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Edelsteinen für Krieg und Terror: Schmuggel von Blutdiamanten nimmt wieder zu

Die Wirtschaftskrise hat das Geschäft mit Diamanten weltweit zum Erliegen gebracht. Dennoch erfüllen die Edelsteine vornehmlich in afrikanischen Ländern nach wie vor einen blutigen Zweck. Gerade in Krisenzeiten warnen NGO’s trotz der eingeknickten Marktnachfrage vor einem deutlichen Anstieg des illegalen Diamantenhandels…

Handel mit Blutdiamanten wieder auf dem Vormarsch

Johannesburg/Windhoek – Durch den Schmuggel von Blutdiamanten werden Krieg und Terror finanziert, wie etwa Human Rights Watch aufzeigt http://www.hrw.org/node/83960 . Das Geschäftsvolumen von illegal gehandelten Steinen ließe sich nicht abschätzen, wie die Organisation auf Nachfrage von pressetext wissen lässt. Auch mögliche Nutznießer in der Diamantenindustrie seien nicht zu identifizieren. An ihr bleibt jedoch der fahle Geruch von Gewalt haften, die anhand der Blutdiamanten finanziert wird.

Anders als die internationalen Handelsnetze seien die Folgen der diamantenfinanzierten Konflikte unmittelbar zu identifizieren. In den meisten Fällen sind es Rebellengruppen und Armeen, die mit den Erlösen aus dem Rohdiamanten-Schmuggel etwa Waffen und Munition kaufen. Aber auch Regierungen wie jene unter Diktator Robert Mugabe in Simbabwe sind Human Rights Watch zufolge an dem Raubbau beteiligt. Das Militär habe Ende des Vorjahres gewaltsam Diamantenfelder in Marange übernommen und Hunderte Arbeiter massakriert. Nach wie vor sollen Kinder wie Erwachsende unter Zwangsarbeit, Folter und Misshandlungen in den Minen schürfen. „Polizei und Militär erhielten zu genau dem Zeitpunkt Zugang zu den Bodenschätzen in Marange, als die Regierung ihre Löhne nicht mehr bezahlen konnte“, so die NGO. Das Land befinde sich in einer schlimmen Wirtschaftskrise und benötige dringend Geld.

Der Organisation zufolge stellen die Diamantengelder eine wichtige Einnahmequelle für die Zentralbank von Simbabwe dar, die Militäreinsätze finanziell unterstütze. Dabei seien es gerade Misswirtschaft auf den Diamantenfeldern und eine verfehlte Wirtschaftspolitik gewesen, die das Land in eine Hyperinflation stürzten und an den Rand des Bankrotts brachten. Durch eine gesetzliche Regelung sowie eine transparente und verantwortungsbewusste Steuerung der Diamantenindustrie könnte das Land hingegen „beträchtliche Einnahmen“ aus den Bodenschätzen erwirtschaften, ohne dafür Blut vergießen zu müssen.

Neben mehreren afrikanischen Ländern, in denen Konflikte durch Blutdiamanten finanziert werden, spielt der illegale Handel etwa in Südamerika eine Rolle. Verschiedene Organisationen verweisen beispielsweise auf den Schmuggel aus Venezuela. Eigentlich sollte das 2003 zwischen 49 Staaten mit Diamantenvorkommen geschlossene Kimberly-Abkommen die Kriegsfinanzierung mit den Edelsteinen stoppen. Während Blutdiamanten noch in den 1990er Jahren einen rund 15 Prozent hohen Anteil am Weltmarkt gehabt hätten, seien dadurch mittlerweile 99,8 Prozent unter Kontrolle. Trotzdem verschärfe sich die Lage wieder erheblich. Durch das Abkommen wurde der vormals schlechte Ruf der Diamantenindustrie weitgehend bereinigt. Nunmehr könnte der Branche der getrübte Glanz der Steine jedoch wieder zu schaffen machen.

pressetext berichtete im Mai:
Preisknick: Diamantengräber lassen Steine liegen
Schwache Nachfrage lastet auf afrikanischen Minen

Frankfurt/London/Johannesburg (pte/28.05.2009/10:35) – Diamanten unterliegen seit Beginn der Wirtschaftskrise einem deutlichen Preiseinbruch. Während sich daran vorerst nichts ändern dürfte, drückt die schwache Nachfrage auf die gesamte Branche. Darunter leiden besonders die afrikanischen Minen, in denen die Edelsteine abgebaut werden. Förderer wie De Beers http://www.debeers.com haben die Produktion mittlerweile dermaßen stark gedrosselt, dass verschiedene Minen zumindest vorübergehend stillgelegt werden mussten. Zwar wird auch der relativ krisenfeste Goldpreis zu 70 Prozent von der Schmuckindustrie bestimmt, wie Commerzbank-Rohstoffanalyst Eugen Weinberg gegenüber pressetext betont. Anders als der Rohstoff werden Diamanten hingegen vielmehr als Luxusgut betrachtet. So sind die Edelsteine zur industriellen Verarbeitung bedeutend weniger nachgefragt als Gold.

Preisverfall von Diamanten belastet afrikanische Länder

Während die Diamantenindustrie noch bis vor wenigen Monaten vom höheren Lebensstandard in Schwellenländern wie Indien, China oder Russland profitiert hat (pressetext berichtete: http://pressetext.com/news/081122002/), macht ihr nunmehr der schwerste Nachfrageknick seit Jahrzehnten zu schaffen. Die Absatzkrise geht mit einem deutlichen Wertverlust einher, der seit dem Höchststand im Vorjahr ein Preisgefälle von bis zu 60 Prozent aufweist. Wie das Handelsblatt berichtet, wird die negative Entwicklung auch in den kommenden Monaten anhalten. Bis Oktober sei ein weiterer Nachfrageschwund um bis zu 60 Prozent zu erwarten. Besonders bei kleinen und mittelgroßen Steinen macht sich der Rückgang bemerkbar, was Marktteilnehmer zu Produktionskürzungen veranlasst.

Die Verwerfungen des Diamantenmarktes bekommen in erster Linie die vornehmlich in Afrika vertretenen Förderer zu spüren. Allein De Beers hat die Produktion um insgesamt 90 Prozent gedrosselt. So musste die Diamantenförderung etwa in der reichsten Mine der Welt in Botswana für mehrere Wochen zur Gänze gestoppt werden. Während die Wirtschaft des Landes von den Steinen mit einem rund 65-prozentigen Anteil der Exporte direkt abhängig ist, wirken die Kürzungen in Form von Stellenabbau unter den Minenarbeitern zusätzlich belastend. Neben Botswana durchlaufen etwa Namibia, Südafrika oder der Kongo eine ähnliche Entwicklung. Nach der Wiederaufnahme von Arbeitsstopps sind teilweise nur mehr 20 Prozent der vormals tätigen Minenarbeiter beschäftigt. Angesichts der starken Abhängigkeit vom Diamantengeschäft sei eine Ausbreitung von Armut zu befürchten.