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Antisemitismus: Was hat sich in Europa verändert?

Wer von uns beklagt sich nicht hin und wieder über die Lage in unserem Land? Der israelische Jude wünscht sich immer heimlich, ein wenig im Ausland leben zu können. Ich habe leider einen Trost für die Jammerer: Die Teilnahme an einem Antisemitismus-Seminar im europäischen Parlament ließ mich zu dem Schluss gelangen, dass die Lage der Juden Europas nicht mehr dieselbe ist wie früher…

In Israel Hayom berichtet Boas Bismut von einem Antisemitismus-Seminar in Europa

In Jedioth achronoth fasste Itamar Eichner eine internationale Studie des israelischen Außenministeriums, damals noch unter Zipi Livni, zusammen. Man war der Frage nachgegangen, was man auf der Welt wirklich über Israel und die Israelis denkt. „Am beliebtesten sind wir in Indien“ berichtet Eichner. Nach den Indern mag man Israelis in Amerika und Russland am liebsten. Weiters fand die Studie: Jeder Dritte Weltbürger glaubt, dass Israel aggressiv ist, und jeder Vierte meint, dass Israelis arrogant sind. Weniger als ein Drittel unterstützen Israels politische Position.

Zusammenfassung: Im Ländervergleich der „Unterstützung und Sympathie für Israel“ steht Indien mit 58% an 1. Stelle, die USA folgen mit 56%, Italien steht mit 48% an 6. Stelle der abgedruckten Liste, und Deutschland befindet sich mit 35% an 9. Stelle, zwischen Polen (36%) und Großbritannien (34%). Die Spanier bilden mit nur 23% das Schlusslicht.

Das Treffen in Brüssel, von dem Boas Bismut berichtete, war vom Jüdischen Kongress organisiert worden. Es lieferte den Juden eine Plattform, die sie vor allem dazu nützten, eine Warnung auszusprechen: Der ungelöste Nahost-Konflikt, kombiniert mit der weltweiten Wirtschaftskrise, prophezeit uns nichts Gutes.

Im ersten Quartal dieses Jahres waren mehr antisemitische Vorfälle zu verzeichnen als im ganzen Jahr 2008. Der Zusammenhang zwischen den Ereignissen in der Region und Vorfällen gegen Juden in Deutschland, Frankreich oder Großbritannien wird immer klarer. Die Aktion „Gegossenes Blei“ hatte z.B. direkte Auswirkungen auf das Leben in der Pariser Peripherie. Ein Wissenschaftler berichtete bei dem Seminar über einen steilen Anstieg antisemitischer Vorfälle in Westeuropa als Folge der Aktion in Gaza.

Die Juden sind besorgt und ängstlich, denn aus ihrer Sicht wird die Lage nur noch schlimmer. Die Durban Konferenz Nummer 2, bei der sich die Welt wieder einmal in ihrer ganzen Scheinheiligkeit präsentieren wird, rückt immer näher. Der Jude hat den alten Antisemitismus überlebt, den des Christentums und den des Islams.
Der neue Antisemitismus der Rechten, und der anti-kapitalistische der Linken, versteckt sich heute hinter Anti-Zionismus.

Im Mai 2003 fand in New York eine Antisemitismus-Konferenz unter dem Titel „Alte Geister, neue Beratungen“ statt. Jetzt, nach sechs Jahren, sollte man sich fragen, was sich geändert hat. Nicht viel. Die Aktion in Gaza lieferte den Kindern der nordafrikanischen Einwanderer in Europa, die nicht immer ihren Platz in der Gesellschaft finden, einen Grund, sich plötzlich effektiv und zugehörig zu fühlen. Der Anti-Zionismus machte antisemitische Aktivitäten moralisch.
Die Welt verändert sich, aber eines bleibt gleich. Der Jude kann stolz darauf sein, dass der Hass gegen ihn stets konsequent bleibt. „Wenn es den Juden nicht geben würde, würde der Antisemit ihn erfinden“, sagte Sartre.

Aber auch wenn hier vor allem vom Antisemitismus der Einwanderer die Rede ist, sollten wir nicht glauben, dass der alte Antisemitismus Europas, der des letzten Jahrhunderts, verschwunden ist. Eine belgische Journalistin sagte bei dem Seminar, dank des israelisch-palästinensischen Konflikts habe Europa einen Weg gefunden, sich von den Ereignissen der Vergangenheit zu säubern, da die Juden, nachdem sie einen Staat erhalten haben, ihr „unfreundliches Gesicht“ zeigen.

Aus Sicht der Juden Europas ist ihre Unterstützung Israels zwar klar, wenn auch problematisch.
Zwar beendete Israel das 20. Jahrhundert mit den Oslo-Verträgen, die Frieden bringen sollten, eröffnete das 21. Jahrhundert jedoch mit drei Konflikten: der zweiten Intifada, dem 2. Libanonkrieg und der Aktion in Gaza. Die Verbindung zwischen Israel und den Juden der Diaspora macht aus uns allen eine einheitliche Front. Die Karikatur in der NY Times, die einen israelischen Soldaten zeigt, der mit einem Davidstern eine Frau bedroht, die Gaza repräsentiert, zeigt genau, wie die Situation aussieht. Wie sagte einmal Golda Meir: „Für einen Juden ist selbst der Pessimismus Luxus.“ Wir sollten trotz allem unseren Optimismus bewahren.