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Wenn Oettinger singt: Dem Feinde entgegen, im Panzer geschützt

Einen schönen, geselligen Abend soll das Büchlein „Lied.Gut.“ der CDU Baden-Württemberg mit „Volksliedern und Schlagern für fröhliche Stunden“ bieten. Herausgegeben wurde es von Günther Oettinger, Landeschef der CDU Baden-Württemberg, und seinem Generalsekretär Thomas Strobl. Da geht es erst einmal zügig voran, im Panzergeschütz, und danach gibt es griechischen Wein. Vielleicht ein Schnäppchen aus dem vernichteten Dorf Distomo, wo man bekanntlich nichts bezahlen muss…

David Gall

Wetten, dass der Ministerpräsident Dr. jur. Oettinger noch nie von Distomo gehört hat? Genausowenig wie von den Hinrichtungen auf Geheiß seines so hoch verehrten Vorgängers Filbinger, den er sogar zum Widerständler erklärt hat. Fragt sich nur wogegen. Gegen Dummheit und NS-Unrecht sicherlich nicht. Immerhin verteidigte Prof. Dr. jur. Dres. h.c. Hans Filbinger die Gesetze des NS-Regimes und damit auch die von ihm verhängten Todesurteile mit dem grausigen Satz: „Was damals Recht war, kann heute nicht Unrecht sein!

Nach Widerstand hört sich das jedenfalls nicht an, nicht einmal nach einer Distanzierung im Nachhinein. Und so ganz begriffen hat das sein treuer Gefolgsmann Oettinger bis heute nicht. Wie auch? Im national-konservativen Studienzentrum Weikersheim stand sowas kaum auf dem Lehrplan und bei seinen Verbindungskameraden in der Ulmia hat das Manko auch keiner bemerkt. Im Gegenteil, dort schätzt man den MP, weil er auch die erste Strophe des Deutschlandlieds mit stolz geschwellter Brust schmettern kann: „Deutschland! Deutschland! Über alles! Über alles in der Welt!“.

Und jetzt? Zuerst dachte der SPD-Abgeordnete Stefan Braun angeblich an einen Aprilscherz, als er das Büchlein durchblätterte und auf die aus den ersten Jahren der NS-Zeit (1933 – 1935) stammenden Zeilen stieß.

„Mit donnerndem Motor, so schnell wie der Blitz,
dem Feinde entgegen, im Panzergeschütz.
Voraus die Kameraden, im Kampf sind wir allein‘,
so stoßen wir tief in die feindlichen Reih’n.“

Dabei ist der Rechtsextremismus-Experte der Südwest-SPD schon allerhand gewohnt. Die Version, dass man bei der CDU von allem nichts wusste, keiner das Lied kannte und man überhaupt doch bekanntermaßen eher ahnungslos ist, was die deutsche Geschichte betrifft („Wir können alles – außer Geschichte„), bekommt allerdings einen kleinen Sprung, als CDU-Generalsekretär Strobl die Anregung Stefan Brauns, das Buch doch einfach zurückzuziehen, mit einem empörten Verweis auf die NS-Bücherverbrennungen ablehnt.
Irgendwas scheint er doch gehört zu haben, je nach dem, wie’s grad kommt, und wie man’s grad brauchen kann.
Reine Dummheit scheint es jedenfalls doch nicht zu sein. Wäre es gemein, Absicht zu unterstellen?

Auf alle Fälle scheint kaum ein deutsches Sprichwort so trügerisch, wie das von den bösen Menschen, die keine Lieder singen.

„Wo man singt, da lass dich nieder.
Böse Menschen singen keine Lieder.“

Dummheit oder Absicht – das ist hier die Frage