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Wer ist schuldig am Tode Jesu: Wurzeln des Misstrauens

„Der Abscheu gegenüber dem Christentum ist ein integraler Bestandteil des jüdischen Bewusstseins… Ein Dialog zwischen Christentum und Judentum ist nur zwischen Juden und Christen möglich, die sich von ihrer Religion abgewandt haben“. Diese Worte stammen nicht von den Oberrabbinern Israels, die gestern den Empfang von Papst Benedikt XVI boykottiert haben, jedoch heute mit ihm zusammentreffen. Auch nicht von den vier Schass-Ministern oder Knessetpräsident Rivlin, die den Besuch boykottieren…

Aus einem Kommentar von Avishai Ben-Chaim, ersch. in M’ariw

Die Äußerungen stammen von Prof. Yeshayahu Leibowitz, Gerade von ihm, einem der wichtigsten Vertreter des Stroms, der zur Versöhnung Israels mit seinen Feinden aufruft.

Es geht hier nicht nur um die blutige Geschichte seit dem 10. Jahrhundert. Angefangen von der Vertreibung aus Mainz im Jahr 1012, über die Ausschreitungen im Jahr 1096 und die Kreuzzüge, die Ritualmorde, die Inquisition, die wiederholten Vertreibungen von jedem Stück Erde, auf dem sich die Juden niederließen, die Einschränkungen und die Gesetze, die Propaganda und die Dämonisierung, die dann letzten Endes nach Auschwitz und Birkenau führten, und alles im Schatten des Schweigens der Kirche.

Das Misstrauen in das Christentum liegt in den Wurzeln der christlichen Theologie im Bezug auf das Judentum, die den Juden die Schuld am Tode Jesu zuschreibt und ihnen vorwirft, den christlichen Glauben verschmäht zu haben, weshalb sie zu Exil und Leid verurteilt sind.

Die Gründung des Staates Israel stellt deshalb ein schweres theologisches Problem für die christliche Doktrin dar. Nicht umsonst veröffentlichte die Organisation der „Zohar“-Rabbiner gestern eine Erklärung, in der sie die Ankunft des Papstes begrüßt, sich jedoch einen Seitenhieb nicht verkneifen kann: „Der Besuch des Papstes im Staat Israel ist eine Ohrfeige für das Christentum.“

Und dennoch, viele werden sagen, dass sich seit der Anweisung von Papst Benedikt XIII im Jahr 1415, den Talmud zu zensieren, bis zum Besuch von Papst Benedikt XVI in Israel etwas Wichtiges verändert hat. Die Katholische Kirche hat bereits in den 60-er Jahren ihr Dogma bezüglich des Judentums geändert. Sie sprach die Juden nicht nur von der Schuld am Tode Jesu frei, sondern gab auch zu, dass das Christentum das Judentum nicht ablöste, sondern aus ihm entstand. Außerdem verurteilte sie den Antisemitismus. Im Jahr 1993 wurden diplomatische Beziehungen zwischen Israel und dem Vatikan aufgenommen, und gestern stand der Papst in Yad Vashem.