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Angebot und Nachfrage: Israelisches Licht

Wenn der Mangel der Welt an wahrer zwischenmenschlicher Nähe, Gemeinsamkeit und Einheit immer deutlicher wird und auf die Fähigkeit Israels diese Nähe herbeizuführen treffen wird, dann wird das Ergebnis ein voller Erfolg für alle Beteiligten sein. Die Welt wird aus der globalen Krise heraustreten und zu Wohlstand in allen Lebensbereichen kommen…

Yossi Stam

Das israelische Volk ist kein einfaches Volk. Seine verwobene Geschichte könnte dramatisches Material zu vielen weiteren Hollywoodfilm liefern. In der Tat kann eine komplette Filmindustrie mit wilden Komödien, abenteuerlichen und spannenden Filmen bis zu leidenschaftlichen Romanverfilmungen daraus entstehen.

Wo immer wir hinkommen geschieht etwas Merkwürdiges. Immer gibt es irgendeinen König, der sich von einer Wolke von Heuschrecken umkreist sieht oder von einer Unzahl Fröschen attackiert wird, einen hohen Minister, der an einem Baum am Marktplatz aufgehängt wird oder ein Genie der Wissenschaft, der die Wahrnehmung der Zeit verkrümmt. Es gibt keinen Staat, der uns nicht wenigstens einmal deportiert hat, kein Bedrängnis, was uns nicht auferlegt wurde und keinen „Kosenamen“, der uns nicht angeheftet wurde.

Or Israel

Auch heute, wo der Staat Israel nun schon sein 61jähriges Bestehen gefeiert hat, geht die Saga weiter. Wir leben weiter im Schatten ununterbrochener Krisen und Bedrohungen und haben mit Herrschern zu tun, deren Zurechnungsfähigkeit zweifelhaft ist. Trotz alledem aber gibt es noch die Möglichkeit zu einer wahren Änderung. Wenn wir unseren richtigen Platz im Mosaik der globalen Wirklichkeit finden, werden wir entdecken, dass sich uns gerade jetzt eine wundervolle Gelegenheit auftut, das Bild zu verwandeln.

Begegnungen der dritten Art

Um zu verstehen worum es sich handelt, lasst uns die gegenwärtige Realität in der Welt uns so vorstellen, wie sie sich einem galaktischen Historiker von einem anderen Planeten darstellt – einer Art Kombination von Josephus Flavius und E.T. dem Außerirdischen. Kein Zweifel, dass sich ihm ein ziemlich absurdes Schauspiel darbieten würde: Eine fortschrittliche Welt, die mit entwickelten Produktionsmitteln, vollendeter Technologie und einer Fülle mannigfaltiger Naturschätze ausgerüstet ist. Eine Welt, die durch ein verzweigtes Netz von Handels- und Kommunikationsbeziehungen verbunden ist, die die Kluft zwischen Zeit und Entfernung überbrücken. Aber irgendetwas stimmt nicht, und keiner weiß wieso: Ein Staat „sitzt“ auf reichhaltigen Ölquellen, der zweite auf unerschöpflichen Ressourcen von Braun- und Steinkohle und ein dritter verfügt über unendliche Weiten fruchtbarer Erde. Eigentlich sollte es perfekt sein und trotzdem schliesst der Kreis sich nicht. Anstatt als ein Körper zu funktionieren, in dem jedes Organ zum gemeinsamen Erfolg beiträgt, ist das Gegenteil der Fall: Jeder hält sich gütlich an seinem privaten Schatz und versucht immer mehr auf Kosten der anderen zu verdienen…

Tatsächlich muss man kein Alien sein um die Situation richtig zu sehen. Es genügt einen kurzen Blick auf die Seiten der Geschichte zu werfen, um zu sehen, dass die Menschheit bereits Tausende von Jahren von Krise zu Krise, von Krieg zu Krieg schreitet und mit jedem zusätzlichen Sandkorn, das durch ihre Sanduhr rieselt, stellt sich mehr und mehr heraus, was sie wirklich braucht. Hier geht es nicht um Geld, Nahrung, Medikamente oder neue Medien. Was heute der Welt fehlt ist die richtige Verbindung zwischen den Menschen. Oder genauer betrachtet, eine wissenschaftliche und getestete Methode, die Menschen, Länder und Völker verbinden kann und ermöglicht, dass alle vorhandenen zur Verfügung stehenden riesengroßen Ressourcen auf eine vernünftige und ausgewogene Weise zum Nutzen aller verteilt werden.

Doch was hat das alles mit Israel zu tun?

„Israel, eine Nation, die die ultimative Universalität tief in ihrer Seele verborgen hat“.
Rav Kuk

Der Kontext hier ist klar und deutlich. Denn gerade das israelische Volk hält den ultimativen „Naturschatz“, nach dem die Menschheit heute sucht, in seinen Händen: Die Weisheit der Beziehung und Verbindung zwischen den Menschen. Dieser Schatz liegt tief im Inneren unserer Existenz und wartet nur darauf, dass wir das Schloss öffnen und damit anfangen, das in uns schlummernde Potenzial zu verwirklichen. Was meine ich damit?

Das Volk Israel hat sich im Gegensatz zu den restlichen Nationen der Welt nicht wie diese aus einem gemeinsamen Nenner biologischen, territorialen oder irgendeinem genetischen Ursprung herauskristallisiert. Es wurde aus einer einzigartigen und innovativen konzeptionellen Achse herausgebildet, die sich im 3. Jahrtausend v.d.Z. im alten Babylon zu entwickeln begann.

Avraham unser Vater, damals noch ein gewöhnlicher Götzendiener, war der erste der verstanden hat, dass die Lösung der Weltprobleme in der richtigen Verbindung der Menschen untereinander liegt. Avraham lebte in einem Zeitalter, in dem das Ego, der Wille, den Nächsten auszunutzen, zum ersten Mal in der menschlichen Gesellschaft zum Ausbruch kam. Er verstand, dass man nur durch die Erhebung über das eigene Ego und die Verbindung in Liebe zu dem Nächsten eine erfolgreiche und wohlhabende Gesellschaft aufbauen kann. Zutage trat aus der Gruppe der Schüler, die Avraham gründete, ein Volk, das Volk Israel, dessen ganzer Zweck darin bestand, Avrahams Methode auf sich selbst anzuwenden und sie an alle anderen Völker der Welt weiterzugeben.

Zur Zeit des ersten Tempels wurde Avrahams Methode de facto zu einer gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und politischen Praxis. Es ist schwer zu glauben, aber dieselbe Erde des Nahen Osten war tatsächlich einmal von einem „anderen Israel“ besiedelt; eine kleine und blühende Autonomie, die auf Werte aufgebaut und geleitet wurde, die man so bisher noch nicht gesehen hatte. ‚Und liebe deinen Nächsten wie dich selbst’‚ diesen bekannten Satz, den Rabbi Akiva als die Essenz der Thora bezeichnete, war Wertgrundlage jener Gesellschaft: Jeder Mensch hatte sich verpflichtet seinen Nächsten zu lieben und für ihn zu sorgen wirklich in gleicher Anhaftung und Totalität, in der er sich selber liebte.

Es liegt aber in der Natur guter Dramen, dass die Szene sich genau dann, wenn es vielversprechend aussieht, eine dramatische Wende nimmt: Die privaten Interessen begannen an der Einheit des Volkes zu nagen, die gegenseitige Bürgschaft wurde rissig und die inneren Konflikte nahmen zu. Alles dies führte dazu, dass das große „Königreich“ zusammenbrach und wir ins erste Exil gingen. Ein ähnlicher Prozess hat sich auch in „Take two“ wiederholt. Wir kehrten zurück ins Land, bauten mit großer Begeisterung den Tempel wieder auf, aber wieder hat sich der dickliche Egoismus breit gemacht und gnadenlos an den Fundamenten der Nation gezehrt. Das prachtvolle Haus wurde mit lautem Getöse zerstört, wir wurden in alle Richtungen verstreut und wir gingen in ein lang andauerndes materielles und spirituelles Exil (es ist immer miteinander verbunden)… Aber zu unserem großen Glück endet hier die Geschichte nicht.

Ein Sack Nüsse

Zweitausend Jahre später gelang es uns aus dem Exil zurückzukehren und uns wieder ein kleines „Königreich“ aufzubauen. Trotz großer Erfolge und Leistungen aber sehen wir, dass die Einheit, mit der der Staat in seinen ersten Jahren ausgezeichnet war, wieder zu zerfallen beginnt. Wir ähneln mehr einem Haufen Nüsse, die widerwillig im selben Sack eingesammelt wurden, zusammengehalten einzig und allein nur durch gemeinsame Qualen und Leiden. Jetzt aber ist klar, dass wir viel mehr als nur dieses bedürfen. Wir werden uns nicht mehr mit der erreichten materiellen Unabhängigkeit begnügen können, sondern wir müssen auch eine spirituelle Unabhängigkeit erreichen, eine solche, die auf Liebe, Fürsorge und gegenseitiger Rücksichtnahme basiert.
Je mehr wir diese Werte in der israelischen Gesellschaft anwenden werden, desto mehr werden wir entdecken, dass unser Erfolg davon abhängt. Wir werden verstehen, dass die Nächstenliebe unser ganz besonderes und wichtigstes Besitztum ist, sowohl für uns als Volk als auch für die gesamte Menschheit.

Wenn die beiden Pole anfangen werden aufeinander zuzugehen, wenn nämlich der zunehmende Mangel der Welt an richtiger zwischenmenschlicher Verbindungsmethode auf die Befähigung Israels, diese Methode zu liefern, treffen wird – dann wird das Ergebnis ein voller Erfolg für alle Beteiligten sein. Die Welt wird aus der globalen Krise heraustreten und zu Wohlstand in allen Lebensbereichen kommen. Der Antisemitismus wird aufhören zu existieren, die Märkte werden wachsen und wir werden letztendlich unsere Bestimmung als Volk verwirklichen und die wahre Unabhängigkeit erlangen.

Baal haSulam, der größte Kabbalist des 20. Jahrhunderts schrieb darüber, dass „die israelische Nation als eine Art Durchgangspassage eingerichtet wurde, durch die die Funken der Läuterung an das gesamte Menschheitsgeschlecht der ganzen Welt strömen werden… bis sie (die Menschen) sich entwickeln und dahin kommen werden, dass sie die Lieblichkeit und die Gelassenheit verstehen können, die sich im Kern der Nächstenliebe befinden“.
Baal haSulam im Artikel „Die Bürgschaft“)

Besonders jetzt nachdem der Prozess des Aufwachens aus dem alten zionistischen Traum beendet ist, ist es Zeit anzufangen, einen Traum der anderen Art zu ersinnen. Einen „realistischeren“ Traum, der das zionistische Streben nach souveräner Existenz im Land Israel mit einschließt, aber auch die original authentischen Qualitäten des israelischen Volkes.
Es ist noch nicht zu spät, eine erfolgreiche und wohlhabende Gesellschaft in Israel aufzubauen, um das abgegriffene und verbrauchte Sprichwort „Licht der Völker“ (Or laGojim) zu einer lebendigen und atmenden Wirklichkeit umzuwandeln.
Und wenn wir wollen, ist es wirklich keine Legende.