„Hast Du meine Alpen gesehen?“ Eine jüdische Beziehungsgeschichte …

Eine Ausstellung des Jüdischen Museums Hohenems und des Jüdischen Museums Wien in Kooperation mit dem Österreichischen Alpenverein…

Das Jüdische Museum Hohenems und das Jüdische Museum Wien laden zu einer Neuentdeckung der Geschichte des Alpinismus ein. Gemeinsam mit dem österreichischen Alpenverein und in Kooperation mit dem Kunstmuseum Liechtenstein werden wir 2009 über die jüdische Liebe zu den Alpen nachdenken.

Die Ausstellung „Hast Du meine Alpen gesehen? Eine jüdische Beziehungsgeschichte rückt die Bedeutung jüdischer Bergsteiger und Künstler, Tourismuspioniere und Intellektueller, Forscher und Sammler und ihre Rolle bei der Entdeckung und Erschließung der Alpen als universelles Kultur- und Naturerbe zum ersten Male ins Rampenlicht. Die Wahrnehmung der Berge als Ort geistiger und sinnlicher Erfahrung, sie ist mit der jüdischen Erfahrung und dem Eintritt der Juden in die bürgerliche Gesellschaft Europas auf vielfältige Weise verbunden.

Seit Moses, dem „ersten“ Bergsteiger der Geschichte, haben Juden an der Schwelle von Himmel und Erde, von Natur und Geist nach spirituellen Erfahrungen und den Gesetzen und Grenzen der Vernunft gesucht.

alpenIn sieben Kapiteln wird die Ausstellung von Spannungsfeldern des Alpinismus erzählen:
– von der Bedeutung der Alpen für die jüdische Diaspora bis zur Wahrnehmung des jüdischen Alpinismus durch die österreichische, deutsche und schweizerische Gesellschaft,
– vom Streit über die Trachten bis zur Arisierung des Alpenvereins und des Österreichischen Skiverbandes,
– vom Widerstreit zwischen einer humanistischen Wahrnehmung alpiner Traditionen und Folklore und einer ins Extrem gesteigerten rassistischen Heimattümelei,
– von der Verwandlung der Berge als Ort spiritueller Erfahrung in einen Schauplatz von Verfolgung und Flucht im Nationalsozialismus.

„Die Alpen sind nicht mehr der ‚Spielplatz von Europa’, sondern ein soldatisches Übungsfeld, die grandiose Schaubühne der Natur keine ‚moralische‘, sondern eine militärische Anstalt“, schrieb Josef Braunstein, der Wiener Alpinist und Musiker, 1936, wenige Jahre vor seiner Emigration in die USA. Und er hatte dabei nicht nur die „Schlacht“ um die Eiger-Nordwand vor Augen. Die Ausstellung „Hast Du meine Alpen gesehen?“ Eine jüdische Beziehungsgeschichte eröffnet am 26. April 2009 in Hohenems. Von Dezember 2009 bis März 2010 wird sie im Jüdischen Museum Wien gezeigt und danach im Alpinen Museum in München.

Jüdisches Museum Hohenems: 26. April bis 4. Oktober 2009
Jüdisches Museum Wien: 15. Dezember 2009 – 14. März 2010
Alpines Museum München: April 2010 bis Februar 2011

Weitere Informationen:
http://www.jm-hohenems.at

Begleitprogramm zur Ausstellung in Hohemems:

Donnerstag, 7. Mai 2009, 19.30 Uhr
Film und Diskussion zur Ausstellung „Hast du meine Alpen gesehen?“
Das blaue Licht
Regie: Leni Riefenstahl / Béla Balázs, Deutschland 1932
Einführung durch Hanno Loewy

Mit dem Film „Das blaue Licht“ begann Leni Riefenstahls Karriere als Regisseurin. Mit einem kleinen Team drehte sie die märchenhafte Geschichte eines in der Wildnis der Dolomiten lebenden Mädchens namens Junta, das um das Geheimnis des Berges weiß, von dem in Vollmondnächten ein blaues Licht herleuchtet. Während die Burschen aus dem Dorf regelmäßig beim somnambulen Klettern auf dem Weg zum Licht in den Tod stürzen, löst ein Maler aus der Stadt das Rätsel. Am Ende steht der „Opfertod“ des Mädchens und der letztlich scheiternde Versuch der Entzauberung der Berge. Als der Film 1932 in Deutschland in die Kinos kam und Leni Riefenstahl in Adolf Hitler ihren Führer entdeckte, war der Autor des Drehbuches und Co-Regisseur Béla Balázs schon in Moskau. 1933 löscht Riefenstahl den „Juden Balázs“ aus den Credits, bald danach auch den jüdischen Produzenten Sokal, der den Film ermöglicht hatte.

Veranstaltungsort: Spielboden, Färbergasse 15, 6850 Dornbirn
Kartenreservierung: www.spielboden.at
Eintritt: € 7,-/4,-

Donnerstag, 14. Mai 2009, 19.30 Uhr
Film und Diskussion zur Ausstellung „Hast du meine Alpen gesehen?“
Der alte Mann und die Berge
Regie: Lutz Maurer, Österreich ORF 1995
Lutz Maurer im Gespräch mit Rainer Amstädter

Der Wiener Bergsteiger Joseph Braunstein hat sechzig 4000er in den Alpen bestiegen – aber eigentlich war er Violinist und Musikwissenschaftler. Als Schriftführer der Alpenvereinssektion Donauland, die 1924 wegen ihrer vielen jüdischen Mitglieder aus dem Verband geworfen wurde, schrieb er 1936: „Die Alpen sind nicht mehr der ‚Spielplatz von Europa’, sondern ein soldatisches Übungsfeld, die grandiose Schaubühne der Natur keine ‚moralische‘, sondern eine militärische Anstalt“. 1940 floh er nach New York. Lutz Maurers Porträt zeigt Joseph Braunstein im Alter von 103 Jahren, zu Hause in New York und bei seinem ersten und letzten Besuch in Österreich seit 1952.
Lutz Maurer (Grundlsee) hat in seinen Fernsehfilmen die jüdischen Bergsteiger erstmals einem breiteren Publikum in Erinnerung gerufen und erst kürzlich mit seinem Buch „Hoch und Heilig“ die spirituelle Dimension der Berge in den Weltreligionen dokumentiert. Der Bergsteiger Rainer Amstädter (Wien) gehörte zu den ersten, die im Alpenverein das Tabu über dessen Antisemitismus gebrochen haben. Mit seinem Buch „Der Alpinismus. Kultur. Organisation. Politik“ löste er 1996 eine erbitterte Diskussion über den ideologischen Weg des Alpenvereins in die „Arisierung“ der Jahre 1921-24 und den Nationalsozialismus aus.

Veranstaltungsort: Spielboden, Färbergasse 15, 6850 Dornbirn
Kartenreservierung: www.spielboden.at
Eintritt: € 7,-/4,-

Dienstag, 19. Mai 2009, 19.30 Uhr
Film und Diskussion zur Ausstellung „Hast du meine Alpen gesehen?“
Der weiße Rausch
Regie: Arnold Fanck, Deutschland 1931
Einführung durch Hanno Loewy

„Der weiße Rausch“, der in Österreich unter dem Verleihtitel „Sonne am Arlberg“ in die Kinos kam, feiert in ausgelassener Stimmung (und mit aus heutiger Sicht teils skurriler, teils unfreiwilliger Komik) das Skiparadies auf dem Arlberg. Vor allem aber gelingen Arnold Fanck und seinen Kameraleuten unvergleichliche Aufnahmen in der modernen Ästhetik der experimentellen Fotografie der zwanziger Jahre. Hannes Schneider und Leni Riefenstahl in den Hauptrollen symbolisieren Berg und Stadt in einem Film, dessen Zustandekommen sich, wie das vieler anderer Bergfilme auch, dem Engagement des jüdischen Filmproduzenten Henry Sokal verdankte. Sokal hatte Arnold Fancks Bergfilmproduktion seit Mitte der zwanziger Jahre unter seine Fittiche genommen. Die Filmmusik steuerte Paul Dessau bei, der (wie Sokal auch) wenig später als Jude (und als Kommunist) aus Deutschland flüchten musste. Auch Fancks Stern ging unter den Nazis unter, denn er wollte es noch 1934 partout nicht lassen, weiter mit jüdischen Filmproduzenten zu arbeiten.
Hannes Schneider emigrierte 1939 in die USA, Fanck trat 1940 schließlich der NSDAP bei und durfte noch zwei Kulturfilme über die Nazibildhauer Thorak und Breker drehen.

Veranstaltungsort: Spielboden, Färbergasse 15, 6850 Dornbirn
Kartenreservierung: www.spielboden.at
Eintritt: € 7,-/4,-

Donnerstag, 28. Mai 2009, 19.30 Uhr
Film und Diskussion zur Ausstellung „Hast du meine Alpen gesehen?“
Shacharit, Mincha, Maariv. The Story of the Edelweiss
Regie: Amit Breuer, CAN/CH 2003
Einführung durch Bettina Spoerri

1886 gründete Leopold Berman in St. Moritz das koschere Hotel Edelweiss. Schon zuvor hatte er sein Hotel Bellaria in Meran zu einem der ersten Häuser am Platz gemacht, als Pionier einer damals prosperierenden jüdischen Hotelkultur. Bis heute ist das Hotel Edelweiss in Familienbesitz. Amit Breuers Dokumentarfilm vereint die Geschichte des Hotels und der Familie mit einem Kaleidoskop jüdischer Orthodoxie in den Alpen – eine sehr persönliche Hommage an den Enkel des Gründers, Leopold Bermann junior, der noch heute das Hotel führt. Das Edelweiss ist immer noch ein Zentrum des jüdisch-orthodoxen Tourismus in Graubünden, auch wenn es längst nicht mehr das einzige koschere Hotel in den Bergen ist.
Bettina Spoerri, Literaturwissenschaftlerin in Zürich, hat für die Ausstellung „Hast Du meine Alpen gesehen?“ die Geschichte der koscheren Hotels in Graubünden recherchiert und führt in die Geschichte dieser nicht ganz alltäglichen jüdischen Lebenswelt ein. Sie arbeitet als Redaktorin der Neuen Zürcher Zeitung (Film/Literatur/Theater) und als Dozentin.

Veranstaltungsort: Spielboden, Färbergasse 15, 6850 Dornbirn
Kartenreservierung: www.spielboden.at
Eintritt: € 7,-/4,-

Dienstag, 16. Juni 2009, 19.30 Uhr
Film und Diskussion zur Ausstellung „Hast du meine Alpen gesehen?“
Konfrontation
Regie: Rolf Lyssy, Schweiz 1975
Hanno Loewy im Gespräch mit dem Regisseur Rolf Lyssy

Rolf Lyssys Film erzählt die Geschichte des Attentats von David Frankfurter auf den Schweizer Landesgruppenleiter der NSDAP, Wilhelm Gustloff in Davos. Am 4. Februar 1936 erschoss der jüdische Medizinstudent David Frankfurter Wilhelm Gustloff in dessen Wohnung in Davos, um ein Fanal gegen die Judenverfolgung im Deutschen Reich und gegen die Unterwanderung der Schweiz durch Nationalsozialisten zu setzen. Es gelang tatsächlich, im Prozess gegen Frankfurter in der Schweizer Öffentlichkeit eine breite Aufmerksamkeit für die Realität des Nationalsozialismus herzustellen. Frankfurter wurde verurteilt, aber auch die Landesgruppenleitung der NSDAP-Auslandsorganisation in der Schweiz wurde verboten. Das Dokudrama, gedreht an den Originalschauplätzen der Ereignisse, endet mit einem Interview mit David Frankfurter in Israel.
Rolf Lyssy, Filmregisseur in Zürich, wurde vor allem durch seinen Film „Die Schweizermacher“ bekannt.

Veranstaltungsort: Spielboden, Färbergasse 15, 6850 Dornbirn
Kartenreservierung: www.spielboden.at
Eintritt: € 7,-/4,-

Dienstag, 23. Juni 2009, 19.30 Uhr
Film und Diskussion zur Ausstellung „Hast du meine Alpen gesehen?“
The Illegals
Regie: Meyer Levin, USA 1948
Einführung durch Hanno Loewy

1947 begleitete der amerikanische Schriftsteller und Filmautor Meyer Levin jüdische Überlebende und Flüchtlinge auf ihrem Weg über die Alpen ans Mittelmeer und auf dem Schiff nach Palästina. Die Spielhandlung des Dokudramas erzählt von der jungen Liebe zweier Überlebender, die sich nach dem Krieg in den Wirren der illegalen Flüchtlingsrouten finden, verlieren und wieder finden. Doch außer den beiden jungen Hauptdarstellern (Tereska Torres wird den Regisseur Meyer Levin bald darauf heiraten) sind alle anderen Protagonisten die Flüchtlinge und ihre Helfer selbst, unterwegs aus den Trümmern der jüdischen Gemeinden Osteuropas und den DP-Camps in Deutschland und Österreich. Im Mittelpunkt des Films steht die Alpenüberquerung in den Krimmler Tauern, wo 1947 tausende von jüdischen Überlebenden den Weg zu den Flüchtlingsschiffen am Mittelmeer suchten.

Veranstaltungsort: Spielboden, Färbergasse 15, 6850 Dornbirn
Kartenreservierung: www.spielboden.at
Eintritt: € 7,-/4,-

Freitag bis Sonntag, 3. – 5. Juli 2009
Exkursion zur Ausstellung „Hast du meine Alpen gesehen?“
Alpine Peace Crossing 2009

Das Friesenberghaus im Zillertal | Die Krimmler Tauern Das Programm beinhaltet einen Besuch der Gedenkstätte für jüdische Bergsteiger in der ehemaligen Hütte des Deutschen Alpenvereins Berlin und des Alpenvereins Donauland im Friesenberghaus – und die Teilnahme am Alpine Peace Crossing 2009 auf dem Weg der jüdischen DPs über die Krimmler Tauern ins italienische Ahrntal.
Detailinformation zur Exkursion:
Gerlinde Fritz, office@jm-hohenems.at, +43 (0)5576 73989

Sonntag, 12. Juli 2009, 14.00 Uhr
Begleitprogramm zur Ausstellung „Hast du meine Alpen gesehen?“
Vortrag von Eva Haverkamp (München)
Juden in den Alpen und über die Alpen während des Mittelalters

Ausgehend von der Siedlungsgeschichte der Juden, stehen deren Mobilität und Migration im Alpenraum und damit die sozialen, politischen, wirtschaftlichen und religiösen Verbindungslinien zwischen den Alpenlandschaften in Nord-Süd- wie auch in West- Ost-Richtung bis nach Süddeutschland und Oberitalien im Zentrum des Vortrags. Dabei werden Motive und Muster von Verfolgungen wie auch die Rechtszustände und wirtschaftlichen Betätigungen der Juden berücksichtigt. Einen besonderen Schwerpunkt des Vortrags bildet die Migration von Traditions- und Gedankengut zwischen den Gebieten nördlich und südlich der Alpen. Diese Migration wird im Transfer von Handschriften und in den wechselnden Tätigkeitsorten jüdischer Gelehrter erkennbar.
Eva Haverkamp ist Professorin für Mittelalterliche Jüdische Geschichte an der Universität München.

Öffentliche Veranstaltung im Rahmen der Europäischen Sommeruniversität für Jüdische Studien, Hohenems
Eine Kooperation der Universitäten München, Salzburg und Basel

Veranstaltungsort:
Salomon Sulzer Saal, Schweizer Str. 21, 6845 Hohenems
Kartenreservierung:
Gerlinde Fritz, office@jm-hohenems.at, +43 (0)5576 73989
Eintritt: frei

Sonntag, 12. Juli 2009, 19.30 Uhr
Begleitprogramm zur Ausstellung „Hast du meine Alpen gesehen?“
Vortrag von Gerhard Langer (Salzburg)
Der Berg in der Bibel und in der jüdischen Tradition
Mit Beispielen aus der Kinogeschichte

Berge spielen in der jüdischen Tradition eine herausragende Rolle. Schon in der Bibel werden an rund 500 Stellen Berge genannt: Ararat, Karmel, Garizim und Ebal, der Hermon, die Gebiete von Efraim, Juda und Naftali, vor allem aber der Sinai und der Zion. Am Sinai ereignet sich die für die jüdische Identitätsbildung wie für die Zivilisationsgeschichte bedeutsame Gabe der Tora, am Zion stand das eng damit verbundene Heiligtum, der Tempel, und von dort soll die Kraft der Rettung und des Rechts auf alle Völker ausstrahlen, die sich einst in Jerusalem einfinden würden, um Gott anzubeten. Besondere Aufmerksamkeit wird in dem Vortrag der Verbindung der beiden Berge zukommen, ihrer gegenseitigen religiös-kulturellen Verwiesenheit und der damit verwobenen Traditionen, deren Perspektiven von der Schöpfung bis in die Endzeit reichen. Gerhard Langer ist Professor für Bibelwissenschaften und Kirchengeschichte und leitet das interdisziplinäre Zentrum für Jüdische Kulturgeschichte an der Universität Salzburg.

Öffentliche Veranstaltung im Rahmen der Europäischen Sommeruniversität für Jüdische Studien, Hohenems
Eine Kooperation der Universitäten München, Salzburg und Basel

Veranstaltungsort:
Salomon Sulzer Saal, Schweizer Str. 21, 6845 Hohenems
Kartenreservierung:
Gerlinde Fritz, office@jm-hohenems.at, +43 (0)5576 73989
Eintritt: frei

Montag, 13. Juli 2009, 19.30 Uhr
Begleitprogramm zur Ausstellung „Hast du meine Alpen gesehen?“
Vortrag von Detlev Claussen (Hannover)
Adorno und Celan in Sils Maria: (kein) Gespräch im Gebirge
Gespräch im Gebirg. Bericht eines Lesers.
Ein Film von Mattias Caduff (Schweiz 2000)

Paul Celans „Todesfuge“ gilt gemeinhin als Widerlegung von Adornos Diktum, nach Auschwitz ein Gedicht zu schreiben, sei barbarisch. Beide Autoren haben es nicht so gesehen. Ihre Beziehung kann verstanden werden als die Geschichte einer unendlichen Annäherung. In Sils Maria, Adornos bevorzugtem Ort der Erkenntnis, seinem „topos noetikos“, sollte es endlich 1959 zu einem Gespräch zwischen den beiden kommen; aber die Begegnung fand nie statt. Diese Nicht-Begegnung wird als objektive Unmöglichkeit der Versöhnung von Kunst, Theorie und Leben nach Auschwitz interpretiert.
Detlev Claussen ist Professor für Gesellschaftstheorie, Kultur- und Wissenschaftssoziologie an der Universität Hannover.

Öffentliche Veranstaltung im Rahmen der Europäischen Sommeruniversität für Jüdische Studien, Hohenems
Eine Kooperation der Universitäten München, Salzburg und Basel

Veranstaltungsort:
Salomon Sulzer Saal, Schweizer Str. 21, 6845 Hohenems
Kartenreservierung:
Gerlinde Fritz, office@jm-hohenems.at, +43 (0)5576 73989
Eintritt: frei

Dienstag, 14. Juli 2009, 19.30 Uhr
Begleitprogramm zur Ausstellung „Hast du meine Alpen gesehen?“
Vortrag von Nicholas Mailänder (München)
Bewundert, geduldet, ausgegrenzt –
die Juden im Alpenverein zwischen 1918 und 1939

Die Leistungen jüdischer Alpinisten wie Louis Friedmann, Moritz von Kuffner, Gottfried Merzbacher und Paul Preuß wurden vor dem Ersten Weltkrieg von den Bergsteigern in Deutschland, Österreich und Italien allgemein bewundert. Nach dem Ersten Weltkrieg begann eine von Wien ausgehende antisemitische Bewegung im Alpenverein Fuß zu fassen. Immer mehr Sektionen führten den „Arierparagraphen“ ein. Gegen die vorwiegend aus jüdischen Bergsteigern bestehende Sektion Donauland begann ein Kesseltreiben, das 1924 in deren Ausschluss aus dem Deutschen und Österreichischen Alpenverein gipfelte. Bislang unveröffentlichtes Archivmaterial gewährt Einblicke in den vereinspolitischen Machtkampf im Hintergrund der „Donauland-Affäre“ und zeigt diese in einem neuen Licht, aber auch Schicksale jüdischer Bergfreunde und den Umgang des Alpenvereins mit seinen verbliebenen jüdischen Mitgliedern während des Nationalsozialismus.
Nicholas Mailänder lebt und arbeitet als freier Schriftsteller in München.

Öffentliche Veranstaltung im Rahmen der Europäischen Sommeruniversität für Jüdische Studien, Hohenems
Eine Kooperation der Universitäten München, Salzburg und Basel

Veranstaltungsort:
Salomon Sulzer Saal, Schweizer Str. 21, 6845 Hohenems
Kartenreservierung:
Gerlinde Fritz, office@jm-hohenems.at, +43 (0)5576 73989
Eintritt: frei

Mittwoch, 15. Juli 2009, 16.00 Uhr
Begleitprogramm zur Ausstellung „Hast du meine Alpen gesehen?“
Vortrag von Ursula Zeller (Zürich)
„The Jewish Alps“ in der neuen Welt – eine literarische Wanderung durch die Catskills in New York

Der überwiegende Teil der 2,4 Millionen jüdischen Einwanderer in Amerika ließ sich in den großen Städten an der Ostküste nieder, allein die Hälfte davon in New York. Doch entgegen dem Klischee der naturfernen Juden entstand nebst einer sehr urbanen Immigrantenkultur gegen Ende des 19. Jahrhunderts in den Catskill Mountains des Staats New York ein ländliches Ferienparadies, dessen kulturelle Topographie nicht weniger jüdisch geprägt war als die in den Städten. Dabei spiegelt sich in der Geschichte der “Jewish Alps”, wie die Catskills bald einmal genannt wurden, die amerikanisch-jüdische Akkulturation auf exemplarische Weise. Dieses Kapitel der amerikanisch- jüdischen Geschichte und die verschiedenen damit verbundenen jüdischen Erfahrungen fanden auch in der Literatur ihren – oftmals ironischen – Niederschlag.
Ursula Zeller arbeitet bei der James-Joyce-Stiftung in Zürich und forscht über amerikanisch-jüdische Literatur.

Öffentliche Veranstaltung im Rahmen der Europäischen Sommeruniversität für Jüdische Studien, Hohenems
Eine Kooperation der Universitäten München, Salzburg und Basel

Veranstaltungsort:
Salomon Sulzer Saal, Schweizer Str. 21, 6845 Hohenems
Kartenreservierung:
Gerlinde Fritz, office@jm-hohenems.at, +43 (0)5576 73989
Eintritt: frei

Mittwoch, 15. Juli 2009, 19.30 Uhr
Begleitprogramm zur Ausstellung „Hast du meine Alpen gesehen?“
Vortrag von Gerhard Milchram (Wien)
Identitätsstiftung in den Alpen oder universale Ethnologie? Konrad Mautner und Eugenie Goldstern

Zweimal publizierten Konrad Mautner (1880–1924) und Eugenie Goldstern (1883–1942) zur selben Zeit in einem Band der „Zeitschrift für österreichische Volkskunde“. Ob sie sich kannten und über ihre wissenschaftlichen Arbeiten austauschten, wird nicht berichtet. Ihre lebensgeschichtlichen Hintergründe und wissenschaftlichen Interessen waren sehr unterschiedlich; dennoch verband sie die Leidenschaft für die damals junge Wissenschaft der Volkskunde: Konrad Mautner als eifriger Sammler von Trachten, Trachtenabbildungen und steirischer Volksmusik, Eugenie Goldstern als Forscherin und frühe Vertreterin einer modernen europäischen Ethnographie. Konrad Mautner ging in seinem Umfeld derart auf, dass ein Porträt, das ihn in Trachtenanzug zeigt, eine Ausstellung des NS-Regimes zierte und als Sinnbild für bodenständiges deutsches Bauerntum herhalten musste. Die wissenschaftliche Arbeit von Eugenie Goldstern hingegen wurde in Österreich bereits ab der Mitte der 1920er Jahre ignoriert. Sie selbst zog sich aus der Forschung zurück, vereinsamte und wurde 1942 deportiert und ermordet.
Gerhard Milchram ist Kurator am Jüdischen Museum Wien.

Öffentliche Veranstaltung im Rahmen der Europäischen Sommeruniversität für Jüdische Studien, Hohenems
Eine Kooperation der Universitäten München, Salzburg und Basel

Veranstaltungsort:
Salomon Sulzer Saal, Schweizer Str. 21, 6845 Hohenems
Kartenreservierung:
Gerlinde Fritz, office@jm-hohenems.at, +43 (0)5576 73989
Eintritt: frei

Samstag bis Sonntag, 18. – 19. Juli 2009
Exkursion zur Ausstellung „Hast du meine Alpen gesehen?“
Montafoner Fluchtwege

Eine Wanderung auf den Spuren verfolgter Juden in die Schweiz (1938-1945), begleitet von Helga Rädler und Friedrich Juen
mit Übernachtung in Partnun
Detailinformation zur Exkursion:
Gerlinde Fritz, office@jm-hohenems.at, +43 (0)5576 73989