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Gazamussleben und die „jüdische Weltverschwörung“

„Gazamussleben“, eine Frontorganisation der Wiener AIK bekommt diese Tage viel Platz in österreichischen Medien, haben doch die sich tapfer wähnenden Wiener Antiimperialisten beschlossen, die Gelegenheit des 100. Geburtstages der Stadt Tel Aviv zu benützen, um ihren Hass gegen den jüdischen und demokratischen Staat Israel laut am Donaukanalufer zu artikulieren…

Von Karl Pfeifer

Um in Österreich gegen den jüdischen Staat zu demonstrieren und sich dabei auch für die Terrororganisation Hamas einzusetzen, braucht man keine Tapferkeit.
Und sie berufen sich auf jüdische Kronzeugen, einige bestätigen sogar die Existenz einer „jüdischen Weltverschwörung“ und berufen sich dabei auf ihre „jüdische Herkunft“.

Haben diese Weltverschwörungsphantasien mit der realen Situation im Nahen Osten zu tun? Zwei amerikanische Diplomaten haben interessante Details berichtet. Martin Indyk war einer der wichtigsten Nahostberater von Präsident Bill Clinton, der unlängst sein faszinierendes Buch „Innocent Abroad: An Intimate Account of American Peace Diplomacy in the Middle East“ publiziert hat. Indyk beschreibt eine Begegnung zwischen Clinton und dem damaligen Kronprinzen Abdullah von Saudi Arabien als der Lewinsky-Skandal seinen Höhepunkt erreichte. Abdullah beugte sich über den Tisch und erklärte mit gedämpfter Stimme dem Präsidenten der USA, dass Monica Lewinsky jüdisch ist und Teil einer Verschwörung des Mossads um Clinton zu stürzen, wegen seiner Hilfe für die Palästinenser. Er sagte auch dem Präsidenten, dass er seine Information auch den Senatoren mitteilen würde, die er nach dem Lunch treffen würde, um zu helfen ein impeachment zu vermeiden.

Eine Generation früher erlebte Henry Kissinger eine ähnliche Situation. Während eines formellen Treffens mit dem Herrscher Saudi-Arabiens eröffnete dieser, es gäbe eine kommunistische Weltverschwörung, die aber nur Teil einer viel größeren globalen jüdischen Weltverschwörung sei.

Der Antisemitismus ist nicht nur ein Konstrukt der arabischen Regime für interne Zwecke, sondern wird von großen Teilen der arabischen Gesellschaften auch geglaubt. Man darf aber nicht unterschätzen, welchen Nutzen der Antisemitismus den arabischen Regime bringt. Israel ist die erlaubte Zielscheibe für alle Beschwerden für die arabischen Gesellschaften. Der Israelisch-Palästinensische Konflikt wird als ein Fall der westlichen und insbesondere jüdischen Verfolgung der Araber hingestellt. Sogar diejenigen Regime, die mit den USA verbündet sind, gewähren so ein Ventil, um die Unzufriedenheit auf der Straße ausleben zu lassen und versuchen damit sowohl die islamistischen als auch pan-Arabischen Gefühle in eine Richtung zu lenken, die ihre Herrschaft nicht in Frage stellt.

Dieses Benützen des Antisemitismus versteht man auch, wenn man sich die Lage dieser Staaten anschaut. Vor einigen Jahren haben arabische Intellektuelle, die von der UNO beauftragt wurden, das Verhältnis der Araber zur Modernisierung zu untersuchen, zu einem niederschmetternden Ergebnis. Während der vergangenen 25 Jahre ist das durchschnittliche pro Kopf Einkommen in der arabischen Welt gesunken. Das kombinierte Brutto Nationaleinkommen dieser Staaten (GDP) war 2000 weniger als das von Spanien. Jährlich werden nur ein Fünftel der Bücher ins Arabische übersetzt, die in Griechenland ins Griechische übersetzt werden. Zwischen 1980 und 2000 hat Ägypten 77 Patente registriert während es in Südkorea 16,328 waren. Das könnte noch fortgesetzt werden.

Man muss nicht Logik studiert haben, um festzustellen, die Anwesenheit von 5,5 Millionen Juden in Israel kann nicht verantwortlich sein für die ökonomische und politische Entwicklung von Hunderten von Millionen Arabern. Aber viele Araber werden mit einem unangenehmen Problem konfrontiert. Die arabische Welt besitzt – nach eigener Meinung – die einzig wahre Religion, die größte Kultur und einen großen Anteil des Mineralöls der ganzen Welt, trotzdem sind ihre Gesellschaften – mit wenigen Ausnahmen – verarmt und funktionieren nicht richtig.

Wie kann man dies erklären? In Gesellschaften die keine Kritik der herrschenden Regime erlauben, ist die beliebte Erklärung, dass es eine aus dem Westen und insbesondere aus den USA und Israel sowie von den Juden kommende antiarabische Verschwörung gibt. Der offizielle und der volkstümliche arabische Antisemitismus ist eines der Haupthindernisse für den Frieden. Wenn Israel nicht eine Nation ist wie jede andere sondern nur die offensive Erscheinungsform einer gigantischen westlichen und jüdischen Verschwörung gegen den Islam und gegen die Araber gehalten wird, dann ist ein Friedensschluss mit Israel nicht ehrenhaft sondern verabscheuungswürdig. Ein Blick in die Hamas Medien bestätigt dies. Kein Zufall das Hamas sich immer wieder auf die jüdischen Weltverschwörung beruft und dabei auf die auch von den Nazi benützen „Protokolle der Weisen Zions“ zurückgreift.

Auch das erklärt die Allianz zwischen Linksextremisten und wütenden Islamisten und den Fanatismus der AIK und ihrer Frontorganisation Gazamussleben. Einer ihrer Aktivisten, das prominente SPÖ-Mitglied Univ.Prof. Dr. Walter Sauer hat es auf den Punkt gebracht als er vom „schleichenden Völkermord“ schrieb „den Staatsideologie und Staatspraxis des Judentums an den Palästinensern, insbesondere im Gazastreifen“ begehen. (http://www.gazamussleben.at/de/1002)

Das erklärt auch weshalb diese Leute zu den schrecklichen Menschenrechtsverletzungen in der arabischen Welt und im Iran schweigen, denn es gibt ja für sie nichts schlimmeres als die „Staatspraxis des Judentums“.

Einer der schönsten Plätze in Israel ist die Zentrale der Bahai in Haifa. Viele Bahais waren gezwungen wegen der mörderischen Unterdrückung im Iran zu fliehen und sie werden noch heute im Iran fürchterlich verfolgt. Doch die österreichischen Linksextremisten kümmern sich nicht darum. Sie orten im Nahen Osten lediglich einen Staat, der in Sünde geboren wurde und der von ihnen beschuldigt wird an all dem Elend im Nahen Osten schuldig zu sein. Wenn Frauen gesteinigt und Homosexuelle gehängt werden dann interessiert sie das nicht, sie lassen sich von ihrer Fixiertheit auf Israel und von ihrer manichäischen Sicht durch Fakten nicht abbringen.
Es ist jedem unvoreingenommenen Beobachter klar, dass die Politik der Konfrontation welche Hamas führt, ihre sich wiederholenden Stehsätze, dass sie niemals Israel anerkennen werden und ihre Provokationen nicht der großen Mehrheit der Bevölkerung im Gazastreifen nützt, doch das kümmert die linksextremen Antisemiten nicht. Sie glauben sich immun von Antisemitismus, weil ihnen ein paar, sich auf ihr Judentum oder jüdische Abstammung berufender Leute einen Persilschein ausstellen und manche von denen sogar versuchen die Islamisten beim Hass gegen Israel zu überholen.

Es ist in einem Land in dessen Parlament gleich zwei Parteien vertreten sind, die auch einige führende Funktionäre haben, die eindeutig als rechtsextrem zu qualifizieren sind, leichter gegen Tel-Aviv-Beach in Wien zu demonstrieren, als politisch wirksam gegen Rechtsextremismus etwas zu tun.

Im Gegenteil, die Idee von der jüdischen Weltverschwörung ist die gemeinsame Basis, die sie dazu bringt, den Islamisten und insbesondere der Hamas Hilfsdienste zu leisten und sich gleichzeitig als Helden vorzukommen. Es ist zu hoffen, dass es ihnen nicht gelingt die Freude der Besucher zu verderben und dass sich viele für das Original entschließen und diese wunderbar lebhafte Stadt Tel Aviv bald besuchen werden.