Zahl der Christen im Heiligen Land

Die genaue Zahl der Christen im Heiligen Land läßt sich weder in Israel noch in den palästinensischen Autonomiegebieten genau ermitteln…

Von Ulrich W. Sahm, Jerusalem, 9. April 2009

In seinem neuesten Bulletin zählt das Statistische Amt Israels eine Gesamtbevölkerung von 7,39 Millionen. Rund 300.000 werden unter der Rubrik „Nicht durch Religion klassifiziert und nicht-arabische Christen“ geführt. Es handelt sich dabei um nichtjüdische Angehörige russischer Einwanderer. Gar nicht erfasst werden über 100.000 legale und illegale Gastarbeiter, die mehrheitlich christlich sind.

Unter den rund 1,5 Millionen Arabern Israels gibt es 154.000 meist griechisch-orthodoxe und katholische Christen. Sie machen etwa 2,1 Prozent der Bevölkerung Israels aus.

Die meisten arabischen Christen leben im Norden des Landes, in Galiläa und in der Hafenstadt Haifa. Nur etwa 10 Prozent wohnen in Jerusalem. Nazareth ist mit etwa 20.000 Christen trotz einer muslimischen Mehrheit die größte „christliche“ Stadt, gefolgt von Haifa (14.000), Jerusalem (12,600) und dem weniger bekannten Schfaram in Galiläa mit 8.900 Christen.

Die Alterspyramide bei den israelisch-arabischen Christen gleicht der jüdischen, mit 33 Prozent Jugendlichen unter 19, während die gleiche Altersgruppe bei den Moslems mehr als die Hälfte ausmacht.

Christlich-arabische Männer heiraten zum ersten Mal im Alter von 28,9 Jahren, ein Jahr später als die Juden und drei Jahre später als die Moslems. Das Durchschnittsalter der Braut liegt bei ihrer ersten Heirat bei 23,7 Jahren. Sie ist im Schnitt ein halbes Jahr jünger als die jüdische Braut, jedoch ganze drei Jahre älter als die Muslima.

Im Jahr 2007 brachten arabische christliche Frauen 2032 Kinder auf die Welt. Seit den sechziger Jahren des vorigen Jahrhunderts sank die Geburtenrate bei arabisch-christlichen Frauen von 4,6 Kinder auf nur noch 2,1 Kinder, während jüdische Frauen in Israel durchschnittlich 2,8 Kinder haben und muslimische 3,9.

Vier Prozent der in Israel geborenen christlichen Kinder haben eine nicht-arabische Mutter, überwiegend Russinnen, aber auch Äthiopierinnen, Rumäninnen und Philippinos.

Gemäß einer Erhebung des Statistischen Amtes gab es 2007 in Israel 59.000 Haushalte mit einem Christen an der Spitze. Das entspricht 3 Prozent aller Haushalte im jüdischen Staat. Während in einem arabisch christlichen Haushalt 3,4 Menschen leben, zählt der Durchschnittshaushalt einer muslimischen Familie in Israel über 5 Personen.

Gewaltige Unterschiede wurden bei Haushalten ermittelt, in denen eine Person alleine lebt oder mit Anderen, jedoch ohne familiäre Beziehungen. In etwa 14 Prozent der christlichen Haushalte leben Alleinstehende ohne Familienanhang, 22 Prozent im jüdischen Sektor aber nur 4 Prozent unter den Moslems.

Je nach politischem Standpunkt wird hervorgehoben, dass der Anteil der Christen in Israel seit 1948 ständig abnimmt und heute nur noch etwa zwei Prozent ausmacht. Andere heben hervor, dass Israel der einzige Staat im Nahen und Mittleren Osten zwischen Marokko und Irak ist, wo die Zahl der Christen ständig zunimmt. Das ist kein Widerspruch. Die hier gemachten statistischen Angaben zeigen, dass sich die natürliche Vermehrung der Christen dem westlichen und jüdisch-israelischen Standard angleicht. Die Christen sind meist gut gebildet und wirtschaftlich besser situiert als die Moslems. Innerhalb der arabischen Minderheit Israels, die inzwischen ein Fünftel aller Einwohner ausmacht, vermehren sich die Moslems überdurchschnittlich schnell, während sich die jüdische Bevölkerung seit der Gründung des Staates 1948 dank einer massiven Einwanderung vor allem aus den arabischen Staaten und aus Russland verzehnfacht hat. Deshalb sank der Anteil der Christen an der Gesamtbevölkerung Israels, während ihre Gesamtzahl anstieg.

Die Zahl der Christen in den palästinensisch-autonomen Gebieten wird auf mehrere Tausend geschätzt. Es existieren keinerlei zuverlässige Zahlen. Unbekannt ist zudem, wie viele von Ihnen aus wirtschaftlichen Gründen oder wegen der Sicherheitslage ausgewandert sind. Ein Versuch, nur mal die Zahl der Christen in Bethlehem zu ermitteln ergab unter Hinzuziehung von über 20 „zuverlässigen“ Quellen ein völlig absurdes Ergebnis. Je nach Quelle wurden ein paar hundert Christen in der Geburtsstadt Jesu gezählt und bis zu 150.000, obgleich die Kleinstadt insgesamt angeblich nur 34.000 Einwohner hat.

© Ulrich W. Sahm / haGalil.com