Der zweite Abschied: Zu Gast in der Heimat

Im Zusammenhang des Besuches der „ehemaligen Frankfurter“ am kommenden Dienstag, dem 23. Juni in der Frankfurter Seniorenwohnanlage der Budge-Stiftung, lief der Dokumentarfilm „Der zweite Abschied“ von Trevor Peters…

Die jüdischen Schwestern Flora und Frieda Frank lebten im Baumweg in Frankfurt / Main (Bornheim). Die Flucht vor dem NS-Terror verschlug sie nach New York. Eltern und Geschwister wurden in Theresienstadt ermordet. Seit Jahrzehnten sind die beiden Schwestern nun US-Bürgerinnen, in ihrem Denken und Fühlen sind sie, so sagen sie, aber Deutsche geblieben: in ihrer Sprache, in ihren Alltagsgewohnheiten, in ihren Heimatgefühlen.

Regisseur Trevor Peters besucht die beiden und ihre Ehemänner – Morris den Schuster und Willy den Religionslehrer – in New York, wo sie nie richtig heimisch geworden sind. Warum sind sie nicht zurückgekommen? Was heißt es, mehr als 40 Jahre im Exil zu leben, wenn doch die Grenzen offen stehen?

In FfM – an exakt derselben Stelle: Ich habe nichts gefühlt!

1980 kehren Flora und Frieda, inzwischen weit über 70, zum ersten Mal nach Frankfurt zurück – auf Einladung des Magistrats der Stadt. Trevor Peters begleitet sie mit einfühlsamer Kamera auf ihrem Flug nach Frankfurt und bei ihrem zweiwöchigen Aufenthalt in ihrer Geburtsstadt. Der Gang zum Friedhof. Straßen, Plätze. Wieder daheim?
Willy sagt: „Wir hätten hier in Frieden leben können, mit meiner Pension. Und die Tochter hätte einen deutschen Beamten geheiratet“.
Walter Speyer, ebenfalls deutschstämmiger Jude und Teilnehmer der Reise sagt anschließend in einem Interview mit der New York Times: „Es war eine Mutprobe. Ich wollte mich selbst prüfen. Ich bin zu exakt derselben Stelle gegangen, wo die Gestapo mich gefasst hat. Ich habe nichts gefühlt.“

Zum Filmgespräch kommt der Regisseur Trevor Peters in die Synagoge der Budge Stiftung. Moderation Dr. Viktoria Pollmann, Historikerin.

Trevor Peters, geboren 1943 in Neuseeland, ist nach seinem Studium der Philosophie zunächst als Uni-Dozent tätig. 1967 wird er Regisseur beim britischen Fernsehsender BBC in London, für den er später auch als Redakteur arbeitet. Im Jahr 1973 zieht Travers nach Hamburg, wo er bis zum Jahre 2001 lebt. Seit dieser Zeit ist er als freischaffender Dokumentarfilmer tätig und übt zudem zahlreiche Jury- und Lehrtätigkeiten aus. In seinen Dokumentarfilmen befasst Peters sich vor allem mit „ostdeutschen Themen“: So erzählt etwa „Nach der Eiszeit“ von lesbischen Frauen in Schwerin, während er sich in „Das Capitol“ mit der Kinolandschaft in den neuen Bundesländern befasst. Von 2000 bis 2002 fungiert Trevors als Co-Leiter des FilmKunstFestes Schwerin.
siehe auch: filmportal.de