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Der letzte Zeuge der Unabhängigkeitserklärung: „Größter Tag meines Lebens“

Vor 61 Jahren verlas David Ben Gurion in Tel Aviv die israelische Unabhängigkeitsurkunde. 200 Zionisten waren anwesend, heute ist noch einer von ihnen am Leben: der 94-jährige Arieh Handler, der zwei Jahre zuvor aus Deutschland eingewandert war. Der 14. Mai 1948 ist für ihn „der größte Tag meines Lebens“…

Handler war damals 32 Jahre alt. Er hatte sich als Leiter eines Jugendeinwanderungsprogrammes einen Namen gemacht, durch das er Dutzende junge Juden aus Deutschland rettete. Im britischen Mandatsgebiet Palästina war er ein wichtiges Mitglied der religiös-zionistischen Arbeiterbewegung „HaPoel HaMisrachi“. Am 13. Mai 1948 brachte ihm ein Motorradkurier einen Umschlag. Darin fand er eine Einladung zur Erklärung der israelischen Unabhängigkeit. Die Einladung gehört zu seinen wertvollsten Besitztümern, schreibt die Tageszeitung „Ha´aretz“ in einem Porträt über ihn.

Die Empfänger wurden aufgefordert, Termin und Vorhaben geheim zu halten. Denn die Zionisten rechneten damit, dass die Briten das Treffen verhindern könnten, wenn sie davon erfuhren. Auch befürchteten sie, dass arabische Staaten früher oder besser als geplant angreifen könnten. Trotz dieser Maßnahme hatte sich vor der Tel Aviver Museumshalle eine Menschenmenge versammelt, als die Zionisten eintrafen.

„Keiner von uns hatte geglaubt, dass wir es tun könnten“, erinnert sich Handler an den Geburtstag des Staates Israel. „Wir wussten nicht, ob es klappen würde, aber da waren wir und erklärten die Unabhängigkeit.“ Die Sitzung habe auch deshalb historischen Charakter gehabt, weil sie pünktlich begonnen habe, scherzt der Israeli. Außerdem seien die Teilnehmer aufgefordert worden, in adretter Kleidung zu erscheinen. Beides sei sehr ungewöhnlich gewesen.

Feiern im Schatten der ägyptischen Bomben

Nachdem der Staat Israel ausgerufen war, feierten ihn seine Bürger ungeachtet der ersten arabischen Angriffe: „Ich kann mich erinnern, dass die ägyptische Armee Bomben über Tel Aviv abwarf, aber wir waren noch draußen auf den Straßen und tanzten“, sagte der Zeuge. „Wir hatten das Gefühl, dass wir feiern mussten. Ich habe bis zum Morgen getanzt.“ Direkt nach der Staatsgründung begann der Unabhängigkeitskrieg, der im Sommer 1949 mit einem Waffenstillstand endete.

Handler besuchte Anfang der 1950er Jahre als einer der ersten führenden Zionisten Äthiopien. Nach seiner Rückkehr gab er den Anstoß für die Rückführung der äthiopischen Juden nach Israel. Viele Jahre lebte er in London, nachdem ihn der zweite israelische Premierminister Mosche Scharett dorthin gesandt hatte. Dieser wollte die Migdal-Gruppe aufbauen – die Versicherungsgesellschaft, die zur „Bank Le´umi“ gehörte.

Im Alter von 90 Jahren kehrte Handler mit seiner mittlerweile verstorbenen Ehefrau Henny endgültig nach Israel zurück. Er lebt in Jerusalem und empfängt häufig Besucher. Darunter sind viele Mitglieder seiner großen Familie, aber auch Gruppen von Jugendlichen, die von seinen Erfahrungen hören wollen.

inn, 29.04.2009