Wer ist schuldig am Tode Jesu: Wurzeln des Misstrauens

„Der Abscheu gegenüber dem Christentum ist ein integraler Bestandteil des jüdischen Bewusstseins… Ein Dialog zwischen Christentum und Judentum ist nur zwischen Juden und Christen möglich, die sich von ihrer Religion abgewandt haben“. Diese Worte stammen nicht von den Oberrabbinern Israels, die gestern den Empfang von Papst Benedikt XVI boykottiert haben, jedoch heute mit ihm zusammentreffen. Auch nicht von den vier Schass-Ministern oder Knessetpräsident Rivlin, die den Besuch boykottieren…

Aus einem Kommentar von Avishai Ben-Chaim, ersch. in M’ariw

Die Äußerungen stammen von Prof. Yeshayahu Leibowitz, Gerade von ihm, einem der wichtigsten Vertreter des Stroms, der zur Versöhnung Israels mit seinen Feinden aufruft.

Es geht hier nicht nur um die blutige Geschichte seit dem 10. Jahrhundert. Angefangen von der Vertreibung aus Mainz im Jahr 1012, über die Ausschreitungen im Jahr 1096 und die Kreuzzüge, die Ritualmorde, die Inquisition, die wiederholten Vertreibungen von jedem Stück Erde, auf dem sich die Juden niederließen, die Einschränkungen und die Gesetze, die Propaganda und die Dämonisierung, die dann letzten Endes nach Auschwitz und Birkenau führten, und alles im Schatten des Schweigens der Kirche.

Das Misstrauen in das Christentum liegt in den Wurzeln der christlichen Theologie im Bezug auf das Judentum, die den Juden die Schuld am Tode Jesu zuschreibt und ihnen vorwirft, den christlichen Glauben verschmäht zu haben, weshalb sie zu Exil und Leid verurteilt sind.

Die Gründung des Staates Israel stellt deshalb ein schweres theologisches Problem für die christliche Doktrin dar. Nicht umsonst veröffentlichte die Organisation der „Zohar“-Rabbiner gestern eine Erklärung, in der sie die Ankunft des Papstes begrüßt, sich jedoch einen Seitenhieb nicht verkneifen kann: „Der Besuch des Papstes im Staat Israel ist eine Ohrfeige für das Christentum.“

Und dennoch, viele werden sagen, dass sich seit der Anweisung von Papst Benedikt XIII im Jahr 1415, den Talmud zu zensieren, bis zum Besuch von Papst Benedikt XVI in Israel etwas Wichtiges verändert hat. Die Katholische Kirche hat bereits in den 60-er Jahren ihr Dogma bezüglich des Judentums geändert. Sie sprach die Juden nicht nur von der Schuld am Tode Jesu frei, sondern gab auch zu, dass das Christentum das Judentum nicht ablöste, sondern aus ihm entstand. Außerdem verurteilte sie den Antisemitismus. Im Jahr 1993 wurden diplomatische Beziehungen zwischen Israel und dem Vatikan aufgenommen, und gestern stand der Papst in Yad Vashem.

35 Kommentare zu “Wer ist schuldig am Tode Jesu: Wurzeln des Misstrauens

  1. Möchte feststellen dass noch im 19.Jh.in Österreich auf gotteslästerung die Todesstrafe durch Enthauptung stand und in den vorangegangenen Jhdtn.ein der Scharia in etwa entsprechendes Recht bestanden hat.An die drei Klassengesellschaft – Adel Klerus und Rechtlose- erinnern und dies natürlich auch im Namen eines Gottes.Man selbstverständlich aus der heiligen Kirche nicht austreten konnte und als Jude sich taufen lassen musste um an den Segnungen der christlichen Gesellschaft teilnehmen zu dürfen.Wann das Reich Christi diese Welt erlösen wird ist da die Frage.Wenn auch alle Chinesen bekehrt sein werden?Den Schwarzafrikanern wurde von allen grossen Weltreligionen und den Chinesen bis heute nur Gewalt angetan.In die Sklaverei verkauft von Moslems Christen und Nachbarstämmen werden sie heute noch von den Moslem in Darfur abgeschlachtet weil die Chinesen Ihr Öl brauchen.Wird sich das auch alles erledigt haben wenn sie soich zun Christus bekehrt haben und ist vielleicht auch wieder der Jud schuld weil er sich nicht bekehrt?

  2. Natürlich hast Du eine eigene Meinung, sonst würdest Du hier ja nicht schreiben. Aber andere haben auch eine.

    Mensch, @Jim, das ist doch nicht so schwer! 🙂
    Natürlich wünsche ich mir das, weil ich von meinem Glauben überzeugt und der Meinung bin,  dass er der beste ist. Warum wäre ich sonst Christ, wenn ich das nicht glauben würde?
    Ich erlebe und lebe meinen Glauben und sehe so viel Gutes für mein Leben daraus entstehen. Der ist einfach gut und das ist m.E. jedem zu wünschen.
    Wenn Juden mit ihrem Glauben glücklich sind, ist das genauso gut. Aber man wird sich doch über seinen Glauben unterhalten dürfen, ohne dass man gleich verdächtigt wird, oder?
    Zwischen jemandem etwas wünschen und ihn trotzdem akzeptieren so wie er ist, besteht kein Widerspruch.

  3. @Josef
    Ein paar Zitate von Hitler:
    „Der schlimmste Schlag, den die Menschheit jemals getroffen hat, war das Erscheinen des Christentums“

    Bericht von Traudl Junge, Hitlers Privatsekretärin:
    „Er [Hitler] … meinte, die christliche Konfessionen seien überholte, heuchlerische Institutionen, die die Menschen in ihre Reihen lockten. Die Naturgesetze waren seine Religion. Er konnte sein Dogma der Gewalt besser mit der Natur in Einklang bringen als mit der christlichen Lehre, die sagt, man solle seinen Nächsten und seine Feinde lieben. … Alles, was nicht lebensfähig ist, alles Schwache wird ausgelöscht. Nur die Menschheit und vor allem die Kirchen haben es sich zum Ziel gemacht, die Schwachen, die Lebensuntüchtigen und Menschen von niederer Art am Leben zu erhalten.“

    Hitler als Christ? No way!

  4. Shalom Josef Hirnschall,
    es ist zwar eine traurige Tatsache, dass im Namen des Christentums viel Mißbrauch, Verfolgungen und Ermordungen Andersgläubiger geschehen ist, was dem Ansehen des Christentums sehr geschadet hat, das sich ja per se als eine Religion der Nächstenliebe in der Nachfolge des Juden Jesus versteht. Aber es darf dabei nicht übersehen werden, dass sich seit Jahrhunderten im Namen des Christentums auch viele Organiationen und Einzelpersonen usw. weltweit für humanitäre und soziale Projekte und Einrichtungen mit erheblichem finanziellen Zuwendungen einsetzen, die sonst staatliche Stellen leisten müssten. Insofern tun die Christen im Namen ihrer Religion weltweit auch viel Gutes und leisten aktiv auch die von ihnen propagierte Nächstenliebe, bzw. den Dienst am Nächsten.  Greueltaten an Andersgläubigen werden leider auch im Namen der anderen beiden großen monotheistischen Religionen von fundamentalistischen Gläubigen verübt – islamistische „Gotteskrieger“ und orthoxe Siedler berufen sich auch auf ihren G-tt und ihren Glauben und versuchen, ihre Handlungen und ihre „Ideologie“ damit zu legitimieren. Der „liebe G-tt“ schüttelt wahrscheinlich da oben im Himmel den Kopf über seine Kinder; hoffentlich schickt er uns bald den Messias, der das wieder richtet und diesmal mit mehr Erfolg! Mirjam

  5. Aber ne Meinung, Markus, darf ich schon haben, die gestehst Du mir doch zu?

    Nun, abschließend, noch ne Bitte. Erklär doch mal kurz diesen Satz:

    Daher noch mal für alle zum Mitlesen: Ich würde und werde nicht versuchen, einen Juden im persönlichen Kontakt zu meinem Glauben zu bekehren. Ich respektiere jeden von Euch als Juden und ebenso Euren Glauben. Punkt.
    Dass ich mir etwas anderes <strong>wünsche</strong>, ist mein gutes Recht und hat überhaupt keine Folgen für Euch.

    Du würdest zwar niemals aktiv missionieren, akzeptierst und respektierst Juden und deren Glauben, wünscht Dir aber gleichzeitig, was wärest Du denn sonst für ein Christ, Deine Worte, dass diese doch zu Christen werden?

    Warum?

    Ich versteh’s nicht, das ist der Grund unseres kleinen Disputes.

  6. Der Unterschied ist der, dass das Christentum ein Religion der Nächstenliebe sein will. Bei Stalin, Hitler usw. stand davon nichts im Parteiprogramm.
    übrigens, Hitler war bis zu seinem Tod Mitglied der  katholischen Kirche und zahlte auch brav seine Kirchensteuer.
    … Alles in allem bestätigt die Kirchengeschichte den Historiker William Lecky:  “Es ist keine Übertreibung, zu sagen, daß die christliche Kirche dem Menschen grösseres Maß unverdienten Leides zugefügt hat als irgend eine andere Religion.”
    … aber nur selten die versprochenen humanitären Wirkungen. Ob diese Entgleisungen nicht vielleicht doch dogmatisch angelegt sind?
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    Da stehen sich 2 Meinungen gegenüber. Du glaubst, dass das Christentum Kriege und Leiden begünstigt wenn nicht sogar bewusst herbeiführt.
    Ich glaube, dass die Bibel und somit die Grundlage unseres Glaubens dies absolut nicht hergibt, sondern dass Menschen in ihrer Natur die Bibel in falscher Weise als Rechtfertigung benutzt haben.
    zu Hitler: Mitglied in einer Kirche zu sein, macht jemanden noch nicht zu einem Christen. Eine Maus in einer Keksdose ist auch kein Keks.

    Ist das den Opfern dieser Kriege nicht ziemlich egal, was die Verursacher in ihren Programmen stehen hatten??

    Ich kenne Lecky nicht, er scheint allerdings schon etwas länger tot zu sein und war ein Historiker. Historiker gibt es viele – mit sehr vielen, verschiedenen Meinungen und daher finde ich seine Aussage als Beleg für eine solch steile Behauptung als eine sehr dünne Basis. Und selbst er spricht von der christlichen Kirche, von Menschen also und nicht vom christlichen Glauben.

    Und mit den humanitären – also positiven – Wirkungen des Christentums, die es Deiner Meinung nach nur selten gibt und gab: Da solltest Du nochmal in Dich gehen, bevor Du an dieser Bemerkung festhältst. Du scheinst mir ein sehr belesener und wissender Mensch zu sein, da sollte es kein Problem für Dich sein, etwas zu finden.

    Ich will mich aber eigentlich nicht mit Dir streiten. Mir geht es darum, auszusagen, dass trotz aller negativen und schrecklichen Erfahrungen der christliche Glaube nicht gegen Juden ist. Dass das Christentum Schwächen und auch erhebliche hat, darüber brauchen wir nicht diskutieren. Die hat jede Religion, weil Menschen daran beteiligt sind.

  7. Lieber Jim,
    ich weiß nicht, was für ein Problem mit Christen Du hast. Da Du kein Jude bist, scheint es anders – als hier geschildert –  gelagert zu sein. Welche schlechten Erfahrungen Du auch gemacht hast: Hör noch mal richtig hin.
    Denn auf jeden Fall hast Du ein Problem mit dem (selektiven) Zuhören. Du pickst Du Dir nur das raus, was Du hören willst.  🙁

  8. Markus schrieb:
    Kriege und Vernichtung – und zwar mit die Schlimmsten – gab es auch ohne Religion (Mao, Stalin, Hitler,
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    Da unterliegst meiner  Meinung nach einen gewaltigen Fehler. Gewiss hat es immer auch nicht religiöse Kriege gegeben. Der Unterschied ist der, dass das Christentumum ein Religion der Nächstenliebe sein will. Bei Stalin, Hitler usw. stand davon nichts im Parteiprogramm.
    übrigens, Hitler war bis zu seinem Tod Mitglied der  katholischen Kirche und zahlte auch brav seine Kirchensteuer.
    Alles in allem bestätigt die Kirchengeschichte den Historiker William Lecky:  „Es ist keine Übertreibung, zu sagen, daß die christliche Kirche dem Menschen grösseres Maß unverdienten Leides zugefügt hat als irgend eine andere Religion.“
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    Markus schrieb:
    Die Überzeugung, an die Wahrheit zu glauben, führt nicht zwangsläufig zum Krieg. Nicht die Religion – oder der Glaube – bringt den Menschen zum Krieg, sondern der Mensch missbraucht die Religion – die Bibel -, um seine (gottlosen) Absichten durchzusetzen. (1.Mose 8,21: … denn das Dichten und Trachten des menschlichen Herzens ist böse von Jugend auf)
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    Zwar gibt es kaum etwas , mit dem nicht Missbrauch getrieben werden kann, es ist deshalb problematisch nur etwas wegen Missbrauchs zu verdammen. Die Frage die sich aber stellt, warum die angeblich so menschenfreundlichen  Religionen des Christentums  zwar sehr häufig Missbräuche hervorbringen aber nur selten die versprochenen humanitären Wirkungen?  Ob diese Entgleisungen nicht vielleicht doch dogmatisch angelegt sind?
    Josef Hirnschall

  9. hallo lieber hirnschall,

    Sie haben geschrieben: „Das ist genau der Grund warum ich allen Religionen skeptisch gegenüberstehe. Wer glaubt im Besitz der absoluten Wahrheit zu sein kann niemals andere Religionen als gleichberechtigt anerkennen, die gesamte Kirchengeschichte gibt davon Zeugnis.“

    Ich bringen Ihnen die Sache mit den noachidischen Geboten und sie kommen mit Extremismus, dem, was Sie für jüdischen Fundamentalismus halten.

    Man fragt sich.

    Also wiederhole ich mich: Sie brauchen der jüdischen Religion nicht skeptisch gegenüber zu stehen. Gerade diese Religion ist doch in keiner Weise rechthaberisch oder expansionistisch und strebt auch nicht nach der Weltherrschaft. Man will überhaupt nix von irgend jemanden, auch nicht von Ihnen, im Gegenteil.

  10. hallo, lieber Markus,

    frag mich grade, warum mich Deine Reaktion so gar nicht überrascht? Vielleicht weil man es schon gewohnt ist? 😉

    Der Traum, der von Liebe getragene Herzenswunsch all zu vieler Christen, die Juden mögen doch so sein wie sie und an Jesus glauben, zeugt in der Tat von Liebe, allerdings egoistischer, verschlingender und somit tödlicher Liebe abseits jeglicher Empathie und hat somit, warum hab ich schon erklärt, eliminatorischen Charakter.

    Ginge Euer Wunsch je in Erfüllung, christliche Eschatologie hin oder her, gäbs keine Juden mehr, so einfach ist das.

    Kein Wunder also, dass Juden, ich selbst bin übrigens keiner, von Eurer einnehmenden, fordernden und repressiven Liebe, ums mal vornehm zu umschreiben, nicht allzuviel wissen wollen.

    Warum eigentlich, könnt Ihr davon nicht lassen?

  11. Cora schreibt:

    Wenn aus Ideen Ideologien werden, geht jegliche Toleranz baden. Das betrifft nicht nur Religionen

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    Ja, alles was gegen die Religionen vorgebracht werden kann, kann man auch gegen nicht religiöse Ideologien vorbringen. So war es auch nur logisch, dass für Bertrand Russell die kommunistische Religion große Ählichlichkeit mit der katholischen Religion hat. (Bertrand Russell,  „Warum ich kein Christ bin“)
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    Jim schreibt:
    es gibt allerdings eine Religion, nämlich das Judentum, dem Du nicht unbedingt skeptisch gegenüber stehen musst. Dort ist man nämlich insofern tolerant, als dass man auf Mission und Bekehrung überhaupt keinen Wert legt. Da genügt es für alle wie auch immer Andersgläubigen, sich an die sieben noachidischen Gebote zu halten, um, ebenbürtig, seinen “Platz im Paradies” zu bekommen.
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    das halte ich für falsch! Gerade die jüdischen Fundamentalisten, owohl nur eine kleine Gruppe,  arbeiten sehr effizienz: “ Der Staat hat sich von ihnen losgesagt und damit den Anspruch auf die Errichtung des Thrones auf Erden verspielt. Nun, dann werden sie sich jetzt eben von diesem Staat verabschieden.“
    Auf diese Ideologie berief sich auch Ygal Amir, der Mörder Rabins.
    Durch den Rückzug aus dem Gazastreifen  ist zum ersten mal der jüdische Fundamentalismus an seine Grenzen gestoßen . Warum? Weil der jüdische Fundamentalismus nicht exportiert werden kann. Als Religion, die keinen universalistischen Anspruch hat, behalten die Juden ihre Fundamentalisten bei sich. Wer glaubt, dass die jüdischen Fundamentalisten am Ende sind könnte sich täuschen. Aber er hat keine Zukunft. Es ist der Staat der es ihm ermöglicht hat aufzublühen, doch es ist auch der Staat der vermutlich sein Totengräber sein wird.
    Josef Hirnschall

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  12. Hallo zusammen,

    ich war ein paar Tage im Urlaub, daher meine Pause.

    Allen Kommentatoren hier scheint gemeinsam zu sein, dass Ihr es schrecklich findet, dass ich mir als Christ wünsche, auch Juden würden an Jesus glauben.
    Ich glaube, dabei habe ich bei einigen ein paar Reflexe ausgelöst, denn es werden mir Dinge unterstellt, die nicht wahr sind und ich habe keine Lust, für die Fehler anderer Menschen auf der Anklagebank zu sitzen.
    Ich habe einige positive Dinge geschrieben, die aber hier teilweise nur mit Spott und Hohn quittiert wurden. Das muss ich zur Kenntnis nehmen, man kann nicht erwarten, dass alles so ankommt, wie es gemeint war. Ich kenne Euren persönlichen Erfahrungshintergrund nicht, aber er muss schlimm sein, wenn auf Gutes so viel Zynismus und Unterstellungen folgen. Schade.

    Daher noch mal für alle zum Mitlesen: Ich würde und werde nicht versuchen, einen Juden im persönlichen Kontakt zu meinem Glauben zu bekehren. Ich respektiere jeden von Euch als Juden und ebenso Euren Glauben. Punkt.
    Dass ich mir etwas anderes <strong>wünsche</strong>, ist mein gutes Recht und hat überhaupt keine Folgen für Euch.

    Ich glaube nicht, im Besitz der absoluten Wahrheit zu sein, sondern ich suche täglich nach der Wahrheit und ich finde es sehr interessant, mit Euch hier zu diskutieren – auch wenn manche Reflexe und das Geradebiegen der Folgen anstrengend sind – denn ich habe einiges gelernt. Deshalb bin ich auch hier. Und Ihr?
    Wollt Ihr auch etwas lernen und nur an Eurer Weltsicht festhalten, dass Christen böse Judenhasser sind? Geht das mal in Euren Kopf rein, dass es – und nicht nur 1-2 – auch Christen gibt, die anders denken und die Shoa und deren Geschichte schrecklich und das Verhalten der deutschen Christen zutiefst beschämend finden?

    @Mirjam
    Unsere verschiedenen Glaubensrichtungen brauchen uns nicht zu einen – aber wir können uns gegenseitig respektieren und zusammenarbeiten.
    Ich kann durchaus zugeben, dass der Glaube an Jesus uns unterscheidet. Ob er uns trennt – im Sinne einer Feindschaft – kann doch jeder selber entscheiden.
    Ich lebe meinen Glauben, Du Deinen.

    @Jim
    Was Du über die Identitätsaufgabe schreibst, ist schon eine bösartige Verdrehung, damit unterstellst Du mir Antisemitismus. Das ist Grütze.
    Jeder Mensch hat die Freiheit, seine eigene Entscheidung zu treffen. Auch im Glauben. Wenn ein Jude aus einer freien Entscheidung heraus ein Christ werden möchte – wieso verschwindet dann seine Identität??? Wäre es im umgekehrten Falle auch so?
    Ich glaube, Du gehst von aggressiven und hinterlistigen Bekehrungsgräueltaten der Christen an Juden aus, die es ohne Zweifel gegeben hat.
    ABER: Ich und viele andere Christen wollen das nicht und lehnen das total ab. Verstehst Du das???

    Diese Art der Diskussion ist ermüdend. Ich schreibe etwas, Du verdrehst es und machst daraus eine Unterstellung, die ich dann wieder gerade rücken muss. Das und Dein leicht arrogantes Gehabe („unser Markus“) sind traurig.
    Ich stehe hier nicht stellvertretend für alle Christen und deren Fehler.

    @Josef
    Ein interessanter Aspekt, den Du anführst: Die Deutschen und auch die deutschen Christen haben sich beim AS leider besonders hervorgetan. Christen in anderen europäischen Ländern haben sich anders verhalten. Ich habe da meine persönliche These, warum das gerade in Deutschland so schrecklich schief gegangen ist, aber das führt hier zu weit in innerchristliche Konflikte.

    Zum Thema Bibelauslegung: Da stimme ich Dir zu, jeder kann die Bibel auslegen, wie er will. Und auch Theologen haben das leider nach ihrem Gutdünken oder dem ihrer Dienstherren getan.
    Daher ist auch so wichtig – wie bei anderen Büchern + Schriften auch -, die Bibel richtig auszulegen. Es geht um den Kontext – den historischen, literarischen, theologischen und innerbiblischen – und um das Gesamtbild, das die Bibel liefert.
    Daher habe ich von einer fehlenden Theologie für den Antisemitismus geschrieben, muss das aber korrigieren: Theologien gibt es wie Sand am Meer, auch antisemitische.
    Aber m.E. gibt die Bibel – wenn man Gott als Urheber der Bibel kennt und die Bibel richtig liest – keinen Untergrund für irgendeinen Judenhass.

    Kriege und Vernichtung – und zwar mit die Schlimmsten – gab es auch ohne Religion (Mao, Stalin, Hitler, …).
    Die Überzeugung, an die Wahrheit zu glauben, führt nicht zwangsläufig zum Krieg. Nicht die Religion – oder der Glaube – bringt den Menschen zum Krieg, sondern der Mensch missbraucht die Religion – die Bibel -, um seine (gottlosen) Absichten durchzusetzen. (1.Mose 8,21: … denn das Dichten und Trachten des menschlichen Herzens ist böse von Jugend auf)

    Beispiel Nordirland-Konflikt: Da heißt es immer, es kämpfen Katholiken gegen Protestanten. Das hat aber mit dem christlichen Glauben rein gar nichts zu tun. Hier geht es um die ethnische Herkunft (Nordiren katholisch, Engländer protestantisch).

  13. Mirjam,

    ich glaube, unser Markus hat mittlerweile, was sein von Liebe zu den Juden getragener Wunsch, diese sollten doch auch an Jesus glauben in Wahrheit und vor allem für das Volk der Juden bedeutet, verstanden.

    hallo hinschall,

    es gibt allerdings eine Religion, nämlich das Judentum, dem Du nicht unbedingt skeptisch gegenüber stehen musst. Dort ist man nämlich insofern tolerant, als dass man auf Mission und Bekehrung überhaupt keinen Wert legt. Da genügt es für alle wie auch immer Andersgläubigen, sich an die sieben noachidischen Gebote zu halten, um, ebenbürtig, seinen „Platz im Paradies“ zu bekommen.

  14. david@hagalil.com> schrieb am Sonntag, 31. Mai 2009 um 19:59 +0100:

    Hallo Jim, ja, genau, Du hast mit Deinem Kommentar den Nagel auf den Kopf getroffen! Es gibt viele – fundamentale, evangelikale – Christen, die so überzeugt von ihrer Religion, ihrem Glauben als dem einzig wahren und richtigen sind, dass sie sich „wünschen“, dass selbst Angehörige anderer Religionen sich zu Jesus, dem Chrsitus, dem Messias bekehren; insbesondere wünschen sie sich das von ihren jüdischen „Glaubensbrüdern“!
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    Das ist genau der Grund warum ich allen Religionen skeptisch gegenüberstehe. Wer glaubt im Besitz der absoluten Wahrheit zu sein kann niemals andere Religionen als gleichberechtigt anerkennen, die gesamte Kirchengeschichte gibt davon Zeugnis. Tolerant waren Religionen nur dann, wenn sie sich in der Minderheit befanden. Vertreter der Intoleranz wie Augustinus konnten sich durchaus auch auf die Bibel berufen. Jedem Fanatismus liegt das Prinzip zugrunde, dass die Wahrheit durchgesetzt werden dürfe – wenn nötig mit Gewalt. Bereits die frühchristlichen  Kirchen standen in ihrer Verfolgungssucht einander nur wenig nach. Wir wissen, dasß Religionskriege bis zum heutigen Tag Millonen Opfer gefordert haben und  noch immer fordern. Sollte das nicht zum Nachdenken anregen!
    Josef Hirnschall

  15. Wer kann die Shoa verstehen?! Ich zumindest nicht! Ich kann nur zur Kenntnis nehmen, dass es offenbar möglich war, dass ein ganzes Volk und die halbe Welt zugeschaut haben und untätig geblieben sind, bzw. keinen nennenswerten Widerstand geleistet haben, als Hitler und seine Gefolgsleute vor aller Augen Menschen – Juden, Homosexuelle, Sinti und Roma, Behinderte, Regimekritiker und -Gegner – diskriminiert, in Vernichtungslager verschleppt und systemathisch umgebracht hat – und dabei seine, dem zugrunde liegende „Ideologie“ lautstark und öffentlich verkünden konnte, ohne dass ihm jemand Einhalt geboten hat.  Selbst die Kirchen haben dazu weitgehend geschwiegen! Wie kann man das verstehen?! Das ist für mich nach wie vor unfassbar, ein Trauma, von dem sich das Jüdische und das deutsche Volk bis heute nicht erholt haben!  Dass der deutsche Papst Bendedikt dazu keine klare Stellung bezieht und mit lahmen Worten, das zu ummanteln sucht, zeigt, wie dieser Ungeist noch bis heute nachwirkt. Obwohl selbst ein Zeitzeuge und angeblich in der Nachfolge Jesu und sogar ein „Stellvertreter G-ttes“ auf Erden, schafft er es nicht, den Holocaust als das anzuprangern, war er war: eine unsagbare Schande, ein gigantisches Verbrechen, das größte Unheil in der Geschichte des Abendlandes…..Mirjam

  16. Was wissen wir schon davon, was G-tt will und wie Er zu verstehen ist?

    hallo Mirjam,

    nun, Christen glauben dieses und daran gibt es auch, an sich, nichts auszusetzen, es geht hier um ein sogenanntes Dogma, um einen Glaubensgrundsatz um den sich beim Christentum im Grunde alles dreht.

    Jesus selbst aber war gläubiger Jude, ein Rabbi sozusagen, und all das was er gepredigt hat war im Prinzip Talmud, also Judentum in Reinkultur. Auch seine Art zum „Vater“ zu beten war eigentlich nichts anderes als ur-jüdisch.

    Dass das Christentum daraus ableitet, er wäre der leibliche Sohn Gottes ist eine andere Geschichte, auch die besondere Form der Erlösungsidee. Aber dagegen gibt es eigentlich nichts einzuwenden, warum auch?

    Nur Eines, für Juden ist er das nicht. Er ist auch nicht der Messias der Juden, kann er gar nicht sein, da er, ganz einfach, die dafür erforderlichen Voraussetzungen nicht erfüllt.

    Und genau  darauf bezieht sich das durch Schalom Ben-Chorin Postulierte. Ben-Chorin, der die christliche Eschatologie, ganz gleich wie zB Rabbi Rosen, vollkommen verstanden,  akzepiert und immer den Dialog gesucht hat.

    Was aber viele Christen, nach wie vor, leider immer wieder übersehen ist, dass sie sich, wenn sie in all ihrer allumfassenden Liebe zu den Juden, sich nicht nur in superiorer Weise über diese und deren Glauben hinwegsetzen, sondern darüber hinaus auch den Holocaust und dessen Auswrikungen auf dieses Volk ganz einfach nicht begriffen haben, offensichtlich auch nicht begreifen wollen oder können, wenn sie sich so sehr wünschen, dass diese auch an Jesus glauben sollten.

    Im Übrigen ist genau das, die Shoa nicht und nicht zu verstehen, im Kern auch der Hauptkritikpunkt an Benedikts „Pilgerreise“ nach Jerusalem.

  17. Author: Markus schreibt:
    Natürlich – und ich betone es explizit – gibt es leider unter Christen Antisemitismus. Mea culpa. Und es gibt auch „Christen“, die diese Ersatztheologie vertreten, dass die Juden als auserwähltes Volk durch die Christen abgelöst wurden. Das widerspricht beides aber der Bibel – siehe Römer 12. Wer also so denkt, denkt theologisch nicht richtig.
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    Ich erlaube mir, wenn ich an die Kirchengeschichte denke,  dass ich deinen Angaben skeptisch gegenüberstehe, denn nicht nur die Bibel auch der Koran kann fast beliebig interpretiert werden. auch die führenden Theologen der dreissiger Jahre wiesen nach, dass Nationalsozialismus und katholische Kirche absolut vereinbar sind. auch der Antisemitismus unterliegt dem Zeitgeist. 1500 Jahre Antisemitismus der Kirchen verschwindet nicht über Nacht, wobei das Dilemma bei den Katholiken noch wesentlich grösser ist als bei den Protestanten. die bedeutendsten Heiligen und Kirchenlehrer  wie Augustinus und Thomas von Aquin waren auch rabiate Antisemiten. Müsste sich  die katholische Kirche von ihren antisemitischen Heiligen distanzieren würden nicht mehr viele übrig bleiben.
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    Author: Markus schreibt:
    Natürlich haben auch – leider sehr einflussreiche und leitende – Le ute eine „Theologie“ aufgebaut, um ihren Antisemitismus zu rechtfertigen. Die ist aber falsch.
    Und genauso, wie es falsch war und ist, die Juden für die Kreuzigung von Jesus in Sippenhaft zu nehmen, ist es auch falsch, die Christen für das Fehlverhalten anderer Christen in Sippenhaft zu nehmen. Über das Fehlverhalten einzelner kann und soll man sich unterhalten.
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    es geht nicht um das Fehlverhalten einzelner.  Wie bereits gesagt, waren viele der  berühmtesten Theologen und Kirchenlehrer Antisemiten.  Manche meinen sogar, dass der Antisemitismus christliche Pfahlwurzeln hat.  Das hält allerdings einer genauen Prüfung nicht stand, da Deutschland und Österreich nicht die einzigen  christlichen  Länder in Europa sind. Selbst das faschistische Italien hat nicht auch nur annähernd so antisemitisch reagiert wie die Deutschen. Als in Dänemark die deutschen Besatzer daran gingen die Juden zu deportieren,  zeigten die protestantischen Dänen erstaunlichen Mut. Weil den jüdischen Bürgern vorgeschrieben wurde,  den stern zu tragen,  hefteten sich eine große Anzahl von Christen ebenfalls den Stern an – einschließlich des Königs – und schützten so die Juden mit Erfolg. es gibt sogar christliche Länder wo es überhaupt keine  Judenprogrome gegeben hat (Schottland und Skandinvien).
    Es muss also Gründe geben warum der Antisemitismus in Deutschland auf besonders fruchtbaren Boden stieß.
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    Author: Markus schreibt:
    :Du schreibst von antisemitischen Kommentaren des NT. Hast Du Beispiele dafür?
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    darüber wurden bereits Bücher verfasst. Besonders sachkundig über Antisemitismus im NT schrieb der ehemalige Inhaber des Lehrstuhls für Neues Testament an der evangelisch -Theologischen Fakultät der Universität Göttingen.
    Gerd Lüdemann: „Das Unheilige in der Heiligen Schrift. Die dunkle Seite der Bibel.“
    Josef Hirnschall

  18. Hallo Jim, ja, genau, Du hast mit Deinem Kommentar den Nagel auf den Kopf getroffen! Es gibt viele – fundamentale, evangelikale – Christen, die so überzeugt von ihrer Religion, ihrem Glauben als dem einzig wahren und richtigen sind, dass sie sich „wünschen“, dass selbst Angehörige anderer Religionen sich zu Jesus, dem Chrsitus, dem Messias bekehren; insbesondere wünschen sie sich das von ihren jüdischen „Glaubensbrüdern“! Ob Juden damit ihre „Identität“ aufgeben, ist dabei eine interessante Frage? Die „Messianischen Juden“, die an Jesus glauben und daneben ihr Judentum pflegen, indem sie z.B. weiterhin alle jüdischen Feste feiern und Torahlesungen abhalten, wären ein Gegenbeispiel?! Und umgekehrt müssen Juden Christen ja nicht bekehren, da diese bereits an den selben G-tt und auch an die Heilige Schrift im Alten Testament glauben…Natürlich haben sie die alttestamentlichen jüdischen Feste durch die neutestamentlichen christlichen Feste ersetzt, in denen Jesus gefeiert wird. Es ist also der Glaube an Jesus, der die Gläubigen der großen Weltreligionen trennt! Auch wenn Markus das nicht zugeben kann….Mirjam

  19. Schau mal, Markus, Du hast geschrieben:

    Natürlich – was wäre ich sonst für ein Christ – wünsche ich mir, dass auch Juden an Jesus glauben, aber meine Liebe ist unabhängig davon.

    Nun,  was bedeutet es nun, wenn sich Christen über alles wünschen (was wäre ich sonst für ein Christ), dass Juden an Jesus glauben?

    Nicht anderes, als dass diese ihre Idendität aufgeben, aufhören, Juden zu sein, aufhören, als Juden zu existieren, letztlich – zu verschwinden.

    Das ist der zentrale Punkt, bei den Ganzen und, interessant – umgekehrt gibt es das nicht.

    Denk doch  mal drüber nach,  konsequent, okay?

  20. Doch, ich bin der Auffassung, dass der Glaube an Jesus die Religionen trennt! Zum einen, weil Nicht-Christen die Vorstellung stört, dass Jesus der Sohn Gottes sein und dass G-tt einen Sohn mit einer Frau gezeugt haben soll.  Zum anderen ist für Nicht-Christen, sowie auch für viele Christen die Vorstellung grässlich, dass G-tt den Kreuzestod für seinen Sohn Jesus wollte, dass dieser Tod ihm vorbestimmt und unumgänglich war und dass der arme Mensch Jesus sein Blut vergießen musste, um uns sündhafte Menschen von unseren Sünden rein zu waschen, einfach nur schrecklich! Was für ein G-ttesbild verbirgt sich dahinter? Ein grausamer, strafender G-tt, der nicht davor zurück schreckt, seinen eigenen Sohn zu opfern und den schlimmsten Todesqualen auszuliefern, um die Menschen seiner Schöpfung von ihren Sünden zu befreien! Nein, dieses G-ttes- und auch Menschenbild ist zu negativ, als dass es die Gläubigen der verschiedenen Relgionen einen könnte, sorry! Es gibt ja auch die grässliche Vorstellung, dass G-tt sein Volk durch die Shoah bestraft hat, weil sie das verheißene Land verlassen haben. Da kommt wieder die Vorstellung vom „leidenden G-ttesknecht“ , dem Opferlamm und dem Sündenbock mit ins Spiel. In meinen Augen alles Menschenwerk, um Menschen furchtsam und abhängig zu machen und zu halten! Religion und Glauben muss m.E. nach befreien, glücklich machen und helfen, ein gutes Leben zu führen und zu einem besseren Menschen zu werden. Jedoch nicht, in dem man den Gläubigen Angst einjagt mit grauenvollen Vorstellungen…Was wissen wir schon davon, was G-tt will und wie Er zu verstehen ist? Dass der Mensch Jesus so grauenvoll leiden und sterben musste, tut mir in der Seele weh! Und ich kann nicht glauben, dass G-tt das gewollt hat und Jesus das für mich erdulden musste! Mirjam

  21. Ich glaube nicht, dass der Glaube an Jesus uns trennen muss. Er unterscheidet uns, aber wir haben auch vieles gemeinsam. Was uns trennt, sind wohl eher die leidvollen Erfahrungen der Geschichte.
    Und genau, Jim: Wir glauben an den gleichen Gott! Und deshalb lasst uns (damit meine ich uns Kommentatoren hier) gemeinsam für das kämpfen, was uns verbindet, statt das zu betrachten, was uns trennt.

    Noch einen Gedanken zum Vorwurf, dass die Juden Christusmörder seien: Wer das neue Testament versteht und begreift, was Gott dort getan hat – Er hat seinen einzigen Sohn geschickt und sterben lassen, damit wir wieder einen Zugang zu Gott haben -, der versteht auch, dass es nicht die Juden oder die Römer waren, die <strong>Schuld</strong> tragen am Tode Jesu, sondern dass Jesus sich freiwillig für diesen Weg entschieden hat. Es entsprach dem Plan seines Vaters im Himmel.
    Insofern ist der Vorwurf, Juden seien Christusmörder zwar leider immer noch real, aber biblisch völlig haltlos.
    1. haben nicht die Juden, sondern die Römer Jesus getötet.
    2. Was wäre denn passiert, wenn Jesus nicht gestorben und wieder auferstanden wäre? Dann hätte das ganze Christentum seinen Sinn verloren:
    1.Kor. 15, 14: Wäre aber Christus nicht [gestorben und] auferstanden, so hätte unsere ganze Predigt keinen Sinn, und euer Glaube hätte keine Grundlage.

  22. Natürlich – was wäre ich sonst für ein Christ – wünsche ich mir, dass auch Juden an Jesus glauben, aber meine Liebe ist unabhängig davon.

    Dazu vielleicht Schalom Ben-Chorin, einfach nur so,  zum Nachdenken: „Der Glaube Jesu einigt uns…, aber der Glaube an Jesus trennt uns.“

  23. Shalom, Mirjam, – heiße übrigens Markus 🙂 – den wikipedia-Artikel habe ich gelesen, das war sehr interessant.

    „Wieweit diese Aussagen im Kontext ihrer historischen Entstehungssituation als prinzipielle Judenfeindlichkeit und Ablehnung des Judentums gemeint waren, ist in der Exegese umstritten.“

    Hier finde ich die klare Aussage, dass nicht klar ist, dass es einen neutestamentlichen Antijudaismus gibt:

    „Man darf nicht den Evangelien die verengte antijüdische Lektüre vorwerfen, der man sie unterzieht. Die Ankläger der Evangelien halten es für zweifelsfrei, daß die traditionelle Lesart die richtige und einzig mögliche ist. Ihr negativer Konservativismus wäscht die Christen völlig von ihrem eigenen Antisemitismus rein, der wohlgemerkt höchst real ist.“

    Ich denke, was im NT gegen die Juden gerichtet ist – und diese Stellen gibt es – ist aus dem historischen Kontext zu verstehen. Oder würdest Du Jeremia, Jesaja oder Hesekiel als Antisemiten bezeichnen? Die haben heftig über und gegen Israel prophezeit.

    Der historische Kontext ist die Ablehnung Jesu und den entstehenden christlichen Gemeinden durch die damals lebenden Juden.
    Wer daraus einen generellen Antisemitismus herausliest oder interpretiert, liegt falsch und versteht die Bibel nicht:
    „Die biblisch-christliche Offenbarung hätte nicht den Wert, den man ihr anerkennt, wäre sie gegen eine bestimmte Gruppe von Menschen gerichtet gewesen.“
    Joh. 4,22: „… denn das Heil kommt von den Juden.“

    Ich bin seit vielen Jahren aktiver Christ und habe noch nie eine antijüdische Predigt oder Lehre gehört (die es gibt).
    Auch die Rolle der Juden während der Kreuzigung oder bei der Verfolgung der ersten christlichen Gemeinden hat noch nie weder bei mir noch bei allen Leuten, die ich kenne, zu irgendwelchen antijüdischen Äußerungen oder Denkweisen geführt.
    Das Wirken der damaligen und der heutigen Juden wird klar differenziert.

    „… das Christentum und das NT per se antijüdische Tendenzen aufweisen …“
    Dem widerspreche ich heftig. Das stimmt nicht. Die im NT beschriebenen Konflikte entstanden aus der damaligen Situation.

    Die Ersatztheologie lehne ich und viele andere Christen komplett ab. Gott hat sein Volk des öfteren bestraft, aber ich glaube, dass ER es niemals aufgegeben hat / aufgeben wird.

    „… die Israel und die Juden angeblich so lieben, jedoch in der Hoffnung, dass sie sich eines Tages endlich zu Jesus bekehren werden!“

    Auch dem widerspreche ich. Es mag solche Leute geben, aber ich kenne – mich eingeschlossen – viele, die Israel und die Juden lieben und nicht deshalb, weil sie sich irgendwann deren Bekehrung erhoffen.
    Natürlich – was wäre ich sonst für ein Christ – wünsche ich mir, dass auch Juden an Jesus glauben, aber meine Liebe ist unabhängig davon.

    Und dass die Juden Segen und Heil auch ohne ihr Bekenntnis zu Jesus empfangen, sieht man doch allein an der 61-jährigen, neuzeitlichen Geschichte des Staates Israels.

    Die (Leidens-)Geschichte der Juden und Christen ist eine lange – zu lang für einen solchen post. Mein Wunsch ist, dass Du und andere sehen, dass es nicht nur Christen gibt, die so denken, wie Du es beschrieben hast, sondern auch viele andere.

  24. Shalom josef, lies mal unter Wikipedia den langen und ausführlichen Beitrag zum Thema „Anitjudaismus im Neuen Testament“; der ist aufschlussreich und gibt zudem Hintergrunderklärungen. Wenn ich hier alle antisemitischen oder antijüdischen Texte im NT aufzählen würde, würde das den Rahmen sprengen, sorry! Außerdem ist natürlich allseits hinlänglich bekannt, dass das Christentum und das NT per se antijüdische Tendenzen aufweisen, weil sie sich eben als Weiterentwicklung oder zumindest als Reformierung des Judentums und des AT verstehen und auf einer „höheren“ Stufe stehen, sowie auch der Alte Bund durch den Neuen abgelöst worden ist. Erst wenn die Juden sich zu Jesus, dem Christus und von G-tt gesandten Messias bekennen, wird diese „alte Feindschaft“ überwunden sein und Frieden im Heiligen Land einkehren. Das ist jedenfalls eine gängige christliche Überzeugung, übrigens auch bei den Evangelikalen oder „Messianischen Juden“, die Israel und die Juden angeblich so lieben, jedoch in der Hoffnung, dass sie sich eines Tages endlich zu Jesus bekehren werden! Denn erst dann erwächst auch ihnen Heil und G-ttes Segen! Mirjam

  25. @Josef:
    Bei allem Verständnis für die Situation der Juden – und ich betreibe selber einen Blog, wo ich darüber schreibe -, aber das geht für mich zu weit.
    Das „ganze Volk“ ist die Menge der Leute, die da versammelt sind. Der Jude Matthäus hat nur darüber berichtet, daher ist er kein Mörder.
    Ob der Vers erfunden ist oder nicht – wer weiß das 100%-ig. Im alten Testament stehen auch viele Dinge, die für das jüdische Volk nicht schmeichelhaft sind und es ist kein AS, sondern Geschichtsschreibung.
    Wer diesen Satz als Rechtfertigung für irgendein Tun gegen Juden versteht, hat Jesus und die Bibel nicht verstanden. In der Bibel wird über Judenhass berichtet. Aber sie selber verbreitet keinen Hass gegen Juden. Auch im NT wird die Liebe Gottes zu seinem Volk deutlich sichtbar.
    Ich verstehe, dass Du gegenüber Christen verbittert – so scheint es – bist. Aber bleib bitte auf dem Teppich.

  26. @Mirjam: Du schreibst von antisemitischen Kommentaren des NT. Hast Du Beispiele dafür?
    auch ich kann ein Beispiel bringen:
    Matthäusevangelium (Mt 27,25)  der die Juden, das „ganze Volk“ rufen lässt:
    Sein Blut komme über uns und unsere Kinder!“
    Ein schrecklich erfundener und folgenschwerer Vers. Es ist schlimmer Hass auf die Juden, der diesen Satz geschrieben hat. es ist einer jener Sätze, die schuldig sind am Mord von Millionen Menschen und beweist somit, auch ein Evangelist kann zum Judenmörder werden.

  27. Natürlich – und ich betone es explizit – gibt es leider unter Christen Antisemitismus. Mea culpa. Und es gibt auch „Christen“, die diese Ersatztheologie vertreten, dass die Juden als auserwähltes Volk durch die Christen abgelöst wurden. Das widerspricht beides aber der Bibel – siehe Römer 12. Wer also so denkt, denkt theologisch nicht richtig. Natürlich haben auch – leider sehr einflussreiche und leitende – Leute eine „Theologie“ aufgebaut, um ihren Antisemitismus zu rechtfertigen. Die ist aber falsch.
    Und genauso, wie es falsch war und ist, die Juden für die Kreuzigung von Jesus in Sippenhaft zu nehmen, ist es auch falsch, die Christen für das Fehlverhalten anderer Christen in Sippenhaft zu nehmen. Über das Fehlverhalten einzelner kann und soll man sich unterhalten.

    Luther hat viel Gutes vollbracht, ist aber leider zum Schluss seines Lebens – was seine Einstellung und Lehre zu den Juden betrifft – völlig abgedriftet. Leider korrekt.

    @Josef: Ich will hier nichts verharmlosen. Dass Kirchenführer und Politiker den bestehenden Antisemitismus geschürt und benutzt haben, sich dafür eine falsche Theologie aufgebaut haben, ist das eine.Ich habe aber über die Kirchen der Gegenwart geschrieben und da gibt es inzwischen viele Gemeinden, die Israel und die Juden lieben und stark unterstützen. Deshalb sage ich: Es gibt für mich keine theologischen Gründe, die Juden in irgendeiner Weise abzulehnen, sondern im Gegenteil: wir sind Kinder des gleichen Vaters.

    Und ob Juden oder Christen in den Himmel kommen oder nicht, ist niemandes Entscheidung allein als die unseres souveränen Gottes. Wir als Christen glauben, dass der Weg über Jesus geht. Das kann man teilen oder nicht. Die Entscheidung muss jeder selber fällen.
    Unser Gott hat uns nicht  gesagt, dass wir uns – menschlich erdachte – Theologien um die Ohren hauen sollen, sondern uns das Gebot der Liebe gegeben. Viele haben dieses Gebot verletzt. Aber wir können uns zu einem anderen Verhalten entscheiden, oder?

    @Mirjam: Du schreibst von antisemitischen Kommentaren des NT. Hast Du Beispiele dafür?

  28. Leider hat der traditionell christliche – übrigens noch immer existierende – Antisemitismus, bzw. Antijudaismus theologische Gründe, weil das Christentum sich als Ablösung, bzw. zumindest als Erweiterung, Erneuerung des Judentums versteht und damit religiös auf einer „höheren“ Stufe der Erkenntnis sieht und viele Christen glauben, dass Juden sich zu Jesus, dem Christus, dem Messias, dem Sohn Gottes bekennen müssten, um Frieden in ihrem Land und mit Gott zu bekommen. Natürlich glauben aufgeklärte Christen heutzutage nicht mehr, dass das jüdische Volk per se Schuld an der Ermordung Jesu sei,  sondern wissen, dass die Kreuzigung eine römische Todesstrafe war und deshalb auf das Schuldkonto römischer Machthaber zurück zu führen ist. Aber es glauben noch immer viele Christen,  dass daneben jüdische Schriftgelehrte und Hohepriester eine Mitschuld an der Kreuzigung des Juden Jesus tragen.  Denn davon wird im Neuen Testament berichtet, das viele antisemitische und antijüdische Kommentare aufweist! Und ja, natürlich, haben sich viele große Kirchenführer – Katholiken wie Protestanten – durch eindeutig antisemitische und anitjüdische Schriften und Äußerungen „geoutet“ und sind dadurch zu schlechten Vorbildern für ihre „Schäfchen“ geworden!

  29. Markus schreibt: „Korrekt und das will ich auch nicht kleinreden. Es gab und gibt leider viele Antisemiten auch unter evangelischen Christen. Aber der Auslöser dafür war (meistens) nicht die Theologie, wie es oben beschrieben wird, sondern andere, oft persönliche Gründen“
    und tut es dann doch!
    Richtig ist, dass alle christlichen Kirchen kein Bild der Juden akzeptieren konnte, das diese als unrettbar verloren darstellte. Schliesslich war Jesus ebenso Jude wie viele Gründungsväter der Kirche.
    In allen europäischen Ländern, also auch in protestantischen, wurden zehntausende Juden gejagt gefoltert und getötet. Durch die christlichen Kirchen waren sie „Menschen ohne Menschenrechte“ geworden.  Kein Wunder dass die Christen immer wieder Pogrome gegen sie veranstalteten. Es ist eine Lüge , dass die Protestanten, vor allem Luther auch selbst, mit den Juden glimpflicher umgingen als die katholische Kirche. Luther verbot den Juden sogar das Lesen der heiligen Schrift.  Allen Ernstes  jedenfalls rät Luther, dass man Juden  „alle ihre Bücher nehme….nicht ein Blatt liesse und „ihre Synagoge mit Feuer verbrenne…..“Darum , wo du einen rechten Juden siehst, magst du mit guten gewissen ein Kreuz für dich schlagen und frei und sicher sprechen: da geht der leibhaftige Teufel:“  die Fürsten wurden zu Judenpogromen aufgerufen. Aber in seiner Masslosigkeit des Hasses forderte Luther:  “ dass man ihre Häuser zerstöre…. man soll die dann obdachlosen Juden“ im einem Stall tun wie die Zigeuner.“ (Quelle: Martin Luther: „Von den Juden und ihren Lügen“)
    Martin Luther und auch die Protestanten haben eine ungeheure  Geschichtsschuld auf sich geladen. die Last wirkt auch noch in unsere Zeit hinein. Der Hass gegen die Juden war zwar christologisch motiviert (Schuld am Kreuzestod Christi) und  Hitler hat bewusst an die lutherische Tradition  der Judenverfolgung angeknüpft, das zeigt auch die Tatsache, dass die Reichskristallnacht vom 9./10. November 1938  stattfand. (Luthers Geburtstag).  Hitler hatte deshalb kein Problem Bischof Berning 1936 zu erklären:  „dass er in Bezug auf die Juden nur das tue, was die Kirche seit 1500 Jahren tue.“  Die verlangte Judenermordung Luthers wurde von Hitler 1500 jahre später ausgeführt. Es ist ist deshalb eine ungeheure Verharmlosung zu behaupten, der Auslöser für denAntisemitismus war meistens nicht die Theologie sondern persönliche Gründe.
    Josef Hirnschall
    Luther

  30. @josef:
    Korrekt und das will ich auch nicht kleinreden. Es gab und gibt leider viele Antisemiten auch unter evangelischen Christen. Aber der Auslöser dafür war (meistens) nicht die Theologie, wie es oben beschrieben wird, sondern andere, oft persönliche Gründe.

    Es gibt keine allgemeingültige Theologie in den mir bekannten evangelischen Kirchen, die sagen: „Israel ist nicht mehr das erwählte Volk, das ist jetzt die Kirche.“

  31. Markus kritisiert , dass das Christentum mit dem Katholizismus gleichgesetzt wird. Zwar ist das Christentum wie auch alle anderen monotheistischen Religionen kein monolithischer block, trotzdem ist der Antisemitismus kein ausschliesslich katholischen Phänomen. Luther selbst war auch ein rabiater Antisemit, wie auch die die meisten anderen christlichen Religionführer, ich erinnere nur an sein Spätlingwerk: „Von den Juden und ihren Lügen.“  Selbst im Nürnberger Kriegsverbrecherprozess führten Nazigrössen wie Streicher dieses Buch zu ihrer Verteidigung an.

  32. Lieber Herr Ben-Chaim,
    ich erinnere Sie daran, dass -weiß G’tt!- Römisch-Katholische Kirche und „Christentum“ keine deckungsgleichen Größen sind.
    Die Evangelische Kirche im Rheinland hat 1980 bekannt, dass die Errichtung des Staates Israel ein Zeichen der Treue Gottes gegenüber seinem Volk ist. Die Staatsgründung ist für Christen also Grund der Freude, nicht eine Ohrfeige oder ein schwieriges theologisches Problem.
    Auch wenn es angesichts der medialen Überpräsenz des „Heiligen Vaters“ schwer zu glauben ist: es gibt im Raum der Kirchen Menschen und Gruppen, die im Modus der besonderen Solidarität mit Israel glauben und handeln. Vollkommen frei von irgendwelchen missionarischen Tendenzen freuen sie sich „einfach“ mit und über Israel.
    Es ist ja auch gar nicht anders denkbar – sind „Christen“ als Menschen aus der Völkerwelt via „Jesus“ unlöslich mit dem G’tt Israels und seinem Volk verbunden.
    Lassen Sie sich das von einem ev. Theologen und Pfarrer gesagt sein…

  33. Die Beschuldigung ist insofern völliger Unsinn, als man weiß, dass die übliche Hinrichtungsart bei den Juden das Steinigen war, bei den Römern hingegen das Kreuzigen. Nur passte es der jungen Kirche und Rom nicht ins Konzept diese Schmach des Gottesmords auf sich zu nehmen; also bastelte man sich die Story von den bösen Juden als Christusmördern zurecht. Eine Superstory übrigens, die in meiner Heimat Bayern von unzähligen katholischen Affen noch geglaubt wird.
    Es werde endlich Licht in Katholistan!

  34. „Das Misstrauen in das Christentum liegt in den Wurzeln der christlichen Theologie im Bezug auf das Judentum, die den Juden die Schuld am Tode Jesu zuschreibt und ihnen vorwirft, den christlichen Glauben verschmäht zu haben, weshalb sie zu Exil und Leid verurteilt sind.
    Die Gründung des Staates Israel stellt deshalb ein schweres theologisches Problem für die christliche Doktrin dar. Nicht umsonst veröffentlichte die Organisation der „Zohar“-Rabbiner gestern eine Erklärung, in der sie die Ankunft des Papstes begrüßt, sich jedoch einen Seitenhieb nicht verkneifen kann: „Der Besuch des Papstes im Staat Israel ist eine Ohrfeige für das Christentum.“

    Hier wird das Christentum mit dem Katholizismus gleichgesetzt. Das ist ein unzulässige Einschränkung. Denn es gibt weit mehr als  1 Milliarde evangelische Christen, die zum allergrößen Teil nicht solche theologischen Probleme mit Israel haben.

    Am Stärksten wird Israel wohl von vielen Evangelikalen unterstützt.

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