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Israel Reaktionen auf Iran-Wahl

Die israelischen Zeitungen machten am Sonntag mit zwei Schlagzeilen auf: Dem Wahlausgang im Iran und Spekulationen über die „Rede seines Lebens“, des Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu am Sonntag Abend als Antwort auf US-Präsident Barack Obamas Kairoer Rede…

Von Ulrich W. Sahm, Jerusalem, 14. Juni 2009

„Iran glaubt es nicht“, titelte Israels Massenblatt Jedijot zu einem Riesenfoto des brennenden Teheran und einem Demonstranten mit Siegeszeichen. „Tausende protestierten auf der Straße gegen den Wahlsieg von Ahmadinidschad“, berichtete die linksliberale Haaretz. Israels Rundfunk unterbrach am Samstag immer wieder sein Programm, um über die gewalttätigen Demonstrationen und die ersten drei Toten in Teheran zu berichten. Eine aus Persien stammende Reporterin berichtete von Telefonanrufen aus Teheran. Verängstigte Iraner bitten Israelis um Hilfe, ihr Land zu verlassen. Die Kommunikationswege nach Iran seien „sehr schwierig“, weil das Internet und teilweise auch die Telefonleitungen „blockiert“ seien.

Israels Außenminister Avigdor Liberman forderte die internationale Gemeinschaft auf, Irans Atomprogramm zu stoppen, ungeachtet des Wahlausgangs. Sein Stellvertreter Dany Ayalon hält die Wiederwahl Ahmadinidschads für eine „Verschärfung der von Iran ausgehenden Bedrohung“. Mit Blick auf Obamas Angebot eines Dialogs mit Teheran sagte der ehemalige Außenminister Silvan Schalom: „Das Wahlergebnis platzt im Gesicht jener, die glaubten, dass Iran zu einem Dialog mit der freien Welt bereit sei.“

Reporter berichten über eher nüchterne Kommentare hoher israelischer Beamter. Es sei „reine Ironie“, dass Israel, Syrien, die Hamas und die Hisbollah im Libanon wie Wiederwahl Ahmadinidschads begrüßt hätten. Syriens Präsident Baschar Assad habe als einziger arabischer Führer dem iranischen Präsidenten gratuliert. Hamas und Hisbollah erwarten eine Stärkung ihrer Position, während Israel in Ahmadinidschad den „perfekten PR-Mann sieht, der die Zerstörung Israels, das Leugnen des Holocaust und die Bedrohung der Welt mit der Atombombe vermarktet“. Mit Ahmadinidschad könne Israel am ehesten mit internationaler Unterstützung gegen den Bau einer iranischen Atombombe rechnen, was in Jerusalem als akute Gefährdung der Existenz Israels empfunden wird. Ron Ben Ischai, der selber Iran bereist hat, erklärte im Rundfunk, dass es im Iran einen breiten Konsens für das Atomprogramm gebe. Hätte Nir Hussein Mussawi die Wahlen gewonnen, wäre das Atom-Programm mit gleicher Energie weitergeführt worden, aber „die Welt wäre eingeschlafen, weil Mussawi gemäßigte Töne anschlägt“. Die Gefahr für Israel hätte sich unter dem „gemäßigten“ Mussawi nicht gemindert.

Während die Welt überrascht reagiere und junge Menschen in Teheran gegen einen „offenkundigen Wahlbetrug“ demonstrieren, hält der außenpolitische Redakteur des Haaretz, Zwi Barel, „aus iranischer Sicht“ das Wahlergebnis für durchaus realistisch. „Wie die Israelis wählten die Iraner nicht gemäß den Vorstellungen anderer Demokratien.“ Er spielte auf den vermeintlich überraschenden Wahlsieg Netanjahus oder Libermans in Israel an. Ahmadinidschad habe die „Ehre des Iran“ gehoben, sein Land zur Speerspitze gegen die arabische Hegemonie Ägyptens und der Saudis gemacht und den Einfluss des Iran auf Syrien, die Hisbollah im Libanon und die Hamas im Gazastreifen ausgedehnt. Iran biete der einzigen Supermacht die Stirn. Dank seiner Außenpolitik habe Ahmadinidschad den Iran zur entscheidenden Kraft bei fast allen lokalen Konflikten im Nahen Osten avanciert.

© Ulrich W. Sahm / haGalil.com