, tatsächlich das Gefühl erhalten werden, ihre Eltern und Großeltern seien Opfer gewesen.

Jetzt stellt es sich heraus, dass diese Befürchtung gerechtfertigt war. Das deutsche Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ veröffentlichte diesen Monat einen Artikel über „Die Welt Obamas“, dies nach dessen Rede in Kairo. In dem Beitrag erinnern die Verfasser an die Orte, die Obama während seines Europaaufenthalts besucht hat, darunter das ehemalige KZ Buchenwald, die große Kirche in Dresden, die bei den amerikanischen Luftangriffen zerstört worden war, und die Gedenkstätte in der Normandie, an der die Zeremonie anlässlich des 65. Jahrestags der Invasion stattfand. In dem Artikel hieß es wie folgt: „Und zum Abschluss auch in der Normandie, wo die amerikanischen Soldaten landeten, um Deutschland von Hitler zu befreien.“

Kaum zu glauben, aber genau so stand es dort, schwarz auf weiß, verfasst von drei Journalisten, die durchaus als „neue Deutsche“ bezeichnet werden können. Und wenn sie, wie auch der Redakteur, der den Beitrag sicherlich geprüft hat, mit dieser Formulierung kein Problem hatten, dann ist das wirklich äußerst beunruhigend. Denn wenn schon die zweite und dritte Generation der Nachkriegsdeutschen versucht zu behaupten, Deutschland sei das Opfer Hitlers und der Nazis gewesen, dann ist ganz klar, dass die nächsten Generationen völlig davon überzeugt sein werden. Wie gesagt handelt es sich dabei um eine völlige Fälschung der Geschichte, einen Versuch, die Tatsachen zu verdrehen, um eine klare Lüge, die bei Bundeskanzler Schröder ihren Anfang genommen hat und seither ins Bewusstsein vieler Deutscher vordringen konnte.

Wie oft muss man daran erinnern, die Deutschen und vielleicht auch die ganze Welt, dass Hitler und seine Partei die Macht über Deutschland nicht mit Gewalt übernommen haben, sondern sich der Unterstützung von 43 Prozent der Wähler erfreuten und die größte Partei im Parlament in Berlin waren.

Wie oft muss man daran erinnern, die Deutschen und vielleicht auch die ganze Welt, dass ihre Väter und Großväter ihrem geliebten Führer mit Begeisterung und Hingabe gefolgt sind, sowohl in den Krieg, den er gegen die ganze Welt eröffnete, als auch in die Vernichtung der Juden.

Nein, die Amerikaner sind 1944 in der Normandie nicht gelandet, um Deutschland von Hitler zu befreien. Sie, wie auch die Briten, die Kanadier, die Franzosen und andere, landeten in der Normandie, um die Welt von den Deutschen zu befreien.

Medienspiegel der Deutschen Botschaft Tel Aviv