Der Papst in Israel

Pünktlich um 11:00 Uhr Ortszeit landete der Airbus 321 der „Royal Jordanian“ auf dem Ben Gurion Flughafen bei Tel Aviv. Der Papst flog lediglich 20 Minuten, denn Amman liegt nur 100 Kilometer entfernt. Die Piloten hatte eine große israelische und vatikanische Flagge beiderseits der Cockpit aufgesteckt. Die Krone des Haschemitischen Königshauses schmückte das Heck der schwarz-grau bemalten Maschine…

Von Ulrich W. Sahm, Jerusalem, 11. Mai 2009

Staatspräsident Schimon Peres, Ministerpräsident Benjamin Netanjahu und der Nuntius Antonio Franco empfingen den Papst am roten Teppich. Der Papst trug über seiner weißen Robe ein großes goldenes Kreuz auf der Brust. „Very good“ hörte man Netanjahu sagen, als er dem Papst die Hand schüttelte. „Eure Heiligkeit, die Ehrengarde ist bereit“ brüllte ein Colonel, nachdem das Militärorchester die Hymne des Vatikan und „Hatikwa“ (Hoffnung), die israelische Hymne abgespielt hatte.

Der Papst schüttelte den Ehrengästen einzeln die Hand. Bei Oppositionschefin Zipi Livni verweilte er länger als bei anderen. Protokollchef Jitzchak Erdan bat auf Hebräisch die ihm unbekannten neuen Abgeordneten: „Stell Dich selber vor.“ Unter den Geistlichen waren Drusen, Rabbis, Popen, der Chef der Bahais und Vertreter anderer Religionen.

Schimon Peres hob an mit „Ave, Benedicte, princeps fidelium qui hodie terram sanctam visitas“ gefolgt vom hebräischen „Schalom“. Er redete vom “Säen von Toleranz und dem Ausreißen des Unkrauts des Fanatismus”. Peres lobte den Papst für dessen Bemühen „das Niveau des Hasses und der Gewalt in unserer Welt“ gesenkt zu haben: „Möge der jüdisch-christliche Dialog im Geiste der Propheten fortgesetzt werden.“ Das „historische und das sich erneuernde Israel“ begrüße den „großen Wegbereiter zu Frieden an jedem Ort“, schloss Peres.

Der Papst redete vom Heiligen Land, von Christus und seinem Amtsvorgänger Petrus. Doch erwähnte er auch den „Staat Israel“ und die sechs Millionen ermordeten Juden während des Holocaust.

Der Präsident und der Heilige Vater hatten auch das Streben einem Frieden mit den Palästinensern erwähnt. Der Papst beließ es dabei bei sehr neutralen Floskeln, was weder Israelis noch Palästinenser verärgerte. Er erwähnte nicht ausdrücklich die „Zwei-Staaten-Lösung“. Beide Völker sollen in Frieden in ihrer jeweiligen Heimat innerhalb sicherer und international anerkannter Grenzen leben können, formulierte diplomatisch ausgewogen der Heilige Vater.

„Der Papst hat alles gesagt, was wir als jüdische oder israelische Gastgeber hören wollten“, kommentierte der Redakteur des Rundfunks.

In einem schwarzen Audi mit dem gelben Kennzeichen „0“ mit je drei Sicherheitsleuten rechts und links fuhr der Papst einige Meter weit zum Militärhubschrauber vom Typ „Jasur“. Der brachte ihn nach Jerusalem, während Peres und Netanjahu der aufgereihten Mannschaft des jordanischen Flugzeugs die Hände schüttelten.

Die Delegation des Papstes flog in separaten Hubschraubern und war schon auf dem Ölberg gelandet, als sich die Ankunft des Papstes verzögerte. „Der Papst hatte um einen Rundflug über Jerusalem gebeten“, meldete der israelische Rundfunk.

Der frischgebackene Bürgermeister von Jerusalem, Nir Barkat, begrüßte den Papst, während aus Lautsprechern schnulzige Jerusalem-Lieder auf Hebräisch plärrten. Barkat außerte auf Englisch unverbindliche Freundlichkeiten wie: „Sie werden sich hier zuhause fühlen und die alte Geschichte dieser großartigen Stadt sehen können.“ Auf Hebräisch schlug er nationalistische Töne an, etwa dass Jerusalem, „die Hauptstadt Israels“ sei, was freilich der Vatikan nicht anerkennt. Der Bürgermeister überreichte dem Papst als Geschenk eine Kopie der Kleeblatt-Karte, 1581 von Heinrich Bünting in Hannover geschaffen. Die gleiche Karte erhielt auch US- Präsident George W. Bush im Januar 2008.

In der israelischen Presse ebbte am Montag die teils giftige Kritik der letzten Tage an dem deutschen Papst und seiner „Nazi-Vergangenheit“ ab. Haaretz verriet das Menü vom Chef des Restaurants Rosini, das der für das Abendessen zu Ehren des Papstes und 300 geladenen Gästen im lateinischen Patriarchat vorbereite: ein palästinensischer Taboule-Salat, Lammfilet mit Kräutern, mit Risotto gefüllte Auberginen, Waldfrüchte und zum Abschluss bitterer Kaffee mit Baklawa.

© Ulrich W. Sahm / haGalil.com

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