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Früherer Ku-Klux-Boss in Prag verhaftet

Der frühere „Grand Wizard“ des rassistischen Ku-Klux-Klan David Duke ist am heutigen Freitag in der tschechischen Hauptstadt Prag verhaftet worden. Duke wollte auf Einladung tschechischer Neonazis sein Buch „Mein Erwachen“ vorstellen. Er wird laut Polizeiangaben verdächtigt, eine Bewegung zu unterstützen, „die Grund- und Menschenrechte unterdrücken will“. Ihm drohen bis zu drei Jahre Haft…

redok v. 24.04.2009

Das Duke-Buch „My Awakening“ (Mein Erwachen) ist vor kurzem in einer tschechischen Übersetzung im Verlag „Kontingent Press“ erschienen, der im vergangenen Jahr bereits die rassistische Fiktion „The Turner Diaries“ als Übersetzung herausgebracht hatte. Der vom verstorbenen Chef der US-„National Alliance“ William Pierce geschriebene Roman fantasiert vom Sturz der US-Regierung, einem Atomkrieg sowie der Ausrottung aller Juden und nicht-weißer Menschen, wobei schließlich eine weltweit rein weiße Restbevölkerung von fünfzig Millionen zurückbleibt. Der tschechische Verlag hatte ein neonazistisches Motiv für die Veröffentlichung zurückgewiesen.

Mit drei Lesungen in Prag und Brno (Brünn) wollte Duke jetzt für die neu veröffentlichte tschechische Übersetzung seines Buches werben. Die Autoren-Reise an die Moldau wurde von Filip Vávra organisiert, einem führenden Aktivisten der Neonazi-Gruppe „Národní Odpor“ (Nationaler Widerstand). Zunächst war sogar eine Lesung an der Prager Karls-Universität geplant, an der Vavra als Student eingeschrieben ist. Die Lesung an der Sozialwissenschaftlichen Fakultät mit dem geplanten Thema „Einflüsse der Einwanderung auf die USA“ wurde jedoch von der Universität unterbunden.

Die geplanten Lesungen waren bereits von Innenminister Ivan Langer und vom Minister für Menschenrechte und Minderheiten Michael Kocab verurteilt worden. Polizeibehörden hatten das Buch im Vorlauf des Duke-Besuches auf gesetzeswidrige Inhalte geprüft. Am heutigen Freitag nachmittag wurde Duke in einem Restaurant in der Prager Altstadt in Gewahrsam genommen, dessen Eingang von Neonazis bewacht worden war. Laut der Juristin Klara Kalibova sind in dem Buch Passagen enthalten, die als Leugnung des Holocaust interpretiert werden könnten. Nach tschechischen Gesetzen kann die Leugnung des Holocaust mit bis zu drei Jahren Gefängnis bestraft werden.

David Duke (Jahrgang 1950) war in Amerika zunächst vor allem als sogenannter „Grand Wizard“ der „Knights of the Ku Klux Klan“ (Ritter des Ku-Klux-Klan) bekannt geworden. Im Bundesstaat Louisiana hatte Duke sich später in den Reihen der Demokratischen Partei vergeblich um ein politisches Amt bemüht und war nach dem Wechsel zur Republikanischen Partei 1989 zum Abgeordneten im Repräsentantenhaus von Louisiana gewählt worden. 1990 trat er zur Wahl für den Sitz im US-Senat an und erhielt 44 Prozent der Stimmen.

In seiner Autobiographie „Mein Erwachen“ und einem späteren Buch „Jüdisches Vorherrschaftsstreben“ (Jewish Supremacism) machte er keinen Hehl aus seinen rassistischen und antisemitischen Überzeugungen. Er unterstützte den Holocaustleugner Ernst Zündel und trat auch selbst mit der Leugnung des Holocaust in Erscheinung. David Duke gehörte zu den prominentesten Teilnehmern der sogenannten „Holocaust-Konferenz“ in der iranischen Hauptstadt Teheran im Dezember 2006. Mehrfach trat er in den letzten Jahren in Europa auf wie etwa in den Jahren 2006 und 2007 bei Konferenzen zur „Zukunft der Weißen Welt“ in Moskau oder im belgischen Flandern.

Seit Jahren ist Duke eine Schlüsselfigur bei der internationalen Vernetzung von Neonazis und Antisemiten. Unter seiner Schirmherrschaft wurde in den USA das „Altermedia“-Internet-Netzwerk aufgebaut, das in Ausgaben für zwei Dutzend verschiedene Länder erscheint. Das in Deutschland früher als „Störtebeker“ bekannte Neonazi-Portal firmiert seit geraumer Zeit als deutsche „Altermedia“-Ausgabe. Wegen Steuerhinterziehung und Betrug wurde Duke im Dezember 2002 zu 15 Monaten Haft verurteilt, die er in einem Gefängnis in Texas absaß.

© redok