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Schlimmste Internet-Attacke auf Israel jemals

Während des Gazakriegs erlebte Israel die bislang schlimmsten Internet-Angriffe. Mindestens eine halbe Million Computer seien an vier Angriffswellen beteiligt gewesen. Gezielt seien Regierungscomputer ins Visier genommen, um sie lahm zu legen. Das wurde am Mittwoch erstmals in der Zeitung Haaretz veröffentlicht…

Von Ulrich W. Sahm, Jerusalem, 17. Juni 2009

Bis heute sei unklar, wer die Großangriffe im Internet durchführte und wer sie lenkte. Im Verdacht stehe die russische Mafia, möglicherweise bezahlt von der Hamas oder der Hisbollah, hieß es in der Zeitung. „Doch es könnte auch ein einzelnes Genie sein, mit der Fähigkeit, mit einem Virusprogramm fremde Computer darauf abzurichten, bestimmte israelische Server zeitgleich anzugreifen und so ihren Zusammenbruch zu provozieren.“ Kurz vor dem Georgienkrieg im vergangenen Sommer sei das Internet in Georgien in ähnlicher Weise angegriffen worden, was zu wochenlangen Ausfällen geführt habe.

Immer wieder komme es vor, dass sich einzelne Hacker Zugang zu einer Webseite verschaffen. Manchmal setzen sie pornografische Bilder auf Seiten, über die israelische Behörden ihre Dienste anbieten. Oder aber es werden Fotos von toten und verletzten Palästinensern auf die israelischen Seiten hochgeladen, um damit einen politischen Effekt zu erreichen. Solche „Störungen“ seien relativ leicht zu erhaben.

In den letzten Jahren häuften sich Großangriffe, in der Fachsprache DDoS genannt werden (Distributed Denial of Service). Dabei werden tausende und manchmal sogar Millionen Computer gleichzeitig eingesetzt, um bestimmte Internetadressen mit Nachrichten zu überschwemmen, bis sie zusammenbrechen.

Während der Militäroperation „Gegossenes Blei“ im Januar soll es vier Großangriffe gegeben haben, an denen in einem Fall eine halbe Million Computer beteiligt gewesen sein sollen. Mehrere Regierungsseiten im Internet seien zwischen fünf und zwanzig Minuten lang unerreichbar gewesen.

Im israelischen Verteidigungsministerium habe es während des Gazakrieges mehrere Sitzungen der verantwortlichen Stellen gegeben, die sich in Israel mit Datensicherheit beschäftigen.

Es gebe mehrere Wege, vor solchen Angriffen zu bestehen. Man könne die Zahl der Server erhöhen und die Infrastruktur ausbauen. Doch während des Gaza-Krieges wurde eine „aktive Verteidigung“ beschlossen, zusammen mit israelischen Internetbetreibern. Die IP-Nummern der angreifenden Computer, also deren Ursprungsadressen, wurden ausgemacht und gesperrt. Boaz Dolev des Datenschutzprojekts Tehila sagte: „Es gelang uns, erheblichen Schaden an unserer Infrastruktur abzuwehren. Aber wir müssen weitere Energien in die Internet-Abwehr stecken und weiter forschen.“ Bis zum Jahr 2010 werde die Internet-Infrastruktur für alle Bereiche in Israel eine „strategische Bedeutung“ haben.

Diese Methode, Absender von Nachrichten zu sperren, hatte freilich auch Folgen für „unschuldige“ Benutzer des Internets. An mehreren Tagen während des Gazakrieges war der Emailverkehr teilweise stundenlang unterbrochen. Telefonische Nachfragen beim Internetbetreiber ergaben, dass es „Pannen“ bei den Servern gebe. Mehrmals musste die eigene Emailadresse per Antrag wieder freigeschaltet werden, nachdem der Internetbetreiber sie offenbar automatisch auf die „Spam-Liste“ gesetzt hatte, also auf die Liste der gesperrten Adressen.

© Ulrich W. Sahm / haGalil.com